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Taschenbuch (538 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Jedes Haus hat sein Geheimnis. Und jede Liebe ihren Preis
Als junges Mädchen verbrachte Julia Forrester jede freie Minute bei ihrem Großvater, einem bekannten Orchideenzüchter, im Gewächshaus von Wharton Park. Nach einem schweren Schicksalsschlag führt der Zufall Julia Jahre später noch einmal zu dem Anwesen zurück. Der jetzige Besitzer Kit Crawford überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großvater gehörte. Als Julia ihre Großmutter Elsie mit dem Tagebuch konfrontiert, drängt ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht, das auch Julias Leben komplett verändern wird ...
Pressestimmen:
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 27.06.11
Lucinda Riley stürmt mit ihrem Debüt die Bestsellerliste. Das Buch wird die 10. Auflage – in sehr kurzer Zeit – wohl bald erreicht haben. Eine Geschichte wie ein Blumenmeer – bunt, vielseitig, ereignisreich, zauberhaft. Lucinda Riley spannt den Bogen in ihrer Geschichte von England im Jahre 1939, den Kriegsbeginn mit dem Einmarsch Deutschlands in Polen, über Bangkok im Jahr 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges, bis in die Gegenwart. In zwei Strängen kommt der Leser dem Geheimnis um Liebe und Leidenschaft, Schweigen und Erdulden, Trauer und Schmerz immer näher. Beide Zeitebenen haben viel Flair und man fühlt sich als Leser in beiden Zeiten wohl. Man genießt die Zeit, als Wharton Park noch ein prächtiges Anwesen war, und in der Gegenwart laufen die Ereignisse dann zusammen und es gibt viel zu entdecken. Ein Buch wie eine Wärmflasche. In bester Kate-Morton-Manier verfasst. Wer Der verborgene Garten mochte, wird Das Orchideenhaus verschlingen. Lucinda Riley ist die neue Kate Morton.
| Verkaufsrang: | 91 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-47554-6 |
| EAN: | 9783442475544 |
| Originaltitel: | Hothouse Flower |
| Erschienen: | 01.07.2011 |
| Verlag: | Goldmann Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 538 |
| Länge/Breite: | 189mm/128mm |
| Gewicht: | 471 g |
| Übersetzer: | Sonja Hauser |
| Reihe: | Goldmanns Taschenbücher |
von Kathrin Wegmüller, am 11.05.2011 aus der Thalia-Buchhandlung in St. Margrethen
von einer Kundin/einem Kunden, am 28.05.2013
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von einer Kundin/einem Kunden, am 22.05.2013
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von Sandra Wurhofer, am 29.04.2013
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von Sandra Holdinghausen, am 21.01.2013
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von einer Kundin/einem Kunden, am 04.01.2013
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von Cora Lein, am 10.12.2012
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von Marija Milicevic, am 17.11.2012
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von Beatrix Gandt, am 05.10.2012
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von Judith Lehner, am 29.08.2012
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von A. Adams, am 28.07.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 27.06.2012
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von Schwarzenbrunner Gregor, am 22.06.2012
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von Andrea Hofmann, am 18.06.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 23.04.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 06.04.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 02.04.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 01.04.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 13.03.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 28.02.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 22.02.2012
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In Siam sagt man, wenn ein Mann sich leidenschaftlich und unwiderruflich in eine Frau verliebe, sei er in der Lage, sie fr sich zu gewinnen und sie dazu zu bringen, dass er ihr wichtiger sei als alle anderen Mer.
Es war einmal ein Prinz von Siam, der sich so in eine Frau seltener Schnheit verliebte. Er warb um sie und errang sie, doch wenige Nte vor der Hochzeit, anllich derer landesweite Feiern stattfinden sollten, wurde der Prinz unsicher.
Er wusste, dass er ihr seine Liebe mit einer eindrucksvollen und heroischen Tat beweisen musste, um sie fr alle Zeiten an sich zu binden. Dass er etwas finden musste, das genauso selten und schn war wie sie.
Nach langem Nachdenken rief er seine drei treuesten Diener zu sich und erkle ihnen, was sie tun sollten.
Ich habe von der Schwarzen Orchidee gehrt, die in meinem Reich wst, hoch oben in den Bergen des Nordens. Die sollt ihr fr mich aufspren und mir in den Palast bringen, damit ich sie meiner Prinzessin an unserem Hochzeitstag schenken kann. Den, der sie findet, mache ich zum reichen Mann. Die beiden, denen es nicht gelingt, werden meine Hochzeit nicht erleben.
Die Herzen der drei Mer, die sich vor ihrem Prinzen verneigten, waren voller Angst, denn sie wussten, dass sie dem Tod ins Auge blickten. Die Schwarze Orchidee war eine sagenumwobene Blume. Wie die juwelengeschmckten goldenen Drachen an den Bugen der kniglichen Barkassen, in denen der Prinz zum Tempel gleiten wrde, um mit der Prinzessin den Bund frs Leben zu schlien, gehrte sie ins Reich der Legenden.
An jenem Abend kehrten alle drei Mer zu ihren Familien zurck, um Abschied zu nehmen. Einer von ihnen, der in den Armen seiner weinenden Frau lag, war schlauer als die anderen.
Bis zum Morgen dachte er sich einen Plan aus und machte sich auf den Weg zu den schwimmenden Mten, wo man Gewrze, Seide und Blumen erwerben konnte.
Dort erstand er eine prtige, tiefrot-rosafarbene Orchidee mit dunklen, samtigen Bltenblern. Mit ihr fuhr er durch die schmalen klongs von Bangkok, bis er einen Schreiber fand, der inmitten seiner Schriftrollen in einem dunklen, feuchten Arbeitsraum hinter seinem Laden sa
Der Diener kannte den Schreiber, der einmal im Palast gearbeitet hatte, jedoch seiner mangelhaften Schrift wegen fr unwrdig befunden worden war.
Sawadee Krup, Schreiber, begre der Diener ihn und legte die Orchidee auf seinen Tisch. Ich he eine Aufgabe fr dich. Wenn du mir hilfst, kann ich dir Reichtmer bieten, von denen du bisher nur getrt hast.
Der Schreiber, der sich, seit er nicht mehr im Palast arbeitete, seinen Lebensunterhalt nur mit Mhe verdiente, sah den Diener an. Was kann ich fr dich tun?
Der Diener zeigte auf die Blume. Ich mchte dich bitten, dein Geschick mit Tinte an dieser Orchidee zu beweisen und ihre Bltenbler schwarz anzumalen.
Der Schreiber bedachte den Diener mit einem Stirnrunzeln, bevor er die Pflanze musterte. Ja, das ist mglich, aber wenn sie neue Blten treibt, sind diese nicht schwarz, und der Schwindel fliegt auf.
Wenn sie neue Blten treibt, sind wir beide viele Meilen weit weg und leben wie der Prinz, dem ich diene, erwiderte der Diener.
Der Schreiber nickte und dachte ber die Bitte des Dieners nach. Komm bei Einbruch der Nacht wieder, um deine Schwarze Orchidee zu holen.
Der Diener kehrte nach Hause zurck, wo er seiner Frau sagte, sie solle ihre wenigen Habseligkeiten packen, und ihr versprach, dass sie sich bald schon alles leisten knne, was ihr Herz begehre. Aurdem werde er ihr einen wunderschnen Palast an einem Ort weit, weit weg errichten.
Als er am Abend zum Schreiber zurckkehrte, seufzte er beim Anblick der Schwarzen Orchidee auf dessen Tisch vor Freude auf.
Er betrachtete ihre Bltenbler genau und erkannte, dass der Schreiber hervorragende Arbeit geleistet hatte.
Die Tinte ist trocken und wird nicht an den Fingern Neugieriger haften bleiben, erkle der Schreiber. Das habe ich ausprobiert. Versuch es ruhig selber.
Der Diener versuchte es, und tatslich: Seine Finger wiesen keine Tintenflecken auf.
Aber ich kann nicht beurteilen, wie lange die Farbe halten wird. Die Feuchtigkeit, die die Pflanze selbst erzeugt, wird die Tinte befeuchten. Und natrlich darf sie nicht in den Regen kommen.
Das gengt vllig, sagte der Diener und nahm die Pflanze an sich. Ich gehe jetzt zum Palast. Komm um Mitternacht hinunter zum Fluss. Dort wirst du deinen Lohn erhalten.
Am Abend seines Hochzeitstages und der gron landesweiten Feier betrat der Prinz seine privaten Gemer.
Die Prinzessin blickte von der Terrasse hinunter auf den Chao-Phraya-Fluss, der noch immer von dem Feuerwerk zur Feier ihrer Hochzeit erglhte. Der Prinz gesellte sich zu ihr.
Liebste, ich habe etwas fr dich, etwas, das deine einzigartige Schnheit und Vollkommenheit symbolisiert.
Er reichte ihr die Schwarze Orchidee in einem juwelengeschmckten Topf aus reinem Gold.
Die Prinzessin betrachtete die Pflanze, deren nachtschwarze Bltenbler mit der schweren Farbe zu ringen schienen. Sie wirkte mde und welk . _ und unnatrlich dster.
Doch die Prinzessin wusste, welchen Schatz sie in Hen hielt und was der Prinz fr sie getan hatte.
Mein Prinz, sie ist wunderschn! Wo hast du sie entdeckt?
Ich habe im ganzen Knigreich danach suchen lassen. Und ich bin mir sicher, dass es keine zweite ihrer Art gibt, genauso wenig, wie es eine Zweite wie dich gibt. Er sah sie voller Liebe an.
Sie streichelte sanft sein Gesicht, um ihm ihre ewige Liebe zu zeigen.
Ich danke dir von Herzen.
Er ergriff ihre Hand und begann ihre Finger zu kssen. Schon bald wollte er sie ganz besitzen. Es war ihre Hochzeitsnacht, und er hatte lange gewartet. Der Prinz nahm die Orchidee, stellte sie auf die Terrasse, schlang die Arme um die Prinzessin und ksste sie leidenschaftlich.
Komm mit hinein, meine Prinzessin, flsterte er ihr ins Ohr.
Sie liedie Schwarze Orchidee auf der Terrasse und folgte ihm ins Schlafgemach.
Kurz vor Tagesanbruch erhob die Prinzessin sich von ihrem Nachtlager und ging hinaus, um den ersten Morgen ihres neuen gemeinsamen Lebens zu begrn.
Die Pftzen verrieten ihr, dass es in der Nacht geregnet hatte. Obwohl der neue Tag bereits heraufderte, verbarg die Sonne sich noch zum Teil hinter den Ben auf der anderen Seite des Flusses.
Auf der Terrasse stand eine tiefrot-rosafarbene Orchidee in dem Topf aus reinem Gold, den der Prinz ihr berreicht hatte.
Die Prinzessin lielelnd die Finger ber ihre Bltenbler gleiten, die, vom Regen gereinigt, so gesund wirkten und viel, viel schner als am Abend zuvor. Die Pftze rund um den Topf war leicht grau geft.
Da begriff sie und hob die Pflanze hoch, um ihren himmlischen Geruch einzuatmen. Sie berlegte, was zu tun sei: War es besser, mit der Wahrheit zu verletzen oder mit einer Lge zu schtzen?
Wenige Minuten spr schlenderte sie ins Schlafgemach zurck und schmiegte sich wieder in die Arme des Prinzen.
Mein Prinz, flsterte sie, als er erwachte, meine Schwarze Orchidee ist heute Nacht gestohlen worden.
Der Prinz richtete sich entsetzt auf, um die Wachen zu rufen. Doch sie beruhigte ihn mit einem Leln.
Nein, Liebster, sie wurde uns nur fr eine Nacht geschenkt, fr die Nacht, in der unsere Liebe erblhte und wir eins und Teil der Natur wurden. Wir durften nicht erwarten, dass wir etwas so Magisches fr uns behalten knnten. Aurdem wird sie ohnehin irgendwann welken und sterben. Und das knnte ich nicht ertragen. Sie nahm seine Hand und ksste sie. Lass uns an ihre Macht glauben und daran, dass ihre Schnheit uns in der ersten Nacht unseres gemeinsamen Lebens gesegnet hat.
Der Prinz dachte eine Weile nach. Und weil er die Prinzessin aus ganzem Herzen liebte und sich so sehr darber freute, dass sie nun die Seine war, rief er die Wachen nicht.
Ihrer harmonischen Verbindung entsprang ein Kind, das in jener Nacht gezeugt wurde und auf das noch viele weitere folgten. Der Prinz glaubte den Rest seines Lebens, dass die sagenumwobene Schwarze Orchidee sie an ihrer Magie hatte teilhaben lassen.
Am Morgen nach der Prinzenhochzeit saein armer Fischer am Ufer des Chao Phraya, wenige hundert Meter flussaufws vom kniglichen Palast. Da er in den vergangenen beiden Stunden nichts gefangen hatte, berlegte er, ob die Fische durch das Feuerwerk in der Nacht auf den Grund vertrieben worden waren. Er hatte nichts, was er verkaufen konnte, und seine gro Familie wrde hungern mssen.
Als die Sonne ber die Be auf der anderen Seite des Flusses kletterte und sein Wasser erstrahlen lie entdeckte der Fischer etwas Glendes zwischen den grnen Schlingpflanzen. Er legte seine Rute beiseite und watete ins Wasser, um es zu holen.
Was fr ein Anblick bot sich ihm, als er die Pflanzen entfernt hatte!
Der Topf bestand aus reinem Gold und war verziert mit Diamanten, Smaragden und Rubinen.
Der Fischer, der in der Aufregung die Rute verga verstaute den Topf in seinem Korb und machte sich auf den Weg zum Edelsteinmarkt in der Stadt. Er wusste, dass seine Familie nie wieder hungern msste.
Teil eins Norfolk, England
Winter
Ich habe jede Nacht denselben Traum. Darin kommt es mir vor, als wrde mein Leben in die Luft geworfen und regnete in kleinen Stcken wieder herab verdreht und von innen nach aun gestlpt. Alles Teile meines Lebens und doch in der falschen Reihenfolge.
Es hei, Tre seien wichtig und verrieten einem Dinge, die man vor sich selbst verheimliche.
Ich verheimliche mir nichts; ich wnschte, ich knnte es.
Ich lege mich schlafen, um zu vergessen und Ruhe zu finden, weil ich den ganzen Tag damit verbringe, mich zu erinnern.
Ich bin nicht verrckt, auch wenn ich in letzter Zeit viel darber nachgedacht habe, was verrckt bedeutet. Abermillionen Menschen, jeder anders, mit seinem eigenen DNS-Profil, seinen eigenen Gedanken und seiner eigenen Wahrnehmung der Welt.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir Menschen letztlich nur das Krperliche teilen knnen, mit dem wir geboren wurden. Jeder reagiert anders auf Kummer, und keine dieser Reaktionen ist falsch. Manche Menschen weinen monate-, ja jahrelang; sie tragen Schwarz und trauern. Andere scheint ihr Verlust nicht zu berhren. Sie begraben ihn und leben weiter wie bisher, als w nichts geschehen.
Ich weinicht so genau, wie meine Reaktion aussieht. Ich habe seit Monaten nicht mehr geweint. Letztlich habe ich kaum geweint.
Aber ich habe es auch nicht vergessen. Das werde ich nie.
Unten hre ich jemanden. Ich muss aufstehen und so tun, als w ich bereit, dem Tag ins Auge zu blicken.
Alicia Howard lenkte ihren Landrover an die Bordsteinkante, schaltete den Motor aus und lief den kleinen Hgel zum Cottage hinauf, dessen Tr, das wusste sie, niemals verschlossen war. Sie ffnete sie und ging hinein.
Sie betrat zitternd das dunkle Wohnzimmer und zog die Vorhe am Fenster zurck. Dann schttelte sie die Kissen auf dem Sofa auf und brachte die drei leeren Kaffeetassen, die herumstanden, in die Kche.
Dort machte sie den Khlschrank auf, in dem eine einzelne, halb leere Flasche Milch stand. Aurdem entdeckte sie einen abgelaufenen Joghurt, ein wenig Butter sowie eine verschrumpelte Tomate. Alicia schloss die Khlschranktr und warf einen Blick in den Brotkasten. Wie vermutet leer. Alicia setzte sich seufzend an den Tisch.
Sie dachte an ihre eigene warme, gut ausgestattete Kche, den heimeligen Duft des Abendessens im Aga-Herd, den Klang von Kinderschritten und das frhliche Lachen der Kleinen das Herz ihres Zuhauses und ihres Lebens.
Wie anders dieser dstere kleine Raum war, entging ihr nicht. Letztlich illustrierte er sehr deutlich das gegenwige Dasein ihrer jngeren Schwester: Julias Leben und Herz waren gebrochen.
Da hrte Alicia Schritte auf der knarrenden Holztreppe. Als ihre Schwester die Kchentr erreichte, war Alicia wie immer beeindruckt von ihrer Schnheit. Mit ihren blonden Haaren und der hellen Haut he Alicia sich nicht ster von der dunklen, exotischen Julia unterscheiden knnen. Julias fein geschnittenes Gesicht wurde eingerahmt von einer dichten Me mahagonifarbenen Haares, und ihre mandelfrmigen, bernsteinfarbenen Augen und hohen Wangenknochen traten jetzt, da sie ein paar Kilo abgenommen hatte, noch deutlicher hervor.
Julia trug, weil sie momentan nur wenige Sachen ihr Eigen nannte, nicht die richtige Kleidung fr das Januarwetter: ein rotes, bunt besticktes Kaftanoberteil und eine weite schwarze Baumwollhose, die ihre dnnen Beine kaschierte. Alicia bemerkte die Gehaut an den nackten Armen Julias. Sie stand vom Tisch auf und nahm ihre widerstrebende Schwester in den Arm.
Schwesterherz, sagte sie, dir ist kalt. Mchtest du dir selbst were Kleidung kaufen, oder soll ich dir ein paar von meinen Pullovern vorbeibringen?
Ich brauche nichts, antwortete Julia und lste sich aus der Umarmung ihrer Schwester. Kaffee?
Es ist nicht viel Milch da; ich hab gerade in den Khlschrank geschaut.
Kein Problem. Ich trink ihn sowieso schwarz. Julia ging zur Sple, fllte den Wasserkocher und schaltete ihn ein.
Wie geht's dir?, erkundigte sich Alicia.
Gut. Julia holte zwei gro Kaffeetassen aus dem Regal.
Alicia verzog das Gesicht. Gut war Julias Standardantwort, mit der sie neugierige Fragen abblockte.
Hast du diese Woche mit irgendjemandem gesprochen?
Nein.
Willst du wirklich nicht wieder eine Weile zu uns kommen? Mir geft der Gedanke, dass du ganz allein hier bist, nicht.
Danke frs Angebot, aber ich komme zurecht.
Julia, du siehst nicht gut aus. Du hast weiter abgenommen. Isst du berhaupt noch was? Klar. Willst du nun Kaffee oder nicht?
Nein danke.
Okay. Julia stellte die Milchflasche mit Schwung zurck in den Khlschrank. Als sie sich umdrehte, funkelten ihre bernsteinfarbenen Augen zornig. Ich wei dass du das alles nur tust, weil du dir Sorgen um mich machst. Aber ich bin keins von deinen Kindern, Alicia, und brauche keinen Babysitter. Ich bin gern allein.
Egal, sagte Alicia in frhlichem Tonfall, jedoch auch ein wenig ungeduldig, hol mal lieber deine Jacke. Wir gehen raus.
Ich hab heut schon was vor.
Dann sag ab. Ich brauche deine Hilfe.
Wobei?
Dad hat nste Woche Geburtstag, falls du das vergessen haben solltest. Ich wrde ihm gern ein Geschenk kaufen.
Und dazu brauchst du meine Hilfe, Alicia?
Es ist sein fnfundsechzigster. Er geht in Rente.
Das weiich. Er ist schlieich auch mein Vater.
Alicia hatte Mhe, Fassung zu bewahren. Heute Mittag findet in Wharton Park eine Haushaltsauflsung statt. Ich dachte mir, wir knnten hingehen und sehen, ob wir gemeinsam etwas fr Dad finden.
In Julias Augen flackerte Interesse auf. Wharton Park wird verkauft?
Ja, wusstest du das nicht?
Julia liedie Schultern hen. Nein. Warum?
Vermutlich die alte Geschichte: Schulden. Angeblich verkauft der gegenwige Eigentmer das Anwesen einem Typ aus der City, der gar nicht weiwohin mit seinem Geld. Keine moderne Familie kann sich ein solches Haus leisten. Der letzte Lord Wharton hat es leider schrecklich herunterkommen lassen. Fr die Renovierung ist ein Vermgen ntig.
Wie traurig, murmelte Julia.
Ja, pflichtete Alicia ihr bei, die sich ber Julias Interesse freute. Es war ein wichtiger Teil unserer Kindheit, besonders deiner. Deswegen finde ich, wir sollten uns ein Erinnerungsstck fr Dad sichern. Wahrscheinlich bieten sie sowieso nur Krempel an, und die guten Sachen landen bei Sotheby's, aber wer wei
Zu Alicias erraschung nickte Julia. Gut, ich hole meine Jacke.
Fnf Minuten spr lenkte Alicia den Wagen die schmale Highstreet des hbschen Kstenortes Blakeney entlang und dann nach links, um die fnfzehnmintige Fahrt nach Wharton Park zu beginnen.
Wharton Park, murmelte Julia.
Die Besuche in Groater Bills Treibhaus gehrten zu ihren lebhaftesten Kindheitserinnerungen: der berwigende Duft der exotischen Gewse, die er darin zchtete, und die Geduld, mit der er erkle, welcher Gattung sie angehrten und woher sie stammten. Sein Vater wie auch dessen Vater hatten als Gner fr die Crawford-Familie gearbeitet, die Eigentmer von Wharton Park, einem weitligen Anwesen, bestehend aus vierhundert Hektar fruchtbaren Farmlandes.
Julias Groltern hatten in einem heimeligen Cottage in einem hbschen Winkel von Wharton Park gewohnt, umgeben von all den anderen Bediensteten, die sich um den Grund, das Haus und die Crawford-Familie selbst kmmerten. Julias und Alicias Mutter Jasmine war in dem Cottage zur Welt gekommen und aufgewachsen.
Ihre Groutter Elsie war genau so gewesen, wie man sich die perfekte Oma vorstellt, wenn auch ein wenig exzentrisch.
Bei ihr hatten sie immer Trost gefunden und etwas Kstliches zu essen bekommen.
Wenn Julia an ihre Zeit in Wharton Park zurckdachte, fielen ihr der blaue Himmel und die bunten Farben der Blumen ein, die in der Sommersonne blhten. Wharton war einmal berhmt gewesen fr seine Orchideenzucht. Seltsam, dass diese kleinen, empfindlichen Pflanzen, die eigentlich aus tropischen Gefilden stammten, im khlen nrdlichen Norfolk gediehen.
Als Kind hatte Julia sich das ganze Jahr ber auf die Sommerferien in Wharton Park mit der Ruhe und We der Gewsher in einer Ecke des Kchengartens gefreut, wo sie vor den heftigen Nordseewinden geschtzt waren. Fr sie stellten sie wie das grolterliche Cottage einen Ort des Friedens dar. In Wharton erte sich nie etwas. Hier gaben nicht Wecker und Stundenpl den Takt an, sondern die Natur.
Sie erinnerte sich gut an die klassische Musik, die von morgens bis abends aus dem alten Bakelitradio ihres Groaters erklang.
Blumen lieben Musik, sagte ihr Groater Bill, wenn er sich um seine wertvollen Pflanzen kmmerte. Julia sagern auf einem Hocker in der Ecke beim Radio, sah ihm zu und lauschte der Musik. Damals lernte sie Klavierspielen und entdeckte ihr Talent dafr.
Im kleinen Wohnzimmer des Cottage stand ein Klavier, auf dem sie nach dem Abendessen oft vorspielte. Ihre Groltern sahen anerkennend und bewundernd zu, wie Julias zarte Finger ber die Tasten glitten.
Das ist eine von Gott gegebene Begabung, Julia, stellte Groater Bill eines Abends mit Trn in den Augen fest. Versprich mir, dass du sie nicht vergeudest, ja?
Zu ihrem elften Geburtstag schenkte Groater Bill ihr eine Orchidee.
Die habe ich eigens fr dich gezchtet, Julia. Sie hei Aerides odorata.
Julia begutachtete die zarten, elfenbein-rosafarbenen Bltenbler der Topfpflanze, die sich samten anfhlten unter ihren Fingern.
Wo kommt die her, Groater Bill?, fragte sie.
Aus Asien, genauer gesagt aus der Gegend von Chiang Mai im nrdlichen Thailand.
Ach. Und welche Art von Musik, glaubst du, geft ihr?
Mozart scheint sie besonders zu mgen, antwortete ihr Groater schmunzelnd. Und wenn sie zu welken droht, solltest du es mit Chopin versuchen!
Julia pflegte im Wohnzimmer ihrer zugigen viktorianischen Wohnung in den Aunbezirken von Norwich sowohl ihre Orchidee als auch ihre musikalische Begabung und spielte der Pflanze fleig vor, so dass diese immer wieder blhte.
Sie trte von der exotischen Heimat ihrer Orchidee. Dann war sie pltzlich nicht mehr in ihrem Wohnzimmer in England, sondern in den Weiten fernstlicher Dschungel, vernahm die Gerche von Geckos und Vgeln und roch die berauschenden Dfte der Blumen, die auf den Ben und im Unterholz wuchsen.
Sie wusste, dass sie eines Tages selbst dorthin reisen wrde, um alles mit eigenen Augen zu sehen.
Groater Bill starb, als sie vierzehn war. Julia erinnerte sich deutlich an das Gefhl des Verlustes - er und die Treibher waren fr sie das einzig Sichere in ihrem jungen, bereits schwierigen Leben gewesen. Sie hatte ihn als klugen, freundlichen und aufgeschlossenen Mann empfunden, eher ein Vater, als ihr eigener es jemals war. Mit achtzehn bekam sie ein Stipendium fr das Royal College of Music in London. Groutter Elsie zog zu ihrer Schwester nach Southwold, und fortan besuchte Julia Wharton Park nicht mehr.
Jetzt, mit einunddreig, lebte sie wieder hier. Wend Alicia von ihren vier Kindern erzte, erlebte Julia, als sie aus dem Rckfenster blickte, um Gate Lodge nicht zu verpassen, das den Eingang von Wharton Park markierte, wie frher im Auto ihrer Eltern die Vorfreude.
Da kommt die Abzweigung!, rief Julia aus, als Alicia fast daran vorbeifuhr.
Mein Gott, stimmt. Mein letzter Besuch ist so lange her, dass ich fast den Weg vergessen he.
Als sie in die Auffahrt einbogen, sah Alicia ihre Schwester an und entdeckte so etwas wie Erwartung in ihrem Blick.
Du hast diesen Ort immer geliebt, stimmt's?
Ja, du nicht?
Ehrlich gesagt, hab ich mich hier meistens gelangweilt. Ich konnte es gar nicht erwarten, wieder in die Stadt, zurck zu meinen Freunden, zu kommen.
Du warst eher ein Stadtmensch, stellte Julia fest.
Ja. Und was ist aus mir geworden? Mit vierunddreig wohne ich in einem Farmhaus auf dem platten Land, mit einem Stall voller Kinder, drei Katzen, zwei Hunden und einem Aga-Herd. Wo, zum Teufel, sind die hellen Lichter der Stadt geblieben? Alicia lelte selbstironisch.
Du hast dich verliebt und eine Familie gegrndet.
Und am Ende hast du die hellen Lichter abbekommen, sagte Alicia ohne Neid.
Ja . Da drben ist das Haus. Es sieht aus wie frher.
Alicia richtete den Blick auf das Gebe vor ihnen. Ich finde, sogar noch besser. Ich hatte ganz vergessen, wie schn es ist.
Ich nicht, murmelte Julia.
Sie folgten der Schlange von Fahrzeugen, beide in ihre eigenen Gedanken versunken. Wharton Park war im klassischen Georgian Style fr den Neffen des ersten Premierministers von Groritannien erbaut worden, der allerdings starb, bevor der Bau vollendet war. Das fast vllig aus Aislaby-Stein errichtete Gebe hatte im Lauf seines mehr als dreihundertjigen Bestehens eine sanftgelbe Farbe angenommen.
Die sieben Erker und die Doppeltreppe, die zu einer Terrasse mit Blick auf den Park fhrte, verliehen dem Ensemble franzsischen Glanz. An jeder Ecke stand ein Kuppelturm, und der riesige Portikus wurde von vier hohen ionischen Sen getragen. Eine brckelnde Statue der Britannia, die frhlich auf der Spitze hockte, gab dem Ganzen ein majestsches, wenn auch ziemlich exzentrisches Aussehen.
Wharton Park war weder gronoch stilistisch rein genug, als dass man es als herrschaftliches Anwesen he bezeichnen knnen; die von spren Crawford-Generationen in Auftrag gegebenen seltsamen Anbauten strten den Gesamteindruck. Doch aus genau diesem Grund besaes nicht die abschreckende Kargheit, die anderen gron Geben dieser Epoche anhaftete.
Da drben sind wir immer links gegangen, bemerkte Julia, die sich an den Weg um den See herum zum Cottage ihrer Groltern am Rand des Anwesens erinnerte.
Mchtest du nach der Haushaltsauflsung noch einen Blick auf das alte Cottage werfen?, fragte Alicia.
Julia zuckte mit den Achseln. Schauen wir mal.
Gelb gekleidete Parkwter wiesen den Autos Ple zu.
Es scheint sich herumgesprochen zu haben, sagte Alicia, als sie den Wagen abstellte. Dann wandte sie sich ihrer Schwester zu und legte ihr eine Hand aufs Knie. Bereit?
Julia fhlte sich berwigt von so vielen Erinnerungen. Als sie aus dem Auto stieg, erkannte sie sogar die Gerche wieder: nach feuchtem, frisch gemem Gras, dazu ein Hauch Jasmin an den Rern des Rasens vor dem Haus. Sie folgten den Besuchern die Stufen hinauf zum Haupteingang des Gebes.
2
Ich bin elf und stehe in der gewaltigen Eingangshalle, die mir vorkommt wie eine Kathedrale. Die Decke hoch ber mir ist mit Wolken und feisten nackten Putten bemalt. Ihr Anblick fasziniert mich so sehr, dass ich nicht merke, wie mich jemand von der Treppe aus anstarrt.
Kann ich dir helfen, junge Dame?
Ich zucke zusammen und lasse fast den wertvollen Topf fallen, den ich in Hen halte. Mein Groater hat mich hergeschickt, um ihn Lady Crawford zu geben. Wohl ist mir dabei nicht, weil ich Angst vor ihr habe. Aus der Ferne wirkt sie alt und dnn und mrrisch. Doch Groater Bill wollte unbedingt, dass ich herkomme.
>Sie ist sehr traurig, Julia. Vielleicht muntert die Orchidee sie auf. Nun lauf schon los. Sei ein gutes Mhen.
Die Person auf der Treppe ist definitiv nicht Lady Crawford, sondern ein junger Mann, etwa vier oder fnf Jahre er als ich, mit dichtem, kastanienbraunem Lockenhaar, die er, finde ich, fr einen Jungen viel zu lang tr. Er ist ziemlich ground schrecklich dnn; seine Arme sehen unter den hochgerollten Hemdseln aus wie Stcke.
Ja, ich suche Lady Crawford, der ich das hier aus dem Gewshaus bringen soll, stammle ich.
Er schlendert die brigen Stufen herunter und bleibt mit ausgestreckten Hen vor mir stehen.
Wenn du mchtest, bringe ich ihr den Topf.
Mein Groater hat gesagt, ich soll ihn ihr persnlich geben, erwidere ich nervs.
Leider hat sie sich gerade hingelegt. Ihr geht es nicht so gut.
Das wusste ich nicht. Am liebsten wrde ich ihn fragen, wer er ist, doch ich traue mich nicht. Offenbar errer meine Gedanken, denn er sagt: Ich bin mit Lady Crawford verwandt, also kannst du mir vertrauen.
Gut. Hier. Ich gebe ihm die Orchidee, insgeheim erleichtert darber, dass ich sie nicht persnlich aushigen muss. Knntest du Lady Crawford bitte von meinem Groater sagen, dass das eine neue Ich habe Mhe, mich an den Ausdruck zu erinnern. ^ Hybride ist, die Blte gerade aufgegangen?
Wird gemacht.
Ich bleibe stehen, unsicher, was ich als Nstes tun soll. Ihm geht es genauso.
Nach einer Weile fragt er: Und, wie hei du?
Julia Forrester. Die Enkelin von Mr. Stafford.
Er hebt eine Augenbraue. Ja, klar. Ich bin Christopher Crawford. Meine Freunde nennen mich Kit.
Er streckt mir die Hand hin, die nicht die Orchidee h, und ich schttle sie.
Schn, dich kennenzulernen, Julia. Ich habe gehrt, dass du ziemlich gut Klavier spielst.
Ich werde rot. Das glaube ich nicht, widerspreche ich.
Sei nicht so bescheiden, rgt er mich. Ich habe die Kchin und deine Groutter heute Morgen ber dich reden hren. Komm mit.
Er zieht mich durch die Eingangshalle und eine Reihe riesiger Re voll strenger Mbel, die das Gebe aussehen lassen wie ein bergros Puppenhaus.