Buch
Taschenbuch (510 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Kurt Austin und sein NUMA-Team kommen gerade noch rechtzeitig, um die UNESCO-Beauftragte Carina Mechadi vor Piraten zu retten. Die Räuber hatten es auf eine phönizische Statue abgesehen. Doch wer sind ihre Auftraggeber? Austin begibt sich auf die Suche nach den Hintermännern – und stößt auf eine Spur, die direkt zu dem sagenumwobenen Schatz von König Salomon führt …
| Verkaufsrang: | 57.812 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-36922-3 |
| EAN: | 9783442369225 |
| Originaltitel: | The Navigator |
| Erschienen: | 13.05.2008 |
| Verlag: | Blanvalet |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 510 |
| Gewicht: | 396 g |
| Übersetzer: | Bernhard Kempen |
| Reihe: | Blanvalet Taschenbücher |
Paul Kemprecos war früher als Journalist, Kolumnist und Herausgeber tätig. Er schrieb bereits Unterwasser-Kriminalromane und lebt in seinem Haus auf Cape Cod.
von Ratte, am 05.09.2008
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In einem fernen Land, 900 v. Chr.
Im perlweißen Licht der Dämmerung tauchte das Seeungeheuer aus dem Morgennebel auf. Der schwere Kopf mit der langen Schnauze und den geblähten Nüstern steuerte genau dort das Ufer an, wo der Jäger kniete, die straffe Bogensehne an der Wange, die Augen auf einen Hirsch gerichtet, der im Marschland graste. Als das Geräusch schwappender Wellen ans Ohr des Jägers drang, blickte er sich zum Wasser um. Er stieß einen erstickten Schrei aus, warf den Bogen fort und sprang auf. Der Hirsch verschwand erschrocken im Wald, dicht gefolgt von dem verängstigten Jäger.
Die Nebelschwaden teilten sich und offenbarten ein riesiges Segelschiff. Vorhänge aus Tang säumten den zweihundert Fuß langen Rumpf aus rötlich-braunem Holz. Ein Mann stand auf dem hochgezogenen Vordersteven des Schiffes hinter der geschnitzten Galionsfigur eines schnaubenden Hengstes. Er hatte gerade in eine kleine Holzschachtel geblickt. Als die geisterhafte Küste aus dem Nebel auftauchte, hob der Mann den Kopf und zeigte zur linken Seite.
Die Steuermänner am Doppelruder brachten das Schiff in anmutigem Bogen auf einen neuen Kurs, der parallel zur dicht bewaldeten Küste verlief. Geschickt trimmten Deckshelfer das Segel mit den senkrechten rot-weißen Streifen, um die Kursänderung auszugleichen.
Der Kapitän war erst Mitte zwanzig, aber der ernste Ausdruck seines ebenmäßiges Gesichts ließ ihn einige Jahre älter erscheinen. Seine kräftige Nase wirkte leicht gebogen. Der dichte schwarze Bart war in Stufen geschnitten und umrahmte einen vollen Mund und ein kantiges Kinn. Die Sonne und das Meer hatten seiner Haut eine mahagonifarbene Bräunung verliehen. Die unergründlichen Augen, mit denen er die Küste absuchte, waren von einem so dunklen Braun, dass man die Pupillen darin kaum erkennen konnte.
Die hohe Stellung des Kapitäns berechtigte ihn, ein purpurnes Gewand zu tragen, das mit dem kostbaren Extrakt der Murex-Schnecke gefärbt war. Doch er zog es vor, die Brust nicht zu verhüllen und den Baumwollkilt eines gewöhnlichen Besatzungsmitglieds zu tragen. Eine weiche, kegelförmige Mütze bedeckte das kurze, gewellte Haar.
Der Salzgeruch des Meeres hatte sich verflüchtigt, als das Schiff vom offenen Ozean in die breite Bucht eingefahren war. Der Kapitän sog die Lungen mit dem Duft von Blumen und grünen Gewächsen voll. Er freute sich über die Aussicht auf frisches Süßwasser und sehnte sich danach, seinen Fuß auf trockenes Land setzen zu können.
Es war eine lange Reise gewesen, doch dank der handverlesenen phönizischen Besatzung, die ausschließlich aus erfahrenen Seemännern bestand, war sie recht gut verlaufen. Außerdem waren an Bord ein paar Ägypter und Libyer sowie Männer aus anderen Ländern, die am Mittelmeer lagen. Ein Trupp skythischer Soldaten war für die Sicherheit verantwortlich.
Die Phönizier waren die besten Seefahrer der Welt, abenteuerlustige Entdecker und Händler, deren maritimes Imperium das Mittelmeer umschloss und sich über die Säulen des Herakles hinaus und bis ins Rote Meer erstreckte. Im Gegensatz zu den Griechen und Ägyptern, deren Schiffe an den Küsten entlangkrochen und die vor Anker gingen, wenn es dunkel wurde, segelten die furchtlosen Phönizier bei Tag und Nacht und außerhalb der Sichtweite des Landes. Mit einem kräftigen Wind von achtern konnten ihre großen Handelsschiffe mehr als hundert Seemeilen pro Tag zurücklegen.
Der Kapitän war kein geborener Phönizier, aber in der Kunst der Seefahrt äußerst kundig. Mit seinen Navigationskenntnissen und seinem sicheren Urteilsvermögen bei schlechten Wetterverhältnissen hatte er den Respekt der Besatzung schnell gewonnen.
Das Gefährt unter seinem Kommando war ein »Schiff von Tarschisch«, das für längere Handelsreisen über das Meer konstruiert worden war. Anders als die rundlicheren Schiffe für Kurzstrecken wurde es von langen und geraden Linien bestimmt. Das Deck und der Rumpf bestanden aus dem widerstandsfähigen Holz der Libanonzeder, und der dicke Mast war niedrig und äußerst stabil. Das quadratische Segel aus ägyptischem Leinen hatte man zur Verstärkung mit Lederriemen abgesteppt. Es handelte sich um die leistungsfähigste Takelage der Hochseeschifffahrt, die es überhaupt gab. Der gebogene Kiel mit hochgezogenen Vorder- und Achtersteven nahm die Wikingerschiffe vorweg, die erst Jahrhunderte später gebaut werden sollten.
Das Geheimnis der phönizischen Herrschaft über das Meer ging weit über technische Aspekte hinaus. Die Organisation an Bord ihrer Schiffe war legendär. Jedes Besatzungsmitglied kannte seinen Platz in der gut geölten Maschinerie eines phönizischen Seefahrtunternehmens. Das Tauwerk war in einem leicht zugänglichen Raum, für den der Assistent des Kapitäns verantwortlich war, ordentlich verstaut worden. Der Bootsmann kannte die Position jedes einzelnen Taus und überprüfte ständig die Takelage des Schiffes, um sich zu vergewissern, dass sie auch im Notfall verlässlich war.
Der Kapitän spürte, wie etwas Weiches an seinem nackten Bein entlangstrich. Er erlaubte sich ein seltenes Lächeln, stellte die Holzschachtel in eine Kiste und nahm die Schiffskatze auf den Arm. Phönizische Katzen hatten ihren Ursprung in Ägypten, wo sie als Götter verehrt wurden. Phönizische Schiffe hatten Katzen als Handelsgut und zur Rattenbekämpfung an Bord. Eine Weile streichelte der Kapitän die rot und gelb gestreifte Katze und setzte das schnurrende Tier dann wieder aufs Deck. Das Schiff näherte sich einer breiten Flussmündung.
Der Kapitän rief dem Bootsmann einen Befehl hinauf. »Die Takler sollen sich darauf einrichten, das Segel einzuholen, und die Steuermänner sollten sich bereithalten.«
Der Bootsmann gab den ersten Befehl an einige Besatzungsmitglieder weiter, die wie Affen den Mast bis zur Nock hinaufkraxelten. Zwei andere Seemänner warfen den Taklern Leinen zu, die an den unteren Ecken des Segels befestigt waren. Damit refften die Takler das große quadratische Segel.
Ruderer mit kräftigen Armen hatten sich bereits auf ihre Bänke gesetzt, die in zwei Reihen zu zwanzig Plätzen angeordnet waren. Im Gegensatz zu den Rudersklaven auf vielen anderen Schiffen waren die Männer, die das Schiff mit schnellen, präzisen Schlägen vorantrieben, darin ausgebildet.
Die Steuermänner lenkten das Schiff in den Fluss. Obwohl der Strom im Frühling vom Schmelzwasser aus den Hügeln und Bergen angeschwollen war, verhinderten sein flaches Bett und die Schnellen, dass das Schiff allzu weit flussaufwärts fahren konnte.
Die skythischen Söldner reihten sich an der Reling auf und hielten ihre Waffen bereit. Der Kapitän stand am Bug und blickte auf das Flussufer. Er sah eine grasbewachsene Landzunge, die in den Strom ragte, und befahl den Steuermännern, das Schiff in der Strömung zu halten, während die Besatzung den Anker warf.
Ein muskulöser Mann mit hohen Wangenknochen und einem Gesicht, so verwittert wie ein alter Sattel, näherte sich dem Kapitän. Tarsa war der Befehlshaber der skythischen Soldaten, die das Schiff und seine Fracht beschützten. Die mit den Mongolen verwandten Skythen waren als geschickte Reiter und Bogenschützen, aber auch für ihre seltsamen Gewohnheiten bekannt.
In der Schlacht tranken sie das Blut der bezwungenen Feinde und benutzten ihre Skalps als Mundtücher. Tarsa und seine Männer bemalten ihre Körper mit roter und blauer Farbe, sie reinigten sich mit Dampfbädern und trugen lederne Hemden und Hosen, die sie sich in die Stiefel aus weichem Leder steckten. Selbst der ärmste Skythe schmückte seine Kleidung mit goldenen Ornamenten. Tarsa trug ein kleines Medaillon, das den Kopf eines Pferdes zeigte, das ihm der Kapitän geschenkt hatte.
»Ich werde einen Erkundungstrupp zusammenstellen, der an Land geht«, sagte Tarsa.
Der Kapitän nickte. »Ich werde Euch begleiten.«
Ein Lächeln erschien auf dem steinernen Gesicht des Skythen. Als Landbewohner hatte er anfangs nur wenig Vertrauen in die Fähigkeiten des jungen Kapitäns gesetzt. Doch dann hatte er beobachtet, wie der Mann das große Schiff führte, und feststellen müssen, dass sich unter den patrizischen Zügen und der sanften Sprechweise ein eiserner Charakter verbarg.
Das breite Beiboot, das die meiste Zeit über hinter dem Schiff im Schlepptau dümpelte, wurde nun längsseits geholt. Der Skythe und drei seiner besten Kämpfer bestiegen das Boot zusammen mit dem Kapitän und zwei kräftigen Ruderern.
Wenig später stieß das Boot mit einem harten Knirschen gegen die Landzunge. Unter dem Grasbewuchs verbarg sich ein steinerner Kai. Der Kapitän vertäute das Boot an einem Poller, der fast völlig unter Unkraut verschwunden war.
Tarsa befahl einem Mann, bei den Ruderern zu bleiben. Dann lief er zusammen mit dem Kapitän und den anderen Skythen los, über die zugewachsene Pflasterstraße, die vom Kai landeinwärts führte. Nachdem sie viele Wochen auf wankenden Decksplanken verbracht hatten, bewegten sie sich zunächst mit unbeholfenen Schritten. Ein paar hundert Fuß vom Fluss entfernt stießen sie auf einen von Unkraut überwucherten Zentralplatz, der von baufälligen Häusern gesäumt wurde. Hohes Gras wuchs in den offenen Durchgängen und Gassen.
Der Kapitän rief sich ins Gedächtnis, wie die Siedlung bei seinem ersten Besuch ausgesehen hatte. Auf dem Platz hatte ein reges Treiben geherrscht. Die Arbeiter hatten zu Hunderten in den Schlafhäusern mit den Flachdächern gewohnt und in den Lagerhäusern geschuftet.
Der Landetrupp durchsuchte nach und nach jedes Gebäude. Als man sich vergewissert hatte, dass die Siedlung verlassen war, führte der Kapitän die Truppe zum Fluss zurück. Er lief bis zum Ende des Piers und winkte. Während die Besatzung den Anker lichtete und die Ruderer das Schiff in Richtung Kai bewegten, wandte sich der Kapitän dem Befehlshaber der Skythen zu.
»Sind Eure Männer für die wichtige Aufgabe bereit, die vor uns liegt?«
Die Frage veranlasste den Skythen zu einem Schnauben. »Meine Männer sind zu allem bereit.«
Der Kapitän zeigte sich von dieser Antwort keineswegs überrascht. Er hatte viele Stunden damit verbracht, sich während der langen Reise mit Tarsa zu unterhalten. Sein unstillbarer Durst nach Wissen über Menschen aus aller Herren Länder hatte ihn dazu bewogen, Tarsa über seine Heimat und sein Volk auszufragen, und schließlich hatte er den zähen alten Krieger trotz seiner blau-roten Haut und seiner seltsamen Gewohnheiten ins Herz geschlossen.
Das Schiff machte am Kai fest, die Besatzung ließ einen breiten Landungssteg herunter. Hufe klapperten auf dem Deck, als die Männer zwei Zugpferde aus den Ställen im Heck holten. Im Freien wurden die Tiere unruhig, aber die Skythen konnten sie bald mit sanften Worten und einer Handvoll Getreide, das in Honig getränkt war, beruhigen.
Der Kapitän stellte eine Gruppe zusammen, die sich auf die Suche nach Süßwasser und Nahrungsmitteln machen sollte. Dann stieg er in den Frachtraum hinunter und trat neben eine Kiste aus robustem Zedernholz. Der Behälter schien im Licht, das durch die Luke hereinströmte, zu schimmern. Er rief seinen Männern zu, dass sie große Vorsicht walten lassen sollten, wenn sie die Kiste aus dem Frachtraum hievten.
Dicke Seile wurden an der Kiste befestigt und durch einen Haken am Ladebaum geführt. Der Ausleger knarrte unter dem Gewicht. Die Kiste wurde langsam aus dem Frachtraum gehoben und auf Deck abgestellt. Dann entfernte man die Seile und schob Ruderblätter durch Ösen an den Seiten des Behälters. Einige Männer schulterten diese Tragestangen und beförderten die Kiste über den Landungssteg auf den Kai.
Dort wurde die Kiste auf einen niedrigen Wagen gehoben, der auf festen, eisenbeschlagenen Holzrädern ruhte. Die Pferde spannte man vor den Wagen. Die Soldaten schulterten ihre Schilde und Bogen und bildeten, die Speere in den Händen, zu beiden Seiten des Wagens schützende Reihen. Der Kapitän und der Befehlshaber der Skythen übernahmen die Führung. Dann setzte sich der Zug unter dem Lärm klappernder Waffen in Bewegung.
Sie durchquerten die verlassene Siedlung, bis sie eine Straße erreichten, die parallel zum Fluss durch den Wald führte. Das Pflaster war zwar mit Gras bewachsen, trotzdem ermöglichte es ihnen die Straße, im dichten Wald schnell voranzukommen. Jeden Abend machte die Gruppe Halt, um ein Nachtlager aufzuschlagen. Am Morgen des dritten Tages stießen sie auf ein Tal zwischen zwei niedrigen Bergen.
Der Kapitän ließ die Kolonne anhalten und holte aus seinem Gepäck die Holzschachtel hervor, die er schon auf dem Schiff immer wieder konsultiert hatte. Während die Soldaten eine Ruhepause einlegten und die Pferde versorgten, öffnete er den Deckel, schüttete ein wenig Wasser hinein und blickte daraufhin in die Schachtel. Anschließend widmete er sich einer Schriftrolle aus Pergament, die er in einem Leinenbeutel mit sich führte. Danach trieb er die Gruppe mit der Zielstrebigkeit eines Zugvogels weiter voran.
Der Zug marschierte durch das Tal und erreichte schließlich ein Feld, auf dem die Reste runder Mühlsteine im hohen Gras zu erkennen waren. Der Kapitän erinnerte sich noch gut daran, wie hier schwitzende Männer die steinernen Räder gedreht hatten. Arbeiter hatten Körbe voller Steine in die Mühlen geschüttet, die dann den Inhalt zu feinem Pulver zermahlten. Das Pulver hatte man zu den Feuergruben gebracht, wo die Glut mit Blasebälgen geschürt wurde. Schließlich hatten die Arbeiter die Schmelztiegel angehoben und den geschmolzenen Inhalt in Gussformen zu Ziegeln erstarren lassen.
Die Expedition zog weiter, bis sie zu zwei steinernen Götzenbildern kam. Jede Statue war von doppelter Mannsgröße und stellte vom Hals abwärts eine mehr oder weniger menschliche Gestalt dar. Sie dienten dem Zweck, die Eingeborenen abzuschrecken. Die albtraumhaften Köpfe waren eine Mischung aus Mensch und Tier, eine Verbindung ihrer schrecklichsten Züge, als hätte der Bildhauer beabsichtigt, ein ganz und gar Furcht einflößendes Gesicht zu erschaffen. Selbst die abgehärteten Söldner empfanden Unbehagen. Nervös wechselten sie ihre Speere von einer Hand in die andere und warfen den bösartigen Statuen misstrauische Blicke zu.
Der Kapitän konsultierte erneut seine magische Schachtel und die Pergamentrolle und machte sich auf den Weg in den Wald. Die Prozession folgte ihm im künstlichen Dämmerlicht unter dem Blätterdach. Die dicken Baumwurzeln bildeten immer neue Hindernisse, doch nach einer Stunde Marsch kam die Gruppe wieder aus dem Wald hervor. Sie näherte sich der glatten Felswand am Fuß eines niedrigen Grats. Zwei weitere Götzenbilder, die den ersten beiden glichen, versperrten ihnen den Weg.
Mit den Statuen als Bezugspunkte triangulierte der Kapitän einen Punkt in der Steilwand. Wie ein Blinder, der auf ein unerwartetes Hindernis gestoßen war, tastete er den Fels ab. Schließlich fanden seine Finger zwei kaum sichtbare Vorsprünge, die er benutzte, um an der Wand hinaufzuklettern.
Etwa zwei Mannslängen über dem Boden wandte er sich um und hockte sich in eine Felsnische. Er ließ sich einen Speer reichen, den er als Hebel in einen Spalt schob. Die Soldaten warfen ihm ein Seil hinauf, das er am Speerschaft befestigte. Das andere Ende des Seils wurde an ein Pferd gebunden. Auf das Zeichen des Kapitäns hin zog das Pferd, während er mit den Füßen gegen einen flachen
Felsvorsprung drückte. Eine Steinplatte von etwa einem Fuß Dicke löste sich und krachte zu Boden. Dahinter wurde eine Höhle sichtbar, die etwa sechs Fuß breit und zehn Fuß hoch war.
Nachdem er von der Felswand herabgestiegen war, entfachte der Kapitän in einem trockenen Grasbüschel ein Feuer und entzündete dann ein Reisigbündel an der Glut. Er hob die Fackel und trat als Erster in die Öffnung. Die Skythen hatten sich ins Geschirr gelegt und machten sich nun daran, den Wagen durch einen Tunnel mit glatten Wänden zu ziehen, der sich nach einer Strecke von etwa fünfzig Fuß zu einer Kammer öffnete.
Der Kapitän entzündete mehrere Öllampen, die in kleinen Nischen in der Höhlenwand standen. Der helle Lichtring offenbarte eine große runde Galerie, von der weitere Tunnel abgingen. In der Mitte des Raums befand sich ein kreisrunder Felsblock von etwa drei Fuß Höhe und sechs Fuß Durchmesser. Der Kapitän wies die Skythen an, die Kiste auf dieses Podest zu heben. Auf seinen Befehl hin nahmen sie den Deckel ab und traten zurück.
Der Kapitän beugte sich über die Kiste und öffnete den Deckel einer etwas kleineren, kunstvoller gearbeiteten Kiste aus Gold und dunklem Holz. Während er mehrere Lagen aus blauem Stoff entfernte, spürte er sein Herz wild schlagen. Er starrte gebannt nach unten, und sein Gesicht schimmerte im reflektierten Licht, das aus der Kiste drang. Nach einer Weile ordnete der Kapitän sorgsam den blauen Stoff und schloss das kleine Behältnis. Dann legten Tarsas Männer den Deckel auf die große Kiste zurück.
»Unser Auftrag hier ist erfüllt«, sagte er, und seine Worten hallten in der Höhlenkammer wider.
Daraufhin führte er die anderen nach draußen. Die frische, kühle Luft fühlte sich auf seinem verschwitzten Gesicht gut an und reinigte seine Lungen vom Staub. Der
Kapitän wies die Skythen an, die Steinplatte zurück in die Öffnung zu setzen. Dann musterte er die Wand. Niemand würde vermuten, dass sich hinter dieser Platte eine Höhle verbarg.
Die Gruppe kehrte auf demselben Weg zurück. Nachdem der Wagen von der Last befreit war, marschierten die Männer zügig auf den Fluss zu. Parallel zur Böschung stand ein Gebäude aus Holz, dessen große Türen dem Wasser zugewandt waren. Der Kapitän nahm das Innere des Gebäudes in Augenschein. Als er wieder herauskam, wirkte er zufrieden. Er sagte zu Tarsa und seinen Männern, dass sie eine gute Mahlzeit zubereiten und sich dann einen erholsamen Schlaf gönnen sollten.
Als es dämmerte, weckte der rastlose Kapitän die Männer. Die Pferde zogen ein Holzboot aus dem Lagerhaus und zum Fluss hinunter. Das Gefährt mit dem offenen Deck war halb Boot, halb Floß, etwa fünfzig Fuß lang und mindestens zehn breit. Es hatte nur wenige Fuß Tiefgang und wurde mit einer langen Ruderpinne gesteuert.
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