Engel des Vergessens

Roman. Ausgezeichnet mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2011, dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2011 und dem Rauriser Literaturpreis 2012

von Maja Haderlap

Buch

gebunden (287 Seiten)

6. Auflage

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben »nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln«. Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott.Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen - und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit.Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben... Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines. (Peter Handke)

Produktdetails

ISBN-10: 3-8353-0953-6
EAN: 9783835309531
Erschienen: Juli 2011
Verlag: Wallstein
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 6. Auflage
Seitenzahl: 287
Länge/Breite: 205mm/128mm
Gewicht: 410 g
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Maja Haderlap

Maja Haderlap, geb. 1961 in Eisenkappel/Zelena Kapla (Österreich), studierte Theaterwissenschaft und Germanistik an der Universität Wien. Sie war Redakteurin und Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift "Mladje", arbeitete am Institut für vergleichende Literaturwissenschaft in Klagenfurt sowie als Chefdramaturgin am dortigen Theater. Sie veröffentlicht auf Slowenisch und Deutsch Gedichte und Hörspiele sowie Übersetzungen aus dem Slowenischen. "Engel des Vergessens" ist ihr Romandebüt. Mit einem Ausschnitt aus diesem Roman setzte sich die Kärtnerin Maja Haderlag im Bachmann-Wettbewerb 2011 durch.

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Kundenrezensionen

  • Vergessen ist nicht so leicht möglich… Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Romana Langer, am 09.03.2013

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    …und soll auch nicht passieren, das wird in und mit diesem Buch deutlich! Selten wird so ehrlich über den Umgang mit Geschehnissen und Erlebnissen dunkler und trauriger Zeiten der Geschichte geschrieben, wie hier. Man könnte meinen, Frau Haderlap erzählt eigene Erfahrungen ihrer Kindheit, so plastisch ist dieser Roman geschrieben. Denn die Hauptfigur, ein kleines Mädchen, bekommt durch Erzählungen der Großmutter und den Handlungen des Vaters zu spüren, was die slowenischsprachige Bevölkerung Kärntens im Dritten Reich erlebt hat. Kärntner Geschichte von einer selten gehörten Seite.

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  • Eine richtige Entscheidung Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Marie-Therese Reisenauer, am 10.01.2012

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    Die Entscheidung der Jury, den Bachmann-Preis 2011 an Maja Haderlap zu vergeben war eine richtige, bis zu einem gewissen Sinn auch eine mutige. Denn noch immer ist es nicht einfach über die jüngere Geschichte Kärntens zu berichten, einen Roman zu schreiben. Dieser Roman ist all jenen einfachen Menschen gewidmet, welche sich mit dem komplizierten Leben schwer tun.

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  • Zeitdokument österreichischerr Geschichte Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Ulrike Krenmair, am 01.09.2011

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    In Kärnten an der slowenischen Grenze lebt ein kleines Mächen bei ihrer Grossmutter.
    Der Krieg ist vorbei, aber noch allgegenwärtig ist Verfolgung, Konzentrationslager und der Tod vieler im Dorf.Das Mädchen wächst unter schwierigen Familienverhältnissen und mit den Erzählungen der Grossmutter auf. Sie studiert und löst sich aus der Enge des Dorfes. Eine klare beeindruckende Geschichte.

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  • Eine Geschichte der Opfer Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Thomas Fritzenwallner, am 20.07.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Das Mädchen Kokica, Hühnchen, wächst an der Grenze zum jugoslawischen Slowenien auf. Beiläufig erwähnt die Großmutter, sie sei im Lager gewesen, und wenn sie mit den Nachbarn, allesamt österreichische Slowenen, verreist, dann werden entweder Marienwallfahrtsorte oder Konzentrationslager besucht.
    Doch die Erzählerin ist jung, ihr ist Dachau nur ein "klingender Name". Dann stirbt das Kind beinahe beim Schwimmen, die Großmutter erzählt ihr von der Haft im KZ Ravensbrück, und der Vater droht, überfallen von Erinnerungen an seine Partisanenzeit, die Familie und sich umzubringen.
    Der Tod hält Einzug in die Idylle, und Kokica wird die geliebte Umgebung, besonders der Wald fremd. In ihn waren die Slowenischstämmigen geflüchtet, wenn die Nazi-Schergen und ihre Helfershelfer, die österreichischen Polizisten, auf der Suche nach Titos Partisanen ganze Familien folterten, verhafteten oder gleich ermordeten. Immer grausigere Geschichten hört das Kind, dessen Vater als Zwölfjähriger drei Scheinexekutionen durchstand und seinen bei den Partisanen kämpfenden Vater dennoch nicht verriet.
    In einem "historischen Schlund" des Vergessens scheinen all diese Geschichten untergegangen zu sein. Um ihn kreist die junge Frau. Während der jugoslawischen Kriege will sie nicht mehr durchs Gedichte schreiben zu seelischer Gesundheit gelangen, sondern indem sie die in Stücke zerfallenen Geschichten miteinander und mit den eigenen Schreckensbildern verbindet.

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