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Taschenbuch (78 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Das Lippetal zwischen Hamm und Heessen in alten Karten.
Zum historisch-topographischen Umfeld von Schloss Heessen als Hintergrund seiner Baugeschichte
Bislang noch wenig untersucht als Quellen zur Heessener Geschichte sind historische Landkarten, die uns heute aus fünf vergangenen Jahrhunderten zur Verfügung stehen und aus deren Vergleich sich ein Bild fortwährenden Wandels ergibt.
Zunächst ist uns die Sichtweise der Menschen ungewohnt, die die frühesten Karten gezeichnet und benutzt haben, dann irritiert die geographische Ausrichtung manchmal denjenigen, der es gewohnt ist, den Norden oben auf dem Blatt zu vermuten. Schließlich erschwert die unterschiedliche Zweckausrichtung von Grenz- und Militärkarten, Katasterplan und Bauzeichnung den Vergleich. Zuletzt ist es verwirrend, gelegentlich einen unbekannten Flussverlauf vorzufinden, einen Seitenarm oder eine Insel auftauchen und auf dem nächsten Blatt wieder verschwinden zu sehen.
Damit die alten Karten, die ihre gemeinsame grundlegende Funktion in der Orientierung auf dem Gelände hatten, diese Rolle für uns noch spielen können, müssen einige Entschlüsselungsschwierigkeiten aus dem Weg geräumt, Fehler korrigiert und unterstützende Informationsquellen herangezogen werden. Dann wird sich ein genetischer Schnitt durch die sich verändernden topographischen, politischen und baulichen Situationen ergeben, und es wird stellenweise die Problematik einer territorialen Randlage sichtbar, die die Geschichte von Haus Heessen in der Lippeniederung über die Jahrhundert bestimmt hat .
| ISBN-10: | 3-86991-508-0 |
|---|---|
| EAN: | 9783869915081 |
| Erschienen: | 16.02.2012 |
| Verlag: | Monsenstein und Vannerdat |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 78 |
| Gewicht: | 150 g |
Das Lippetal zwischen Heessen und Hamm in alten Karten
Zum historisch-topographischen Umfeld von Schloss Heessen als Hintergrund seiner Baugeschichte
Zum Gebiet und zur Entwicklung der Gemeinde Heessen liegt eine für Orte dieser Größenordnung ungewöhnliche Fülle von Darstellungen vor, aus denen das Werk Emil Steinkühlers in seiner Tiefe und Umfassenheit herausragt.
Bislang noch wenig untersucht als Quellen zur Heessener Geschichte sind historische Landkarten, die uns heute aus fünf vergangenen Jahrhunderten zur Verfügung stehen und aus deren Vergleich sich ein Bild fortwährenden Wandels ergibt.
Es sind nicht erst Veränderungen in der Landschaft und der in ihr liegenden Bauwerke früherer Zeiten, die uns die ersten wie die letzten Zeichnungen fremd erscheinen lassen. Vorher ist uns schon die Sichtweise der Menschen ungewohnt, die diese frühesten Karten gezeichnet und benutzt haben, dann irritiert die geographische Ausrichtung manchmal denjenigen, der es gewohnt ist, den Norden oben auf dem Blatt zu suchen. Und schließlich erschwert die unterschiedliche Zweckausrichtung von Grenz- und von Militärkarten, von Katasterplan und Bauzeichnung den Vergleich ihrer Inhalte. Zuletzt ist es verwirrend, gelegentlich einen unbekannten Flussverlauf vorzufinden, einen Seitenarm oder eine Insel auftauchen und auf dem nächsten Blatt wieder verschwinden zu sehen.
Damit die alten Karten, die ihre gemeinsame grundlegende Funktion in der Orientierung auf dem Gelände hatten, diese Rolle für uns noch spielen können, müssen einige Entschlüsselungsschwierigkeiten aus dem Weg geräumt, Fehler korrigiert und unterstützende Informationsquellen herangezogen werden. Dann wird sich ein genetischer Schnitt durch die sich verändernden topographischen, politischen und baulichen Situationen ergeben, und es wird stellenweise die Problematik seiner territorialen Randlage sichtbar, die die Geschichte von Haus Heessen in der Lippeniederung über die Jahrhundert bestimmt hat. .
„Infolge seiner Grenzlage am `Lippstrom mit seinen Pässen´ in der Nähe der befestigten Stadt Hamm hat Heessen in den mit Kriegen angefüllten 17. und 18. Jahrhunderten in besonderem Maße die Geißel des Krieges verspüren müssen. Von drei wichtigen Heerstraßen durchzogen, waren auch bei reinen Truppendurchmärschen alle Teile des Kirchspiels fouragierenden und plündernden Soldateska ausgesetzt.“
(Emil Steinkühler, Schon vor tausend Jahren ... . In: Wolfgang Gernert [Hrsg.], Hamm Heessen. Tor zum Münsterland. Hamm 1989, Seite 12)
Und andererseits: „Dass die Herrschaft Heessen nicht von ihren viel größeren Nachbarn erdrückt oder vereinnahmt wurde, hatte sie sicher in erster Linie ihrer Grenzlage zu verdanken. Zwischen dem Fürstbistum Münster und der Grafschaft Mark spielte Heessen immer eine ähnliche Rolle wie heute die FDP zwischen den großen Parteien.“
(Wolfhart von Boeselager, Adel verpflichtet – auch an der Lippe. Schloss Heessen. In: Wolfgang Gernert, a.a.O., Seite 22)
In diesem Aufsatz zur Geschichte seines Hauses Heessen vermutet der Baron von Boeselager, dass die ersten Ursprünge der dauerhaften Besiedlung „auf dem Platz eines römischen Lagers“ entstanden seien, und deutet dann den besonderen strategischen Wert des Ortes als Chance, „sich in den Sumpf und auf Inseln zur Verteidigung zurückziehen zu können“ (ebda. Seite 20f).
Im so skizzierten Rückzugsverhalten ist von dem Menschenschlag, der Sümpfe und aufgegebene Lager nutzte, eine Ahnung gegeben, eine Vorstellung seines Verschwindens im Uferdickicht und eine plötzliche Stille, in der sich das Waten der viel größeren Nachbarn durch den Morast geräuschvoll bemerkbar machen muss. In einer urwüchsigen, strukturschwachen Region, deren Entwicklung im Kartenvergleich sichtbar wird.
Um sich sowohl auf den Heerstraßen wie in den Sümpfen und zwischen den Inseln zurecht zu finden, sind Landkarten gezeichnet worden. Auf Karten des Bistums Münster ist Heessen aufgrund seiner geringen Größe seltener vermerkt, in solchen der Grafschaft Mark und ihrer staatlichen Nachfolger in der äußersten nördlichen Peripherie aufgenommen, manchmal in einer Lücke der oberen Rahmenlineatur.
Hier sollen die Inhalte und Erkenntnismöglichkeiten historischer Karten anhand Quellenmaterials aus zumeist märkischer Provenienz verglichen und untersucht werden. Die Reduzierung auf diese eine Perspektive vereinfacht die Übersicht in einer Fülle teils abweichender, teils widersprüchlicher Detailbefunde und fragwürdiger Einzelheiten, zumindest ein wenig. So variiert die geographische Ausrichtung des dreiflügligen Heessener Schlossbaus zum Beispiel erheblich zwischen den verschiedenen Quellen des 18. Jahrhunderts und bewegt sich insgesamt in einem Bereich von 180 Winkelgraden, ohne dass darin Anhaltspunkte für eine stattgefundene Rotation des Gebäudes zu sehen sind. Das benachbarte Haus Oberwerries findet man in der ältesten Zeichnung auf dem falschen, nämlich dem südlichen Lippeufer eingetragen, und der 1826 südlich des Schlosses gegrabene Schleusenkanal ist bei der nächsten amtlichen Kartenaufnahme übersehen worden und unter den Messtisch gefallen.
Von den drei erwähnten verhängnisvollen Heerstraßen ist auf keiner der vorliegenden Karten etwas vermerkt. Und der Charakter des Flusses changiert, wie es bei mäandrierenden Flachlandgewässern zu beobachten ist, zwischen den Jahreszeiten.
„In den letzten einhundertfünfzig Jahren ist die Lippe durch natürliche und besonders menschliche Einflussnahme derart stark verändert worden, dass das heutige Bild des Flusses erheblich von dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts abweicht.“ (Werner Koppe, Die Lippewasserstraße. Bielefeld 2008, Seite 156).
Und noch auffälliger werden die Veränderungen der Landschaft, wenn wir weiter in die Vergangenheit der kartographischen Aufnahmen zurück gehen.
Es soll zunächst versucht werden, die Orientierung des heutigen Ortskundigen auf den ältesten Geländezeichnungen zu erleichtern, Bekanntes und historische, längst vergangene Einrichtungen am Lippeufer zu verorten, um die Eigentümlichkeiten des Flusslaufs im genetischen Schnitt zu klären.
Mit der Sondierung und Sicherung von Quelleninhalten aus dem kartographischen Material setzt eine Unterscheidung seiner Aussageschwerpunkte und der diesen zugrundeliegenden Mitteilungsabsichten ein. Für das grundsätzlichste Interesse des Kartographen, seine Umgebung im Bild zu fassen und festzuhalten, steht bereits die Absicht ein, mit Hilfe dieser Aufzeichnungen sich in der Landschaft künftig nicht mehr verlaufen zu wollen. In Krisenzeiten konnte diesem Wunsch in einem Gelände, das zwischen rivalisierenden Territorien gelegen war, ein vitale Bedeutung zukommen.
Mit dem Auftrag, den eigenen Besitz und Herrschaftsbereich von dem des Nachbarn zu unterscheiden, werden Grenzsteine gesetzt und Karten gezeichnet wie die älteste in dieser Untersuchung, die Grenzkarte zwischen dem "Stifft van Münster und dem lant van der Marck" aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Sie ist Bestandsaufnahme aus einem Streit zweier benachbarter Landesherren, der danach weiter schwelte und im 17. Jahrhundert zur Produktion einer zweiten Grenzkarte führte.
„Im Verlauf des 18. Jahrhunderts erlebte die Kartographie einen spürbaren Aufschwung. Genauere Ortbestimmungen und die Verbesserung der Vermessungstechnik ermöglichten exaktere und inhaltsreichere Karten.“
In einem Jahrhundert, das Heessen die Geißel des Krieges weniger spüren ließ als das 17. und das 18., sollten die Messtischblätter der Preußischen Kartenaufnahme aus den Jahren 1839 bis 1841 einen weiteren Zugewinn an Abbildungsgenauigkeit erreichen. Auf zwei regionalbezogenen Ausschnitten dieser Karten wird die Orientierung im historisch-topographischen Umfeld von Schloss Heessen beginnen. Mit ihren Angaben ist es, wie Hans Kleinn in seinem Aufsatz „Ein Vergleich der topographischen Landesaufnahmen von 1841 und 1963 am Beispiel des Blattes Münster/Westf.“ ausführt, fast „möglich, den ursprünglichen Zustand festzustellen“, der vor Flussbegradigung und Kanalisierung vorlag. Das von ihm dort angesprochene „Problem der völlig anderen geodätischen Grundlagen“ der im weiträumigeren historischen Vergleich zu untersuchenden kartographischen Darstellungen stellt sich bei dem hier vorliegenden Material in besonderer Weise. Und einen wirklich „ursprünglichen“ Zustand werden wir an einem Fluss, der sich in Jahrtausenden entwickelt und verändert hat, der schon im 15. Jahrhundert Regulierungsmaßnahmen ausgesetzt war, naturgemäß nie rekonstruieren können.
Als im ausgehenden 16. Jahrhundert die oben angesprochene erste Grenzkarte angefertigt werden sollte, ist das darzustellende Gelände von Haus Heidemühlen im Osten bis Haus Stockum im Westen von dem Zeichner erwandert oder errudert und nach unmittelbarem Erleben skizziert worden, wobei dem entstandenen Produkt eines überlängten kartographischen Hochformats die vereinfachende Grundannahme eines geradlinigen Gesamtverlaufs der Lippe zugrunde lag, die sich schlängelnd entlang der Ost-West-Achse ihrer Fließrichtung fortbewegt. Die Positionen der eingetragenen Orte, der Flussgabelungen und der Zusammenflüsse von Seitenarmen sind nach heutigen Maßstäben äußerst vage angegeben. Eine Besonderheit dieser Grenzkarte ist ihre spätere Überarbeitung durch Hinzufügungen und Korrekturen, die retrospektiv Vermutungen zu inzwischen stattgefundenen Veränderungen im Flussverlauf und zu politischen Auswirkungen der Lage am Lippeufer möglich machen.
Die nächste Grenzkarte zeigt uns fast schon ein Porträt des Hauses Heessen im 17. Jahrhundert, die älteste bildliche Darstellung, die erhalten ist. Ein Plan des Lipp Strohms von der Gegend von Dolberg bis ans Haus Heessen sollte 1773 die Vermessungsgrundlage für eine geplante Lippebegradigung zur Verfügung stellen, der später der Bau des Schleusenkanals folgen sollte. Diese Lippekarte zeigt den Grundriss von Haus Heessen als vierflügelige Anlage.
Als Aufmerksamkeit für eine adlige Dame ist die nächste Bildquelle aufgemacht, die charmant kartographierte Darstellung der "Environs de Hamm a la Rive gauche de la Lippe", dediziert „a Madame de Sancé“ zu Ende des 18. Jahrhunderts. Auf ihrer Karte sind Truppenaufstellungen aus der Schlacht bei Vellinghausen mit den Namen der Kontingente markiert. Der resultierende Eintrag von Hannover zwischen Norddinker und Süddinker lässt sich mit der Anwesenheit von Hannoveraner Truppenteilen des englischen Königs im Siebenjährigen Krieg aufklären. In dieser Karte ist Haus Heessen bereits nach seinem Umbau in den Jahren 1780/82 mit verändertem, nun dreiflügligem Grundriss verzeichnet.
Der Lageplan zu Haus Heessen mit Umgebung, den Emil Steinkühler auf Grundlage einer Karte des Kirchdorfs Heessen aus dem Jahre 1797 gezeichnet und in seiner Heessen-Monographie veröffentlicht hat, ist beinahe selbst schon historisches Material, referiert ausführliche Informationen zur Anlage des Gräftensystems am Haus und zur historischen Bebauung des Schlossgeländes.
Die wasserbaulichen Regulierungsmaßnahmen des 18. Jahrhunderts waren nicht die ersten größeren Eingriffe in den Flussverlauf. Mühlen und Stauwehre waren jahrhundertealte Einrichtungen zu wirtschaftlichen Zwecken, waren Infrastruktur des verarbeitenden Handwerks und Verkehrshindernisse für das Transportgewerbe. So war beim Verschiffen auf der Lippewasserstraße jedes Mal, wenn keine Umgehung über Nebenarme möglich war, ein Umladen der Waren erforderlich. Im 18. Jahrhundert wurde „die Verkehrsfunktion der Lippe durch die Willkür der Mühlenbesitzer im Mittellauf stark beeinträchtigt“ (Werner Koppe, a.a.O., Seite 154); die mit solchen Wasserbauten verbundenen Ungelegenheiten sollten mitbedacht werden, wenn wir Wehren und Mühlen auf Karten begegnen, die zur Klärung in Streitfällen angefertigt wurden.
Die Karte zum ParzellarKataster der Gemeinde Heessen aus dem Jahr 1830 ist eine minutiöse grundbuchamtliche Bestandsaufnahme aller Grundstücke, gibt die nicht als Grundstück aufgefasste Lippe allerdings vereinfachend wieder; die Planzeichnung aus den Bauakten von 1914 berichtet von Umbaupänen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die grundgreifenden Veränderungen, die im Zuge des Kanalbaus 1912 auch den Lippeverlauf betrafen, können mit dem Ausschnitt eines Hammer Stadtplans abschließend angerissen werden.
Bezugspunkt dieser Betrachtungen zu topografischen Eigentümlich-keiten der Gegend, zu Veränderungen des Flusslaufs, an Wasserbauten und den Verhältnissen an den Ufern werden das Gelände und die Gebäude von Haus Heessen sein. Entsprechend sind manche der untersuchten Karten auf ihren lokalen Ausschnitt reduziert.
Maßstäbe konnten in der Präsentation und Gegenüberstellung von Abbildungen nicht beibehalten werden.
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