Buch
Taschenbuch (510 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Frei wie ein Vogel ...
Cassie O'Malley kennt nur eine Leidenschaft: das Fliegen. Nick, der junge Flughafenleiter ihres Vaters, erkennt ihr Talent und fördert sie insgeheim. Als ihr eines Tages Desmond Williams, einer der größten Flugzeughersteller Amerikas, einen Job als Testpilotin anbietet, sieht Cassie ihre Träume erfüllt. Doch nach vielen Jahren des Erfolgs muss sie feststellen, dass das Glück nicht nur in den Wolken liegt ...
DIE Grande Dame der großen Frauenunterhaltung!
Pressestimmen:
"Danielle Steel schreibt große Schicksalsromane!" (HörZu)
"Frauenschicksale - kaum eine andere Schriftstellerin weiß sie so packend zu erzählen wie Danielle Steel!" (Zeitung am Sonntag)
| Verkaufsrang: | 18.269 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-37310-7 |
| EAN: | 9783442373109 |
| Originaltitel: | Wings |
| Erschienen: | 13.07.2009 |
| Verlag: | Blanvalet |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 510 |
| Länge/Breite: | 184mm/118mm |
| Gewicht: | 394 g |
| Übersetzer: | Inge Wehrmann |
| Reihe: | Blanvalet Taschenbücher |
Danielle Steel kam in New York als Tochter einer portugiesischen Mutter und eines deutschen Vaters zur Welt. Sie wuchs in Frankreich auf und kehrte schließlich nach New York zurück, um Romanistik zu studieren. Bereits ihr erster Roman wurde ein überwältigender Erfolg. Seitdem hat sie mehr als fünfzig weitere Romane verfaßt, die Jahr für Jahr an den Spitzen der Bestsellerlisten stehen.
Inge Wehrmann hat in Münster, Minneapolis und Bergen Anglistik, Skandinavistik und Germanistik studiert. Seit über zwanzig Jahren übersetzt sie Literatur aus dem dem Englischen und den skandinavischen Sprachen. Sie lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Söhnen auf dem Land.
Die schmale Straße zum O'Malley-Flugplatz wand sich in sanften Kurven zwischen Viehweiden und Maisfeldern dahin. Der Flugplatz war ein kleiner Streifen trockenes Land in der Nähe von Good Hope, McDonough County, etwa zweihundert Meilen südwestlich von Chicago. Als Pat O'Malley das Land im Herbst 1918 zum erstenmal sah, waren diese neunundsiebzig unfruchtbaren Morgen für ihn das Schönste, was er je gesehen hatte. Kein Farmer mit einem Funken Verstand hätte das Land gewollt, aber es war spottbillig, und Pat O'Malley bezahlte es mit einem Großteil seiner Ersparnisse. Der Rest ging beim Kauf einer verbeulten kleinen Curtiss Jenny drauf, die noch aus Beständen der Luftwaffe stammte. Die Jenny war ein zweisitziges Flugzeug mit doppelter Steuervorrichtung. Er benutzte sie, um einem der seltenen Besucher ein, zwei Flugstunden zu erteilen. Ab und zu flog er auch einen Passagier nach Chicago oder beförderte kleinere Frachtstücke in die verschiedensten Orte.
Die Curtiss Jenny hätte ihn beinahe ruiniert, und nur Oona, seine hübsche, kleine, rothaarige Frau, mit der er seit mehr als zehn Jahren verheiratet war, hielt ihn als einzige nicht für vollkommen verrückt. Sie wußte, wie versessen er auf die Fliegerei war, seit er zum erstenmal ein Flugzeug auf einem kleinen Landeplatz in New Jersey gesehen hatte. Die Flugstunden hatte er sich nur durch Überstunden und Nebenjobs leisten können. 1915 hatte er sie bis nach San Francisco geschleift, wo er auf der Panama-Pazifik-Ausstellung die Bekanntschaft von Lincoln Beachey machen wollte. Beachey hatte Pat in seinem Flugzeug mitgenommen. Als er zwei Monate später nach drei atemberaubenden Loopings mit seiner neuentwickelten Maschine ums Leben kam, war Pat untröstlich gewesen.
Bei der Ausstellung hatte Pat auch den berühmten Flieger Art Smith kennengelernt, und einen Haufen von Flugbesessenen, die seine Passion teilten. Sie waren eine Bande von Teufelskerlen, und die meisten von ihnen taten nichts lieber als fliegen. Die Fliegerei war ihr Leben, ihr ein und alles, ihr ganz großer Traum. Sie wußten nicht nur alles über das komplizierte Innenleben jeder einzelnen, jemals gebauten Flugmaschine, sondern auch, wie sie am besten zu fliegen war. Sie erzählten sich Fliegergeschichten und gaben sich gegenseitig Tips und Ratschläge. Bis ins kleinste Detail diskutierten sie über neue und alte Flugzeuge und abstruse Neukonstruktionen. Da die meisten von ihnen sich ausschließlich für die Fliegerei interessierten, hielten sie es nie lange bei Jobs aus, die wenig oder nichts mit Flugzeugen zu tun hatten. Und Pat war immer dabei, schilderte irgendein unglaubliches neues Kunststück oder beschrieb ein bemerkenswertes Flugzeug, das die vorangehenden Modelle übertraf. Eines Tages würde er sein eigenes Flugzeug haben, vielleicht sogar eine ganze Flotte, schwor er immer. Seine Freunde lachten ihn aus, und seine Verwandten hielten ihn für verrückt. Nur die süße, liebevolle Oona glaubte ihm. Voller Treue und Bewunderung stand sie zu allem, was er sagte oder tat. Und bei der Geburt ihrer kleinen Töchter versuchte Pat, der sich nichts sehnlicher wünschte als einen Sohn, seine Enttäuschung zu verbergen, denn er wollte ihre Gefühle nicht verletzen.
Aber wie sehr er seine Frau auch liebte, so war Pat O'Malley nicht der Mann, der viel Zeit mit seinen Töchtern verschwendete. Er war ein männlicher Mann, der sich durch Präzision und Sachverstand auszeichnete. Das Geld für die Flugstunden hatte sich sehr bald ausgezahlt. Er gehörte zu den Piloten, die fast jede Maschine instinktiv fliegen konnten, und niemand war überrascht, als er sich als einer der ersten Amerikaner freiwillig zur Luftwaffe meldete, noch bevor die USA in den großen Krieg eintraten. Er kämpfte mit der Lafayette-Schwadron und wechselte danach zum 94. Luftgeschwader unter dem Kommando Eddie Rickenbackers.
Das waren seine aufregenden Jahre. Mit dreißig war er einer der Ältesten gewesen, die sich 1916 freiwillig gemeldet hatten. Auch Rickenbacker hatte die dreißig bereits überschritten. Er und Pat waren nicht nur im selben Alter, sondern teilten auch die gleiche Begeisterung für die Fliegerei. Wie Rickenbacker wußte Pat genau, was er tat. Er war zäh, clever und absolut zuverlässig, und ihm wurde nachgesagt, daß er mehr Mumm in den Knochen hatte als alle anderen Flieger seines Geschwaders. Alle flogen sie gern mit ihm, und Rickenbacker selbst hatte ihn wiederholt als einen der weitbesten Piloten bezeichnet. Nach Kriegsende versuchte er, Pat zum Weitermachen zu überreden, und sprach von neuen Zielen, Herausforderungen und neuen Welten, die es zu erobern gab.
Aber Pat war sich bewußt, daß diese Art von Fliegen für ihn vorbei war. Mochte er auch ein noch so guter Pilot sein, so gehörte seine große Zeit der Vergangenheit an, denn er mußte jetzt für Oona und die Mädchen sorgen. Er war zweiunddreißig Jahre alt, als der Krieg 1918 zu Ende war, und er mußte an die Zukunft denken. Sein Vater war mittlerweile gestorben und hatte ihm eine kleine Summe hinterlassen. Auch Oona hatte ein wenig Geld zurückgelegt. Diese bescheidenen finanziellen Mittel hatte er bei sich, als er sich westlich von Chicago nach einem geeigneten Stück Land umschaute. Einer seiner Fliegerkameraden hatte ihm erzählt, daß es dort spottbilliges Land gab, besonders wenn es nicht landwirtschaftlich genutzt werden konnte. Und damit hatte alles angefangen.
Er erstand neunundsiebzig Morgen miserables Farmland zu einem guten Preis und malte selbst das Schild, das auch achtzehn Jahre später noch dort stand. "O'Malley's Airport" hatte er einfach geschrieben, und in den vergangenen achtzehn Jahren waren ein "I" und das "y" fast verblaßt.
Mit seinem letzten Geld hatte er 1918 die Curtiss Jenny gekauft, und kurz vor Weihnachten konnte er Oona und die Mädchen nachkommen lassen. Am Rande seines Grundstücks, in der Nähe eines Flüßchens, stand eine windschiefe Hütte zwischen ein paar alten Bäumen. Und dort lebten sie, während er jeden flog, der den Preis bezahlen konnte. Häufig erledigte er auch Postflüge mit der alten Jenny. Sie war ein verläßliches kleines Flugzeug, und er sparte jeden Pfennig, so daß er im Frühling eine Havilland D.H. 4 A kaufen konnte, mit der er Post und Frachtgüter transportieren konnte.
Die Regierungsaufträge für Postflüge waren sehr profitabel, aber er war dadurch ständig unterwegs. Manchmal mußte Oona den Flugplatz ganz allein betreuen und sich gleichzeitig um die Kinder kümmern. Sie hatte gelernt, Flugzeuge aufzutanken und wickelte Verträge und Buchungen ab.