Rezensent im Portrait
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Reise zum Mond und zur SonneRezension vom 26.02.2012Cyrano de Bergerac bringt man vor allem mit Edmund Rostands Buch über den poetischen Langnasigen in Verbindung, das spätestens durch die Verfilmung mit Gerard Depardieu Weltruhm erlangte.
Deshalb war ich überrascht, zu was Cyrano außer der Poesie noch alles fähig ist. Grandios verbindet er die damals neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse mit philosophischen und ethischem Gedankengut, versetzt das Ganze mit einer odentlichen Prise Ironie und heraus kommt eine utopische, vor Fantasie überbrodelnde "Reise"-Lektüre a la Gullivers Reisen. Auch an Jules Vernes Romane fühlt man sich stellenweise erinnert.
Cyranos Sprache mit den langen, verschachtelten Sätzen ist anfangs gewöhnungsbedürftig und grundsätzlich nicht leicht zu lesen, doch jede Mühe wert, für alle, die literarische Klassiker zu schätzen wissen. -
Lahme FortsetzungRezension vom 24.02.2012Joachim Seidels Fortsetzungsroman um Altpunk Anton Hornig ist leider nicht mehr, als ein mühsamer Abklatsch seines Debüts "HimbeerToni". Konnte dort die zweite Buchhälfte das Ruder noch ordentlich herumreißen, um einen schwächelnden Anfang wettzumachen, zieht hier die gleiche Masche ein zweites Mal eingesetzt nicht mehr so leicht. Wie gehabt, kommt nämlich auch sein zweiter Roman erst spät auf Touren, doch statt mich über die positive Wende zu freuen, wie beim ersten Mal, fragte ich mich nur genervt, warum nicht gleich so? -
Rasante VerfolgungsjagdRezension vom 20.02.2012Elch Edgar mit seinem hautengen blauen Trikot, dem roten Umhang und der schwarzen Binde um die Augen steht seinen Helden-Vorbildern Superman und Zorro als Retter der Benachteiligten dieser Welt an Wagemut in nichts nach. Als im Wildtal eines Tages vom Polarbären Albert die Sonne gestohlen wird, begibt Edgar sich sogleich auf Verfolgungsjagd, um seinen Freunden die wärmende Sonne zurückzuholen. Dabei stellen sich Super-Edgar allerlei Hindernisse in den Weg. Nicht nur dass Albert schlau ist und sich alle möglichen Fortbewegungsmittel zu eigen macht um seinem Verfolger zu entfliehen, das Wetter spielt auch noch ganz schön verrückt. Es regnet, blitzt, schneit und windet was das Zeug hält, da muss Edgar sich einiges einfallen lassen, um den weißen Polarbären nicht aus den Augen zu verlieren.
In dem großformatigen Pappbilderbuch kann man nicht nur Super-Edgars rasante Jagd durch Wind und Wetter mitverfolgen, was alleine auch schon ein großer Spass wäre, die Kinder werden zusätzlich mit vielen Mitmachaufgaben aufgefordert ihren Helden tatkräftig zu unterstützen. Obendrein bieten die verschiedenen Wetterszenarien Allerlei zum Staunen und Lernen. In seiner inhaltlichen Vielseitigkeit bleibt das Buch lange spannend und eignet sich gut zur Alleinbeschäftigung.
Besonders angetan hat es mir die Schlussszene, worin dem ohne Sonne nun wieder frierenden Polarbären hilfreiche Freunde ein warmes Nest bauen und mollige Pullis stricken, so braucht er sich nie mehr die Sonne zum Aufwärmen zu stehlen.
Meine Altersempfehlung: 2,5 bis 3 Jahre -
Band 1Rezension vom 17.02.2012"Ein melancholischer Morgen" ist ein ernster, tiefgründiger Boyslove Manga für ältere bzw. erwachsene LeserInnen, die es gerne sehen, wenn der Handlungsaufbau umfassend und langsam erfolgt. Ein wenig erinnerte mich der breit angelegte historische Hintergrund an Yuu Watases "Sakura Gari", nicht zuletzt auch wegen der sexuellen Gewalt. Wer also diesen mochte, wird an Shoko Hidakas neuer Serie bestimmt ebenso Gefallen finden, zumal ihr gestochen scharfes, authentisches Artwork eine wahre Augenweide ist. -
Der neue GlattauerRezension vom 14.02.2012Mit seinem neuesten Buch, einem abgründigen Psychodrama, entledigt sich Bestsellergarant Daniel Glattauer bravourös jeglichem Schubladendenken und offenbart sich uns als Multitalent. Stärker hätte er sich von seinen letzten Büchern kaum abgrenzen können. In meinen Augen ein absolut notwendiger Schritt und gerade noch rechtzeitig vollzogen. -
10 kg = 2 Katzen oder 13 Harry Potter BücherRezension vom 13.02.2012Hätten Sie gedacht, dass 13 gebundene Ausgaben von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" gleich viel wiegen wie 2 mittelgroße Katzen? Und dass 100 Meter der Länge von 2 Boeing 747 oder auch 31 übereinander gestapelten Elefanten entsprechen? Diese Art verblüffende und saukomische Entdeckungen macht man nämlich zuhauf in diesem Buch. Dank der aus dem Leben gegriffenen Beispiele können sich Kinder endlich mal etwas Konkretes unter abstrakten Größen-, Gewichts-, Flächen-, Temperatur- und Zeitangaben vorstellen. Doch dass dieses Buch durchzublättern ein so witziges und kurzweiliges Vergnügen ist, schuldet es nicht nur seiner pfiffigen und ungewöhnlichen Zusammenstellung, sondern auch Òscar Julves wunderbaren Illustrationen. Am Ende eines jedes Kapitels warten dann noch ein paar kleine Übungen.
Fazit: Gerade wenn sich Ihr Kind NICHT für Zahlen begeistern kann und/oder Probleme mit abstraktem Denken hat, ist dieses Buch die beste Wahl, Hemmschwellen abzubauen und Starthilfe für die Schule zu geben. Ab 5 Jahren. -
Verkehrte WeltRezension vom 11.02.2012Eigentlich ist das kleine Ferkel ein Kind wie jedes andere. Es wächst behütet von Mama und Papa auf, hat ein eigenes Zimmer, geht gern zur Schule und hat viele Freunde, mit denen es spielt. Doch ich schreibe "eigentlich", denn in einer Sache unterscheidet sich das kleine Ferkel ganz wesentlich von einem normalen Durchschnittskind: es liebt Ordnung und Sauberkeit über alles. Das größte Problem dabei ist, dass es von Mama und Papa ausgeschimpft wird, wenn es sein Zimmer aufräumt. Hä?, denkt jetzt bestimmt jeder, der diese Zeilen liest. Nur bedenke man, dass wir es hier mit einem Ferkel und Schweinen als Eltern zu tun haben. Und Schweine sind bekanntlich Tiere, die besonders gern in Schlamm und Dreck wühlen und nicht viel von Sauberkeit halten. Also hört das kleine Ferkel seine Eltern solche Sachen zum ihm sagen wie: "Wenn du einmal ein richtig großes Schwein werden willst, musst du lernen, wie man einen schlimmen Saustall macht." Oder: "Sei lieb, schmeiß alles schön durcheinander und zieh die was Schmutziges an, dann kannst du raus zum Spielen."
Verkehrte Welt, denkt man automatisch beim Durchblättern und Lesen des mit viel Liebe zum Detail gestalteten und erzählten Bilderbuches. Doch so verkehrt ist sie gar nicht. Das kleine Ferkel verhält sich im Grunde wie jedes andere Kind, denn wer tut schon gerne, was Eltern von einem verlangen? Eine Schmunzelgeschichte, die auch zum Nachdenken anregt. Vielleicht ist Aufräumen und Saubermachen gar nicht so schrecklich, wie man immer meint.
Altersempfehlung: ab 3 Jahren. -
Und noch eine PilgerreiseRezension vom 04.02.2012Annie Leibovitz, eine der bekanntesten Fotografinnen der letzten 40 Jahre, hat sich mit Kamera und Notizblock ausgerüstet auf Spurensuche nach bedeutenden Persönlichkeiten (Schriftsteller, Sänger, Präsidenten, Wissenschaftler, Maler etc.) ihrer Heimat begeben. Herausgekommen ist ein durch und durch amerikanisches Werk, das in Deutschland nur schwerlich Interesse wecken wird, es sei denn man ist anglophiler Kulturfetischist oder ausgesprochener Annie Leibovitz Fan. -
Der Rote Falke - Band 8Rezension vom 25.01.2012Zu Band 1 besteht nur noch eine vage Verbindung. Ohne Kenntnis des Dazwischenliegenden war es mir unmöglich einen richtigen Bezug herzustellen. Daher empfehle ich die Serie unbedingt komplett zu lesen, was sich für Neueinsteiger allerdings schwierig gestalten dürfte, denn die Bände 4-7 von Kult Editionen sind nur noch antiquarisch zu beziehen.
Unabhängig vom eben Gesagten hat der 'Der Rote Falke' seit seinen Anfängen inhaltlich wie graphisch mächtig zugelegt, das zeigt dieses Album ganz deutlich. Den Wechsel von André Juillard zu Marco Venanzi kann man nur als Gewinn verzeichnen.















