Buch
Taschenbuch (700 Seiten)
7. Auflage
Sprache: Deutsch
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von Trudi Canavan
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Ein neues hinreißendes Fantasy-Epos voller Magie, Abenteuer und Leidenschaft - für Leser jeden Alters!
Sonea hat viel gelernt, seit sie von der Magiergilde aufgenommen wurde. Doch es gibt einiges, das sie lieber nie erfahren hätte - die Dinge, die sie in dem unterirdischen Gewölbe des geheimnisvollen Gildenmeisters Akkarin erblickt hat. Sonea fürchtet, dass seine Zuneigung nur ein hinterlistiges Spiel sein könnte ...
| Verkaufsrang: | 9.331 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-24396-3 |
| EAN: | 9783442243969 |
| Originaltitel: | The High Lord. The Black Magician Trilogy Book Three |
| Erschienen: | 14.08.2006 |
| Verlag: | Blanvalet |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 7. Auflage |
| Seitenzahl: | 700 |
| Gewicht: | 595 g |
| Übersetzer: | Michaela Link |
| Reihe: | Blanvalet Taschenbücher |
Trudi Canavan wurde 1969 im australischen Melbourne geboren. Sie arbeitete als Grafikerin und Designerin für verschiedene Verlage und begann nebenbei zu schreiben. 1999 gewann sie den Aurealis Award für die beste Fantasy-Kurzgeschichte. Ihr Debütroman, der erste Band der Trilogie "Die Gilde der Schwarzen Magier", erschien 2001 in Australien, wurde dort mit großer Begeisterung aufgenommen und ist inzwischen auch ein spektakulärer Erfolg in England. Zurzeit arbeitet Trudi Canavan an einem neuen Fantasy-Epos.
von A. Karlovcec, am 24.05.2012
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von Manuela Wolfmayr, am 07.07.2011
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von Kai Reinhard, am 17.05.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 28.02.2011
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von Michaela Wesely, am 15.02.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 09.02.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 22.10.2010
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von Sabrina Meyer, am 01.07.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 20.04.2010
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von Konstanze Ehrhardt, am 11.04.2010
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von René Herrmann-Zielonka, am 26.08.2009
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von Karin Harmel, am 17.08.2009
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von Elke Schmidt, am 14.08.2009
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von Ulrike, am 22.07.2009
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von Melanie Böhm, am 02.04.2009
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von einer Kundin/einem Kunden, am 07.02.2009
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von linovi, am 22.10.2008
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von Bärli, am 21.08.2008
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von Buchfreak, am 19.03.2008
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von Juliane, am 16.11.2007
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Die Botschaft
In der alten kyralischen Dichtung heißt der Mond das Auge. Wenn das Auge weit offen ist, schreckt seine alles durchdringende Aufmerksamkeit vor bösen Taten ab – oder treibt diejenigen, die es gewagt haben, sich unter seinem Blick zu versündigen, in den Wahnsinn. Wenn das Auge so weit geschlossen ist, dass nur noch eine schmale Sichel seine Gegenwart verrät, lässt es zu, dass im Verborgenen begangene Taten – sowohl gute als auch böse – unbemerkt bleiben.
Mit einem schiefen Lächeln blickte Cery zum Mond empor. Es war nur noch eine schmale Sichel des Auges sichtbar, so wie es heimliche Liebhaber bevorzugten, aber zu solcher Art von Stelldichein war er in der Dunkelheit der Stadt nicht unterwegs. Seine Absicht war von finstererer Natur.
Ob seine Taten aber gut waren oder schlecht, war für ihn schwer zu entscheiden. Die Männer, die er verfolgte, verdienten ihr Schicksal, aber Cery hatte den Verdacht, dass der Auftrag, mit dem er betraut war, noch anderen Zwecken diente als nur demjenigen, die Anzahl der Morde zu verringern, die die Stadt in den letzten Jahren heimgesucht hatten. Er wusste nicht alles über das ganze schmutzige Geschäft – so viel stand jedenfalls fest –, aber vermutlich wusste er mehr als jeder andere in der Stadt.
Auf seinem Weg überdachte er noch einmal seine bisherigen Erkenntnisse. Er hatte festgestellt, dass diese Morde nicht von einem einzigen Mann, sondern von einer ganzen Reihe von ihnen begangen worden waren. Außerdem hatte er bemerkt, dass diese Männer alle der gleichen Rasse angehörten – es waren Sachakaner. Und das Wichtigste: Er wusste, dass sie allesamt Magier waren.
Soweit Cery bekannt war, gab es in der Gilde keine Sachakaner.
Wenn die Diebe irgendetwas von dieser ganzen Angelegenheit wussten, dann behielten sie ihr Wissen jedenfalls für sich. Bei einem Treffen der Diebe vor zwei Jahren hatten sich die Führer dieser locker verbündeten Gruppen der Unterwelt über Cerys Vorschlag, den Mörder zu finden und aufzuhalten, lustig gemacht. Diejenigen, die hinterhältig fragten, warum Cery nach so langer Zeit immer noch keinen Erfolg gehabt hatte, mochten angenommen haben, dass es nur einen einzigen Mörder gab, oder sie hatten ihn glauben machen wollen, dass sie so dachten.
Jedes Mal, wenn Cery mit einem der Mörder fertig war, begann ein anderer sein grausiges Werk. Unglücklicherweise musste es den Dieben so vorkommen, als scheitere Cery an seiner Aufgabe. Ihm blieb nichts anderes übrig, als ihre Fragen abzutun und zu hoffen, dass sein Erfolg bei anderen unterweltlichen Aktivitäten es wieder wettmachen würde.
Aus dem dunklen Viereck eines Hauseingangs löste sich die Gestalt eines hochgewachsenen Mannes. Unter dem Licht einer fernen Laterne erkannte Cery ein grimmiges, vertrautes Gesicht. Gol nickte kurz und schloss sich Cery an.
Sie erreichten einen Platz, an dem fünf Straßen zusammenliefen, und hielten dort auf ein keilförmiges Gebäude zu. Als sie durch die offenen Türen eintraten, nahm Cery den schweren Dunst von Schweiß, Bol und Küchengerüchen wahr. Zu der frühen Abendstunde war das Bolhaus gut besucht. Sie fanden einen Platz an der Theke, und Gol bestellte zwei Krüge Bol und eine Portion gesalzener Bohnen.
Gol hatte bereits die Hälfte der Bohnen verzehrt, bevor er das erste Wort sprach.
»Ganz hinten. Der Mann mit dem protzigen Ring. Was meinst du, Sohn?«
Wenn sie ihre wahre Identität nicht preisgeben wollten – und das wollten sie in diesen Tagen in der Öffentlichkeit nur in den seltensten Fällen –, gaben Cery und Gol sich oft als Vater und Sohn aus. Cery war zwar nur um einige Jahre jünger als Gol, aber dank seiner kleinen Statur und seines jungenhaften Gesichts wurde er oft für viel jünger gehalten, als er war. Nun wartete er einen Moment lang, bevor er den Blick unauffällig über den hinteren Teil des Schankraums schweifen ließ.
Selbst in dem überfüllten Bolhaus war der Mann, den Gol meinte, leicht zu erkennen. Sein charakteristisch breites, braunes Sachakaner-Gesicht war inmitten der blassen Kyralier unübersehbar. Der Mann beobachtete seine Umgebung sorgfältig. Nachdem ein flüchtiger Blick auf die Hand des Mannes Cery einen stumpfen Silberring mit einem roten Funkeln in der Mitte gezeigt hatte, wandte er sich wieder seinem Bolkrug zu.
»Was meinst du?«, murmelte Gol.
Cery nahm seinen Krug und tat so, als trinke er einen guten Schluck Bol. »Für uns zu schwierig, Pa. Soll sich jemand anders um ihn kümmern.«
Gol murmelte etwas in seinen Krug, während er ihn leerte und dann absetzte. Cery folgte ihm hinaus. Ein paar Straßenecken von dem Bolhaus entfernt, griff er in seine Jackentasche, zog drei Kupfermünzen hervor und drückte sie Gol in die Hand. Gol seufzte und machte sich davon.
Cery lächelte schief, bückte sich dann und öffnete ein in eine Mauer eingelassenes Gitter. Einem Fremden würde Gol in jeder Situation vollkommen gleichmütig erscheinen. Aber Cery kannte diesen Seufzer. Gol hatte Angst – und das aus gutem Grund. Solange diese Mörder unter ihnen waren, schwebte jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in den Hüttenvierteln in Gefahr.
Cery schlüpfte in den Gang hinter dem Gitter. Die drei Münzen, die er Gol gegeben hatte, waren die Bezahlung für drei Straßenkinder, um eine Botschaft zu überbringen – drei für den Fall, dass eine Botschaft verloren ging oder erst verspätet überbracht wurde. Die Empfänger der Nachricht waren irgendwelche Handwerker, die die Botschaft über die Stadtwache einem Botenjungen oder einem eigens dafür abgerichteten Tier übergeben würden. Niemand, der diese Nachricht weiterleitete, kannte die Bedeutung ihres Inhalts. Nur der Mann, für den die Botschaft letzten Endes bestimmt war, würde verstehen, was es damit auf sich hatte. Und dann würde die Jagd aufs Neue beginnen.
Nach der Unterrichtsstunde ging Sonea langsam durch das Gedränge und den Lärm des Hauptflurs der Universität. Für gewöhnlich zollte sie den Mätzchen der anderen Novizen kaum Aufmerksamkeit – aber heute war es etwas anderes.
Genau heute vor einem Jahr habe ich Regin in der Arena besiegt, dachte sie. Ein ganzes Jahr ist seit der Herausforderung vergangen, und so viel hat sich seither geändert. Die meisten Novizen waren zu zweit oder in kleinen Gruppen auf dem Weg zum hinteren Treppenhaus und zur Mensa. An der Tür eines Unterrichtsraums steckten ein paar Mädchen tuschelnd die Köpfe zusammen. Am Ende des Gangs kam gerade ein Lehrer aus einem Unterrichtsraum, gefolgt von zwei Novizen, die große Kisten trugen.
Sonea beobachtete die Gesichter der wenigen Novizen, die von ihr Notiz nahmen. Niemand starrte sie an oder sah auf sie herab. Einige Erstsemester konnten den Blick allerdings nicht von dem Incal auf ihrem Ärmel abwenden – dem Symbol, das sie als Schützling des Hohen Lords auswies.
Am Ende des Korridors ging sie die elegante, durch Magie geformte Treppe der Eingangshalle hinab. Die Stufen unter ihren Stiefeln gaben bei jedem Schritt einen weichen, glockenähnlichen Ton von sich. Als noch weitere Schritte die Stufen zum Klingen brachten, hallte das Geläut in der ganzen Halle wider. Sonea blickte auf und sah, dass ihr drei Novizen entgegenkamen, und unwillkürlich lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken.
Der Novize in der Mitte des Trios war Regin. Die beiden anderen waren seine engsten Freunde, Kano und Alend. Mit unbewegtem Gesicht setzte sie ihren Weg fort. Als Regin sie sah, erstarb sein Lächeln. Einen Moment lang trafen sich ihre Blicke, bevor Regin sich abwandte und an ihr vorüberging.
Mit einem kleinen Seufzer der Erleichterung sah Sonea ihm nach. Seit der Herausforderung war jede ihrer Begegnungen nach diesem Muster verlaufen. Regin spielte die Rolle des guten Verlierers, und sie gestattete es ihm. Es wäre befriedigender gewesen, ihn seine Niederlage spüren zu lassen, aber sie war davon überzeugt, dass er in diesem Fall irgendwelche Möglichkeiten finden würde, sich insgeheim dafür zu revanchieren. Besser, sie ignorierten einander einfach.
Ihr Sieg über Regin in einem öffentlichen Kampf hatte allerdings mehr bewirkt als nur das Ende seiner Schikanen. Sie schien damit auch den Respekt der anderen Novizen und der meisten Lehrer gewonnen zu haben. Jetzt war sie nicht mehr nur das Hüttenmädchen, dessen Kräfte sich zum ersten Mal in einem Angriff auf die Gilde gezeigt hatten – während der jährlichen Reinigung der Stadt von Herumtreibern und anderen unerwünschten Personen. Die Erinnerung an jenen Tag entlockte ihr unwillkürlich ein Lächeln. Ich war ebenso überrascht, dass ich Magie benutzt hatte, wie sie es waren.
Es hing ihr auch nicht weiter nach, dass sie eine »wilde Magierin« gewesen war, die sich ihrer Gefangennahme durch einen Handel mit den Dieben entzogen hatte. Damals schien das eine gute Idee zu sein, dachte sie. Ich glaubte, dass die Gilde mich töten wollte. Schließlich hatten sie nie zuvor jemanden ausgebildet, der nicht aus einem der Häuser stammte. Für die Diebe war es allerdings ein schlechtes Geschäft. Ich war nicht in der Lage, meine Kräfte so weit zu kontrollieren, dass sie von irgendwelchem Nutzen gewesen wären. Obwohl ihre Zugehörigkeit zur Gilde manchen immer noch ein Dorn im Auge war, wurde sie auch nicht länger als die Außenseiterin betrachtet, die Lord Ferguns Ruin verschuldet hatte. Nun, sie hatte ihn schließlich nicht dazu gezwungen, Cery einzusperren und mit seiner Ermordung zu drohen, um sie zu erpressen, auf seine Pläne einzugehen. Er hatte seinerzeit die Gilde davon überzeugen wollen, dass man Menschen niederer Herkunft keine Magie anvertrauen dürfe, stattdessen aber nur bewiesen, dass auch einige Magier dieser Macht nicht würdig waren. Bei dem Gedanken an die vielen Novizen, die ihr soeben im Flur begegnet waren, musste Sonea lächeln. Nach deren vorsichtiger Neugier zu schließen, schienen sie bei ihrem Anblick in erster Linie daran zu denken, wie leicht sie ihren Herausforderungskampf gewonnen hatte. Sie fragten sich, wie stark sie noch werden würde. Sonea vermutete, dass sogar einige der Lehrer ein wenig Angst vor ihr hatten.
Vom Fuß der Treppe aus ging sie quer durch die Eingangshalle zu den offenen Toren der Universität. Von der Schwelle aus blickte sie zu dem grauen, zweigeschossigen Bau am Rand des Gartens hinüber, und ihr Lächeln verflog.
Ein Jahr ist seit der Herausforderung vergangen, aber einiges hat sich eben nicht geändert.
Obwohl sie den Respekt der Novizen gewonnen hatte, hatte sie immer noch keine wirklichen Freunde, was keineswegs daran lag, dass sie alle Angst vor ihr hatten – oder vor ihrem Mentor. Seit der Herausforderung hatten einige der Studenten durchaus versucht, sie in ihre Gespräche einzubeziehen. Während des Unterrichts oder in den Unterrichtspausen ließ sie sich nur allzu gern darauf ein – aber sie vermied es, irgendwelche Verabredungen für ihre Freizeit zu treffen.
Mit einem Seufzer stieg sie die Stufen vor der Universität hinab. Jeder, mit dem sie sich befreundete, wäre für den Hohen Lord ein weiteres Werkzeug, das er gegen sie einsetzen könnte. Wenn sich jemals die Gelegenheit fand, der Gilde seine Verbrechen zu offenbaren, wären alle Menschen, an denen ihr lag, in Gefahr. Es machte wenig Sinn, Akkarin eine noch größere Auswahl möglicher Opfer zu präsentieren.
Soneas Gedanken wanderten zurück zu der Nacht, in der sie zusammen mit ihrem Freund Cery auf das Gelände der Gilde vorgedrungen war. Das lag nun über zweieinhalb Jahre zurück. Obwohl sie damals geglaubt hatte, die Gilde trachte ihr nach dem Leben, war ihr das Risiko vertretbar erschienen. Damals hatte sie ihre magische Kraft noch nicht kontrollieren können, so dass sie für die Diebe nutzlos gewesen war. Cery hatte gehofft, dass sie vielleicht etwas lernen würde, wenn sie die Magier bei deren Ausbildung beobachtete.
Nachdem sie an diesem Abend und in der Nacht bereits Zeugin vieler faszinierender Dinge geworden war, hatte sie sich dem grauen Haus genähert, das etwas abseits von den anderen Gebäuden lag. Dort hatte sie durch einen Lüftungsschacht gesehen, wie in einem Kellerraum ein schwarz gewandeter Magier einen merkwürdigen Ritus vollzog …
Der Magier nahm den funkelnden Dolch und sah den Diener an.
»Der Kampf hat mich geschwächt. Ich brauche deine Kraft.«
Der Diener kniete nieder und streckte den Arm aus. Der Magier ließ die Klinge über die Haut des Mannes gleiten und drückte dann seine Hand auf die Wunde …
…Dann spürte sie eine merkwürdige Empfindung, als ob Insekten in ihren Ohren flatterten.
Die Erinnerung ließ Sonea frösteln. Sie hatte damals die Bedeutung dieser Dinge nicht verstanden, und danach war so viel geschehen, dass sie versucht hatte, es zu vergessen. Ihre Kraft war auf so gefährliche Weise angewachsen, dass die Diebe sie an die Gilde ausgeliefert hatten und sie auf diese Art und Weise herausfand, dass die Magier keineswegs ihren Tod wollten. Sie beschlossen vielmehr, sie in die Gilde aufzunehmen. Dann hatte Lord Fergun Cery gefangen genommen und sie erpresst, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Die Pläne des Kriegers waren allerdings fehlgeschlagen, da man Cery in seinem Gefängnis unterhalb der Universität entdeckte und Sonea einer Wahrheitslesung durch Administrator Lorlen zustimmte, um so Ferguns Erpressungsversuch zu beweisen. Und erst während dieser Wahrheitslesung war ihre Erinnerung an den schwarz gewandeten Magier in dem Kellerraum wieder zum Vorschein gekommen. Lorlen hatte den Magier als seinen Freund Akkarin erkannt, den Hohen Lord der Gilde, und er hatte sofort gewusst, dass es sich bei dem verbotenen Ritual um schwarze Magie handelte. Aus Lorlens Gedanken hatte Sonea erfahren, wozu ein schwarzer Magier in der Lage war. Durch den Gebrauch dieser verbotenen Kunst musste Akkarin Kräfte weit über seine natürlichen Grenzen hinaus angesammelt haben. Der Hohe Lord war ohnehin schon für seine ungewöhnlich große Kraft bekannt gewesen, und als schwarzer Magier war er, fürchtete Lorlen, so stark, dass es nicht einmal der ganzen Gilde mit ihrer vereinten Kraft möglich sein würde, ihn zu besiegen.
Lorlen war daher zu dem Schluss gekommen, dass eine Auseinandersetzung mit dem Hohen Lord nicht infrage kam. Sein Verbrechen musste so lange ein Geheimnis bleiben, bis ein Weg gefunden werden konnte, Akkarin mit einiger Sicherheit unschädlich zu machen. Nur Rothen, der Magier, der Soneas Mentor werden sollte, durfte in das Geheimnis eingeweiht werden; wenn er sie unterrichtete, würde er wahrscheinlich in ihrem Gedächtnis auf die Erinnerung an Akkarin stoßen und die Wahrheit auf diese Weise ohnehin erfahren.
Bei dem Gedanken an Rothen wurde sie zuerst traurig, dann zornig. Rothen hatte ihr mehr bedeutet als ein Mentor oder Lehrer; er war wie ein Vater für sie gewesen. Ohne Rothens Unterstützung hätte sie Regins Schikanen vielleicht nicht ertragen. Und als Dank für seine Mühen hatte er die Folgen der von Regin in die Welt gesetzten bösartigen Gerüchte ertragen müssen, dass er sich seine Dienste als Mentor im Bett vergelten ließ.
Und gerade, als diese Verdächtigungen ein Ende gefunden zu haben schienen, war alles anders geworden. Eines Tages war Akkarin in Rothens Gemächern aufgetaucht; er hatte herausgefunden, dass sein Geheimnis offenbar geworden war. Er hatte Lorlens Geist einer Lesung unterzogen und wollte das Gleiche nun bei Rothen und Sonea tun. Da sie wussten, dass Akkarin zu mächtig war, um sich gegen ihn wehren zu können, hatten sie sich gefügt. Danach war Akkarin im Raum auf und ab gegangen.
»Ihr beide würdet mich bloßstellen, wenn ihr könntet«, sagte er. »Ich werde verlangen, dass man mich zu Soneas Mentor bestimmt. Sie wird mir Euer Schweigen garantieren. Solange sie mir gehört, werdet Ihr niemals irgendjemanden wissen lassen, dass ich schwarze Magie praktiziere.« Er blickte zu Sonea hinüber. »Umgekehrt wird Rothens Wohlergehen mir deinen Gehorsam sichern.«
Sonea hatte inzwischen den Pfad zur Residenz des Hohen Lords erreicht. Diese Auseinandersetzung lag schon so lange zurück, dass sie das Gefühl hatte, als sei jemand anders als sie selbst darin verwickelt gewesen, vielleicht sogar nur eine Figur aus einer Geschichte, die sie einmal gehört hatte. Sie war jetzt seit anderthalb Jahren Akkarins Schützling, und das war keineswegs so schlimm gewesen, wie sie anfangs befürchtet hatte. Der Hohe Lord hatte sie weder als Quelle für zusätzliche Kraft missbraucht noch versucht, sie in seine üblen Taten zu verwickeln. Abgesehen von den üppigen Mahlzeiten, die sie jeden Freitagabend mit ihm einnahm, bekam sie ihn kaum zu Gesicht. Und wenn sie miteinander sprachen, dann nur von ihrer Ausbildung an der Universität.
Ausgenommen diesen einen Abend, dachte sie.
Bei der Erinnerung daran hielt sie inne. Vor vielen Monaten hatte sie bei ihrer Rückkehr vom Unterricht aus dem Keller unter der Residenz Lärm und Geschrei gehört. Nachdem sie die Stufen in den Keller hinabgestiegen war, hatte sie mit angesehen, wie Akkarin einen Mann mit schwarzer Magie tötete. Er hatte behauptet, der Mann sei ein sachakanischer Assassine, ein auf ihn angesetzter Meuchelmörder.
»Warum habt Ihr ihn getötet?«, fragte sie. »Warum habt Ihr ihn nicht einfach an die Gilde ausgeliefert?«
»Weil er und seinesgleichen, wie du zweifellos erraten haben wirst, viele Dinge über mich wissen, von denen es mir lieber wäre, dass die Gilde sie nicht erführe. Du fragst dich gewiss, wer diese Leute sind, die meinen Tod wünschen, und welche Gründe sie dafür haben. Ich kann dir nur so viel verraten: Die Sachakaner hassen die Gilde noch immer, aber sie fürchten uns auch. Von Zeit zu Zeit schicken sie mir einen dieser Leute, um mich auf die Probe zu stellen.«
Sonea wusste so viel über Kyralias Nachbarland wie jeder andere Novize in seinem dritten Ausbildungsjahr. Alle Novizen nahmen den Krieg zwischen dem sachakanischen Reich und den kyralischen Magiern durch. Man brachte ihnen bei, dass die Kyralier den Krieg gewonnen hatten, indem sie sich zur Gilde zusammengeschlossen und ihre magischen Kenntnisse vereint hatten. Sieben Jahrhunderte später war das sachakanische Reich immer noch nicht wiedererstanden, und große Teile des Landes lagen nach wie vor verwüstet da.
Angesichts dieser Tatsache, überlegte sie, war es durchaus glaubhaft, dass die Sachakaner die Gilde immer noch hassten. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum Sachaka nicht zu den verbündeten Ländern gehörte. Anders als Kyralia, Elyne, Vin, Lonmar und Lan war Sachaka nicht an die Übereinkunft gebunden, nach der alle Magier nur durch die Gilde unterrichtet und ihrer Beobachtung unterstellt wurden. Möglicherweise gab es in Sachaka wirklich noch Magier, obwohl Sonea bezweifelte, dass sie gut ausgebildet waren.
von Trudi Canavan
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von Rainer Ribing