Katze Grizzy
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Katze Grizzy

Humorvolle Geschichten von Vier- und Zweibeinern

von Elke Krys

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Katze Grizzy

Katze Grizzy

von Elke Krys

EAN: 9783862685400

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Psst - lesen Sie bitte ganz, ganz leise weiter und klappen Sie, um Himmels willen, das Buch nicht laut zu! Ich möchte nicht, dass meine Family aufgeweckt wird. Die glauben nämlich fest daran, ich würde die ganze liebe Nacht lang zusammengerollt auf meiner Bettdecke schlummern. Okay - eigentlich schlafen wir Katzen wirklich sehr, sehr viel. Aber doch nicht die gesamte wunderschöne Dunkelheit hindurch. Dann werde ich erst so richtig munter und treibe allerlei Dinge, von denen die Zweibeiner annehmen, dass wir Vierbeiner dazu außerstande wären, und ich möchte sie dieser Illusion nur ungern berauben; denn es besteht die Gefahr, wenn ich all meine Fähigkeiten preisgebe, dass es in, für Katzen eher ungern verrichtete, Arbeit ausarten könnte ...! Ich kann nämlich lesen und schreiben. Ja - Sie haben richtig gelesen! Doch Moment, ich muss mich entschuldigen - wie unhöflich von mir, ich habe mich Ihnen ja noch gar nicht vorgestellt: Gestatten, mein Name ist Grizzy.

Produktdetails

ISBN-10: 3-86268-540-3
EAN: 9783862685400
Erschienen: 14.09.2011
Verlag: Engelsdorfer Verlag
Einband: EPUB
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1
Seitenzahl: 171
Erschienen bei: Engelsdorfer Verlag
Spieldauer: 195 KB
Kapitel: 0
Medium: EPUB
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Wie ich eine Roulade erlegte (S. 20-21)
Da meine jetzigen Eltern tierlieb sind, gab es immer irgendwelche Tiere in ihrem Leben. Papa hatte als Kind Meerschweinchen, einen Wellensittich, Kaninchen, Zierfische im Aquarium und für ein Jahr sogar mal eine Ziege. Na ja, vielleicht hat er die ja immer noch – hihihi. Mama hatte zuerst Goldhamster – der erste war lieb und mit ihm konnte man spielen. Der zweite lochte meiner Mama die Finger wie an einem Fahrkartenautomaten, denn er war extrem bissig. Beim Käfig saubermachen musste er mit einem Quirlstiel fortan auf Abstand gehalten werden. Auch Wellensittiche und später Zebrafinken gehörten damals zu Mamas Spielgefährten.
Oder mal ein verletzter Spatz, dann mal eine verletzte Taube – und diese letztgenannten Vögel flogen dann nach ihrer Genesung einfach wieder weg. Undankbares Flatterzeug! Finden Sie nicht auch? Gruselig wurde es, als Mama als Kind ein Kaninchen geschenkt bekam – und sich anscheinend nicht genug darum selber gekümmert hat. Dann musste es zum Großvater gebracht werden. Die Eltern wollten es so, und der Großvater hatte viele Kaninchen in seinen Ställen. Eines Tages zu Silvester lag das schwarze Kaninchen dann braun und kross gebraten auf der Servierplatte auf dem Küchentisch.
Mama konnte nix davon essen. Vielleicht war das schon damals so ein Schlüsselerlebnis, weswegen sie später Vegetarierin wurde? Sie müssen nämlich wissen, dass Mama seit sehr vielen Jahren überhaupt kein Fleisch oder Wurst mehr isst. Mir kann das nur recht sein, dann kommt sie nicht auf dumme Gedanken ...! Nee, ist nur Spaß – denn wir leben ja hier nicht in Asien – und in Europa werden Katzen nicht so gerne verspeist. So gesehen habe ich wirklich mehrfaches Glück hier zu leben. Mama wurde Vegetarierin, weil sie diese Tiertransporte und die grausame Massentierhaltung nicht ertragen kann. Irgendwann konnte sie in solcherlei gezüchtete Fleischstückchen, die im Grunde genommen ja Leichenteile sind, nicht mehr hinein beißen.
Ich bekomme aber nach wie vor meine Fleischportionen aus Dosen und Tütchen serviert, denn Mama weiß, dass Katzen nicht auf vegetarische Kost umgestellt werden können. Obwohl – ich habe es mal probiert. Bin heimlich auf den erkalteten Herd gesprungen und habe in dem Topf mit grünen Bohnen, in der Mitte bis auf den Grund, ein Loch in das Bohnenmenü gefressen. Mama und Papa haben gelacht, als sie das entdeckten – und mir hatte es vorzüglich geschmeckt. Doch noch lieber stehle ich Papas Leckerein vom Herd.
Er ist nämlich Nichtvegetarier und brät sich ab und an mal so ein Teil vom toten Tier – denn lebendig zu fangen und zu essen, das bringen die meisten Menschen dann doch nicht übers Herz. Mama meint, wenn die Menschen ihr Futter noch selber fangen und erlegen müssten, gäbe es vielleicht noch mehr Vegetarier. Na ja – ich weiß nicht? Ich finde, Menschen können auch ganz schön gewalttätig sein. Aber zurück zum leckeren Braten! Erst vor kurzem habe ich Mama nämlich ganz schön erschreckt, als sie auf dem Teppich im Wohnzimmer etwas braunes undefinierbares fand. Bei näherer Betrachtung und im Licht entpuppte sich der Brocken als Roulade aus Papas Pfanne. Ich war zuvor in die Küche marschiert und roch den erkalteten Braten. Papa hatte vergessen einen Deckel auf das Gefäß zu machen. Wenn gekocht wird, dann weiß ich genau, dass ich mir auf dem Ceranfeld die Pfötchen verbrennen kann – ich spüre die Hitze von Weitem und mache einen Bogen um den Herd.

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