Buch
Taschenbuch (798 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Man schreibt das Jahr 1945. Claire Beauchamp Randall, die bis vor kurzem als Krankenschwester an der Front gearbeitet hat, verbringt die zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann Frank in den schottischen Highlands. Als sie bei einem Spaziergang nichtsahnend einen magischen Steinkreis berhrt, verliert sie das Bewusstsein und erwacht mitten im Schlachtgetmmel schottischer Rebellen, im Jahr 1743. Das Schottland dieser Epoche unterscheidet sich betrchtlich von dem friedlichen Ort, den Claire soeben mysteriserweise verlassen hat: Die schottischen Clans kmpfen erbittert gegen die englische Besatzung; die Highlander sind geprgt von Rebellion und Verrat, von Aufklrung, Aberglaube und Hexenwahn. Und mitten unter ihnen Claire eine Frau des zwanzigsten Jahrhunderts, eine beargwhnte Fremde, die die Menschen durch ihr seltsames Auftreten, ihre ungewhnliche Sprache und ihre eigenartigen Kenntnisse in Aufruhr versetzt. Da begegnet sie James Fraser, dem mutigen Clanfhrer, der ihr mehr als einmal in lebensbedrohlichen Situationen zu Hilfe eilt. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, und bald schon sprt Claire, dass dieser Mann ber ihr Schicksal entscheidend mitbestimmen wird, dass sie an seiner Seite Liebe und Leidenschaft, Rebellion und tdliche Gefahr erleben wird. Claire muss schlielich die Entscheidung ihres Lebens treffen: zwischen der Zukunft und der Vergangenheit, zwischen ihrem Mann Frank und dem rothaarigen Rebellen James Fraser. Eine Lektion hat sie inmitten dieses Abenteuers jedoch bereits gelernt dass der Instinkt eines Mannes, die Frau zu beschtzen, die er liebt, so alt ist wie die Zeit... Das ist eine Warnung: Diese Bcher knnen schtig machen. Durchgelesene Nchte, gertete Augen, geschwundene Kilos Millionen von Lesern und v. a. Leserinnen leiden unter diesen Symptomen. Die Geschichte ist so wildromantisch, humorvoll, aber auch geschichtstreu, dass man sie nicht mehr aus den Hnden gibt. Diana Gabaldon schreibt und schreibt. Gottseidank. Berner Zeitung
Pressestimmen:
"Das ist eine Warnung: Diese Bücher können süchtig machen. Durchgelesene Nächte, gerötete Augen, geschwundene Kilos Millionen von Lesern und v. a. Leserinnen leiden unter diesen Symptomen. Die Geschichte ist so wildromantisch, humorvoll, aber auch geschichtstreu, dass man sie nicht mehr aus den Händen gibt. Diana Gabaldon schreibt und schreibt. Gottseidank." (Berner Zeitung)
| Verkaufsrang: | 18.672 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-36105-2 |
| EAN: | 9783442361052 |
| Originaltitel: | Outlander (Outlander Book I) |
| Erschienen: | 01.05.2004 |
| Verlag: | Blanvalet |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 798 |
| Länge/Breite: | 183mm/125mm |
| Gewicht: | 496 g |
| Übersetzer: | Maya Ubik, Elfriede Fuchs, Gabriele Kuby |
| Reihe: | Blanvalet Taschenbücher |
Diana Gabaldon, wurde 1952 in Arizona geboren und besitzt mexikanische und amerikanische Wurzeln. Während ihrer Schulzeit hat sie sich nie fürs Schreiben interessiert, weshalb Diana Gabaldon auch Tiefseebiologie, Zoologie und Ökologie studierte. Bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie, als Computerspezialistin und schrieb Storylines für Walt Diesney Comics. Ab 1980 begann Diana Gabaldon zu schreiben, ob Bücher über Computer, Rezensionen oder Artikel. Bereits ihr erster Roman "Feuer und Stein" (1991) wurde international zu einem riesigen Erfolg. Die Highland- Saga rund um die zeitreisende Krankenschwester Claire und den schottischen Rebellen Jamie verzauberten Millionen von Lesern. Die beiden treffen sich im Schottland des 18. Jahrhunderts und verlieben sich ineinander. Die zweite Romanreihe von Diana Gabaldon, die "Lord John Saga" besitzt ebenfalls großes Hitpotential, nicht zuletzt, da Lord John den Lesern als treuer Freund des Helden der ersten Saga, Jamie, bekannt sein dürfte. Zuletzt belegten in Deutschland "Das flammende Kreuz" und "Das Meer der Lügen" Spitzenplätze auf allen Bestsellerlisten. Diana Gabaldon lebt mit Mann und drei Kindern in Scottsdale, Arizona.
Meinung der Redaktion
Die Romane von Diana Gabaldon sind genau recherchiert historische Leckerbissen mit einer Ansammlung Spannung, Humor, Romantik und einer Prise Erotik. Die große Anzahl treuer Fans erwarten jeden neue Veröffentlichung mit Spannung und warten gebannt, wohin die Reise erneut führt.
Gabriele Kuby studierte Soziologie und war 1967 Referentin im AStA der Freien Universität Berlin. Ihre spirituelle Suche begann 1973. Von 1974 bis 1976 besuchte sie in England die Gurdjieff-Schule "International Academy for Continuous Education". 1977 unternahm sie als Journalistin eine ausgedehnte Reise durch spirituelle Kommunen in Amerika. Außerdem arbeitet sie als Dolmetscherin und Übersetzerin.
von GiPi, am 13.01.2013
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von Silke, am 29.03.2012
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von einer Kundin/einem Kunden, am 11.10.2011
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von Nicole Mohr, am 24.06.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 14.05.2011
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von Julia Brück, am 10.03.2011
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von Martina, am 09.03.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 28.10.2010
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von Nicole, am 20.10.2010
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von NML, am 03.08.2009
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von Alexandra, am 26.07.2009
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von einer Kundin/einem Kunden, am 12.07.2009
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von einer Kundin/einem Kunden, am 25.12.2008
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von einer Kundin/einem Kunden, am 22.10.2008
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von einer Kundin/einem Kunden, am 15.09.2008
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von Mela, am 07.09.2008
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von Anja, am 06.08.2008
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von Corina, am 20.07.2008
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von einer Kundin/einem Kunden, am 10.01.2008
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von einer Kundin/einem Kunden, am 09.09.2007
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ERSTER TEIL
Inverness, 1945
Ein neuer Anfang
Der Ort sah, zumindest auf den ersten Blick, nicht so aus, als würden dort viele Menschen verschwinden. Mrs. Bairds Frühstückspension war ein Haus wie tausend andere im schottischen Hochland anno 1945; sauber und ruhig, mit verblaßten Blümchentapeten, gewienerten Böden und einem Durchlauferhitzer im Bad, in den man Münzen einwerfen mußte. Mrs. Baird war mollig und gelassen und hatte nichts dagegen, daß Frank all seine Bücher und Papiere, die ihn auf jeder Reise begleiteten, in ihrem kleinen, mit Rosenmuster verzierten Wohnzimmer deponierte.
Ich begegnete Mrs. Baird in der Diele, als ich auf dem Weg nach draußen war. Sie hielt mich auf, legte ihre etwas feiste Hand auf meinen Arm und zupfte an meinen Haaren herum.
»Ach du liebe Güte, Mrs. Randall, so können Sie doch nicht aus dem Haus gehen! Darf ich's mal ein bißchen festdrücken? So. Jetzt ist es schon viel besser. Meine Cousine hat mir von einer neuen Dauerwelle erzählt. Die wird wunderschön und hält traumhaft gut; vielleicht sollten Sie's das nächste Mal auch damit versuchen.«
Ich brachte es nicht übers Herz, Mrs. Baird zu sagen, daß die Widerspenstigkeit meiner hellbraunen Locken allein auf eine Laune der Natur und nicht auf Versäumnisse von seiten des Friseurgewerbes zurückzuführen war. Ihre steifgelockten Wellen zeichneten sich jedenfalls nicht durch derlei Eigensinn aus.
»Das werde ich tun, Mrs. Baird«, log ich. »Ich gehe nur schnell ins Dorf runter und treffe mich mit Frank. Wir sind zum Tee wieder da.« Ich verschwand, bevor sie weitere Mängel an meiner Erscheinung entdecken konnte. Ich war vier Jahre Krankenschwester bei der Royal Army gewesen und genoß es nun, statt der Uniform leichte, buntbedruckte Kattunkleider zu tragen, die für stramme Märsche durch die Heide jedoch völlig ungeeignet waren.
Nicht, daß ich ursprünglich geplant hätte, dies oft zu tun; ich hatte mir eher vorgestellt, morgens auszuschlafen und mit Frank lange faule Nachmittage im Bett zu verbringen. Es war jedoch schwierig, eine angemessen romantische Stimmung zu schaffen, wenn Mrs. Baird vor unserer Tür emsig staubsaugte.
»Das muß der schmutzigste Teppich von ganz Schottland sein«, hatte Frank heute vormittag bemerkt, als wir im Bett lagen und dem wilden Röhren des Staubsaugers auf dem Flur lauschten.
»Fast so schmutzig wie die Fantasie unserer Wirtin«, bestätigte ich. »Vielleicht hätten wir doch nach Brighton gehen sollen.«
Wir hatten uns entschlossen, daß wir, bevor Frank seiner Berufung als Geschichtsprofessor nach Oxford folgte, in den Highlands Urlaub machen wollten, weil die Schrecken des Krieges Schottland etwas weniger heimgesucht hatten als den Rest von Großbritannien und weil es nicht so anfällig war für die hektische Nachkriegsmunterkeit, die in populäreren Feriengegenden grassierte.
Und ohne es besprochen zu haben, glaubten wir wohl beide, es sei ein nachgerade symbolischer Ort zur Neubelebung unserer Ehe; kurz vor Ausbruch des Krieges - sieben Jahre war es her - hatten wir in den Highlands geheiratet und dort unsere zweitägigen Flitterwochen verbracht. Ein friedliches Refugium, in dem wir einander wiederentdecken konnten, so meinten wir, ohne zu bedenken, daß Golf und Angeln zwar Schottlands beliebteste Sportarten im Freien sind, Klatsch aber der beliebteste Zeitvertreib in geschlossenen Räumen. Und wenn es so ausgiebig regnet wie in Schottland, halten sich die Menschen oft in geschlossenen Räumen auf.
»Wohin gehst du?« fragte ich, als Frank seine Beine aus dem Bett schwang.
»Ich könnte es nicht ertragen, wenn die gute Frau enttäuscht von uns wäre«, antwortete er. Er setzte sich auf die Kante des hochbetagten Bettes und wippte behutsam auf und ab, was ein durchdringend rhythmisches Quietschen hervorrief. Das Staubsaugen auf dem Flur wurde eingestellt. Nach ungefähr zwei Minuten gab Frank ein lautes, theatralisches Stöhnen von sich und fiel hintüber, wogegen die Sprungfedern schnarrend protestierten. Ich kicherte in mein Kissen, um die atemlose Stille vor der Tür nicht zu entweihen.
Frank zog die Augenbrauen hoch. »Du sollst nicht kichern, sondern verzückt stöhnen«, ermahnte er mich flüsternd. »Sie wird noch denken, ich sei kein guter Liebhaber.«
»Wenn du verzücktes Stöhnen erwartest, mußt du schon länger durchhalten«, erwiderte ich. »Mit zwei Minuten verdienst du nicht mehr als Gekicher.«
»Unverschämtes Frauenzimmer. Ich bin hierhergekommen, um mich auszuruhen, hast du das vergessen?«
»Faulpelz. Wenn du nicht ein bißchen mehr Fleiß an den Tag legst, wirst du es nie bis zum nächsten Ast an deinem Stammbaum bringen.«
Franks Leidenschaft für Ahnenforschung war ein weiterer Grund dafür, daß wir uns die schottischen Highlands ausgesucht hatten. Einem der dreckigen Zettel zufolge, die er mit sich herumschleppte, hatte irgendein leidiger Vorfahr von ihm Mitte des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts irgend etwas in dieser Gegend zu schaffen gehabt.
»Wenn ich an meinem Stammbaum als kinderloser Knorren ende, ist es zweifellos die Schuld unserer unermüdlichen Wirtin da draußen. Schließlich sind wir seit fast acht Jahren verheiratet, und Frank junior wird ehelich genug sein. Jedenfalls brauchen wir keine Zeugen, wenn du ihn empfängst.«
»Falls überhaupt«, sagte ich pessimistisch. In der Woche vor unserem Aufbruch in die Highlands waren wir wieder enttäuscht worden.
»Wie sollen wir es nicht schaffen bei all der frischen Luft und gesunden Ernährung?« Zum Abendessen hatte es gestern Brathering gegeben. Zum Mittagessen Salzhering. Und der penetrante Geruch, der nun die Treppe heraufwehte, deutete stark darauf hin, daß es zum Frühstück Räucherhering geben würde.
»Wenn du nicht vorhast, zur Erbauung von Mrs. Baird eine Zugabe zu geben, dann solltest du dich jetzt anziehen«, sagte ich. »Wolltest du dich nicht um zehn mit dem Pfarrer treffen?« Reverend Dr. Reginald Wakefield, Pastor der hiesigen Gemeinde, würde Frank ein paar ungemein faszinierende Taufregister vorlegen; ganz zu schweigen von der verlockenden Möglichkeit, daß er vielleicht einige schimmelige Kriegsberichte ausgegraben hatte, in denen der berühmt-berüchtigte Vorfahr erwähnt wurde.
»Wie hieß dieser Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater von dir noch mal?« fragte ich. »Der hier bei einem Aufstand mitgemischt hat? Willy oder Walter? Ich weiß es nicht mehr.«
»Jonathan.« Frank nahm mein Desinteresse an der Familiengeschichte gelassen hin, blieb aber immer wachsam, um beim geringsten Ausdruck von Wißbegier meinerseits die Gelegenheit zu ergreifen und mir alle bisher bekannten Fakten über die Randalls und ihre Verbindungen aufzuzählen. Während er sein Hemd zuknöpfte, blitzte die Leidenschaft des fanatischen Dozenten aus seinen Augen.
»Jonathan Wolverton Randall - Wolverton hieß er nach dem Onkel seiner Mutter, einem Ritter aus Sussex. Er war jedoch unter dem schneidigen Beinamen>Black Jack»Mitte der dreißiger Jahre - des achtzehnten Jahrhunderts - kaufte er sein Offizierspatent und diente als Hauptmann bei den Dragonern. Den alten Briefen zufolge, die mir meine Cousine May geschickt hat, kam er beim Heer nicht übel zurecht. Eine gute Wahl für den zweitältesten Sohn, mußt du wissen; sein jüngerer Bruder hielt sich ebenfalls an die Tradition und wurde Geistlicher, aber ich habe noch nicht viel über ihn herausgefunden. Wie auch immer, der Herzog von Sandringham belobigte Jack Randall wegen seiner Aktivitäten vor und während des Aufstands 1746 - des zweiten jakobitischen Aufstands«, erläuterte Frank den Unwissenden unter seinen Zuhörern, nämlich mir. »Du weißt schon, Bonnie Prince Charles und diese Leute.«
»Ich bin nicht sicher, ob den Schotten klar ist, daß sie damals verloren haben«, warf ich ein, während ich mich aufsetzte und meine Haare zu bändigen versuchte. »Gestern abend im Pub habe ich deutlich gehört, wie uns der Mann hinterm Tresen als Sassenachs bezeichnet hat.«
»Nun, warum nicht?« sagte Frank gleichmütig. »Das bedeutet schließlich nur>EngländerFremde»Ich weiß, was es bedeutet. Mir hat sein Ton nicht gefallen.«
Frank suchte in der Kommodenschublade nach einem Gürtel. »Er hat sich bloß geärgert, weil ich ihm gesagt habe, sein Bier sei dünn. Ich habe ihm erklärt, daß man bei einem echten Hochlandgebräu dem Faß einen alten Stiefel beigeben und das Endprodukt durch alte Unterwäsche abseihen müßte.«
»Aha, das erklärt die Höhe der Rechnung.«
»Na ja, ich habe es etwas taktvoller formuliert, aber nur, weil es im Gälischen kein Wort für Unterhose gibt.«
Neugierig geworden, griff ich zu einer von meinen. »Warum nicht? Haben die alten Kelten keine Unterwäsche getragen?«
Frank grinste anzüglich. »Hast du nie das Lied gehört, in dem es darum geht, was ein Schotte unter seinem Kilt trägt?«
»Vermutlich keine lange Unterhose«, sagte ich trocken. »Während du dich mit Pfarrern vergnügst, mache ich mich vielleicht auf die Suche nach einem hiesigen Kiltträger und frage ihn.«
»Dann sieh zu, daß du nicht verhaftet wirst, Claire. Das würde dem Dekan des St. Giles College gar nicht gefallen.«
Letzten Endes schlenderten keine Kiltträger auf dem Dorfplatz herum und besuchten auch nicht die umliegenden Geschäfte. Es waren jedoch etliche andere Leute da, meistenteils Hausfrauen vom Typ Mrs. Baird, die ihre täglichen Besorgungen erledigten. Sie waren aus auf Klatsch und Tratsch und erfüllten, stramm und in bedruckte Kleider gehüllt, die Läden mit gemütlicher Wärme -eine Bastion gegen den kalten Morgendunst draußen.
Da ich bis jetzt noch keinen eigenen Haushalt hatte, gab es für mich nur wenig zu kaufen. Ich amüsierte mich damit, mir die frischgefüllten Regale anzuschauen, aus reiner Freude, vieles wieder angeboten zu sehen. Lange Zeit war alles streng rationiert gewesen, wir mußten ohne einfache Dinge wie Seife und Eier auskommen und noch länger ohne die kleinen Luxusartikel wie L'Heure Bleue, mein Eau de Cologne.
Mein Blick verweilte auf einer Auslage mit Haushaltswaren - bestickten Geschirrtüchern und Teewärmern, Krügen und Gläsern, einem Stapel recht heimeliger Plätzchendosen und einer Garnitur von drei Blumenvasen.
Ich hatte in meinem ganzen Leben noch keine Vase besessen. Während des Krieges hatte ich natürlich in den für Schwestern bestimmten Unterkünften gewohnt; erst im Pembroke Hospital, dann im Lazarett in Frankreich. Doch auch vorher hatten wir nirgendwo lange genug gelebt, um den Kauf eines solchen Gegenstands zu rechtfertigen. Hätte ich so etwas mein eigen genannt, dann hätte Onkel Lamb es bereits mit Topfscherben gefüllt, noch bevor ich mich ihm mit einem Strauß Gänseblümchen hätte nähern können.
Quentin Lambert Beauchamp. »Q« für seine Archäologiestudenten und Freunde. »Dr. Beauchamp« für die Gelehrtenkreise, in denen er sich bewegte. Aber für mich immer Onkel Lamb.
Als meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, wurde ich ihm, dem einzigen Bruder meines Vaters und meinem einzigen noch lebenden Verwandten, aufgebürdet. Auf dem Sprung zu einer Reise in den Mittleren Osten hatte er seine Vorbereitungen so lange unterbrochen, bis er sich um das Begräbnis gekümmert, die Nachlaßangelegenheiten meiner Eltern geregelt und mich - ich war damals sechs - in einem standesgemäßen Mädcheninternat angemeldet hatte, das zu besuchen ich mich schlichtweg weigerte.
Mit der Notwendigkeit konfrontiert, meine dicken Finger vom Türgriff des Wagens zu lösen und mich die Treppe zur Schule hinaufzuschleifen, seufzte mein konfliktscheuer Onkel Lamb verzweifelt auf, zuckte schließlich die Achseln und warf sein Urteilsvermögen mitsamt meinem neuerworbenen Strohhut über Bord.
»Verdammter Deckel«, murmelte er, als er ihn im Rückspiegel davonrollen sah, während wir im dritten Gang die Auffahrt entlangbrausten. »Aber an Frauen habe ich Hüte sowieso noch nie leiden können.« Er musterte mich mit einem wilden Blick.
»Damit eines klar ist«, sagte er in ehrfurchtgebietendem Ton. »Du darfst auf gar keinen Fall mit meinen persischen Grabfigurinen Puppen spielen. Alles, nur das nicht. Verstanden?«
Ich nickte zufrieden. Und war mit ihm in den Mittleren Osten, nach Südamerika und zu Dutzenden von archäologischen Stätten auf der ganzen Welt gereist. Hatte anhand von Entwürfen zu Zeitschriftenartikeln lesen und schreiben gelernt, auch Latrinen graben und Wasser abkochen und eine Reihe von anderen Dingen, die sich für eine junge Dame aus gutem Haus nicht schicken - bis ich dem hübschen, dunkelhaarigen Historiker begegnete, der zu Onkel Lamb kam, um ihn über ein Problem der französischen Philosophie zu befragen, das im Zusammenhang mit der ägyptischen Religion stand.
Auch nach der Hochzeit führten Frank und ich das Nomadenleben angehender Dozenten, pendelten hin und her zwischen Konferenzen auf dem Kontinent und provisorischen Wohnungen, bis es ihn durch den Krieg an die Offiziersschule und danach zum Geheimdienst verschlug und ich eine Ausbildung als Krankenschwester machte. Obwohl wir seit fast acht Jahren verheiratet waren, würde das neue Haus in Oxford unser erstes richtiges Heim sein.
Ich klemmte meine Handtasche entschlossen unter den Arm, marschierte in den Laden und kaufte die Blumenvasen.
An der Kreuzung von High Street und Gereside Road traf ich Frank, und wir bogen gemeinsam in die letztere ein. Als er meine Neuerwerbungen sah, hob er die Augenbrauen.
»Vasen?« Er lächelte. »Wunderbar. Vielleicht hörst du jetzt damit auf, Blumen in meine Bücher zu legen.«
»Das sind keine Blumen, das sind Exemplare. Und es war dein Vorschlag, daß ich mich mit Botanik beschäftige. Damit ich etwas zu tun habe, nachdem ich jetzt keine Kranken mehr zu pflegen habe«, sagte ich.
Frank nickte gutgelaunt. »Stimmt. Mir war nur nicht klar, daß mir jedesmal, wenn ich ein Nachschlagewerk aufklappe, Grünzeug in den Schoß fallen würde. Was war dieses gräßliche bröckelige, braune Kraut, das du in den Tuscum and Banks getan hast?«
»Arnika. Ist gut bei Hämorrhoiden.«
»Du triffst Vorbereitungen, weil ich alt werde, ja? Wie aufmerksam von dir, Claire!«
Wir traten lachend durch die Pforte, und Frank trat zurück, um mich zuerst die schmale Treppe hinaufsteigen zu lassen.
Plötzlich faßte er meinen Arm. »Achtung! Da wirst du doch nicht reintreten wollen.«
Vorsichtig hob ich den Fuß über einen großen, rotbraunen Fleck auf der obersten Stufe.
»Seltsam«, sagte ich. »Mrs. Baird putzt jeden Morgen die Treppe; ich habe sie dabei beobachtet. Was, meinst du, kann das sein?«
Frank beugte sich über die Stufe und schnupperte.
»Aus dem Stand würde ich sagen, das ist Blut.«
»Blut!« Ich trat einen Schritt zurück. »Wessen Blut?« Ich schaute nervös ins Haus. »Glaubst du, Mrs. Baird ist etwas zugestoßen?« Ich konnte mir nicht vorstellen, daß unsere untadelige Wirtin Blut auf ihrer Schwelle trocknen ließ, es sei denn, eine größere Katastrophe hätte sich ereignet. Ich fragte mich einen Moment, ob sich im Wohnzimmer ein geisteskranker Mörder verbarg, der sich mit markerschütterndem Schrei sowie einer Axt auf uns stürzen würde.
Frank schüttelte den Kopf. Er stand auf Zehenspitzen und spähte über die Hecke in den Garten nebenan.
»Das glaube ich kaum. Bei den Collins ist auch so ein Fleck auf der Schwelle.«
»Tatsächlich?« Ich rückte näher an Frank heran, sowohl um über die Hecke zu lugen als auch der moralischen Unterstützung wegen. Das schottische Hochland schien mir nicht der rechte Ort für einen Massenmörder zu sein; allerdings bezweifelte ich, daß sich solche Personen bei der Auswahl ihrer Wirkungsstätten an logische Kriterien hielten. »Das ist ziemlich... unangenehm«, bemerkte ich. Aus dem Nachbarhaus drang kein Lebenszeichen. »Was, meinst du, ist passiert?«
Frank runzelte die Stirn, dachte nach und schlug sich dann in plötzlicher Eingebung auf sein Hosenbein.
»Ich weiß es, glaube ich. Warte einen Augenblick.« Damit überließ er mich meinem Schicksal, schoß durch die Pforte und trabte die Straße hinunter.
Wenig später war er, strahlend vor Gewißheit, zurück.
»Ja, das ist es. Muß es sein. Jedes Haus in dieser Reihe hatte es.«
»Hatte was? Besuch von einem gemeingefährlichen Irren?« Ich sprach in einem etwas scharfen Ton, weil ich mit nichts als einem großen Blutfleck zur Gesellschaft stehengelassen worden war.
Frank lachte. »Nein, ein rituelles Opfer. Faszinierend!« Er war jetzt auf allen vieren im Gras und betrachtete interessiert den Fleck.
Das schien mir kaum besser als ein gemeingefährlicher Irrer. Ich hockte mich neben ihn und rümpfte die Nase. Es war noch zu früh für Fliegen, aber ein paar von den großen, langsamen Hochlandmücken zogen über dem Fleck bereits ihre Kreise.
»Rituelles Opfer? Was soll das heißen?« fragte ich. »Mrs. Baird geht treu und brav zur Kirche wie alle anderen. Das ist doch kein Druidenhügel hier!«
Frank erhob sich und bürstete Gras von seiner Hose. »Hast du eine Ahnung, Mädchen«, sagte er. »Es gibt keinen Ort auf Erden, wo der alte Aberglaube und die alte Magie lebendiger sind als in den Highlands. Ob Mrs. Baird zur Kirche geht oder nicht, sie glaubt ans Hügelvolk, und ihre Nachbarn ebenso.« Er deutete mit seiner säuberlich polierten Schuhspitze auf den Fleck. »Das Blut eines schwarzen Hahnes«, erklärte er und wirkte durchaus zufrieden. »Die Häuser sind neu, das siehst du wohl. Fertigbauweise.«
Ich betrachtete Frank kühl. »Wenn du den Eindruck hast, das erkläre alles, dann täuschst du dich. Welchen Unterschied macht es, wie alt die Häuser sind? Und wo, um Himmels willen, sind die ganzen Leute?«
»Im Pub, nehme ich an. Schauen wir nach, ja?« Frank nahm meinen Arm und führte mich durch die Pforte und die Gereside Road hinunter.
»Früher«, berichtete er im Gehen, »und das ist noch gar nicht so lange her, war es üblich, etwas zu töten, wenn ein Haus gebaut wurde, und es unterm Fundament zu begraben - das sollte die Erdgeister besänftigen.>Er wird die Grundfesten in seinem Erstgeborenen errichten, und in seinem jüngsten Sohn wird er die Tore bauen.Ich schauderte bei dem Zitat. »Dann ist es wohl sehr modern und aufgeklärt, daß die Leute statt dessen Hähne nehmen. Du meinst also, da die Häuser ziemlich neu sind, ist nichts unter ihnen begraben worden, und dem helfen die Bewohner jetzt ab?«