Buch
gebunden (383 Seiten)
Sprache: Deutsch
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von Kathy Reichs
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Kann ein Mensch zweimal sterben? Ein neuer Fall für Tempe Brennan
Das Leben ist vergänglich. Der Tod ist unbestechlich. Tempe Brennans Arbeit als Forensikerin bringt manche Gewissheit mit sich. Denn: Einmal stirbt jeder, richtig? Falsch. An Brennans neustem Fall ist nichts so, wie es scheint. Das beginnt mit einem Mann, der nicht ein-, sondern gleich zweimal den Tod gefunden hat. Die Leiche von James »Spider« Lowry wird am Ufer eines Sees nahe Québec entdeckt. Tempe stellt fest: Spider kam vor wenigen Tagen ums Leben, und zwar durch einen äußerst bizarren Unfall. Die nächste Überraschung: Laut seiner Akte ist der Mann seit 1968 tot, als Soldat bei einem Hubschrauberabsturz in Vietnam verunglückt. Doch wer ruht dann in Spiders Grab? Und wie kommt Spiders Leiche in einen kanadischen See? Brennan reist nach Hawaii, wo die staatliche Behörde zur Auffindung vermisster US-Soldaten tätig ist. Und wird von einer Kollegin prompt mit einem weiteren Toten konfrontiert - mit den von Haien verunstalteten, rätselhaft tätowierten Überresten eines vorbestraften Kleindealers. Nicht nur der Temperaturen wegen entpuppt sich das Inselparadies Hawaii sehr bald als heißes Pflaster für Tempe. Denn Spiders Spuren führen nicht zufällig hierher. Und die örtlichen Drogenhändler reagieren auf neugierige Ermittlerinnen so instinktiv wie Haie auf einen blutigen Köder.
| ISBN-10: | 3-89667-324-6 |
|---|---|
| EAN: | 9783896673244 |
| Originaltitel: | Spider Bones |
| Erschienen: | 30.08.2010 |
| Verlag: | Karl Blessing Verlag |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 383 |
| Gewicht: | 551 g |
| Übersetzer: | Klaus Berr |
| Reihe: | Tempe Brennan |
Die Anthropologin und Schriftstellerin Kathy Reichs kam 1950 in Chicago, Illinois zu Welt. Dort wuchs sie mit ihren drei Schwestern auf, während ihr Vater als Geschäftsführer und ihre Mutter als Musikerin im städtischen Symphonie-Orchester für die Familie sorgten. Ihr Studium schloss sie als Ph.D. mit Auszeichnung ab. Schon im Alter von 19 Jahren heiratete Kathy Reichs den Untersuchungsrichter Paul Reichs, zusammen haben sie drei Kinder. Einen festen Wohnsitz hat Kathy Reichs nicht, sie pendelt meist wegen ihrer Arbeit zwischen Charlotte und Montreal. Sie ist eine von nur sehr wenigen zertifizierten forensischen Anthropologen in Kanada und den USA und arbeitet für verschiedene medizinische Institutionen, ist als Professorin an Universitäten tätig und doziert auch an der Akademie des FBI. Selbst für die Regierung war Kathy Reichs schon im Einsatz. Neben ihren Romanen hat sie zahlreiche wissenschaftliche Schriften veröffentlicht. Für ihren Debütroman "Tote lügen nicht" im Jahr 1997 erhielt sie den "Arthur Ellis Award" und startete so den Beginn als erfolgreiche Romanautorin mit ihrer Krimireihe der Temperance Brennan. Die Romane wurden bisher in über 15 Sprachen übersetzt. Die erfolgreiche TV-Serie Bones basiert auf ihren Romanen und wird von Kathy Reichs mitproduziert. Privat engagiert Kathy Reichs sich für soziale Einrichtungen und versucht soweit es geht ihr Leben von der Öffentlichkeit abzuschirmen.
Meinung der Redaktion
Hier kämpft eine Frau mit allen Mitteln um Gerechtigkeit - Gerechtigkeit für diejenigen, die ihre Stimme nicht mehr erheben können: die Vergessenen, die Verstümmelten, die unbekannten Toten. Ein außergewöhnlich sensibles Buch, das trotz der kalten und nüchternen Wahrheiten der Forensik eine immense menschliche Wärme entfaltet.
Klaus Berr, geb. 1957 in Schongau, Studium der Germanistik und Anglistik in München, einjähriger Aufenthalt in Wales als "Assistant Teacher", ist der Übersetzer von u.a. Lawrence Ferlinghetti, Tony Parsons, William Owen Roberts, Will Self.
von einer Kundin/einem Kunden, am 17.04.2011
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von Jackie Opitz, am 07.03.2011
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von Thomas, am 19.10.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 05.10.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 02.10.2010
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von Silke Schröder, am 17.09.2010
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von Stephanie Potthoff, am 13.09.2010
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von Stefan Flomm, am 08.09.2010
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von Brigitte Krautgasser, am 04.09.2010
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Die Luft roch nach sonnenwarmer Rinde und Apfelknospen, die sich reckten, um aufzublühen und das Leben neu zu beginnen. Über meinem Kopf tanzte eine Million kleiner Blätter im Wind.
Von dem Obsthain aus, in dem ich stand, breiteten sich Felder aus, die frisch umgepflügte Erde fett und schwarz. Die Adirondacks krochen über den Horizont, leuchtend bronzefarben und grün im prächtigen Sonnenlicht.
Ein Tag, gemacht aus Diamanten.
Der Satz flatterte mir zu aus einem Kriegsdrama, das ich im Filmklassikerkanal gesehen hatte. Van Johnson? Egal. Das Bild passte perfekt auf diesen Nachmittag Anfang Mai.
Ich bin ein Carolina-Mädchen, kein Fan polaren Klimas. Jonquils im Februar. Azaleen, Hartriegel, Ostern am Strand. Obwohl ich seit Jahren im Norden arbeite, überrascht mich nach jedem langen, dunklen, ermüdenden Winter die Schönheit des Frühlings in Quebec noch immer.
Eine Welt, die funkelt wie ein Neunkaräter.
Ein unerbittliches Summen zog meinen Blick wieder zu der Leiche, die vor meinen Füßen lag. Nach Angaben des SQ-Beamten André Bandau, der jetzt so viel Distanz wie möglich wahrte, war die Leiche gegen Mittag ans Ufer gekommen.
Neuigkeiten verbreiten sich schnell. Obwohl es noch kaum drei Uhr war, krabbelten und schwirrten Fliegen in einer Orgie des Fressens. Oder der Fortpflanzung. Ich wusste das nie so genau.
Rechts von mir schoss ein Techniker Fotos. Links spannte ein anderer polizeiliches Absperrband um den Uferstreifen, auf dem die Leiche lag. Auf den Jacken der beiden stand Service de l'identité, Division des scènes de crime. Quebecs Version von CSI, dem Spurensuche- und Tatortsicherungsteam.
Hinter mir saß Ryan in einem Streifenwagen und sprach mit einem Mann mit einer Truckerkappe.
Lieutenant-détective Andrew Ryan, Section de Crimes contre la Personne, Sûreté du Québec. Klingt nach was ganz Besonderem. Ist es nicht.
In La Belle Province werden Verbrechen in den Großstädten von lokalen Kräften bearbeitet, draußen auf dem flachen Land von der Provinzpolizei. Ryan ist ein Detective des Morddezernats von letzterer Truppe, der SQ.
Die Leiche wurde in einem Teich in der Nähe der Stadt Hemmingford entdeckt, fünfundvierzig Meilen südlich von Montreal. Hemmingford. Ländliche Gegend. SQ. Sie verstehen, was ich meine.
Aber warum Ryan, ein Mordermittler der Montrealer Einheit der SQ?
Da der Verstorbene in Plastik eingewickelt war und am Fuß einen Stein als Schwimmflosse trug, vermutete die örtliche SQ ein Verbrechen. Deshalb kam Ryan ins Spiel.
Und ich. Temperance Brennan, forensische Anthropologin.
Ich arbeite für das Laboratoire de Sciences Judiciaires et de Médecine Légale und beschäftige mich im Auftrag der Provinz mit den Verwesten, den Mumifizierten, den Verstümmelten, den Zerstückelten und den Skelettierten, ich helfe dem Coroner bei der Identifikation und der Bestimmung der Todesursache und des postmortalen Intervalls, also der Zeit, die seit Eintritt des Todes vergangen ist.
Liegt eine Leiche im Wasser, bedeutet das einen nicht unbedingt unverfälschten Zustand, als Ryan deshalb den Anruf wegen einer Wasserleiche bekam, holte er sofort mich hinzu.
Durch die Windschutzscheibe sah ich Ryans Gesprächspartner erregt gestikulieren. Der Mann war vermutlich fünfzig, mit grauen Bartstoppeln und Gesichtszügen, die auf eine Zuneigung zu geistigen Getränken hindeuteten. Schwarze und rote Buchstaben auf seiner Kappe verkündeten I Love Canada. Anstelle des traditionellen Herzsymbols sah man hier ein Ahornblatt.
Ryan nickte. Schrieb etwas in sein kleines Notizbuch.
Ich konzentrierte mich wieder auf die Leiche und machte mir auf meinem eigenen Spiralblock Notizen.
Die Leiche lag auf dem Rücken und war in transparentes Plastik eingewickelt, aus dem nur das linke untere Bein herausragte. Isolierband versiegelte das Plastik unter dem Kinn und an der linken Wade.
Der aus dem Plastik herausragende Fuß trug einen schweren Motorradstiefel. Über dem Rand waren etwa fünf Zentimeter Fleisch zu sehen, das die Farbe von Hafergrütze hatte.
Ein Stück gelbes Polypropylenseil war um den Schaft des Stiefels gebunden. Am anderen Ende war mittels eines komplizierten Geflechts aus Knoten ein schwerer Stein befestigt.
Der Kopf des Opfers war separat eingewickelt, in einer Plastiktüte, die aussah wie eine normal große Einkaufstüte. Ein Röhrchen ragte seitlich aus der Tüte heraus und war ebenfalls mit Isolierband befestigt. Auch um den Hals war die Tüte mit Isolierband verklebt.
Was zum Geier ...?
Als ich mich hinkauerte, drehten die Fliegen völlig durch.
Glänzend grüne Geschosse prasselten auf mein Gesicht und meine Haare.
So nahe dran, war der Fäulnisgeruch unmissverständlich. Angesichts der Verpackung des Opfers war das merkwürdig.
Diptera wegwedelnd beugte ich mich ein Stück über die Leiche, um mir die andere Seite besser ansehen zu können.
Eine dunkle Masse pulsierte etwa in Höhe des rechten Oberschenkels. Ich verscheuchte den Schwarm mit einer behandschuhten Hand. Und ärgerte mich.
Durch einen frischen Schnitt im Plastik war der obere Teil des rechten Beins zu sehen. Fliegen kämpften am Handgelenk und offensichtlich auch weiter oben am Arm um die besten Plätze. Verdammt.
Ich unterdrückte meinen Ärger und wandte mich dem Kopf zu.
Algen breiteten sich in den Falten der Tüte oben am Kopf und am Hinterkopf aus. Auch eine Seite des merkwürdigen Röhrchens zeigte schleimigen Bewuchs.
Unter der durchscheinenden Bedeckung erkannte ich verschwommene Gesichtszüge. Ein Kinn. Den Rand einer Augenhöhle. Eine zur Seite gebogene Nase. Aufblähung und Verfärbung deuteten darauf hin, dass es mit einer visuellen Identifikation wohl nichts werden würde.
Ich stand auf und schaute zu dem Teich hinüber. Ans Ufer hochgezogen lag ein kleines Aluminiumboot mit einem 3-PS-Außenborder. Im Heck sah ich auf dem Boden eine Kühltasche, eine Utensilienbox und eine Angelrute.
Neben dem Boot lag ein rotes Kanu auf die Steuerbordseite gekippt. Auf der Backbordflanke stand in weißen Buchstaben Navigator.
Ein Polypropylenseil spannte sich von einem Knoten an der Mittschiffsruderbank zu einem Stein auf der Erde. Mir fiel auf, dass der Knoten auf diesem Stein dem auf dem Fußanker des Opfers ähnelte.
Im Kanu lag auf der Steuerbordseite ein Paddel. Unter dem Hecksitz klemmte ein Leinwandsack. Daneben lagen ein Messer und eine Rolle Isolierband.
Ein Motorengeräusch mischte sich unter das Fliegensummen und das Rascheln und Klicken der Techniker um mich herum. Ich ignorierte es.
Fünf Meter den Strand hoch stand ein verrostetes, rotes Moped unter einem frühzeitig blühenden Baum. Von meiner Position aus war das Nummernschild nicht zu lesen. Zumindest nicht mit meinen Augen.
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