Nie wieder Krieg
von
Volker M., am 15.04.2012
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Die für mich ohne Zweifel beste Hör-Dokumentation des vorletzten Jahres war "Zeitzeugen erzählen - 100 Jahre Deutschland" von Inge Kurtz und Jürgen Geers, und ich habe mit großer Spannung auf "Zeitzeugen erzählen vom Krieg" gewartet. Es ist die Generation meiner Eltern und Großeltern, die hier zu Wort kommt, aber während meine Großväter Zeit ihres Lebens nicht über den Krieg sprechen konnten, sind die Protagonisten in Inge Kurtz' neuer Dokumentation von oftmals schonungsloser Offenheit. Mehr als einmal hatte ich beim Hören einen dicken Kloß im Hals, wenn ich den Eindruck bekam, dass ein Zeitzeuge gerade zum ersten Mal Dinge erzählt, die ihn sein ganzes Leben lang belastet haben. Es zeugt von ungeheurem Einfühlungsvermögen und einem tiefen Vertrauen, das Inge Kurtz zu ihren Interviewpartnern aufgebaut haben muss, um so dicht an die Personen und Ereignisse heranzukommen. So eindringlich sind die Gräuel des Krieges selten geschildert worden und gerade der Umstand, dass eine Hörproduktion auf das Medium Bild verzichtet, verstärkt den Eindruck enorm. Man achtet auf jede Schattierung der Stimmlage, mit der oft mehr gesagt wird als mit vielen Worten. In den Pausen, wenn die Zeitzeugen nach Fassung ringen, kann man eine Stecknadel fallen hören. Da werden 60 Jahre ausgelöscht und man ist selber mitten im Bombenhagel der Alliierten, an der Front, im KZ, beim Verhör durch die Staatspolizei. Eine geradezu unheimliche Mischung aus Verdrängen und Wegsehen hat vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg dazu geführt, dass der Krieg nicht als das wahrgenommen wurde, was er tatsächlich ist: Ein ungeheures Verbrechen. Er produziert Leid auf allen Seiten, bei den Angegriffenen genauso wie bei den Angreifern. Mancher Soldat hat bis heute nicht überwunden, dass ihn der Staat zum Mörder gemacht hat. Mancher Verschüttete träumt bis heute von Bombennächten. Und das sind nur die, die überlebt haben.
Dass Inge Kurtz diese persönlichen Schicksale aufgezeichnet hat und ohne zusätzlichen Kommentar für sich alleine in dieser Dokumentation wirken lässt, ist ein unendlich wichtiger Beitrag zur Aufklärung. Ihre aufrüttelnden Hörproduktionen sollten zum Pflichtprogramm an jeder Schule gehören.
Vielleicht ziehen wir dann nächstes Mal nicht so leichtsinnig wieder in einen Krieg, wie den, in dem wir uns gerade befinden. Wir sollten aus den Fehlern unserer Vorfahren lernen. Eine traumatisierte Generation reicht völlig aus. Hören wir auf ihre Warnungen, solange sie uns noch warnen können.