Ich bin dann mal offline
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Ich bin dann mal offline

Ein Selbstversuch. Leben ohne Internet und Handy -

von Christoph Koch

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Weitere Artikelinformationen

Geht das überhaupt, so ganz ohne Handy und Internet?
Internet und Handy sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir sind immer öfter und länger online. Wir treffen unsere Freunde auf Facebook, googeln unseren neuen Kollegen, scrollen nebenbei durch die Nachrichten und kaufen gleichzeitig unser Bahnticket. Wenn wir nicht im Internet sind, schreiben wir SMS oder telefonieren. Aber wie wäre es denn allein mit uns und unseren Gedanken, offline und abgekoppelt vom Rest der Welt? Wie verändert das unsere Freundschaften, unsere Arbeit, unsere Beziehungen und unser Selbstbild? Christoph Koch ist dahin gegangen, wo es richtig weh tut: offline. Und hat getestet, was vom Leben übrig bleibt.
Ein bekennender Online-Junkie zieht den Stecker. Und entdeckt das wahre Leben 1.0. Die etwas andere Nulldiät: informativ, inspirierend, unterhaltsam!

Produktdetails

Verkaufsrang: 21.924
ISBN-10: 3-641-04723-4
EAN: 9783641047238
Erschienen: 07.2010
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Einband: EPUB
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1
Seitenzahl: 288
Erschienen bei: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Spieldauer: 491 KB
Kapitel: 0
Medium: EPUB
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Christoph Koch

Christoph Koch, geb. 1974, arbeitete nach seinem Studium der Kommunikationswissenschaft bei jetzt.de, zuletzt als stellvertretender Redaktionsleiter. Inzwischen ist er festes Mitglied der NEON-Redaktion und schreibt als freier Autor für verschiedene Medien, u.a. für SZ Magazin, Die Zeit, Spiegel Online immer wieder auch über Netzthemen.

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Kundenrezensionen

  • Können Sie sich Ihr Leben einen Monat lang ohne Internet und Handy vorstellen? Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Lisa-Marie Battenberg, am 31.07.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Christoph Koch, unter anderem Redakteur bei NEON, hat dies 40 Tage lang im Selbstversuch ausprobiert. Neben den Auswirkungen seines Selbstversuchs auf sich und seine Umwelt sowie deren Reaktionen, lässt Koch auch andere Menschen, unter anderem einen Rabbiner, Vertreter der Amish in den USA und einen sehr starken Nutzer der neuen Medien zu Wort kommen. Dies führt zu einigen interessanten Einblicken.

    Dabei gewinnt er meines Erachtens nach keine wirklich bahnbrechenden neuen Erkenntnisse, jedoch liest sich sein Buch dank eines flotten Schreibstils sehr unterhaltsam und regt dazu an, über die eigenen Internet- und Handygewohnheiten noch einmal nachzudenken. Nur das Schlusskapitel mit Tricks des Autors zur Internet- und Handynutzung ist meiner Ansicht nach völlig überflüssig.
    Ansonsten: Ein interessantes Thema kurzweilig und amüsant verpackt!

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Als ich das Handygeschäft verlasse, glüht mein Gesicht, obwohl mir die abendliche Berliner Luft auf der Schönhauser Allee eisig entgegenbläst. Ich fühle mich wie ein Junkie, der nach langem Leiden, nach einem Cold-Turkey-Entzug mit Blut, Schweiß und Tränen endlich wieder zurück in die Arme seiner Droge flieht. Wie Pete Doherty und Amy Winehouse in einer Person, nachdem sie mal wieder über die Mauer einer Entziehungsklinik geflohen sind, die erste Maschine nach Bangkok bestiegen und sich dort mit frischem, ungestrecktem Stoff eingedeckt haben. Die Zeit des Darbens hat ein Ende! Meine Schritte federn, meine Gesichtszüge entspannen sich, und zum ersten Mal seit Tagen entsteht darauf wie von Geisterhand ein vorfreudiges, buddhagleiches Lächeln. Nur sind der Grund für meine Entrückung keine Drogen, zumindest nicht in der herkömmlichen Form. Und doch trage ich meine Droge gerade nach Hause. In der Papiertüte, die aufgeregt neben meinem Bein flattert, befindet sich: das Internet.
Natürlich weiß jedes Kind, dass man das Internet in keine Tüte stecken kann. Das ist ja das Tolle daran. Es ist nicht greifbar, es ist überall und nirgends. In meinem Fall war es die letzten zwei Wochen leider: nirgends. »Mit unserem neuen Easy-Moving-Service wird ihr Umzug kein Problem«, hatte meine Telefonfirma, die auch meinen Internetanschluss betreute, auf ihrer Webseite vollmundig versprochen. Damals, als meine Welt noch in Ordnung war und ich in meiner al- ten Wohnung über eine allzeit bereite DSL-Leitung verfügte. Guten Gewissens und frohen Mutes machte ich also alle nötigen Angaben. Der Umzug war ja auch noch wochenweit entfernt. Auch als in den ersten Tagen in der neuen Wohnung das Telefon noch kein Freizeichen gab, wenn man es abhob, machte mir das keine rechten Sorgen. Zu viele Kisten waren noch auszupacken, zu viele Lampen anzuschrauben. Für schnelle Telefonate mit dem Pizzaservice gab es das Handy, und der Computer war eh noch nicht wieder aufgebaut, um damit ins Internet zu gehen.
Onlinesein als Normalzustand
Irgendwann war der durch den Umzug verursachte Ausnahmezustand jedoch vorbei. Die Möbelpacker stapften von dannen. Statt Pizzadienst-Pizza gab es wieder Essen aus dem inzwischen zufrieden brummenden Kühlschrank. Die leeren Umzugskartons verschwanden in den Keller. Kurz: Es kehrte wieder so etwas wie Normalität ein. Jedenfalls beinahe. Denn zur Normalität, so sollte ich schnell herausfinden, gehören für mich wie für die meisten Menschen heutzutage:
? auf Knopfdruck E-Mails empfangen zu können,
? Zugverbindungen und das Kinoprogramm mit einem Klick auf ein Online-Lesezeichen abzurufen,
? mit einem beherzten Drehen am Mausrad jederzeit zu kurzen Onlinevideoclips von wahlweise Britney Spears, niedlichen Koala-Babys oder explodierenden Colaflaschen zu scrollen, in die jemand Mentos-Bonbons geworfen hat.
All dies - und noch viel mehr - blieb mir jedoch verwehrt. Immer noch kein Telefon, immer noch kein Internet. »In ihrem Haus liegt kein Anschluss«, ließ mich eine gelangweilte, Kaugummi kauende Studentin in einem Call-Center wissen, das ich in meiner Wut im dunkelsten Ostdeutschland wähnte. Dass mein Vormieter ebenso fröhlich telefoniert und im Internet gesurft hatte, wie es alle meine derzeitigen Nachbarn taten, beeindruckte die bei jedem Anruf wechselnde Kaugummistudentin ebenso wenig wie die Tatsache, dass ich die von ihr in Frage gestellte Telefonanschlussdose mit meinen eigenen Augen vor mir sehen konnte.
Menschen, die von Gott nicht auf die Probe gestellt werden sollen, finden in solchen Momenten das ungeschützte WLAN-Netz eines Nachbarn, der zu faul oder unwissend war, ein Passwort zu vergeben. Menschen, die von Gott nicht auf die Probe gestellt werden sollen, wählen sich von da an automatisch in dieses Netzwerk ein und verschwenden nie wieder einen Gedanken daran, wo »ihr Internet« eigentlich genau herkommt. Der Strom kommt ja schließlich auch aus der Wand, die Milch aus dem Kühlschrank und das Geld aus dem Automaten. Ich hatte kein solches Glück. Für mich hatte Gott, oder wer auch immer das Internet erfunden hatte, einen anderen Plan vorgesehen. Ein tieferes Tal, durch das er mich führen wollte. Die erste Zeit behalf ich mich noch mit regelmäßigen Besuchen in einem nahegelegenen Internetcafe. Doch erstens roch es dort nach dem Fett der angrenzenden Imbissbude sowie nach ungeduschten Backpackern. Und zweitens liegt der Zauber des Internets ja nicht darin, dass man eine Jacke anziehen, das Haus verlassen und jemand anderem Geld dafür geben muss, damit man nachsehen kann, wer das Lied »A Walk in the Park« geschrieben hat. Der Zauber des Internets liegt darin, dass man diese Frage genau in dem Moment klären kann, in dem sie einem in den Sinn kommt - oder der Freund sie aufwirft, mit dem man sich gerade auf dem Balkon betrinkt.
Das Internetcafe war keine echte Lösung. Als ich vor etwa zehn Jahren meine ersten Erfahrungen mit dem Internet sammelte, war es noch völlig ausreichend, einmal am Tag in den sogenannten »Informatikraum« der Universität zu gehen, an der ich damals vorgab, zu studieren. Man sah seine E-Mails durch, die zu jener Zeit nur sporadisch eintrudelten. Nachrichten von Menschen, die man beim »Backpacken« auf anderen Kontinenten kennengelernt hatte. Probeweise gab man auch mal »Winona Ryder nude« in die Suchmaschine ein, die damals noch Altavista oder Hotbot statt Google hieß (der Browser nannte sich noch Netscape), und errötete, wenn man tatsächlich in dem Augenblick ein Bild der Schauspielerin zu sehen bekam, in dem jener Streberstudent, der den Informatikraum hütete, hinter einen trat. Dann hatte man für eine Weile genug aufregendes Internet gehabt und ging wieder nach Hause.
24 Stunden am Tag vernetzt
Heute ist das anders. Heute funktioniert Internet im Grunde nur noch, wenn es immer und dauerhaft verfügbar ist. Wir wollen »always on« sein, immer verbunden mit der Welt. Was dazu geführt hat, dass der Begriff »Flatrate«, der in Deutschland ursprünglich für einen zeitlich unbegrenzten Internetzugang zum Festpreis geprägt worden war, inzwischen auch auf Saufpartys und sogar Bordelle angewendet wird. Statt jedes Mal mühsam das Telefon aus- und das Computermodem einzustöpseln, damit es sich unter rhythmischem Kreischen und Pfeifen ins Internet »einwählt«, wie es noch Anfang dieses Jahrtausends üblich war, ist heute zumindest in den Städten eine DSL-Leitung Standard, die nicht nur schnellere Verbindungen ermöglicht, sondern in Kombination mit einer Flatrate auch nicht unterscheidet, ob man fünf Minuten oder 24 Stunden am Tag online ist.

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