Buch
gebunden (144 Seiten)
1. Auflage
Sprache: Deutsch
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Laura Theiler lebt in Singapur. Als gut betuchte Ehefrau eines Pharma-Managers, als Expat ohne Freunde. Sie verbringt die Nachmittage in der Lobby eines Luxushotels bei Gin Tonic und beobachtet die Reichen. Bis sie etwas wagt, was ihr Leben nachhaltig beeinflussen wird. Laura Theiler bewegt sich vordergründig souverän auf dem Parkett der globalen Elite, sie kann alles haben, was für Geld zu kaufen ist, und doch gehört sie nicht dazu. Seit Daniel, ihr Ehemann, in die Schweiz zurückberufen wurde, verbringt sie ihre Nachmittage im Shangri-La. Dort begegnet sie einem flirtenden Schweizer Paar. Laura entwickelt eine regelrechte Obsession für die beiden, sie belauscht die Gespräche, folgt ihnen, bleibt immer unerkannt. Schließlich geht Lauras Besessenheit so weit, dass sie einen dreisten Diebstahl wagt. Was Laura zu den beiden hinzieht und auf welche Fragen sie so verzweifelt Antworten sucht, wird dadurch immer klarer "Laura Theiler" ist die Geschichte einer Frau, die keine Angst hat, Glück durch Geld und Liebe durch Einheiraten in bessere Kreise auszuwechseln. Zindel umkreist dabei die Korrelation zwischen Reichtum, Glück, Armut und Sinnlosigkeit und unterläuft geschickt alle Erwartungen. Sie schafft in einer poetisch-lakonischen Sprache eine Atmosphäre, in der sich die Figuren permanent auf dünnem Eis bewegen.
| ISBN-10: | 3-905801-37-X |
|---|---|
| EAN: | 9783905801378 |
| Erschienen: | 23.08.2010 |
| Verlag: | Salis Verlag AG |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1. Auflage |
| Seitenzahl: | 144 |
| Gewicht: | 256 g |
| Altersempfehlung: | 18 - 80 |
Mireille Zindel (geb. 1973), Germanistin / Romanistin, freie Texterin und Autorin. Lebt und arbeitet in Zürich.Trägerin des Literatur-Preises der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung 2007.
Laura wusste sofort, wohin sie sich setzen wollte. Der beste Platz, um zu hören,
was das Paar sprach, war die freie Sesselgruppe zu dessen Linken. Zwischen ihren
Tischen stand eine Kiste mit Pflanzen. Sie konnte die Gesichter nur undeutlich
sehen, aber schon drangen die ersten Sprachfetzen zu ihr herüber. Es gab keinen
Zweifel, es waren Schweizer wie sie selbst.
– Waren Sie schon am Meer? hörte sie den Mann fragen.
– Ja.
– Waren Sie baden?
– Nein, ich betrachte es lieber.
– Sie sollten baden gehen, es wird Sie schon kein Hai beißen.
Die Frau kicherte und ließ die Eiswürfel in ihrem Glas klirren.
Während der Hitze immer das Trinken, dachte Laura. Zuerst Wasser. Dann, je länger
der Aufenthalt dauert, Drinks. Der Alkohol macht die Hitze erträglicher, man
wehrt sich nicht mehr gegen sie, man lässt sich von ihr einnehmen. Dreizehn Stunden
sind sie geflogen, die meisten bleiben nicht länger als ein paar Tage. Dreizehn
Stunden, um diese Hitze zu spüren, zu trinken – endlich das Gefühl zu erlangen,
etwas Notwendiges zu tun zu haben: Trinken, um nicht zu verdursten.
– Sonst gibt es für Sie hier ja nichts zu tun, außer Einkaufen, sagte der Mann.
– Das reicht, bei der Auswahl an Geschäften … lächelte sie sanft.
Daniel hatte gesagt, niemand fliege nach Singapur, um das Meer zu sehen oder um
zu baden, hierher käme man der Geschäfte wegen oder um einzukaufen, erinnerte
sich Laura.
– Noch einen Drink? fragte der Mann.
– Gern. Diese Hitze …
– Bei der Hitze sollte man viel trinken.
Wieder ihr aufgesetztes Lachen.
Ein livrierter Kellner eilte durch die Halle, trat an Laura heran und riss sie aus ihrer
Versunkenheit:
– Madame, was darf ich bringen?
– Gin Tonic. Mit viel Eis …
– Kommt sofort.
Seit zwei Wochen jeden Nachmittag derselbe Wortwechsel mit den Kellnern.
Sie behandelten sie trotz ihrer Aufmachung wie die anderen Gäste und ließen sich
nichts anmerken. Dafür war Laura ihnen dankbar.
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