Buch
Taschenbuch (250 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Einer der ganz großen Spannungsromane der Meisterin des Psychothrillers
Eine Frau wird umgebracht. Ihr kleiner Sohn muss dabei zusehen. Steve, der Vater des Jungen, fordert öffentlich die Todesstrafe für den vermeintlichen Mörder, doch dann stellt eine spektakuläre Entführung die Ermittlungen auf den Kopf. Während der Entführer sein teuflisches Vorhaben in die Tat umsetzt, führt die Polizei einen dramatischen, scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Zeit.
Pressestimmen:
»Hoch spannend bis zum letzten Kapitel.« Stern
| ISBN-10: | 3-453-43392-0 |
|---|---|
| EAN: | 9783453433922 |
| Originaltitel: | A Stranger is Watching |
| Erschienen: | 06.04.2009 |
| Verlag: | Heyne Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 250 |
| Länge/Breite: | 188mm/118mm |
| Gewicht: | 227 g |
| Übersetzer: | Monika Curths |
| Reihe: | Heyne-Bücher Allgemeine Reihe |
Mary Higgins Clark, geboren in New York, lebt und arbeitet in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautorinnen weltweit. Ihre große Stärke sind ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führt Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an und hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den begehrten "Edgar Award". Zuletzt bei Heyne erschienen: "Weil deine Augen ihn nicht sehen".
von Corinna, am 07.01.2009
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Er saß vollkommen ruhig vor dem Fernsehgerät im Zimmer 932 des Biltmore Hotels. Der Wecker hatte um sechs Uhr geklingelt, aber er war schon lange vorher wach gewesen. Ein kalter, böiger Wind ließ die Fensterscheiben klirren, und das hatte genügt, um ihn aus seinem unruhigen Schlaf zu reißen.
Die Today Show begann, aber er stellte den kaum hörbaren Ton nicht lauter. Ihn interessierten weder die Nachrichten noch die Sonderberichte. Er wollte nur das Interview sehen.
Er rückte sich in dem steiflehnigen Sessel zurecht, kreuzte die Beine und streckte sie wieder aus. Er war geduscht und rasiert und trug den grünen Treviraanzug, den er auch am Abend zuvor getragen hatte, als er im Hotel abgestiegen war. Beim Rasieren war ihm plötzlich klar geworden, daß der Tag nun endlich gekommen war; seine Hand hatte zu zittern angefangen, und er hatte sich in die Lippe geschnitten. Von dem salzigen Blutgeschmack war ihm fast übel geworden.
Er haßte Blut.
Gestern abend, als er ins Hotel kam, hatte er bemerkt, wie die Augen des Portiers über seine Kleidung glitten. Er hatte den Mantel über dem Arm getragen, weil er wußte, wie schäbig er aussah. Der Anzug aber war neu; er hatte dafür gespart. Trotzdem hatte ihn der Portier angesehen wie den letzten Dreck und ihn gefragt, ob er vorbestellt habe.
Er war noch nie in einem richtigen Hotel abgestiegen, aber er wußte, wie man es machte. "Ja, ich habe eine Reservierung", hatte er sehr kühl geantwortet, und für eine Minute schien der Portier nicht mehr ganz so sicher zu sein. Als er jedoch anbot, im voraus zu bezahlen, war das höhnische Grinsen wieder da. "Ich bleibe bis Mittwoch früh", erklärte er dem Portier.
Das Zimmer kostete einhundertvierzig Dollar für die drei Nächte. Das bedeutete, daß ihm nur dreißig Dollar blieben. Aber für die paar Tage würde es reichen, und spätestens Mittwoch würde er zweiundachtzigtausend Dollar bekommen.
Ihr Gesicht tauchte aus der Erinnerung auf. Er zwinkerte, um es loszuwerden. Denn wie immer kamen danach die Augen - Augen wie große Lampen, die ihm folgten, die ihn immer beobachteten, die sich niemals schlossen.
Er hätte gern noch eine Tasse Kaffee getrunken. Er hatte sich das Frühstück aufs Zimmer bringen lassen, nachdem er zuvor die Anleitung genau gelesen hatte, wie die Bestellung aufzugeben war. In der großen Kaffeekanne war noch ein Rest gewesen, aber er hatte Tasse, Untertasse, Orangensaftglas und Kanne bereits ausgespült und auf dem Tablett in den Flur hinausgestellt.
Ein Werbespot war eben zu Ende. Plötzlich interessiert beugte er sich vor, um näher am Fernseher zu sein. Als nächstes sollte das Interview kommen. Da war es schon. Er drehte den Lautstärkeregler nach rechts.
Das bekannte Gesicht von Tom Brokaw, dem Moderator der Sendung, füllte den Bildschirm. Ernst und mit gekämpfter Stimme begann er zu sprechen. "Seit dem Vietnamkrieg hat kein Thema dieses Land so bewegt und in zwei Lager gespalten wie die Wiedereinsetzung der Todesstrafe. In nur zweiundfünfzig Stunden, um 11.30 Uhr am 24. März, wird die sechste Hinrichtung in diesem Jahr stattfinden und der neunzehnjährige Ronald Thompson auf dem elektrischen Stuhl sterben. Meine Gäste..."
Die Kamera glitt zurück, um die zwei Personen rechts und links von Tom Brokaw ins Bild zu bringen. Der Mann zu seiner Rechten war Anfang dreißig. Sein sandfarbenes Haar war von grauen Strähnen durchzogen und etwas zerzaust. Er hatte die Hände zusammengelegt, aber die Finger waren auseinandergespreizt und zeigten nach oben; sein Kinn ruhte auf den Fingerspitzen. Es sah aus, als würde er beten, und seine dunklen Brauen, die sich über eisblauen Augen wölbten, verstärkten diesen Eindruck.
Die junge Frau auf der anderen Seite des Interviewers saß sehr steif auf ihrem Stuhl. Ihr sanft schimmerndes honigfarbenes Haar war zu einem weichen Knoten geschlungen. Die Hände hielt sie zu Fäusten geballt im Schoß. Sie befeuchtete ihre Lippen und wischte sich eine Haarsträhne aus der Stirn.
"Als unsere Gäste zuletzt vor sechs Monaten hier zu sehen waren", begann Tom Brokaw, "vertraten beide mit einer Reihe stichhaltiger Argumente ihre Ansichten zur Todesstrafe. Sharon Martin, deren Artikel in mehreren Zeitungen gleichzeitig erschienen, ist auch die Autorin des Bestsellers>Das Verbrechen der Todesstrafen Stephen Peterson, Herausgeber der Zeitschrift>EventsSein Ton wurde lebhafter, als er sich Steve zuwandte. "Fangen wir mit Ihnen an, Mr. Peterson. Nachdem Sie gesehen haben, wie emotional die Öffentlichkeit auf die Hinrichtungen reagiert hat, die bereits stattgefunden haben, glauben Sie noch immer, daß Ihr Standpunkt gerechtfertigt ist?"
Steve beugte sich vor und antwortete ruhig: "Unbedingt."
Der Interviewer wandte sich seinem zweiten Gast zu. "Sharon Martin, was denken Sie?"
Sharon drehte sich etwas zur Seite, um dem Fragesteller ins Gesicht zu blicken. Sie war todmüde. Im vergangenen Monat hatte sie zwanzig Stunden am Tag gearbeitet; sie hatte prominente Leute wie Senatoren, Kongreßabgeordnete, Richter und Menschenrechtler aufgesucht, in Schulen und Frauenvereinen gesprochen und die Leute aufgefordert, an die Gouverneurin von Connecticut zu schreiben und zu telegrafieren und gegen die Hinrichtung von Ronald Thompson zu protestieren. Sie war auf ein enormes, ja überwältigendes Echo gestoßen und so sicher gewesen, daß Gouverneur Greene das Urteil noch einmal prüfen würde. Nun suchte sie verzweifelt nach Worten.
"Ich denke", sagte sie, "ich glaube, daß wir, daß unser Land einen gewaltigen Schritt zurück ins Mittelalter gemacht hat." Sie hob die Zeitungen auf, die neben ihr lagen. "Sehen Sie sich nur die Schlagzeilen von heute morgen an. Sehen Sie genau hin! Sie sind blutrünstig." Rasch blätterte sie die Zeitungen durch. "Zum Beispiel diese hier: Connecticut testet elektrischen Stuhl. Und die hier: Neunzehnjähriger stirbt am Mittwoch. Und hier: Verurteilter Mörder beteuert Unschuld. Sie sind alle in der Art, sensationslüstern, brutal!" Sie biß sich auf die Lippe, da ihre Stimme versagte.
Steve warf ihr einen kurzen Blick zu. Sie hatten gerade erfahren, daß die Gouverneurin eine Pressekonferenz einberufen habe um bekanntzugeben, daß sie nicht gewillt sei, Thompson eine weitere Gnadenfrist zu gewähren.