Buch
Taschenbuch (703 Seiten)
11. Auflage
Sprache: Deutsch
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Als Nachfahre des legendären Medicus will Rob J. Cole seine medizinische Laufbahn in der Neuen Welt beginnen. Nach ersten Erfahrungen als Armenarzt in Boston lässt er sich am Mississippi als Landarzt nieder. Eine indianische Schamanin weiht ihn dort in ihr Wissen über die heilenden Kräfte der Natur ein. Doch schon bald wird das ruhige Leben am Fluss vom beginnenden Bürgerkrieg erschüttert.
Bester historischer Roman des Jahres - der SPIEGEL-Bestseller jetzt exklusiv bei Goldmann!
| Verkaufsrang: | 14.674 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-45256-2 |
| EAN: | 9783442452569 |
| Originaltitel: | Shaman |
| Erschienen: | 01.04.2003 |
| Verlag: | Goldmann Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 11. Auflage |
| Seitenzahl: | 703 |
| Länge/Breite: | 190mm/125mm |
| Gewicht: | 554 g |
| Übersetzer: | Klaus Berr |
| Reihe: | Goldmanns Taschenbücher |
Am 11.November des Jahres 1926 kam Noah Gordon, als zweites Kind von Robert und Rose, in einer kleinen Wohnung in Worcester, Massachusetts, als Hausgeburt zur Welt. Sein Name ist zum Gedenken an seinen Großvater Noah Melnikoff, der kurz vor seiner Geburt verstarb. Seine Witwe, Noahs Großmutter, lebte fortan für die nächsten 35 Jahre bei der jungen Familie. Für Noah Gordon selbst war sie wie eine zweite Mutter. Als er 1945 die High School abschloss, herrschte noch Krieg. Obgleich er eine Brille trug und Farbenblind war, wollte er der Armee dienen, um später der Navy beitreten zu können. Doch als der Krieg dann für ihn plötzlich vorüber war, leistete er seinen restlichen Dienst auf einem Posten in San Francisco ab. Danach gab Noah Gordon dem Druck seiner Familie nach und studierte Medizin. Seine Familie sah darin eine finanzielle Absicherung und eine Chance auf hohen Lebensstandart, den sie selbst nie erreichen konnten. Doch schnell entschied sich Noah Gordon um und wählte für sich den Schritt Journalismus zu studieren, vorerst ohne das Wissen seiner Eltern. 1950 erhielt er seinen Bachelor in Journalismus und machte dann auch seinen Master in Englisch und Creative Writing an der Boston Universität. Wenig später heiratete Noah Gordon Lorraine Seay, die er während seiner Ausbildung kennenlernte. Für ein paar Jahre wohnten sie in New York, wo Noah Gordon einige Jobs als Journalist bekam. Als sie jedoch ihr erstes Kind bekamen verschlug es sie zurück nach Massachusetts. Dort arbeitete er lange Jahre für den Boston Herald, bis er anfing als freier Schriftsteller zu arbeiten. An seiner Seite unterstützte Noah Gordon stets seine Frau, mit der er drei Kinder bekam. Zusammen besaßen sie den Glauben an Erfolg und der stellte sich mit seinem Roman "Der Rabbi" ein. Der Durchbruch als Schriftsteller war gemacht und der weltweite Erfolg kam mit "Der Medicus".
Nachdem Noah Gordon als Bestsellerautor schon bekannt war zog es ihn mit seiner Frau zurück in die ländliche Idylle Massachusetts. Dort bewohnten sie einige Jahre eine Farm, verkauften sie jedoch wieder, weil es ein zu großer Zeitaufwand war, dem sie nicht gerecht werden konnten. Sie bevorzugten wieder die Stadt und wohnen seitdem in Boston. Noah Gordon sagt von sich, es sei eine Herausforderung in seinem hohen Alter das Gleichgewicht zwischen harter Arbeit, Familie genießen und an Rosen riechen, zu finden. Noah Gordon gewann sowohl in Amerika, wie auch in Europa mehrere Awards für seine Bücher.
Meinung der Redaktion
Noah Gordon vermag es, einer Story Saft und Kraft zu geben.
Klaus Berr, geb. 1957 in Schongau, Studium der Germanistik und Anglistik in München, einjähriger Aufenthalt in Wales als "Assistant Teacher", ist der Übersetzer von u.a. Lawrence Ferlinghetti, Tony Parsons, William Owen Roberts, Will Self.
von Layan, am 28.12.2011
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von CaWa - die Leseratte, am 07.02.2009
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von einer Kundin/einem Kunden, am 29.02.2008
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von einer Kundin/einem Kunden, am 07.11.2007
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von Alexia, am 03.02.2007
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Die Heimkehr
22. April 1864
Jiggety-Jig
Die Spirit of Des Moines schickte ihr Signal voraus, als sie sich in der morgendlichen Kühle dem Bahnhof von Cincinnati näherte. Shaman spürte zuerst ein schwaches, kaum wahrnehmbares Vibrieren des hölzernen Bahnsteigs, dann ein deutliches Zittern und schließlich eine kräftige Erschütterung. Plötzlich war das Ungetüm da mit seinem Geruch nach heißem, öligem Metall und Dampf. Im fahlgrauen Zwielicht brauste es auf ihn zu, Messingarmaturen glänzten auf dem schwarzen Drachenkörper, mächtige Kolbenarme bewegten sich rhythmisch, und eine helle Rauchwolke stieg himmelwärts wie die Fontäne eines Wals und löste sich schließlich in zerfasernde Fetzen auf, als die Lokomotive langsam zum Stehen kam.
Im dritten Waggon waren nur noch wenige der harten, hölzernen Sitzplätze frei, und er nahm auf einem von ihnen Platz, während der Zug erzitterte und wieder anfuhr. Züge waren noch immer etwas Neues, aber sie bedeuteten auch, daß man mit zu vielen Leuten reisen mußte. Er zog es vor, allein und gedankenverloren auf einem Pferd zu reiten. Der lange Waggon war brechend voll mit Soldaten, Handlungsreisenden, Farmern und Frauen, von denen einige kleine Kinder dabeihatten. Das Kindergeschrei störte ihn überhaupt nicht, aber der Waggon roch nach einer Mischung aus säuerlich stinkenden Socken, dreckigen Windeln, schlechter Verdauung, verschwitzten, ungewaschenen Körpern und dem Mief von Zigaretten und Pfeifen. Das Fenster schien als Kraftprobe gedacht zu sein, aber Shaman war groß und stark, und es gelang ihm, es zu öffnen, was sich allerdings schnell als Fehler herausstellen sollte. Die mächtige Lokomotive drei Waggons weiter vorne stieß nicht nur Rauch, sondern auch ein Gemisch aus Ruß, glimmenden oder erloschenen Kohlestückchen und Asche aus, das der Fahrtwind nach hinten und zum Teil auch durch das offene Fenster in das Abteil wehte. Bald hatte ein glühender Funke in Shamans neues Jackett ein Loch gebrannt. Hustend und verärgert murmelnd stieß er das Fenster wieder zu und klopfte seine Jacke ab, bis der Funke erloschen war.
Eine Frau auf der anderen Seite des Mittelgangs sah ihm zu und lächelte. Sie war etwa zehn Jahre älter als er und modisch, aber für die Reise praktisch gekleidet. Ihr graues Wollkostüm hatte einen lose fallenden Rock ohne Reifen und war von Paspeln aus blauem Leinen eingefaßt, die das Blond ihrer Haare betonten. Die Augen der beiden trafen sich einen Augenblick lang, doch dann konzentrierte sich die Frau wieder auf das Handarbeitsschiffchen in ihrem Schoß. Shaman wandte sich ohne Bedauern von ihr ab; die Trauer war nicht die rechte Zeit für das Spiel zwischen Männern und Frauen.
Er hatte sich ein wichtiges Buch zum Lesen mitgenommen, doch sosehr er auch versuchte, sich darin zu vertiefen, seine Gedanken wanderten immer wieder zu Pa.
Der Schaffner hatte sich im Mittelgang bis zur Bank hinter Shaman vorgearbeitet; doch er bemerkte ihn erst, als der Mann ihm die Hand auf die Schulter legte. Er schreckte hoch und starrte in ein gerötetes Gesicht. Der Schnauzbart des Schaffners endete in zwei gewachsten Spitzen, und sein ergrauender rötlicher Kinn- und Backenbart gefiel Shaman, weil er den Mund frei ließ. "Sind wohl taub", sagte der Mann gutmütig. "Ich hab' Sie schon dreimal nach Ihrer Fahrkarte gefragt, Sir."
Shaman lächelte ihn ohne Verlegenheit an, denn so etwas passierte ihm immer und immer wieder. "Ja, ich bin taub", sagte er und gab dem Schaffner die Fahrkarte.
Shaman sah, wie sich vor dem Fenster die Prärie ausbreitete, doch der Anblick fesselte ihn nicht. Die Landschaft hatte etwas Monotones, und außerdem raste der Zug so schnell an ihr vorbei, daß einem die Einzelheiten kaum ins Bewußtsein dringen konnten. Am besten reiste man zu Fuß oder zu Pferd - wenn man dann an ein hübsches Fleckchen kam und hungrig war oder pinkeln mußte, konnte man einfach stehenbleiben und sein Bedürfnis befriedigen. Kam ein Zug an ein solches Fleckchen, rauschte es nur verschwommen an einem vorbei.
Das Buch, das er dabeihatte, hieß "Lazarett Skizzen" und stammte aus der Feder einer gewissen Louisa Alcott aus Massachusetts, die seit Beginn des Krieges Verwundete pflegte und deren Schilderungen des Leids und der entsetzlichen Zustände in den Lazaretten in Medizinerkreisen für große Aufregung gesorgt hatten. Als er jetzt darin blätterte, wurde er noch trauriger, denn er mußte dabei daran denken, welche Qualen sein Bruder Bigger durchleiden mochte, der als Kundschafter der Konföderierten vermißt war, wenn er nicht sogar schon zu den namenlosen Gefallenen gehörte. Diese Gedanken führten ihn auf dem Pfad tränenloser Trauer zurück zu seinem Vater, und er sah sich verzweifelt um.
Weiter vorne im Waggon fing ein magerer kleiner Junge an, sich zu übergeben, und seine Mutter, die bleich zwischen Gepäckstapeln und drei weiteren Kleinkindern saß, hielt hastig seinen Kopf, damit er nicht ihre Habseligkeiten bekleckerte. Als Shaman bei ihr war, hatte sie bereits begonnen, den Unrat aufzuwischen.
Er sprach sie an.
"Kann ich ihm vielleicht helfen? Ich bin Arzt."
"Wir haben kein Geld, um zu bezahlen."
Er tat den Einwand mit einer Handbewegung ab. Der Junge schwitzte nach dem krampfartigen Erbrechen, doch seine Haut fühlte sich kühl an. Seine Drüsen waren nicht geschwollen, und die Augen wirkten einigermaßen klar.
Sie sei Mrs. Jonathan Sperber, sagte die Frau auf seine Fragen, aus Lima in Ohio und auf dem Weg zu ihrem Gatten, der zusammen mit anderen Quäkern in Springdale, fünfzig Meilen westlich von Davenport, eine Siedlung errichte. Der kleine Patient hieß Lester und war acht Jahre alt. Er sah zwar noch blaß aus, doch die Farbe kehrte bereits in sein Gesicht zurück. Er schien also nicht ernstlich krank zu sein.
"Was hat er gegessen?"
Aus einem schmierigen Mehlsack zog sie widerstrebend eine hausgemachte Wurst. Sie war grün, und Shamans Nase bestätigte, was seine Augen ihm sagten. Mein Gott!
"Iih... Haben Sie die allen gegeben?"
Sie nickte, und Shaman sah die Kleinen angesichts ihrer Verdauung mit Bewunderung an.
"Die dürfen Sie ihnen nicht mehr geben! Die ist ja total verdorben."
Ihr Mund wurde ein schmaler Strich. "So verdorben kann sie nun auch wieder nicht sein. Sie ist gut gepökelt, wir haben schon Schlimmeres gegessen. Wenn sie wirklich so schlecht ist, wie Sie behaupten, müßten die anderen ebenfalls krank sein und ich auch."