BuchhändlerInnen im Portrait

aus Bergisch Gladbach

Gesamte Rezensionen
82 (ansehen)
Zu meiner Buchhandlung Zu den Top 100: BuchhändlerInnen

Meine Rezensionen

  • Las Casas vor Karl V
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Das Gewissen des Abendlandes
    Rezension vom 08.09.2010
    Das Wissen um die Gräueltaten der spanischen Konquistadoren Anfang des 16 Jh. In Mittelamerika lässt den Dominikanermönch Las Casas nicht mehr zur Ruhe kommen. Der Bericht eines Ritters über die Raubzüge und Unmenschlichkeiten der Spanier In Hispaniola treibt ihn dazu, die brutale Versklavung der Indios vor dem Kaiser anzuprangern. Er hat Erfolg damit und kehrt wieder als Bischof in die Kolonien zurück, um weiter für die Rechte der Indianersklaven einzutreten. (Die neuen Schutzgesetze ließen sich allerdings kaum durchsetzen und führten dazu, dass mehr schwarze afrikanische Sklaven ins Land kamen.)
    Das Werk Reinhold Schneiders (1903- 1958) ist geprägt von seiner christlich- humanistischen Einstellung. Wie in "Las Casas vor Karl V." wählt er für seine Erzählungen meist historische Stoffe. Seine sehr klare und bildhafte Sprache ist bemerkenswert.
  • Herz der Finsternis
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Reise in die Nacht
    Rezension vom 23.06.2010
    In seinem Roman verwertet Joseph Conrad (1857- 1924)eigene Erlebnisse einer Reise durch den Kongo 1890: Kapitän Marlow unternimmt im Auftrag einer Handelsgesellschaft eine Fahrt in die belgische Kolonie, um Elfenbein zu kaufen. Die "Reise in die Finsternis" wird zu einem Albtraum. Angewidert von den Praktiken des Elfenbeinhändlers Kurtz, tief im Dschungel des Kongo, der völlig skrupellos die Einheimischen unterdrückt und ausbeutet, erkennt er in ihm dennoch seine Alter Ego. Die Begegnung mit dem Bösen entwickelt sich für Marlow zur Reise in die Abgründe seines eigenen Ichs. Aus dieser Situation heraus erzeugt der Roman eine ungeheure Spannung. Ziele und Methoden der imperialen Mächte, Ausbeutung ihrer Kolonien und Terrorisierung der Ureinwohner, zeigen den europäischen Imperialismus auf seinem Höhepunkt. J. Conrad, der als Kapitän selbst die Welt bereist hat, weiß, wovon er spricht. Seine spannenden Abenteuerromane spielen meist auf dem Meer, in Südamerika oder Asien, schildern eindringlich das Verhältnis des Menschen zur Natur und sein Verhalten in extremen Situationen.
  • Sämtliche Dichtungen
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Ein Sommer in der Hölle
    Rezension vom 21.06.2010
    Ein Phänomen der moderneren französischen Literatur ist das schmale Werk Arthur Rimbauds (1854- 1891). Als "Alchemist der Sprache" begann er mit 15 Jahren zu schreiben, Lyrik, Prosa, freie Rhythmen - vier Jahre später entschied er sich für ein ganz anderes Leben, zog mit einem Zirkus durch Europa, war Aufseher und Waffenhändler, starb schon 1891 in Marseille. Als "Umwertung aller Werte" kann man den Inhalt seines Werks bezeichnen, die Gedichte und poetische Prosa zeigen eine Ekstase der Sinne, wie im Rausch beschreibt er seinen Seelenzustand lässt kein Motiv aus, lehnt sich auf gegen alle bestehenden Werte; die gewaltige Bildersprache seiner Verse beeindrucken nachhaltig! Beeinflusst hat er nicht nur das Werk des Dichters Paul Verlaine, mit dem er einige Zeit zusammenlebte, sondern viele französische Lyriker nach ihm, oder auch deutsche Expressionisten, wie Heym oder Trakl.
  • Aus meinem Leben
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Casanova
    Rezension vom 21.06.2010
    Die letzten Jahre eines abenteuerlichen Lebens verbrachte Casanova (1725- 1798) als Bibliothekar in Böhmen, wo er seine Lebenserinnerungen schrieb. Der studierte Jurist und Theologe, Sohn eines venezianischen Schauspielers, führte ein unstetes Leben, was ihn kreuz und quer durch ganz Europa trieb, u.a. an die Höfe der Zarin Katharina und Friedrichs des Großen. Die Memoiren wurden vor allem geschätzt wegen der Schilderungen erotischer Abenteuer, Intrigen, Liebesaffären und Eskapaden und erreichten deswegen einen großen Leserkreis. "Sex sells" galt natürlich auch schon damals! Dabei sind die (lange skandalumwitterten) Erinnerungen des Glücksritters in einer lebendigen, großartigen Sprache verfasst, was ihnen einen hohen literarischen Wert verleiht. Die Fähigkeit des Autors, Menschen treffsicher zu porträtieren, ist wirklich erstaunlich, wobei der erotische Charakter der Erinnerungen immer im Vordergrund steht. Casanovas Memoiren kann man als wichtiges Dokument der europäischen Kulturgeschichte des 18 Jh. bezeichnen.
  • Voltaire - Friedrich der Große
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Friedrich schreibt Voltaire
    Rezension vom 07.06.2010
    Diese einzigartige Briefsammlung zeigt uns den jahrzehntelangen Gedankenaustausch zwischen dem "Philosophen aus Neigung" und dem ungekrönten König der "Republik des Geistes". Als Friedrich der Große und Voltaire sich 1753 im Streit trennten, lief die Korrespondenz dennoch weiter, insgesamt über 42 Jahre. Mehrere Male war Voltaire am Hof des Königs zu Gast gewesen, persönliche Zuneigung entstand dabei nicht, wohl aber Bewunderung füreinander. So schrieb Friedrich nach dem Zerwürfnis 1753 über den Philosophen: "Voltaire ist der boshafteste Irre, den ich je getroffen habe". Trotzdem: der Austausch von Briefen ging weiter. Vor der ersten Begegnung war der Kronprinz fasziniert gewesen vom Genie des Philosophen, schrieb voller Verehrung für seinen berühmten Briefpartner. Die Themen des Briefwechsels sind auch die Themen der Aufklärung: Politik, Naturwissenschaft, Religion, Literatur.....Der Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung nimmt, zumindest anfangs, schon etwas überhand. Der Briefwechsel ist nicht nur ein "Lehrstück" über die Kunst, Briefe zu schreiben und (was Voltaire betrifft:) die Macht des Wortes für sich zu nutzen, sondern er ist auch unterhaltsam und teilweise amüsant. Wer sich für die Geschichte Preußens interessiert, kommt an der Lektüre sowieso nicht vorbei!
  • Stürenburg-Geschichten
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Wilde Geschichten
    Rezension vom 31.05.2010
    Wer Arno Schmidts Werk kennen lernen will, aber schwer einen Zugang findet, dem seien für den Anfang die Stürenburg- Geschichten empfohlen! Der Humor in der Rahmenerzählung scheint heute etwas antiquiert, wir spüren einen Hauch der 50er, aber die Pointen der kurzen Anekdoten, zum Besten gegeben im Freundeskreis des Vermessungsrats Stürenburg, schaurig- schönen, gruseligen Begebenheiten, sitzen! Arno Schmidt hatte sich schnell in die Rolle des großen Außenseiters der deutschen Nachkriegsliteratur zurückgezogen, im Gegensatz zu seinen Schriftstellerkollegen experimentiert, spielt er wie besessen mit der Sprache, fordert häufig einen hohen intellektuellen Anspruch vom Leser, Freud und Joyce lassen grüßen! Dabei schockiert uns der eigensinnige Autor immer wieder mit witzigen Wortspielereien, Kalauern, Zoten und führt uns vor, was man mit Sprache so alles anfangen kann! Ich verspreche hier und jetzt: wer sich einmal auf Arno Schmidt eingelassen hat, schließt eine Freundschaft fürs Leben!
  • Personae
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Zorniger Amerikaner
    Rezension vom 25.05.2010
    Ein erklärtes Ziel der Gedichtsammlung Pounds: das Blickfeld der Lyrik seiner Zeit zu erweitern, Inhalte zu verfeinern. Dazu ließ er sich vor allem anregen durch Stoffe der klassischen Dichtung, setze beim Schreiben die "Masken" verschiedener Betrachter auf. Ezra Pound (1885- 1972) lebte seit 1909 zunächst in London, dann in anderen europäischen Städten, vorzugsweise in Italien. Als Verfechter der Idee eines konsequenten Antikapitalismus propagierte er während des 2. Weltkrieges gegen die Amerikaner, weshalb ihm später der Prozess wegen Landesverrats gemacht werden sollte. Dem entging er durch den Aufenthalt in einer Nervenklinik. Pound, "Ahnherr" der modernen Lyrik, hatte in seinem vielschichtigen Werk, das unendlich viele Motive und Anspielungen aus der Weltgeschichte und -literatur aufweist, eine global umfassende Geistesgeschichte der Menschheit schaffen wollen. Er verfügte über eine Vielzahl poetischer Techniken, beherrschte mehrere Sprachen, war umfassend gebildet, was wir besonders in seinem bedeutendsten Kunstwerk, den "Cantos" bewundern können. Die Gedichte der schön gestalteten Ausgabe bei Arche sind von Eva Hesse übersetzt.