Der Traum des Kelten

Roman

von Mario Vargas Llosa

Buch

gebunden (444 Seiten)

Sprache: Deutsch

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London, im August 1916, die Todeszelle eines Londoner Gefängnisses: Roger Casement hält Rückschau auf sein abenteuerliches Leben. Er erinnert sich an die Jahre in Afrika, als er im Auftrag der britischen Regierung einen folgenreichen Bericht über die kolonialen Grausamkeiten im belgischen Kongo verfasste. Und er denkt weiter zurück an die Kindheit im irischen Ulster, seine zwiespältige Herkunft von einem streng protestantischen Vater und einer tiefgläubigen katholischen Mutter, die viel früh verstarb. An das Jahr 1906, als Casement ins peruanische Amazonasgebiet reist, um die grausamen Machenschaften eines Unternehmens zu dokumentieren, das mit britischem Kapital arbeitet. Was er dort sieht und hört, bringt ihn fast um den Verstand. Dabei wird ihm, dem inzwischen kontroversen Idealisten und öffentlichen Aufklärer, immer dringlicher seine eigentliche Mission bewusst. Heimlich begibt er sich nach Berlin und sucht deutsche Unterstützung für die irische Unabhängigkeitsbewegung. Doch in den Wirren des Ersten Weltkrieges gerät er zwischen alle Fronten. Und wird von denen verraten, die er zu lieben glaubt...
Als Aufklärer und Held verehrt, als Verbrecher und Homosexueller verfemt, träumte der große, visionäre Kelte Roger Casement von einer freien, befriedeten Welt. Mit seiner ganzen epischen Kraft zeichnet Mario Vargas Llosa so schonungslos wie eindrucksvoll die inneren und äußeren Kämpfe, das turbulente Wirken dieser umstrittenen historischen Figur nach.

Produktdetails

Verkaufsrang: 22.044
ISBN-10: 3-518-42270-7
EAN: 9783518422700
Originaltitel: El sueño del celta
Erschienen: 10.09.2011
Verlag: Suhrkamp Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 444
Gewicht: 622 g
Übersetzer: Angelica Ammar
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Angelica Ammar

Angelica Ammar wurde 1972 in München geboren. Sie studierte Romanistik und Ethnologie in München und Madrid. Weitere Aufenthalte in Lissabon, Montevideo und Buenos Aires. Zahlreiche Übersetzungen aus dem Spanischen und Französischen. Seit 1997 lebt die Autorin in Paris. 2006 erhält sie den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung.

Mario Vargas Llosa

Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, gehört zu den bekannten lateinamerikanischen Autoren. Sein umfangreiches Gesamtwerk umfasst neben Romanen auch Erzählungen, politische Betrachtungen, Theaterstücke und Essays. 1977 gewählt zum Präsidenten des Internationalen P.E.N.-Clubs. 1996 ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2008 mit dem Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung. Mario Vargas Llosa lebt heute überwiegend in London.

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Kundenrezensionen

  • Das Trauma des Kolonialismus Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Jan-Hendrik Kopf, am 15.12.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Mario Vargas Llosa beweist mit seinem „Traum des Kelten“ einmal mehr, was es heißt, einen ungeschönten Blick auf die Gräuel des vergangenen Jahrhunderts zu werfen. Protagonist seines bisweilen schockierenden Buches ist der irische Unabhängigkeitskämpfer Roger Casement (eine reale, historisch verbriefte Figur). In seiner Begleitung erlebt der Leser die Barbarei des Kolonialismus hautnah, unmittelbar und unverstellt.

    Casement wächst im von Großbritannien besetzten Irland auf und erlebt dort zum ersten Mal, was es heißt, in einer unfreien Heimat groß zu werden. In seinem späteren Leben reist er als Abgesandter eben dieser britischen Krone (es handelt sich dabei nur um eine von vielen Widersprüchlichkeiten im Leben Casements) in die Gebiete des Kongos und Amazonas, wo er auf traumatische Weise mit dem wahren Gesicht des kolonialistischen Wahns konfrontiert wird. Unter dem Deckmantel der „Zivilisierung der barbarischen Eingeborenen“ hat sich ein System etabliert, das von gnadenloser Ausbeutung und unmenschlicher Gewalt gegenüber den indigenen Völkern geprägt ist. Gegenüber dem Wohle der Industriegesellschaften Europas verliert das einzelne Menschenleben seine Bedeutung. Es sind diese Erlebnisse, die in Roger Casement die Idee der Freiheit sprießen, in ihm die Ideale keimen lassen, die von nun an sein weiteres Leben bestimmen werden…

    „Der Traum des Kelten“ ist ein schonungsloser Roman. Er zeigt auf eindringliche Weise, welche Abgründe sich im menschlichen Sein bisweilen auftun und wie der Kolonialismus nicht nur die Autonomie sondern vor allem auch die kulturelle Identität von Staaten und Menschen kastriert. Mario Vargas Llosa legt dabei ein hervorragend recherchiertes, präzise und authentisch erzähltes Buch vor, das streckenweise eher an eine historische Biographie, als an einen belletristischen Roman erinnert. Gewohnt sachlich und handwerklich souverän treibt Vargas Llosa die Handlung voran und baut – speziell durch die sich abwechselnden Zeit- und Erzählperspektiven – einen konstanten Spannungsbogen auf. „Der Traum des Kelten“ ist ein Mahnmal. Genauso aber auch Zeugnis vom Mut Einzelner, die für Freiheit und Gerechtigkeit ihr Leben aufs Spiel setzen, nicht nur für sich, sondern zum Wohle eines ganzen Volkes.

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  • Romanbiographie des Altmeisters Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Hannes Schwaiger, am 21.11.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Die Romanbiographie über Roger Casement, einem Iren in den Diensten Englands, ist der Inhalt des neuesten Buches von Vargas Llosa.
    In der Todeszelle eines Londoner Gefängnises erinnert sich Roger Casement an die Jahre in Belgisch-Kongo, wo er als englischer Konsul Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung und Korruption in einem Bericht festhält. Dieser Bericht hat unmittelbare politische Folgen.
    Ebenso der Bericht vom Amazonasgebiet in Peru. Dort muss Casement unter grossen körperlichen Anstrengungen genau dasselbe erfahren: ungeheure Foltermethoden gegenüber den Ureinwohnern, Ausbeutung und riesige Ungereimtheiten bei der Kautschuksammlung.Doch auch diese grosse peruanische Firma, schon damals an der Londoner Börse, bringt er mit seiner Hilfe zum Zusammenbruch.
    Ab dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verbündet sich der Ire Casement mit den Deutschen und reist heimlich mit seinem Geliebten nach Berlin. Dort will er die Unterstützung der Deutschen für einen irischen Befreiungsschlag gegen die Engländer erwirken. Zurück in England wird Roger verhaftet, da ihn sein Geliebter an den britischen Geheimdienst verraten hat. Wegen Hochverrats angeklagt, durch seine intimen Tagebuchaufzeichnungen seiner Homosexualität überführt, wird er in London hingerichtet.
    Vargas Llosa zeichnet eine idealisierte Welt von Roger Casement auf, die von einer freien und friedlichen Welt zeigt. Ein Idealist, der grosse Taten vollbracht und dabei sein einziges Leben geopfert hat.

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