Rezensent im Portrait

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aus Fürth

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Über mich
lese gern (vor allem Thriller, Krimis, hin und wieder auch spannende Historische Romane, Kinderbücher und -romane). Eien wesentliche Leidenschaft ist aber auch das Spielen. Meine Einschätzung teile ich gerne mit Anderen. Ebenso suche ich beim Buchkauf Orientierung in den Meinungen anderer Leserinnen und Leser. Darüber hinaus gehören zu meinen liebsten Tätigkeiten das Spielen, Reisen, Radfahren (Touren+Mountainbike) sowie das Fotografieren. Schließlich bin ich auch selbst Spiele- und Buchautor.

Meine Rezensionen

  • St. Petersburg
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    Prächtiger Stadtbesuch der ehrwürdigen Zarenstadt
    Rezension vom 31.08.2012
    Die vielleicht schönste Stadt Russlands zeigen die beiden Buchmacher Galli (Fotos) und Luthardt (Text) in diesem herrlichen, mit 330 Farbaufnahmen reich bebilderten Werk. Großformatig stellt sich die Stadt lebendig und zu allen Tages- und Nachtzeiten vor, immer in klarer atmosphärischer Dichte, die einen wie dort gewesen schwelgen lässt. Wer wirklich dort war, entdeckt beschrittene Wege und Eindrücke neu und sehnt sich nach den noch nicht besuchten Orten dieser oft geradezu märchenhaften und auf jeden Fall weitläufigen Stadt.

    Angenehm zu lesen und sehr informativ, jedoch ohne zu kleinteilig detailliert zu sein, beschreibt der Autor die Entstehung, das Zarentum und das Werden der Stadt Peter des Großen an der Newa bis hinein ins Heute. Die wirklich phantastischen Fotos in kleinem, großen bis hin zum doppelseitigen Format zeugen von fachlicher Kompetenz des Fotografen und begeistern durch technische und künstlerische Qualität gleichermaßen. Der Glanz der Stadt spiegelt sich im Glanz der hochwertig gedruckten Bilder wieder. Die überwiegend so lebendigen Bilder erzählen ihre eigene Geschichte. Sie sind ein dichter Lauf durch die Zeiten des Jahres im Tag und Nachtlicht, Innen- und Außenansichten, historisch erinnernd und modern wegweisend zugleich. Das pralle Alltags- oder auch Nachtleben wird ebenso präsent wie die stummen Zeugen großartiger Macht- und Handelsepochen oder spiritueller Tiefe.

    Eine großartige Bereicherung des monumentalen Buches im edlen Kartonschuber sind sechs so genannte „Specials“, die sich in eingehender Weise auf hervorgehobene Themenbereiche konzentrieren. So gibt es je eines zur Schatzkammer der von dem Münchner Leo von Klenze geplanten klassizistischen Emeritage, dem Deutschen Leben und Wirken in der Stadt, über Katharina II. die Große, die Komponisten der Stadt wie Borodin oder Tschaikowskij oder auch Rimskij-Korsakow oder auch Schostakowitsch. Ein Sonderkapitel stellt den Zaubergarten Peterhof vor während das sechste und letzte schließlich ein wenig über das Geheimnis des Bernsteinzimmers zu berichten weiß.

    Ein knappes Stichwortregister samt kleinem Stadtplan erleichtern die Übersicht und die Lagezuordnung der im Buch dargestellten Gebäude, Kanäle und Straßen.
    Das Buch ist vermutlich der beste Bildband über die so fröhlich strahlende Stadt, deren sicher auch gegebenen Probleme für die Zeit des Blätterns und Lesens in den Hintergrund geraten. Zu Recht aber gelangen durch das gut ausgestattete und hervorragende Werk Größe und Glorie St. Petersburgs ansprechend in den Vordergrund.


    (c) 8/2012, Reaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Sinneswerkstatt WinterWunderzeit
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    Anregende Beschäftigung für die kalte und dunkle Jahreszeit
    Rezension vom 31.08.2012
    Auch wenn der Klimawandel möglicherweise in einigen Jahren Schneefrei Winter bescheren könnte, so können sich Mädchen und Jungen dennoch auch über einige Tage mit Schnee und Eis freuen. Schön, wenn man dann so viele Anregungen zur Beschäftigung im Freien parat hat, wie sie in dem Buch der beiden Autorinnen der Sinneswerkstatt zusammengefasst sind.

    Da gibt es nach einer knappen grundsätzlichen Einführung über die Bedeutung der Ruhezeit für die Natur und auch die Menschen Rätsel, Geschichten und immer wieder Spiele im Freien, die das Material der Jahreszeit und die Witterungsbedingten Gegebenheiten nutzen. Sehr schön sind die Eisobjekte, da das Spielmaterial selten, filigran und vergänglich ist.

    Die verschiedenen Gestaltungsvarianten mit Schnee und Eis als „Land-Art“ zu bezeichnen, ist mir zwar etwas zu „dick“ aufgetragen, dennoch ist freilich hervorzuheben, dass hier gut der Umgang mit dem Material Schnee oder Eis angeregt wird und das ist für die Kinder ausreichend schöpferisch, wenn deren Kreativität gefordert und gefördert werden. Das gilt für die Bastelarbeiten drinnen gleichermaßen, wenn also Anziehpuppen, Fädeltannenbäumchen, Winterblütenzweige oder Kristalllichter entstehen.

    Eine Vielzahl von Spielideen wie zum Beispiel „Eisbärenzauber“, „Nebel-Ratespiel“, „Schneemonsterjagd“ oder auch „Geheime Himmelsbotschaft“ sind eine gute Bereicherung für diesen so vielseitig ansprechenden Winter-Spiel- und Beschäftigungsfundus für Kinder von 3-7 Jahren.

    (c) 8/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Alexander Randolph. Die Sonnenseite
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    Spielfelder des Spieleerfinders Alexander Randolph
    Rezension vom 30.08.2012
    Leider ist er schon einige Jahre tot (+2004) und lebt doch weiter in vielen bekannten aber auch unbekannten Spielen für Kleine und Große: Alexander Randolph. Vielfach als „Altmeister des Spiels“ betitelt, weil man sein Wirken, sein Wesen, seine Erfindungen würdigen möchte, die wegweisend und wichtig für die Entwicklung des Brett- und Gesellschaftsspiels waren.

    Das Buch versucht wie im wohl berühmtesten Spiel des Spielerfinders und gewissermaßen Kosmopoliten Randolph - Twixt – die andere Seite seines in den letzten Jahren in Venedig wohl auf der Sonnenseite stattfindenden Lebens darzustellen. Doch vielleicht ist es auch lediglich ein „Rösselsprung“ durch das aufregende und stets suchende Leben des so stillen und zurückhaltenden Mannes, der mit eben diesem Rösselsprung eine grundlegende Erfahrung gemacht hatte und ihn an seinen Stationen in Japan, Italien oder Amerika stets begleitete.

    Der Autor des Buches, Philippe Evrard, hat 15 Jahre lang bis zum Ableben Randolphs in vielen Gesprächen mit ihm eine Art Biographie des Spielmenschen erstellt, die beginnend mit dem Vorwort des jahrzehntelangen Freundes Herbert Feuerstein einige wichtige Spielstationen aufzeigt, stets in dem so spannenden Mix aus persönlicher, privater Nähe und spielerischen Überraschungen.

    Dass es das nun gedruckte Portrait Randolphs gibt, ist der engen Verbundenheit seiner Freunde mit ihm, Johann Rüttinger und Kathi Kappler – zwei von drei in der Szene durchaus nicht minder bekannte „Magier“ und Spielende – und deren kleinem Verlag „Drei Hasen in der Abendsonne“ aus dem fränkischen Uehlfeld zu verdanken, die zu einem nicht unwesentlichen Teil mithalfen und mithelfen, das Andenken an den durchaus bedeutenden Spieleautor aufrecht zu erhalten. Sie lieferten auch zahlloses Bildmaterial und gestalteten das Buch.

    Das Blättern wird zu einem ganz eigenen Erlebnis, denn ein wenig wird die oftmals so stille und ein wenig unantastbare Aura des Erfinders des Spieleerfinders durch die zurückhaltende Farbgestaltung und insbesondere das bei den biografischen Kapiteln verwendete graublau getönte Werkdruckpapier wie als vorüber wehender Hauch feucht-melancholischer Atmosphäre Venezianischer Gassen und Kanäle nachvollziehbar.

    Unbestritten ist Alex Randolph einer der wichtigsten Spieleautoren jemals, nicht nur weil er als Begründer der Spieleautorenzunft plötzlich gewissermaßen einen Berufsstand kreierte, sondern es war sein Spiel, sich für die Anerkennung von Spieleautoren als Kulturschaffende einzusetzen und sie im Bewusstsein von Spieleliebhaberinnen und Spielern zu verankern.

    Das Buch lässt teilhaben an dem Lebenskern und –inhalt des Alexander Randolph, Erfinder der ewig bleibenden Spiele Twixt, Tempo kleine Schnecke, Rüsselbande, Inkognito, Hol’s der Geier oder auch Sagaland und vielen anderen mehr.

    (c) 8/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Kingdom Builder. Spiel des Jahres 2012
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    Einfach mal ein Königreich bilden
    Rezension vom 30.08.2012
    So wie es unterschiedliche Landstriche und Bedingungen für ökologisches und wirtschaftliches Wachstum gibt, so haben sich auch bei Spielen variable Spielpläne etabliert. Aus acht Spielplatten werden vier zusammengestellt und bilden die Rahmenbedingungen für ein reizvolles Aufbauspiel. Jeder erhält 40 Häuser, eine Geländekarte und drei von insgesamt zehn Siegbedingungskarten geben vor, was erreicht werden muss, um zu gewinnen. So soll beispielsweise ein möglichst großflächiges Gebiet besiedelt werden oder viele Siedlungen am Wasser errichtet werden. Dann gilt es, geschickt im Spielverlauf auf den verschiedenen Landschaftsflächen je Runde drei eigene Siedlungen (Häuschen) zu errichten.

    Die Handlungseinflüsse sind zwar sehr eingeschränkt und deutlich vom Glück abhängig, dennoch bleibt das Spiel spannend, da man durch Ortsplättchen auch mal zu Ungunsten der Mitspielenden oder zum Eigennutz zum Beispiel eine zweite Siedlung bauen kann oder eine Siedlung versetzen darf. Wer zudem schon gleich von Beginn an gut überlegt hat, an welcher Stelle man seine Siedlung startet, denn künftig dürfen die durch Häuschen symbolisierten Ansiedlungen nur neben eine schon bestehende gebaut werden. Durch kluge Spielzüge erhält man Sonderplättchen, die für einen zweiten Spielzug sorgen. Auch Burgfelder sorgen für Sonderpunkte am Schluss, wenn man angrenzend daran Siedlungen gebaut hat.

    Schluss ist mit dem Aufbau von Königreichen, wenn ein Spieler seine letzte Siedlung verbaut hat und die laufende Runde zu Ende gespielt ist. Alle prüfen ihre nach den anfänglich ausgelegten Siegbedingungen erworbenen Punkte und wer die meisten erworben hat, gewinnt das „Familienspiel des Jahres“.

    „Kingdom Builder“ ist in der Tat ein eher einfaches Familienspiel mit gut kurzer Spielregel. Auch ist es nicht zu verzwickt und strategisch. So haben auch Kinder ab etwa 8 oder 9 Jahren eine reelle Chance, zu gewinnen. Die kurze Spielzeit ist so angenehm, um eventuell gleich noch einmal eine zweite Runde zu spielen. Die extra zu erwerbende Erweiterung bietet noch ein paar flexiblere Möglichkeiten mehr gegenüber dem Grundspiel und bietet außerdem Spielmaterial für eine fünfte Person. Die Einordnung in ein Bewertungssystem ist für die unterschiedlichen Spielertypen sicher schwer, denn das Spiel ist gut, nicht sehr gut oder herausragend, aber auch nicht schlecht oder sehr schlecht. Daher vergebe ich mal drei Sterne, was ein „gut“ bedeutet, denn vier wären „sehr gut“ und fünf „unübertrefflich“.

    (c) 8/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Unter aller Sau
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    Kommissare am Rande der Unglaublichkeit
    Rezension vom 22.08.2012
    Eine tote Frau im Wald veranlasst den stets leicht benebelten Dorfpolizisten Richie darüber nachzudenken, wie er sich eine Menge Arbeit sparen könnte, wenn die Leiche außerhalb der Gemeindegrenzen zu liegen käme, doch die geflissentliche Dienstauffassung seines Kollegen Erwin lässt das nicht zu. So bleibt die Tote im Dorf.

    Die Vorstellung, ein Bayrischer Landpolizist könnte ein Postpost-Hippie-Dasein führen und als ständig bekiffter Handlanger der ambitionierten Dienststellenleiterin Gisela Wegmeyer, mag ihren Reiz haben. Dennoch haftet dadurch schon nach der ersten Information ein Hauch von Unglaubwürdigkeit an der Geschichte.

    Prinzipiell gehört das aber zu dem Witz des Geschehens, denn schnell wird auch eine weitere skurrile Rolle vom Autoren entwickelt – die des gezwungenermaßen anzufordernden Mordkommissionsleiter Lederer, der sehr zum Leidwesen Frau Wegmeyers ein rechter Angeber zu sein scheint, zumindest, was die Fachlichkeit anbelangt. Cowboystiefel und Pornobalken (Schnauzbart) passen einfach eher zu einem abgehalfterten Problemermittler eines amerikanischen Halbwelt-Krimis, denn zu einem seriösen Auftritt eines Deutschen Kriminalkommissars. Allerdings übertünchen die spaßig angelegten Dialoge und Geschehnisse doch ein wenig den Gehalt eines tiefgehenden Kriminalromans, sprich: Motivlage sowie die sozialen, politischen, wirtschaftlichen, persönlichen, emotionalen und psychischen Hintergründe des Mordes geraten sehr ins Hintertreffen. Daher gibt es auch nicht die Unübertreffbarkeits-Bewertung mit 5 Sternen, sondern – dennoch sehr gute 4.

    Im Verlauf des mit einigem Lokalkolorit und dennoch stets auch für Nichtbajuwaren gut nachvollziehbaren Romans sorgen die unterschiedlichen Ermittlungsmethoden der im Prinzip konkurrierenden Wegmeyer und Lederer für spannendes Vergnügen. Schnell findet man sich gut in de Gegend des Geschehens angekommen und verfolgt aufgeregt, wie sich Stück für Stück der Falle entwickelt und schlussendlich aufklärt. Die fiktive niederbayrische Niedernussdorfer Idylle offenbart sich denn doch als durchaus an der Moderne teilhabende Gemeinschaft inklusive vorgeschobener Ahnungslosigkeit und tatsächlicher dunkler Abgründe.

    Die abwechslungsreich erzählten Ereignisse, die gut vermittelten Charaktere, der so beiläufige und doch zentrale Dauerstreit der Haupt-Protagonistin mit dem Haupt-Protagonisten sind ansprechend und bildhaft erzählt, so dass man bisweilen den Eindruck hat, es liefe die aktuelle Folge einer Fortsetzungsserie. Das Buch bereitet unterhaltsames Lesevergnügen und es darf gerne eine Fortsetzung aus Niedernussdorf geben.

    (c) 8/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Brockhaus Literaturcomics Don Quijote
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    Mit neuen Bildern historische Erzählungen entdecken
    Rezension vom 12.07.2012
    Die an sich triviale Geschichte von Miduel de Cervantes Saavedra über die Erlebnisse und Abenteuer des weltfremden und verarmten Edelmanns Quijano, der sich von einem Bauern zum Ritter schlagen lässt und fortan als Don Quijote idealistisch gegen die „Windmühlen der Ungerechtigkeiten“ in der Welt kämpft, ist die bekannteste Geschichte der Spanischen Literatur. Die etwa 400 Jahre alte Satire über die zur damaligen Zeit vorherrschenden üblichen Ritterromane geriet angesichts veränderter Lesegewohnheiten und Interessen der Lesenden deutlich ins Hintertreffen. Um also neu den Zugang zu dieser klassischen Geschichte der Weltliteratur für Kinder und Jugendliche attraktiv zu machen, wurde eine Adaption im Comic-Stil entwickelt und aktuell veröffentlicht.

    Attraktiv und ansprechend gezeichnet baut sich durch die typische Bildsprache und Dramturgie eines Comics die nötige Lust zur Beschäftigung mit der Geschichte auf. Leider fehlt der tatsächliche Witz – ansich ein Comic-typisches Muss – denn die absurden Aktionen des Protagonisten sind eher brutal und verrückt, denn lustig. Vereinfacht, verkürzt und doch ausreichend nachvollziehbar nimmt einen die Geschichte – aber nur, weil bebildert - gefangen.

    Störend sind die ausschließlich in großen handschriftlich anmutenden Blockbuchstabentexte, weil sie über mehrere Zeilen hinweg einfach schlecht lesbar sind. Sprachlich hätte es gut getan, die Texte dem aktuellen Sprachgebrauch anzupassen. So bleiben manche Aussagen doch unverständlich und für die erwünschte Lesegruppe sicher wenig zum Weiterlesen motivierend. Da werden sicher Einige doch wieder nur die Bilder betrachten und aus deren Abfolge ihre eigene Geschichte entwickeln.

    Insgesamt gefällt die Idee gut, in Zeitgemäßer Form Kinder und Jugendliche, vielleicht auch Erwachsene in dieser lockeren Form Weltliteratur nahe zu bringen. Ob der Wunsch nach mehr dabei entsteht, bleibt abzuwarten. Der 1000 Seiten umfassende Originalroman ist dann doch noch mal eine andere Kategorie. Mehr Comics lesen zu wollen, könnte aber ein Ergebnis sein. So ist der Band „Don Quijote“ 3 Sterne von 5 wert.

    (c) 7/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Huch! & Friends Die kleinen Drachenritter
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    Geschickt hochstapeln führt zum Gewinn
    Rezension vom 27.06.2012
    Der Drache Nils hat sich den Ritterschatz geschnappt und will ihn nicht mehr hergeben. Da begehren freilich die Ritter auf und wollen Gold und Geschmeide für ihre holden Ritterfräuleins wieder zurück erobern. Die hohen Burgmauern erklimmen sie dabei mit Leitern, Möbeln, Tiegeln und Wannen – eben allem was sich irgendwie stapeln lässt, um nach oben zu kommen.

    Im Spiel versuchen alle die aufrecht gestellte, leicht schräg nach oben verlaufende Burgwand hoch zu kommen. Dazu stapeln sie nach einem Farbwürfel erhaltene runde und eckige Gegenstände aufeinander und hoffen, dass nichts zusammenstürzt. Ärgerlich, wenn der Drache bei Aufscheinen des grauen Farbpunktes auf dem Würfel Felsbrocken nach unten fallen lässt. Da kann schnell mal ein wackliger Turm einstürzen. Teile die nach unten plumpsen sind aus dem Spiel. Spannend ist also garantiert, denn stets zittert man mit, ob die eigene Konstruktion auch stabil genug ist, um nicht sofort einzustürzen und andererseits auch die Teile ausreichen, um nach oben zu gelangen.

    Wer zuerst mit der eigenen Ritter- oder Ritterfräulein-Figur die Kante erreicht, gewinnt das feine Geschicklichkeitsspiel, welches sich auch auf der Nominierungsliste zum „Kinderspiel des Jahres“ befand.

    Das Spiel bietet genug Reiz für jüngere Spielende, die Spielgeschichte passt und auch die Idee, Alltagsgegenstände oder Mobilar für den Stapelturm zu verwenden, gefällt. Die Idee, den Spielplan als eine schräg nach oben verlaufende Fläche einzusetzen ist attraktiv und einfallsreich. Die Kinder können zudem erfahren (lernen), dass nicht immer der vermeintlich schnellste Weg der Beste ist. Ein gutes Spiel mit Niveau für kleine Balance-Künstler.

    (c) 6/2012 Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Zoch 601105008 - Kalimambo
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    Witziger Rennspielspaß mit Überraschungen
    Rezension vom 25.05.2012
    Als Hobbyforscher neue Tierarten in dicht bewachsenen Urwäldern finden, Gefahren bestehen und am Ende ganz vorne stehen kann man bei „Kalimambo“. Allerdings heißt es sich in Acht vor Elefanten und insbesondere deren Hinterlassenschaften nehmen, denn schnell tritt man in einen riesigen Haufen.

    Auch das Nashorn ist nicht unbedingt ein Freund, denn immer wieder rempelt es den Letzten der Expeditionsreihe an. Das gibt im Spiel natürlich Minuspunkte, wie eben der Haufentritt auch. Wer schließlich am Ende die wenigsten davon auf seinem Punktekonto stehen hat, gewinnt das flotte, witzige Laufspiel.

    Anhand von zunächst von jeder und jedem geheim ausgewählten Zahlenkarten wird die Zugreihenfolge der Spielfiguren über die 32 Felder des Spielplans geregelt. Die höchste Zahl zieht zuerst und setzt die eigene Figur an die Spitze der Forscher, wer die zweithöchste Karte spielte, setzt dann den eigenen Forscher wiederum an die Spitze usw. So verändert sich also ständig die Reihenfolge der Figuren.

    Wer vorne ist, tritt schnell mal in einen Haufen, wer hinten geht, kann vom Nashorn gerammt werden. Kali – ein schwarzes Tier mit roter Nase – zieht ziemlich überraschend los. Dann entsteht oft eine Lücke zwischen dem letzten Hobbyforscher und dem Nashorn. Das nutzt das Nashorn sofort, den hintersten anzurempeln.

    So tippeln also alle stets voran und hoffen, dass man möglichst in der Mitte bleibt, denn das ist der sicherste Platz und birgt die Chance, am Ende „Kalimambo“ zu gewinnen.

    „Kalimambo“ ist ein lustiges Spiel mit einfachen Regeln. Der hohe Glücksanteil gefällt Planerinnen und Strategen sicher nicht, aber für die Kinderrunde oder Familien eignet sich der Rennspaß sicher gut, da eben auch der Zufall hin und wieder mithilft, nach vorne zu kommen. Die witzige Spielgeschichte und die farbenfrohe Gestaltung sowie die schönen Holzfiguren motivieren zum Mitspielen.

    (c) 5/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Spiel- und Kulturpädagoge, Fürth/Bay.
  • Mein Leben als Superagent
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    Beharrliche Wahrheitsfindung mit Pfiff und etwas Schuldgefühlen
    Rezension vom 16.05.2012
    Derek, der Junge, der eine Abneigung gegen das Lesen hat, ist der Protagonist dieser meist witzigen, aber auch ein wenig nachdenklichen Geschichte. Immerhin geht es um den Tod eines Mädchens – des Mädchens, das vor Jahren in den Sommerferien auf den damals noch Windeln tragenden Derek aufpasste.

    Allein der Einstieg zieht selbst Leseunwillige in die Geschichte hinein, denn jede und jeder kann sich sofort mit Derek identifizieren. Dazu kommen seine in kleine, skurrile Zeichnungen gewandelten Gedanken, die schwierige Begriffe bildhaft erläutern. Das passt nicht immer, ist jedoch eine Idee, die sich den gesamten Erzähltext hindurch zieht.

    Der durchaus interessierte Junge entdeckt auf der Flucht vor seiner Lernaktivität einfordernden Mutter gleich am ersten Ferientag einen Zeitungsabschnitt auf dem Dachboden mit einer mysteriösen Todesgeschichte. Das Vorhandensein der Pressemitteilung im Haus seiner Eltern und zudem die dramatische Geschichte fesseln den Leseunwilligen so, dass er nicht mehr aufgibt, der Sache nachzuspüren, bis er nicht nur entdeckt, dass sogar er selbst damit etwas zu tun hat, sondern den „Fall“ auch noch löst.

    Die zunächst sehr witzige Geschichte übertritt bisweilen die Schwelle des puren Vergnügens hin zu einem tragischen Ereignis in der frühen Kindheit Dereks und kehrt schließlich zur erleichternden oder zumindest entlastenden Auflösung für ihn und seine Familie. Insofern ist es ein spaßiges Vergnügen, die Ferienereignisse des Jungen geradezu miterleben zu können. Gleichzeitig regt es dazu an, ernsthaft über Aspekte von Schuld, Vergebung und darüber, wie Belastungen bewältigt werden können, nachzudenken.

    Auf jeden Fall ist die Abenteuergeschichte nicht nur wegen der einfachen und gut erzählenden Sprache, sondern auch aufgrund der einfachen auflockernden Mini-Zeichnungen des Sohnes der Autorin gut zu lesen – und das nicht nur in den Ferien.

    (c) 5/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.
  • Die Verschwundenen
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    Brutale Lust und krankhafte Selbstdarstellung
    Rezension vom 15.05.2012
    Kommissar Olli Repo hat die ungeliebte Aufgabe übertragen bekommen, als Ausbilder den jungen Polizeianwärter Heikki Salimi als ständigen mehr oder weniger Praktikanten an seiner Seite im Berufsalltag mitlaufen zu lassen. Repos Menschenkenntnis sagt dem Realisten allerdings schon bald, dass der junge Bursche alles andere als geeignet für den Beruf ist. Zu gering ist Salmis Fähigkeit zur professionellen Distanz und zu schnell lässt er sich zu Gewaltausbrüchen verleiten. So verprügelt er beispielsweise einen mutmaßlichen Sexualstraftäter.

    Repo leidet jedoch nicht nur unter dem problematischen Jungkollegen, sondern auch noch unter der Belastung privater Probleme, als sich abzeichnet und vollzieht, dass ihn seine Frau samt Sohn verlässt. Nicht zuletzt belastet ihn und seine Ermittlungen die unsägliche Sensationsgier der übereifrigen Journalistin Saastamoinen, die bisweilen Insiderwissen zu haben scheint und vorschnell und in der Regel mit gnadenloser Lust exzessive Verbrechen genüsslich in ihrem Medium geradezu ausweidet.

    Die sich langsam in ihrer Spannung steigernde Handlung hangelt sich vom quälenden und kruden Fall Sexueller Gewalt an einem Jungen weiter über den sinnlosen und nicht nachvollziehbaren Unfalltod einer jungen Frau und gelangt über das Verschwinden eines „Big Brother“-Teilnehmers und die Jagd nach dem Gewaltverbrecher Routala bis zur drohenden Gefahr eines Massentötungsanschlages in einem Öffentlichen Gebäude.

    War schon der erste Roman des Autors bestes „Lesefutter“, so hat Marko Kilpi mit diesem zweiten Titel eindrucksvoll unterstrichen, dass man mit ihm rechnen und ihn umgehend und vermutlich auch künftig auf die Liste der Besten setzen sollte.

    (c) 5/2012, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.