Buch
Taschenbuch (252 Seiten)
43. Auflage
Sprache: Deutsch
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Vergnüglich bringt Lou Paget ihren Leserinnen Dinge bei, die "ihr" mehr Selbstbewusstsein in Sachen Sex geben und von denen "er" garantiert nie genug bekommt: Zu Beginn stehen Tipps für eine erotische Atmosphäre und vielversprechende Kusstechniken im Mittelpunkt. Dass selbst das Benutzen von Kondomen absolut sexy sein kann, ist nur eine von zahlreichen Erfahrungen, die Lou Paget weitergibt. Oral- und Analsex, zwanzig aufregende Spiele mit den Händen und viele illustrierte Sex-Stellungen gehören zu den Künsten der perfekten Liebhaberin. Ein Buch, das schon beim Lesen Lust auf mehr macht.
| Verkaufsrang: | 680 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-16263-7 |
| EAN: | 9783442162635 |
| Originaltitel: | How to be a Great Lover |
| Erschienen: | 01.09.2000 |
| Verlag: | Goldmann Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 43. Auflage |
| Seitenzahl: | 252 |
| Länge/Breite: | 185mm/127mm |
| Gewicht: | 248 g |
| Übersetzer: | Beate Gorman |
| Reihe: | Goldmanns Taschenbücher |
Lou Paget ist Sex-Expertin und -beraterin. Seit 1993 Seminarveranstaltungen zu den Themen Sexualität und Aids. In "Cosmopolitan" und "Playboy" wurden Artikel über sie und ihre Arbeit veröffentlicht.
von Conny Hannesschläger, am 30.05.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 19.04.2010
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von Kathrin Schulz, am 01.02.2010
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von Blacky, am 21.04.2009
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von einer Kundin/einem Kunden, am 19.11.2007
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von Mia, am 09.11.2007
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von einer Kundin/einem Kunden, am 16.10.2007
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von linovi, am 19.09.2007
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von Monika, am 09.07.2007
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von Juli, am 23.06.2007
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von Dunkelelfe, am 08.05.2007
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von einer Kundin/einem Kunden, am 15.01.2007
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von einer Kundin/einem Kunden, am 27.10.2006
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von einer Kundin/einem Kunden, am 02.09.2006
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von einer Kundin/einem Kunden, am 11.11.2005
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von karen, am 25.09.2005
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von Anne, am 19.07.2005
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von einer Kundin/einem Kunden, am 15.04.2004
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von Vera, am 30.05.2003
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von einer Kundin/einem Kunden, am 21.12.2002
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Im Konferenzraum eines eleganten Privatclubs haben sich zehn bis fünfzehn Frauen im Alter von zwanzig bis Mitte fünfzig um einen Tisch versammelt. Der Tisch ist mit Silberbesteck und Leinenservietten gedeckt und mit frischen Blumen dekoriert. Es ist abends, und das gedämpfte Licht lässt eine erwartungsvolle Stimmung aufkommen.
»Meine Damen, dies ist eine der vielen Entscheidungen, die Sie heute Abend treffen müssen.« Ich stehe am Kopfende des langen, rechteckigen Mahagonitisches.
Einige Frauen tragen Designerkostüme, andere legere Freizeitkleidung, und wieder andere haben sich für den Downtown-Hip-Look entschieden. Die Frauen starren stumm auf die Mitte des Tisches, wo ich eine Auswahl von »Übungsgegenständen« ausgebreitet habe, die allgemein als »Dildos« bezeichnet werden.
»Ohne zu viel Rücksicht auf politische Korrektheit zu nehmen, wählen Sie bitte die gewünschte Farbe - weiß, schwarz oder kakaobraun - und die bevorzugte Größe - 20, 17, 15 oder das allseits beliebte 12 Zentimeter lange Executive-Modell.«
Ich höre ein paar unterdrückte Lacher und lächle die Neulinge an. »Meine Damen, bitte wählen Sie jetzt einen Übungsgegenstand aus.«
Eine große, schlanke Teilnehmerin Mitte vierzig sagt: »Muss ich das nehmen, was ich als Original zu Hause habe?«
Lautes Gelächter. Die Frauen schauen sich an - sie können die Komik der Situation kaum fassen. Nachdem ich nun schon seit fast sechs Jahren in den USA und Kanada Seminare über Sexualität durchführe, weiß ich, dass dies der Augenblick ist, in dem das Eis gebrochen ist: Die Frauen, die mehr über Sex erfahren und vor allem lernen wollen, wie sie zu einer besseren Liebhaberin werden können, entspannen sich langsam.
Die perfekte Liebhaberin ist die Zusammenfassung und Erweiterung dieser Seminare und enthält nicht nur die Dinge, die ich durch meine Forschungsarbeit gelernt habe, sondern auch das, was ich von den vielen Teilnehmerinnen meiner Seminare erfahren habe. In diesem Buch werden Sie immer wieder ihre »Stimme« (und die ihrer Männer) »hören«, während sie - von Frau zu Frau - ihre Geheimnisse verraten. So erklärte eine 55-jährige Hausfrau aus Seattle: »Ich habe festgestellt, dass Neues in Sachen Sex nicht nur etwas für die Generation meiner Kinder ist. Nach dem Tod meines Mannes habe ich neue Bekanntschaften geschlossen, und in meinem Alter MUSS ich einfach etwas über Safer Sex wissen.«
Ich möchte Ihnen deutlich machen, in welchem Geist dieses Buch geschrieben wurde. Es war nie meine Absicht, mich hinzusetzen und in einem Buch zu beschreiben, wie man einem Mann Vergnügen bereitet. Natürlich werden die hier gebotenen Informationen hauptsächlich dem Mann in Ihrem Leben zugute kommen, doch mir geht es um drei Dinge: Sie in Ihrem Frausein zu bestärken, die Intimität Ihrer Liebesbeziehung zu erhöhen, und Ihnen und Ihrem Partner die Möglichkeit zu geben, Sex auf ganz neue Art zu genießen.
Obwohl wir von Natur aus wissen, worum es im Prinzip beim Geschlechtsverkehr geht, macht uns das nicht unbedingt zu großartigen Liebhaberinnen. Das werden wir erst. Ich war jedoch schon immer der Meinung, dass man alles, was man auch tut, gut machen sollte. Finden Sie nicht auch, dass man Dinge, die man gut macht, viel mehr genießt? Beim Sex ist das nicht anders. Er sollte keine mechanische Handlung sein, sondern eine Erfahrung, die man von Anfang bis Ende genießt. Damit Ihnen das gelingt, müssen Sie wissen, was Sie tun.
Außerdem bin ich der Ansicht, dass jede Frau das Recht auf sexuelles Wissen hat. Sie werden feststellen, dass die Erkenntnis darüber, was man mit dem männlichen Körper anfangen kann, nicht nur Vergnügen, sondern auch Macht verleihen kann. Im Gegensatz zu dem, was man uns in der Vergangenheit weismachen wollte, hat es nichts Undamenhaftes an sich, Herrin des Schlafzimmers zu sein. Sexuelles Können ist genauso Teil des Frauseins wie die Mutterschaft, und zu lernen, wie man zur perfekten Liebhaberin wird, lässt uns in allen Bereichen des Frauseins erfolgreicher sein.
Aus diesen Gründen und weil ich von den Teilnehmerinnen meiner Seminare darum gebeten wurde, habe ich beschlossen, ein Buch zu schreiben, das Frauen die Kunst des Sex lehrt, und ich hoffe, dass ich Ihnen anregende Ideen vermitteln kann, um Ihrem Partner Vergnügen zu bereiten, das seine wildesten Erwartungen übertrifft.
Wahrscheinlich haben alle die ersten Dinge in Sachen Sex in der Gesellschaft von Freundinnen gelernt, in deren Kreis wir sicherlich auch darüber gelacht haben. Die meisten erinnern sich bestimmt noch lebhaft daran, wie peinlich es war, als unsere Mütter sich abmühten, uns die Tatsachen des Lebens zu vermitteln, oder wie wir versucht haben, uns im Aufklärungsunterricht möglichst unauffällig zu verhalten, damit uns die Lehrerin nicht auffordern würde, vor der ganzen Klasse einen Vortrag zu halten. Gleichzeitig erinnern wir uns an wunderbare Wochenenden, an denen wir im Schlafanzug in einem Kreis von fünf oder sechs Freundinnen gespannt zuhörten, wenn die Mädchen mit älteren Schwestern von erstaunlichen Dingen berichteten, die sie durchs Schlüsselloch beobachtet hatten. Diese Geschichten waren wie das Evangelium für uns und glaubhafter als die Worte von Müttern oder Lehrern. Wir haben gekichert und schockiert getan, aber insgeheim konnten wir es kaum abwarten, Sex selbst zu erleben. Damals schien uns Sex wie ein fantastisches, aufregendes Abenteuer.
Als wir Jahre später endlich bereit waren, unser aufregendes Abenteuer auszuleben, wussten wir kaum mehr als die Dinge, die uns von den längst verloren gegangenen Geschichten jener älteren Schwestern noch im Gedächtnis geblieben waren. Wahrscheinlich war uns der Gedanke, Sex zu erleben, nicht mehr ganz so fremd, aber wir wussten im Grunde immer noch nicht, was wir tun sollten.
Erschwert wurde das Ganze noch durch das Gefühl, dass wir auch nirgendwo erfahren konnten, wie man es macht, einmal ganz davon abgesehen, wie man es gut macht. Weder Mütter noch Lehrer hatten bei ihren Versuchen zur Sexualerziehung irgendwelche Anweisungen gegeben. Unseren Müttern können wir im Grunde keine Schuld geben: Wenn sie tatsächlich etwas über die Techniken wussten, war es ihnen viel zu peinlich, ihr Wissen an die Tochter weiterzugeben. Und ein Lehrer, der im Unterricht sexuelle Techniken angesprochen hätte, wäre seinen Job sicher bald los gewesen.
War es für uns schon als junge Frauen schwierig, über Sex zu reden, so wurde es mit zunehmendem Alter noch schwieriger. Als junge Frau nicht zu wissen, was man im sexuellen Bereich tun kann, ist unangenehm und bisweilen peinlich, aber es ist nicht mit der Unzulänglichkeit zu vergleichen, die man empfindet, wenn man in einem Alter, in dem man es eigentlich wissen sollte, Fragen zu diesem Thema stellen muss.
Genau wie mir war es vielen anderen Frauen immer peinlich, mehr über Sex wissen oder die eigenen Fertigkeiten auf diesem Gebiet verbessern zu wollen, ja, manche schämen sich deshalb sogar. Denn welche Dame möchte schon gut im Bett sein? Oder anders ausgedrückt: wie kann sie zugeben, dass sie gut im Bett sein möchte, und dabei gleichzeitig eine Dame bleiben? Für mich ist dieses Dilemma auf meine Erziehung zurückzuführen: Über Sex spricht man nicht, man stellt keine Fragen, und sexuelle Aktivitäten sind völlig tabu. Wie konnte ich unter diesen Voraussetzungen also etwas über Sex lernen? Männer konnten sich durch Erfahrung zum perfekten Liebhaber entwickeln. Tatsächlich wurde dies von ihnen sogar erwartet. Wenn Frauen jedoch über die entsprechenden Erfahrungen verfügten, spiegelte sich dieses gleich in einem schlechten Ruf wider. Dabei handelt es sich um eine Doppelfalle: Einerseits gibt es die Moralvorstellung, dass man darüber keine Fragen stellen sollte, weil »es« schlecht ist, während andererseits gelehrt wird, dass Sex eine Form der Manipulation ist, mit der man seinen Mann kontrollieren kann.
Keine der beiden Möglichkeiten hat für mich je Sinn ergeben. Ich wünschte mir den goldenen Mittelweg: praktische, wirklichkeitsnahe Informationen, die es mir ermöglichen würden, mich mit meiner Sexualität wohl zu fühlen. Ich glaubte, dass Sex Ausdruck und Feier meiner Gefühle sein sollte; und alles, was ich mir wünschte, war brillanter Sex mit dem einen Mann meiner Wahl. Das schien mir eigentlich keine zu große Erwartung zu sein.
Wohin wenden wir uns Frauen im Allgemeinen, um sexuelles Können zu entwickeln? Eine Steuerberaterin aus Chicago meinte: »Bei den meisten von uns ist unser sexuelles Können nur so gut wie das unseres besten Liebhabers - und den haben wir wahrscheinlich seit der Schulzeit nicht mehr gesehen.«
Oft sind Männer bereits sexuell aktiv, während junge Mädchen noch abwarten, und wir verlassen uns darauf, dass sie uns zeigen, wo's lang geht. Leider ist Sexunterricht aber meistens das Letzte, an das sie denken. Sie gehen stattdessen schnurstracks auf den Orgasmus zu. Und wenn der schon nicht zu erreichen ist, möchten sie ihm zumindest möglichst nahe kommen. Junge Männer wollen sehen, wie weit sie bei Frauen gehen dürfen. Sie wissen möglicherweise, wie es geht, aber nicht unbedingt, wie man es gut macht. Ideal ist daher eine feste Beziehung, in der wir uns (endlich) wohl genug fühlen, um Fragen zu stellen und zu experimentieren, und dabei am meisten lernen.
Ein anderer Weg zu sexuellem Wissen besteht darin, Sex an möglichst vielen verschiedenen Männerkörpern zu üben und dabei durch Ausprobieren ein gewisses Selbstbewusstsein in Sachen Sex zu erlangen. Ich glaube jedoch, dass dies bei unserem heutigen Wissensstand über sexuell übertragbare Krankheiten keine kluge Entscheidung ist. Das Risiko, an AIDS zu erkranken oder sich dabei andere Krankheiten zuzuziehen, ist einfach zu groß. Wahrscheinlich wollen die meisten Frauen auch gar nicht mit vielen verschiedenen Männern intim werden, und für Frauen, die in einer festen Beziehung leben, ist dies sowieso keine Alternative.
Als ich beschloss, mehr über Sex zu erfahren, begab ich mich auf die Suche nach einer Quelle, die mir helfen würde, die entsprechenden Fähigkeiten zu erlernen, genau wie ich es in anderen Bereichen meines Lebens getan hatte. Wie ich bereits erwähnt habe, glaube ich fest daran, dass man all die Dinge, die man regelmäßig tut, auch gut machen sollte. Und von all den Dingen, die eine Frau besonders gut machen will, schien mir die intime Liebe zu einem Mann eine natürliche Priorität. Damals stand ich kurz vor meiner ersten richtigen Liebesbeziehung mit einem Mann, mit dem ich für immer zusammen sein würde, wie ich hoffte (daraus ist zwar nichts geworden, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Mit natürlicher Neugier ausgestattet, begab ich mich also fest entschlossen auf die Suche nach zuverlässigen Informationen über Sex, die mir sinnvoll erscheinen und meine Wertvorstellungen nicht verletzen würden. Als Erstes wählte ich zu diesem Zweck Bücher aus, und wegen seines erotischen Rufs war das erste das Kamasutra.
Das Kamasutra gilt als eine der ältesten und maßgeblichen schriftlichen Quellen zu sexuellen Techniken und Liebeslust und wurde ursprünglich im vierten Jahrhundert nach Christus verfasst. Es wurde von einem Brahmanen und Religionsgelehrten namens Vatsyayana zusammengestellt, der sein Material in Lehrbüchern sammelte, die auf das vierte Jahrhundert vor Christus zurückgehen. Seitdem wurde das Werk mehrmals aktualisiert und ergänzt und in viele Sprachen übersetzt. Das Kamasutra war mir seit Jahren ein Begriff, und es erweckte in meiner Vorstellung immer eine Vision sinnlicher Erotik. Als ich das Buch schließlich aufschlug und zu lesen begann, war ich aus zwei Gründen überrascht. Der erste Aspekt dieses faszinierenden und umfangreichen Werks, der mich schockierte, war die freizügige Einstellung zur Sexualität im alten Indien. Die Darstellung des Liebesakts zwischen Männern und Frauen in diesem Buch warf bei mir die Frage auf, warum und wie Sex in der modernen Geschichte je zu dem Tabuthema werden konnte, das es oft ist. Außerdem befasst sich das Kamasutra offen und unerschrocken mit Themen wie Liebesaffären, Ehe, Ehebruch, Bigamie, Gruppensex, Prostitution, Sadomasochismus, männlicher und weiblicher Homosexualität und Transvestismus.
Der zweite Aspekt, der mir beim Lesen auffiel, war die Tatsache, wie nutzlos diese Anleitungen für die Frau von heute sind. Damit will ich nicht sagen, dass das Buch nicht faszinierend wäre, denn das ist es auf jeden Fall. Es ist zudem sehr unterhaltsam, und es bietet eine wunderbar detaillierte Darstellung der alten indischen Kultur. Doch statt seinem Ruf als Handbuch für sexuelle Techniken für beide Geschlechter gerecht zu werden, ist es eher ein Handbuch zur Sexualerziehung für pubertäre Jungen und junge Männer im Indien des vierzehnten Jahrhunderts. Das Kamasutra beschreibt die drei damals aktuellen Ziele im Leben eines Mannes (Tugend, Reichtum, Liebe) und wie sie durch die Kunst der Erotik erreicht werden können. So beschreibt das Buch beispielsweise das Verhalten eines wohlerzogenen Bürgers (er muss regelmäßig baden und in seinem Zimmer ein separates Bett für Prostituierte haben), und es erklärt die feine Kunst, ein Mädchen zu verführen (einschließlich Anweisungen dazu, wie man seinen Rücken und seinen Kopf kratzt, zärtlich beißt und anpustet). Das Buch bietet sogar Ratschläge und die richtige Etikette für besonders delikate Situationen wie beispielsweise den Umgang mit mehr als einer Ehefrau und die Verführung der Ehefrauen anderer Männer.
Die im Kamasutra dargestellte indische Kultur legte großen Wert auf sexuellen Ausdruck und Erfüllung. Erotisches Vergnügen galt als göttlich, und der Wunsch, Genuss zu schenken, war genauso wichtig, wie Vergnügen zu empfangen. Dennoch hat das Buch eine eindeutig männliche Perspektive. Obwohl den Techniken, mit denen einer Frau Lust bereitet werden kann, viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist offensichtlich, dass die hier weitergegebenen Informationen eher auf Beobachtung als auf Gesprächen zwischen den Partnern beruhen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Frauen damals tatsächlich gefragt wurden, was sie nun in diesen göttlichen Zustand versetzt. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben. Teil zwei des Kamasutra widmet sich »amourösen Avancen«. Dies ist ein Ausschnitt aus dem Kapitel über Umarmungen:
»Auf seiner Seite liegend, lässt er sein bestes Glied auf ihr wie auf einer Zuchtstute ruhen, oder er liegt auf ihr, wobei der Teil seines Körpers unterhalb des Nabels auf der Scham des Mädchens ruht, und er presst sein Instrument an seinen Körper, ohne in es einzudringen. In diesem Augenblick öffnet sich das Geschlecht des Mädchens, übererregt, speziell wenn es ein großes Organ hat. Die Lenden fest gegen die Scham des Mädchens stoßend, packt er es bei den Haaren und hockt über ihm, um es zu kratzen, zu beißen und zu schlagen.«
Hört sich das für Sie sehr vergnüglich und lustvoll an? Selbst wenn man hin und wieder nichts gegen ein wenig Grobheit beim Liebesspiel einzuwenden hat oder sich gerne mal den Po versohlen lässt, würde es mir nicht gerade gefallen, wie eine Zuchtstute fest gehalten und gekratzt, gebissen und geschlagen zu werden. Dennoch glaube ich, dass man den Frauen damals in Indien im Gegensatz zu heute mit mehr Respekt begegnete, obwohl sie wahrscheinlich missverstanden wurden. Trotz dieser Behandlung wurden Frauen in Vatsyayanas ursprünglicher Version des Kamasutra hoch geschätzt. Das Buch weist eindeutig darauf hin, dass es aus der Sichtweise des Mannes als Ehre galt, von einer Frau begehrt zu werden, und die Verführung einer Frau galt als Form der Kunst. Doch die Kunst ist und war schon immer ein subjektives Phänomen, wie wir alle wissen, und die Perspektive des Mannes ist für die Frau nicht unbedingt gleichbedeutend mit Vergnügen.
Ich wollte Ihnen mit diesem Auszug aus dem Kamasutra zeigen, wie leicht es ist, im Bereich Sexualtechnik irrelevante Informationen zu erhalten. Ich lernte zwar viel über die indische Kultur im vierzehnten Jahrhundert und erhielt einige sehr interessante Tipps zu sexuellen Positionen, aber insgesamt entsprach das Buch nicht meinen Erwartungen und enthielt nicht die Informationen, die ich brauchte. Und so setzte ich meine Suche nach praktischem sexuellen Wissen fort.