Im Dienste Seiner Majestät
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Stefan Heidsiek, am 22.04.2010
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Wir befinden uns im Indien des Jahres 1799. Genauer gesagt im Maisur-Gebiet nahe von Seringapatam. Nachdem vor knapp sieben Jahren die Festung unter der Herrschaft des Tipu Sultan im Verhandlungen mit Cornwallis einem Stillstandsabkommen zugestimmt hat, sieht sich nun die britische Armee erneut zum Angriff auf die Stadt gezwungen, denn Napoleon ist mittlerweile in Ägypten gelandet, um von dort seinerseits Indien zu bedrohen. Und auch im Maisur-Gebiet selbst wächst der Einfluss der Franzosen, mit denen sich der Tipu Sultan inzwischen offiziell verbündet hat. Mit dem Fall Seringapatams soll dieser Einfluss endgültig gebrochen werden. Inmitten der britischen Armee von knapp 50.000 Mann marschiert auch der junge Richard Sharpe, Fußsoldat im 33. Regiment unter dem Kommando von Colonel Arthur Wellesley (der spätere "Duke of Wellington", 1815 Sieger über Napoleon bei Waterloo), mit. Er trägt sich mit Gedanken an Desertierung, zumal er sich mit dem tyrannischen Sergeant Hakeswill einen Feind fürs Leben geschaffen hat. Als die Schikanen für ihn drohen lebensgefährlich zu werden, scheint ein riskanter Auftrag der einzige Ausweg zu sein:
Er soll in die Festung Seringapatam eindringen, um einen dort gefangen gehaltenen Offizier zu befreien, der die Verteidigungsanlangen ausgekundschaftet hat oder zumindest dessen gesammelte Informationen zurück zu Armee zu bringen. Ein Himmelfahrtskommando ... und die Feuerprobe für den späteren Held der napoleonischen Kriege.
Wie immer versteht es Bernard Cornwell meisterhaft, die tatsächliche Historie mit seinen fiktiven Romanfiguren zu verbinden. Zwar laufen auch hier, wie in der Sachsen-Saga, die Romane stets nach dem gleichem Schema (große Schlacht, Showdown am Ende, Sharpe rettet für Wellington den Tag) ab, aber Langeweile vermag an keiner Stelle aufzukommen. Dafür schildert Cornwell zu farbig, ist er wahrlich begnadet in der Beschreibung von Schlachten. Und die größte Leistung der Serie ist auch die Figur selbst. Ein interessanter, liebenswerter Romanheld, fehlbar, unmoralisch (nicht selten Dieb, Mörder oder Ehebrecher), der aber gleichzeitig von einem starken Ehr- und Loyalitätsgefühl beseelt ist. Ein Frauenheld sondergleichen, der für die Schönheit des weiblichen Geschlechts fast ebenso anfällig ist, wie für die Benutzung äußerst blumiger Schimpfwörter. Seine Herkunft wird er innerhalb der Reihe auch nie los. Er bleibt ein "son of a bitch", ein Bastard eines unbekannten Vaters und einer Dame des horizontalen Gewerbes, der in der London Unterwelt seine Kindheit verbracht hat.
Kein Zufall also, dass seine Feinde manchmal die gleiche Uniform tragen wie er selbst. Seine Nemesis ist Sergeant Hakeswill. Ein so fieser Mistkerl, den man schlichtweg hassen muss, dessen Bösartigkeit andererseits allerdings auch extrem fasziniert. Cornwell geht hier einmal mehr ein hohes Tempo, überrascht mit gelungenen Anspielungen auf die späteren Bände der Serie (so wird Sharpe hier u.a. von einem Franzosen ein Scharfschützen-Jagdgewehr in die Hand gedrückt) und unterhält auf ganzer Linie. Allein die streckenweise grausige Übersetzung verhindert eine höhere Wertung.
Insgesamt ist "Sharpes Feuerprobe" ein gelungener Einstieg in eine hoffentlich jetzt auch in Deutschland langlebiger Reihe. Ein Abenteuerroman voll Heldenpathos und Kampfeslärm, der richtig viel Lust auf mehr macht.