Pflichtlektüre zur Eurokrise
von
Maximilian H., am 14.07.2012
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In seinem aktuellen Werk "Europa braucht den Euro nicht - Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat" zeichnet Thilo Sarrazin den Weg zum Euro nach und untersucht dessen Verhalten in der amerikanischen Finanzkrise, sowie seinen aktuellen Standpunkt in der Staats- und Schuldenkrise. In bewährt kritischer Manier und einem Schreibstil, wie nur er es kann, versucht Thilo Sarrazin dem Leser eine neutrale Meinung über das Geschehen anzueignen, stets gestützt auf Statistiken, Grafiken und ausführlichen Tabellen. Es entsteht eine tiefgründige Analyse der Fehler der Währungsunion, des Fehlverhaltens der Politik, der Motivation der Bürger in den betroffenen Ländern und noch vielem mehr. Stets bedacht, dem Leser die Fakten zu vermitteln, die er benötigt, um sich eine eigene Meinung zum Thema Eurokrise zu bilden, meidet Sarrazin ein Aufzwingen seines Meinungsbildes in seinem Buch. Er geht dabei sehr strukturiert in acht logisch aufeinander aufbauenden Kapiteln vor, die zuerst zur Währungsunion hinführen, (stets mit ein wenig Historie verbunden) um dann die gemachten Fehler zu untersuchen, die gegenwärtige Lage zu benennen und zum Schluss wenige Lösungsvorschläge anzubieten. Wie bereits mit dem Wörtchen "wenig" angedeutet, vermeidet Sarrazin, konkrete Vorschläge zu machen, die den Ausweg aus der Krise darstellen könnten. Das war in seinem letzten Werk "Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land aufs Spiel setzen" um einiges besser. Möglicherweise hat ihn die strittige Debatte zu seinem letzten Werk veranlasst, derartige Vorschläge nicht mehr anzusprechen. Die mangelnden Lösungsvorschläge und das damit verbundene Vermissen einer klaren Stellungnahme bzw. einem unklaren Standpunkt bleiben aber meine einzigen Kritikpunkte an seinem Buch. Kurzum: Sarrazin hat es wieder getan: Er hat erneut ein umfangreiches Werk auf höchstem sprachlichen und analytischen Niveau geschaffen. Meiner Meinung nach sogar deutlich besser als das, was er zwei Jahre zuvor schrieb. Dennoch sollte man nicht zuviel von ihm erwarten. Das Buch eignet sich also für all diejenigen, die auf anspruchsvollem Niveau die Krise nachgezeichnet haben wollen. Man sollte dabei jedoch nicht vergessen, dass es sich um ein Sarrazin-Werk handelt, das heißt:
- Ein hohes Maß an sprachlichem und analytischen Niveau;
- Voraussetzungen sind ein hohes Interesse, grundlegende Kenntnisse und ein umfangreiches Fachvokabular des Lesers;
- Der Leser liest das Buch nicht wie einen Roman/Krimi. Er setzt sich mit dem Geschriebenen auseinander, liest einen Satz bei Bedarf zweimal, etc;
- Der Leser schreckt nicht vor statistischem Material wie Grafiken, Diagrammen oder Tabellen zurück, die im Übrigen fast immer die Grundlage für die Ausführungen darstellen;
- Nicht zuletzt heißt es auch, dass der Leser Durchhaltevermögen zeigen muss: Die Sätze, Kapitel, sowie das Gesamtwerk sind lang, kompliziert und strukturiert aufgebaut. Das kann überfordernd, aber auch Anreiz zugleich sein.
Wer sich mit den genannten Eigenschaften identifizieren kann und ein gesundes Maß an Ehrgeiz mitbringt, wird Gefallen an dem Buch finden und eine der prägenden Schriften seiner Zeit gelesen haben.