Buch
Taschenbuch (352 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Sie werden ein Opfer bringen - Ihren Schlaf
Ein verlassenes Haus in Charlotte, North Carolina, ein grausiger Einsatz für die Forensikerin Tempe Brennan: Neben Kupferkesseln und Vogelschnäbeln liegt der abgetrennte Kopf eines Mädchens. Blitzartig geht ein Gerücht um: Ritualmord! Ein bibelfester Politiker auf Stimmenfang verdächtigt okkulte Kreise und ruft nach Vergeltung. Noch während Tempe die Tatorte untersucht, bahnt sich in Charlotte eine gnadenlose Hexenjagd an.
Wie und wo das junge Mädchen zu Tode kam, kann Tempe sich nicht erklären, als sie im Dunkel des Kellers kniet. Genauso wenig wie die Herkunft eines Männertorsos, der wenig später aus dem Catawba-River geborgen wird. Als der Öffentlichkeit einige außergewöhnliche Details von den Fundorten bekannt werden, geraten in North Carolina ansässige, religiöse Kulte in Verdacht: Santería, Wicca, Satanisten. Ein ehemaliger Prediger und wahlkämpfender Politiker denkt nicht daran, Brennans Ermittlungen abzuwarten. Er rät seinen Bürgern, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Und Tempe gerät zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen höheren, finsteren Mächten.
Pressestimmen:
"Reichs neuer Thriller fasziniert mit seinem Plot voller falscher Spuren und vielen schillernden Charakteren. Aus dem Dickicht der Ermittlungen gelingt es ihrer Protagonistin, den Täter herauszukristallisieren, der von Gier und Hochmut getrieben, alles Mitgefühl verloren hat und zum eiskalten Mörder geworden ist." Deutsche Presse-Agentur (15.10.2008)
"Geschickt verwebt die Autorin Pathologie und Pathos, was die innere Zerrissenheit einer wissenschaftsgläubigen Gesellschaft widerspiegelt. Der Tod wurde zwar entzaubert, aber die Angst vor ihm ist geblieben. Vielleicht kann es also durchaus heilsam sein, für ein paar Stunden in die nekrophile Welt der abgeklärten Temperance Brennan einzutauchen." Schweizer Illustrierte, Peter M. Hetzel (27.10.2008)
"In dem 11. Fall von Tempe Brennan lässt Kathy Reichs ihre Akteurin schwer leiden. Die Anthropologin droht, über sich selbst zu stürzen. Ein mutiger Schritt der Autorin, der die Protagonistin noch sympathischer macht. Reichs' Exkurs in die Welt heidnischer Glaubensrichtungen wie Wicca, Santeria oder Voodoo geben dem Thriller einen Hauch von Mystik. Durch flotte Dialoge und lebendige Charaktere kann auch dieser Krimi völlig überzeugen." AP, Bettina Schwoch (05.11.2008)
"Richtig spannend und realitätsnah. Whow! Brennan als Erzählerin ist eine präzise Beobachterin mit salopp-schnoddrigem Tonfall. Für Krimi-Freunde ein Muss." Ruhr Nachrichten (22.01.2009)
"Tempe Brennan ist eine wunderbare Kunstfigur, weil sie so treffend das Frauenbild des 21. Jahrhunderts widerspiegelt finanziellunabhängig, intelligent und auf der Suche nach der Liebe." Freie Presse
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de: Mit großem Tempo und feinem Stil treibt einen Bestsellerautorin Kathy Reichs mitten ins Reich der Leichen und Skelette und der dunklen Mächte. Man erfährt wieder einiges Interessante aus Tempes Privatleben, aber alles wohl dosiert. Gut so. "Der Tod kommt wie gerufen" ist einer der besten Thriller aus Kathy Reichs Tempe-Brennan-Reihe!
| Verkaufsrang: | 1.730 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-453-43462-5 |
| EAN: | 9783453434622 |
| Originaltitel: | Devil Bones |
| Erschienen: | 01.02.2010 |
| Verlag: | Heyne Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 352 |
| Länge/Breite: | 190mm/118mm |
| Gewicht: | 305 g |
| Übersetzer: | Klaus Berr |
| Reihe: | Heyne-Bücher Allgemeine Reihe |
Die Anthropologin und Schriftstellerin Kathy Reichs kam 1950 in Chicago, Illinois zu Welt. Dort wuchs sie mit ihren drei Schwestern auf, während ihr Vater als Geschäftsführer und ihre Mutter als Musikerin im städtischen Symphonie-Orchester für die Familie sorgten. Ihr Studium schloss sie als Ph.D. mit Auszeichnung ab. Schon im Alter von 19 Jahren heiratete Kathy Reichs den Untersuchungsrichter Paul Reichs, zusammen haben sie drei Kinder. Einen festen Wohnsitz hat Kathy Reichs nicht, sie pendelt meist wegen ihrer Arbeit zwischen Charlotte und Montreal. Sie ist eine von nur sehr wenigen zertifizierten forensischen Anthropologen in Kanada und den USA und arbeitet für verschiedene medizinische Institutionen, ist als Professorin an Universitäten tätig und doziert auch an der Akademie des FBI. Selbst für die Regierung war Kathy Reichs schon im Einsatz. Neben ihren Romanen hat sie zahlreiche wissenschaftliche Schriften veröffentlicht. Für ihren Debütroman "Tote lügen nicht" im Jahr 1997 erhielt sie den "Arthur Ellis Award" und startete so den Beginn als erfolgreiche Romanautorin mit ihrer Krimireihe der Temperance Brennan. Die Romane wurden bisher in über 15 Sprachen übersetzt. Die erfolgreiche TV-Serie Bones basiert auf ihren Romanen und wird von Kathy Reichs mitproduziert. Privat engagiert Kathy Reichs sich für soziale Einrichtungen und versucht soweit es geht ihr Leben von der Öffentlichkeit abzuschirmen.
Meinung der Redaktion
Hier kämpft eine Frau mit allen Mitteln um Gerechtigkeit - Gerechtigkeit für diejenigen, die ihre Stimme nicht mehr erheben können: die Vergessenen, die Verstümmelten, die unbekannten Toten. Ein außergewöhnlich sensibles Buch, das trotz der kalten und nüchternen Wahrheiten der Forensik eine immense menschliche Wärme entfaltet.
Klaus Berr, geb. 1957 in Schongau, Studium der Germanistik und Anglistik in München, einjähriger Aufenthalt in Wales als "Assistant Teacher", ist der Übersetzer von u.a. Lawrence Ferlinghetti, Tony Parsons, William Owen Roberts, Will Self.
von einer Kundin/einem Kunden, am 07.09.2011
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von Maja Günther, am 01.07.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 25.05.2011
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von booklover, am 15.11.2010
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von Taniram, am 04.09.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 02.06.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 07.04.2010
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Mein Name ist Temperance Deasee Brennan. Ich bin eins fünfundsechzig, reizbar und über vierzig. Mehrfach diplomiert. Überarbeitet. Unterbezahlt.
Dem Tode nah.
Ich strich dieses Fragment literarischer Inspiration durch und versuchte einen neuen Anfang.
Ich bin forensische Anthropologin. Ich kenne den Tod. Jetzt lauert er auf mich. Dies ist meine Geschichte.
O Mann. Die Wiedergeburt von Jack Webb und seinem Polizeibericht Los Angeles.
Wieder Striche durch die Zeilen.
Ich schaute auf die Uhr. 14 Uhr 45.
Ich ließ die autobiografischen Versuche sein und fing an zu kritzeln. Kreise in Kreisen. Das Ziffernblatt der Uhr. Das Konferenzzimmer. Der Campus der UNCC. Charlotte. North Carolina. Die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Erde. Die Milchstraße.
Um mich herum diskutierten meine Kollegen winzigste Details mit dem Eifer religiöser Fundamentalisten. In der augenblicklichen Debatte ging es um Formulierungen in einem Unterkapitel einer Selbststudie des Fachbereichs. Das Zimmer war stickig, das Thema zum Lidflattern langweilig. Die Sitzung dauerte schon über zwei Stunden, und die Zeit flog nicht gerade dahin. Ich fügte den äußersten meiner konzentrischen Kreise Spiralarme hinzu. Füllte Leerräume mit Punkten. Vierhundert Milliarden Sterne in der Galaxie. Am liebsten hätte ich meinen Stuhl auf Hyperdrive geschaltet und wäre zu einem von ihnen geflogen. Anthropologie ist ein sehr weites Feld, das aus verschiedenen, miteinander verbundenen Subspezialgebieten besteht. Biologisch. Kulturell. Archäologisch. Linguistisch. Unsere Fakultät hat das komplette Quartett. Und Mitglieder jeder Gruppe hatten das Bedürfnis mitzureden.
George Petrella ist Linguist, der über Mythen als Erzählungen der individuellen und kollektiven Identität forscht. Hin und wieder sagt er etwas, das ich verstehe.
In diesem Augenblick hatte Petrella etwas gegen die Formulierung "reduzierbar auf" vier unterschiedliche Bereiche. Er schlug als Ersatz "unterteilbar in" vor.
Cheresa Bickham, eine Archäologin aus dem Südwesten, und Jennifer Roberts, Spezialistin für kulturübergreifende Glaubenssysteme, hielten eisern an "reduzierbar auf" fest.
Da mir mein galaktischer Pointillismus langsam langweilig wurde und ich nicht wusste, wie ich meine Langeweile reduzieren oder in weniger langweilige Momente unterteilen sollte, verlegte ich mich auf die Kalligrafie.
Temperance. Von lateinisch temperantia, Mäßigung. Das Charaktermerkmal der Vermeidung von Exzessen.
Davon bitte eine doppelte Portion. Mit extra Zurückhaltung. Und ohne Ego.
Noch ein Blick auf die Uhr.
14 Uhr 58.
Das Gequassel ging weiter.
Um 15 Uhr 10 wurde eine Entscheidung getroffen. "Unterteilbar in" war der Sieger.
Evander Doe, der Fakultätsvorstand seit über einem Jahrzehnt, leitete die Sitzung. Obwohl er ungefähr so alt ist wie ich, sieht Doe aus wie jemand aus einem Gemälde von Grant Wood. Kahlköpfig. Mit Drahtgestellbrille, die ihn aussehen lässt wie eine Eule. Elefantenohren.
Fast alle, die Doe kennen, betrachten ihn als mürrisch. Ich nicht. Ich habe den Mann schon mindestens drei Mal lächeln gesehen.
Nachdem er "unterteilbar in" nun abhaken durfte, wandte Doe sich dem nächsten brennenden Thema zu. Ich unterbrach meine Krakeleien, um ihm zuzuhören.
Sollte die Selbstbeschreibung des Fachbereichs eher die historischen Beziehungen zu den Geisteswissenschaften und der kritischen Theorie betonen oder eher die immer wichtiger werdende Rolle der Naturwissenschaften und der empirischen Beobachtung unterstreichen?
Meine unvollendete Autobiografie hatte genau den Punkt getroffen. Ich würde wirklich sterben, bevor diese Sitzung abgeschlossen war.
Ein plötzlicher Einfall. Die berüchtigten Versuche zur sensorischen Deprivation in den 1950ern. Ich stellte mir Freiwillige mit blickdichten Brillen und gepolsterten Handschuhen vor, die auf Pritschen in schalldichten Kammern lagen.
Ich ging ihre Symptome durch und verglich sie mit meinem augenblicklichen Zustand.
Beklemmung. Depression. Antisoziales Verhalten. Halluzinationen.
Den vierten Punkt strich ich wieder. Ich war zwar gestresst und reizbar, aber Halluzinationen hatte ich keine. Noch nicht. Wobei ich nichts dagegen hätte. Ein lebhaftes Wahnbild wäre wahrscheinlich eine Ablenkung gewesen.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin noch keine Zynikerin, was die Lehre angeht. Ich bin sehr gern Professorin. Ich bedaure, dass der Austausch mit meinen Studenten von Jahr zu Jahr weniger wird.
Warum so wenig Zeit im Hörsaal? Zurück zu der Sache mit der Subspezialisierung.
Haben Sie mal versucht, einfach nur zum Arzt zu gehen? Vergessen Sie's. Man muss zum Kardiologen. Zum Dermatologen. Zum Endokrinologen. Zum Gastroenterologen. Wir leben in einer spezialisierten Welt. In meinem Bereich ist das nicht anders.
Anthropologie: das Studium des menschlichen Organismus.
Biologische Anthropologie: das Studium der Biologie, der Variabilität und der Evolution des menschlichen Organismus. Osteologie: das Studium der Knochen des menschlichen Organismus. Forensische Anthropologie: das Studium der Knochen des menschlichen Organismus zu juristischen Zwecken.
Folgen Sie einfach den Verzweigungen, und dort finden Sie mich. Obwohl ich von der Ausbildung her Bioarchäologin bin und meine Karriere mit der Ausgrabung und Untersuchung uralter Überreste begonnen habe, wechselte ich vor Jahren in die Forensik. Habe mich auf die dunkle Seite geschlagen, wie meine ehemaligen Kommilitonen mich noch immer aufziehen. Verlockt von Ruhm und Reichtum. Ja, genau. Eine gewisse Ruchbarkeit vielleicht. Aber Reichtum auf keinen Fall.
Forensische Anthropologen arbeiten mit den relativ frisch Verstorbenen. Wir werden engagiert von Ermittlungsbehörden, Leichenbeschauern, Staatsanwälten, Strafverteidigern, dem Militär, Menschenrechtsgruppen und Bergungsteams bei Massenkatastrophen. Ausgehend von unserem Wissen über Biomechanik, Genetik und Skelettanatomie beschäftigen wir uns mit Fragen der Identifikation, der Todesursache, des postmortalen Intervalls, auch Leichenliegezeit genannt, und der postmortalen Veränderung der Leiche. Wir untersuchen die Verbrannten, die Verwesten, die Mumifizierten, die Verstümmelten und Zerstückelten und die Skelettierten. Wenn wir diese Leichen zu Gesicht bekommen, sind sie oft bereits in einem viel zu schlechten Zustand, als dass eine Autopsie noch Ergebnisse liefern könnte.
Als Angestellte des Staates North Carolina stehe ich sowohl bei der UNC-Charlotte unter Vertrag wie beim Office of the Chief Medical Examiner, dem obersten Leichenbeschauer, der Einrichtungen in Charlotte und Chapel Hill hat. Zusätzlich bin ich als wissenschaftliche Beraterin für das Laboratoire de sciences judiciaires et de médicine légale in Montreal tätig.
North Carolina und Quebec? Außergewöhnlich. Aber davon später.
Wegen meines grenzüberschreitenden Engagements und meiner doppelten Verpflichtung in North Carolina unterrichte ich an der UNCC nur einen Kurs, ein Oberseminar in forensischer Anthropologie. So verbringe ich zweimal jährlich ein Semester im Klassenzimmer.
Und im Konferenzzimmer.
Auf das Unterrichten freue ich mich. Was ich nicht ausstehen kann, sind diese endlosen Sitzungen. Und die Fakultätspolitik.
Irgendjemand stellte den Antrag, dass die Fakultätsselbstbeschreibung an die Ausschüsse zurückverwiesen werden sollte.