Gothic Reloaded
von
Thomas Zörner, am 15.10.2009
3
von 3
Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
"Gothic" war ein Meilenstein des Rollenspiels. Vor allem in Sachen Atmosphäre setzte das Spiel Maßstäbe. "Gothic 2" war die gelungene Fortsetzung, die Teil 1 um neue Gebiete erweiterte und noch mehr interessante Charaktere einführte. "Gothic 3" war ein Ärgernis. Auf Drängen des Publishers Jowood hin, brachte man das Spiel viel zu früh auf den Markt, in einer unzumutbar unfertigen Form. Bugs an allen Ecken und Enden und gleichzeitig viel zu ambitioniert. Grundsätzlich sind große Ambitionen nichts schlechtes, aber bei "Gothic 3" schlugen die Jungs von Piranha Bytes gnadenlos über die Stränge. Auf dieses rufschädigende Debakel hin, ließ man sich mit der nächsten Veröffentlichung unter neuem Publisher mehr Zeit und heraus kam "Risen". Hatten es die kluge Köpfe bei Piranha geschafft sich zu rehabilitieren? Ja, das haben sie. "Risen" fängt allerdings gar konventionell an. Als namenloser Held (was sonst?) wird der Spieler an einem Strand angespült, ohne zu wissen wo er ist, aber mit einer feschen Kameradin an seiner Seite. Mit ihrer Hilfe lernt man die Bedieung kennen, die sich als sehr eingänig herausstellt, im Laufe des Spiels aber auch als zu einfach, was sich vor allem beim Kampfsystem niederschlägt, das zwar locker von der Hand geht, aber Anspruch vermissen lässt. Nachdem man sich also weiter ins Landes Innere vorgeschlagen hat, trifft der Held einen Herrn, der ihn netterweise jeweils in Banditenlager oder in die Hafenstadt führt. Beide Orte sind storywichtige Schauplätze und werden früher oder später von jedem Spieler erkundet. In der Hafenstadt hat neuerdings der Orden, unter der Führung des strengen Inquisitor das Sagen. Das missfällt den Banditen von Don Esteban aber wenig und so hat man wieder einmal die Wahl, welcher Truppe man sich anschließt: den kämpferischen Banditen, oder den eher magiebetonten Ordenskriegern, bzw Ordensmagiern. Man merkt schon, "Risen" wandelt auf aus "Gothic" bekannten Pfaden. Allzu viel Innovation darf man von "Risen" auch nicht erwarten, Piranha Bytes verlässt sich lieber auf altbekannte Tugenden und führt diese par excellence. So ist die Welt und der Umgangston gewohnt rauh, regelmäßiges Soeichern ist essentiell und es gibt wirklich für jeden einzelne Aufgabe mehrere Lösungswege. Wenn ich von jemandem etwas besorgen muss, kann ich denjenigen 1. umhauen oder 2. ihn überreden oder 3. mittels Taschendiebstahl an das gewünschte Obejkt kommen. Die Story von "Risen" ist ebenso old school wie das ganze Spiel selbst und leider auch dementsprechend überrschungsarm, vor allem Ende ist seltsam unbefriedigend. Aber darum geht es hier nicht. "Risen" ist Atmosphäre, und das zu 100 %. In einer derartig glaubwürdigen Welt war man in noch keinem Spiel unterwegs. Wer also ein innovatives Rollenspiel sucht, ist bei "Risen" falsch. Wer aber das beste aus allen 3 Gothicspielen, und das zu 97 % bugfrei, sucht, ist mit diesem hervorragenden Spiel gut bedient.