Das Schweigen

Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi-Preis, Kategorie National 2008

von Jan C. Wagner

Buch

Taschenbuch (283 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Ein grandioser Roman über Schuld und Sühne, Verlust und Verbrechen


Ein Fall, der tief an die Seele des finnischen Kommissars Kimmo Joentaa rührt: Sinikka ist verschwunden - nur ihr Fahrrad und ihre Tasche werden gefunden. Genau an der Stelle, an der vor dreiunddreißig Jahren ein anderes Mädchen vergewaltigt und ermordet wurde. Das Verbrechen verstört nicht nur Polizei und Öffentlichkeit, sondern auch einen der beiden Täter von damals ...


Niemand weiß besser als Kimmo Joentaa, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Wenn die Angst der Gewissheit weicht, dass der andere fort ist. Für immer. Deshalb hütet sich der Kriminalkommissar aus dem finnischen Turku davor, den Eltern von Sinikka Vehkasalo zu widersprechen. Ihnen die Hoffnung zu nehmen, dass ihre Tochter noch leben könnte. Auch wenn er es besser weiß. Wissen muss. Denn die Parallelen sind zu offensichtlich. Wenn dreiunddreißig Jahre nach dem ungeklärten Mord an einem jungen Mädchen an genau der gleichen Stelle ein anderes Mädchen unter ähnlichen Umständen verschwindet, muss es einen Zusammenhang geben. Denkt nicht nur Kimmo, sondern auch sein in den Ruhestand verabschiedeter Kollege Ketola. Getrieben von der Hoffnung auf späte Antworten, nimmt er die Fährte seines ungelösten Falles wieder auf.


Auch die beiden Täter von damals beginnen, sich gegenseitig zu belauern. Und für einen von ihnen wird die Reise in die eigene Vergangenheit eine gnadenlose Auseinandersetzung mit der lange verdrängten Verantwortung ...


Produktdetails

ISBN-10: 3-442-45917-6
EAN: 9783442459179
Erschienen: 08.06.2009
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 283
Länge/Breite: 190mm/122mm
Gewicht: 232 g
Reihe: Goldmanns Taschenbücher
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Jan C. Wagner

Jan Costin Wagner, Jahrgang 1972, lebt als freier Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main und in Finnland, seiner zweiten Heimat. Unlängst erschien seine erste Songwriter-CD. Seine Romane wurden vielfach ausgezeichnet (Deutscher Krimipreis, Nominierung zum Los Angeles Times Book Prize) und in 14 Sprachen übersetzt.

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Kundenrezensionen

  • Hin- und hergerissen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 28.04.2012

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    Meistens fälle ich schon während des Lesens gedanklich eine Bewertung, die sich am Ende nur bestätigt. Doch bei diesem Buch wagte ich dies nicht, wohlwissend, dass das Gesamturteil hier stark vom Schluss abhängen wird, und den wiederum konnte ich beim besten Willen nicht erahnen, was für einen Krimi natürlich nur Gutes bedeutet.

    Als ich das Buch zuklappte, wußte ich trotzdem nicht so recht, was ich von ihm halten sollte. Es ist durchgehend sehr intensiv geschrieben, die Hauptpersonen psychologisch tief durchleuchtet und der Spannungsbogen wird geschickt aufrecht erhalten. Doch am Schluss fühlte ich mich - genau wie einige Personen im Buch - veräppelt. Ohne zuviel zu verraten: er ist sehr, sehr ungewöhnlich. Ich fragte mich sogar, ob man das wohl noch einen Krimi nennen kann? Auf jeden Fall bedindet er sich in einer Grauzone jenseits des Gängigen - und das wiederum hat mich tief beeindruckt. Allein für die Idee zolle ich dem Autor meinen tiefsten Respekt und meine Bewunderung. In Jan Costin Wagner hat Deutschland einen erstklassigen Krimiautoren gefunden, von dem ich unbedingt mehr lesen will!

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  • Spannung in Finnland Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Anka Ziegler, am 27.08.2009

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    Kimmo Joentaa. Ein Name, den sie sich merken sollten. Der junge finnische Kommissar hat noch immer nicht den plötzlichen Tod seiner Frau verarbeitet. Daher geht er sehr sensibel und nachdenklich an seine Fälle ran. Seine Ahnungen kann er den Kollegen nicht erklären, aber sie führen sehr oft zum Täter.
    Es ist ein ruhiger Krimi, die Ereignisse überschlagen sich nicht, wie in manch anderem und trotzdem kann man ihn nicht aus der Hand legen. Ein Krimi, der einen nachdenklich stimmt und der auch mit einem überraschenden Schluß aufwartet.

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  • intelligent und spannend Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Edith Berger, am 02.08.2009

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    Der 2. Krimi mit Kimmo Joentaa von Jan Costin Wagner ist ein sensationell guter Krimi.
    Spannende, intelligent gebaute Geschichte und in einer schönen Sprache geschrieben.
    "Sinikka ist verschwunden-nur ihr Fahrrad und ihre Tasche werden gefunden. Genau an der Stelle, an der vor dreiundreißig Jahren ein anderes Mädchen vergewaltigt und ermordet wurde. Das Verbrechen verstört nicht nur die Polizei und Öffentlichkeit, sondern auch einen der beiden damaligen Täter.".......

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  • Schuld und Sühne Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Claudia Stadler-Desch, am 15.07.2009

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    Der zweite Kimmo Joentaa-Roman, der in Finnland spielt und tief in die Seelenabgründe der einzelnen Figuren sieht.
    Philosophisch, poetisch, doch auch kriminalistisch spannend, gelingt es dem deutschen Autor Jan Costin Wagner, den Leser in eine Spirale zu ziehen. Ist der Mörder eines jungen Mädchens nach 33 Jahren zurückgekehrt, um an der gleichen Stelle ein ähnliches Verbrechen zu begehen? Schuld und Sühne, Schweigen und Trauer sind die großen
    Themen. Sehr unheilvoll!

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Sommer 1974


Irgendwann waren sie in den roten Kleinwagen gestiegen und losgefahren.
Vorher hatten sie lange im Schatten der kleinen Wohnung gesessen. Stunden lang. Tage lang. Wochen lang.
Am Anfang hatte Pärssinen ihn abfangen und eine Weile überreden müssen, hereinzukommen. Später hatte er selbst an die Tür geklopft, und dann hatte Pärssinen geöffnet, und er hatte in Pärssinens Wohnung gesessen, Sonnenflecken auf dem Boden betrachtet und sich auf Pärssinens Stimme konzentriert. Eine leise, monotone Stimme, die sich ab und zu plötzlich überschlug, um gleich darauf wieder kaum hörbar fortzufahren.
Manchmal hatte er den Kopf gehoben, um Pärssinens Augen zu suchen, aber er hatte sie nicht gefunden, denn Pärssinen hatte an ihm vorbei mitten in eine Wand geredet. Er hatte den Kopf gesenkt, die Augen geschlossen und sich wieder auf Pärssinens Stimme konzentriert.
Nach einer Weile hatte Pärssinen eine Filmrolle aus einer der Hüllen genommen, den Projektor angeschaltet, und während der Film lief, hatte Pärssinen endlich geschwiegen.
Während Pärssinen geschwiegen hatte, hatte er die Leinwand fixiert und seine Hand in seiner Hosentasche langsam auf und ab bewegt und in den Augenwinkeln erahnt, dass Pärssinen es bemerkte, aber nach und nach war das nicht mehr wichtig gewesen, und erst hatte Pärssinen gelacht und
dann hatte er nach einer Weile eingestimmt und irgendwann, nach einigen Wochen, waren sie losgefahren.
Pärssinen hatte gesagt: Wir fahren jetzt los, und er hatte darauf nichts erwidert. Pärssinen hatte die Filmrolle in die Hülle gelegt, die Hülle in das Regal gestellt und war aufgestanden und hatte noch einmal gesagt: Wir fahren jetzt los.
Er glaubte, sich zu erinnern, dass er kurz, er wusste nicht, wie lange, aber es konnten ja nur Sekunden gewesen sein, sitzengeblieben war. Er glaubte sogar, sich an ein Flackern in Pärssinens Augen zu erinnern, an einen Moment des Zweifels. Pärssinen hatte für einen Moment an ihm gezweifelt, aber dann war er auch aufgestanden und hatte einen Schmerz im Unterleib gespürt, während er Pärssinen ins Freie gefolgt war.
Die Sonne war warm gewesen und Pärssinens roter Kleinwagen von Monate, vielleicht Jahre altem Matsch verdreckt. Sie waren eingestiegen.
In seiner Erinnerung sah er Pärssinen am Steuer sitzen. Sich selbst auf dem Beifahrersitz sah er nicht. Während der Fahrt hatte Pärssinen wieder angefangen zu reden. Hektisch und eindringlich. Hatte alles noch mal schnell erklärt, auf den Punkt gebracht, und er hatte an den Film gedacht, an eine ganz bestimmte Szene, eine Situation in diesem Film, diesem ... Film, eine bestimmte Situation, und dann hatte er gespürt, dass es bald, gleich zu Ende sein würde, dass es jetzt erst begann, aber auch gleich zu Ende sein würde. Und Pärssinen hatte gesagt, sie würden diesen Scheiß jetzt durchziehen und hatte gleichzeitig den Blick von der Straße genommen und ihn angestarrt, und für einen Moment, den Moment, den er gebraucht hatte, um auszuweichen, hatten Pärssinens Augen ihn getroffen.
Danach hatte er durch die Scheibe die trockene Straße betrachtet, und die Sonne hatte über ihrem roten Auto gehangen, und er hatte an eine bestimmte Szene aus einem Film gedacht, hatte sie sich ausgemalt, hatte sich vorgestellt, diese Szene wirklich zu erleben, und Pärssinen hatte die Geschwindigkeit gedrosselt und vor sich hingemurmelt, wenn er draußen am Straßenrand etwas sah, und dann den Kopf geschüttelt und gesagt: »Nein, geht nicht« und nicht näher erklärt, warum es nicht ging.
Dann hatte Pärssinen begonnen, vor sich hin zu fluchen, und war ganz aus der Stadt herausgefahren, und er hatte gespürt, dass Pärssinen wusste, was er tat, obwohl Pärssinen versichert hatte, so etwas auch noch nie gemacht zu haben, und dass erst ihre Bekanntschaft, ihre Begegnung, ihr Zusammenfinden, wie er es ganz am Ende einmal genannt hatte, ihm klargemacht hätte, dass es sein müsse, dass es verdammt noch mal sein müsse und dass es keinen Sinn hätte, dagegen anzugehen, sondern dass sie es tun würden, gemeinsam tun würden, und während Pärssinen über die Landstraße gefahren war, hatte er gespürt, dass es jetzt so weit war, dass es jetzt passieren würde, was immer es war, und er hatte die Szene aus einem gerade gesehenen Film in sein Hirn hinein gepresst, bis er begriffen hatte, dass nichts eine Rolle spielte und jede Art von Explosion eine Erleichterung sein würde.
Pärssinen war abgebogen und hatte ihm einen Klaps auf die Schulter gegeben und ihm signalisiert, in eine bestimmte Richtung zu schauen, durch das Fenster auf der Fahrerseite.
Er hatte gesehen, was Pärssinen ihm zeigen wollte, und Pärssinen hatte die Geschwindigkeit gedrosselt und gestöhnt. Vor sich hingesummt oder gestöhnt, er wusste es nicht genau, hatte es schon damals nicht gewusst, auf jeden Fall hatte Pärssinen die Geschwindigkeit gedrosselt, hatte abwechselnd nach vorne und in den Rückspiegel geschaut, hatte schließlich den Wagen gestoppt, die Hand an die Tür gelegt und gesagt: »Bereit?!«
Und er hatte, daran erinnerte er sich sehr genau, entgegnet: »Was meinst du?«
Pärssinen hatte darauf nicht mehr reagiert, sondern nur noch gesagt: »Jetzt!«
Und dann war Pärssinen aus dem Wagen gestiegen, und er hatte ihn laufen sehen, ruhig und zielstrebig, und genau da hatte er begriffen, dass es zu Ende war, dass es vollkommen zu Ende war und dass es begann, und Pärssinen hatte das Mädchen vom Fahrrad gestoßen, es in das Feld gezerrt, und er hatte die beiden nicht mehr gesehen, nur noch das Fahrrad, das auf dem Weg gelegen hatte, der Lenker in einer falschen, in einer schiefen Position.
Er war aus dem Wagen gestiegen und musste zwanzig, dreißig Meter zu dem Fahrradweg, zu dem auf dem Weg liegenden Fahrrad gelaufen sein, obwohl er sich an die Sekunden, in denen er diese Meter zurückgelegt hatte, nicht erinnern konnte.
Als Erstes hob er das Fahrrad auf.
Rückte den Lenker zurecht.
Dann ging er einige Schritte in das Feld und betrachtete Pärssinen, der auf dem Mädchen lag. Er sah Pärssinens entblößten Hintern und die Beine des Mädchens. Pärssinen redete: »Macht doch nichts, mach doch, mach doch, mach, mach, mmm ...« Das Mädchen schwieg, vermutlich, weil Pärssinen ihm den Mund zuhielt. Pärssinen war kräftig, klein, aber kräftig.
Er stand eine Weile und wartete darauf, dass es zu Ende war. Denn es war zu Ende. Es war ja zu Ende.
»N... nein. Bitte ... nein, lass, lass ... das ... doch«, sagte er nach einer Weile.
Einige Zeit später richtete sich Pärssinen auf und zog die Hose hoch. »Scheiße«, sagte er. Er schwitzte.
Das Mädchen lag reglos und starrte Pärssinen an.
»Scheiße«, sagte Pärssinen, und während er versuchte, in Pärssinens Gesicht zu erkennen, was Pärssinen damit meinte, dachte er, dass es zu Ende war, und Pärssinen beugte sich über das Mädchen und drückte ihm die Kehle zu.
Das Mädchen reagierte kaum.

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