Mensch, Papa!
Leseprobe

Mensch, Papa!

Vater werden, das letzte Abenteuer. Ein Mann erzählt

von Kester Schlenz

Buch

gebunden (255 Seiten)

20. Auflage

Sprache: Deutsch

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Der Bestseller über das aufregende Abenteuer, Vater zu werden. Mit unwiderstehlichen Humor lässt Kester Schlenz uns teilhaben an seinen Gedanken, Gefühlen und Zweifeln beim Vaterwerden - vom blauen Ring des Schwangerschaftstests bis zum zweiten Geburtstag seines Sohnes. Sein Resümee: "Das hat mich total umgehauen."






Produktdetails

Verkaufsrang: 19.804
ISBN-10: 3-442-39048-6
EAN: 9783442390489
Erschienen: 12.11.2002
Verlag: Goldmann
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 20. Auflage
Seitenzahl: 255
Gewicht: 280 g
Illustrator: Detlef Kersten
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Detlef Kersten

Detlef Kersten, geboren 1948 in Berlin, studierte Grafik-Design an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1975 lebt er in einem Dorf bei Hannover. Er macht Cartoons, Bildgeschichten und Bilderbücher, ist Chefredakteur des Schülermagazins Treff und verantwortlich für die Gestaltung der Zeitschrift spielen + lernen.

Kester Schlenz

Kester Schlenz, geboren 1958, Studium der Sprachwissenschaften und Psychologie. Leitung des Ressorts Kultur und Unterhaltung bei BRIGITTE. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Hamburg.

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Kundenrezensionen

  • Kester Schlenz, Mensch, Papa! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Frau Gey, am 16.11.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Dieses Buch von Kester Schlenz ist das ultimative Geschenk für "schwangere Väter". Humorvoll erzählt er von "seiner" ersten Schwangerschaft und gibt gleichzeitig gute Ratschläge für Mitväter, die auch an Gewicht zulegen, oder noch eben zur Tankstelle fahren um Pizza, Süßigkeiten oder Gurken zu besorgen. Aber auch die praktischen Dinge des Alltags, wie Schwangerschaftsgymnastik, kommen nicht zu kurz. Zu Hochform läuft er auf, als der Sohn endlich da ist...
    Kester Schlenz hat lange Jahre die Brigitte Kolumne geschrieben. Geliebt habe ich schon immer seine Ratschläge zur Erziehung, seine Geschichten über seine eigenen Kinder mit allen Fallgruben des Lebens. Wer möchte: es gibt noch einige Bücher zum Thema Kinder von ihm. Muß man haben!!!

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  • Ein Muß für alle werdenden Eltern... Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 03.10.2008

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    und wenn das Baby da - ist dann gleich nochmal lesen. Urkomisch und ganz aus dem wahren Leben gegriffen!!!

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  • Starker Anfang, schwacher Schluss Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von reini68.blogspot.at, am 28.12.2006

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Kester Schlenz hat in diesem Buch seine Erlebnisse während der Schwangerschaft seiner Frau Gesa und während der ersten Lebensjahre seines Sohnes Henri festgehalten. Besonders schön fand ich, dass er sich bemühte einen gesunden Mittelweg zwischen Information und Anekdoten zu suchen. Dieses Ziel zu erreichen gelingt ihm in der ersten Hälfte des Buches ausgezeichnet, und meine Frau und ich haben häufig Tränen gelacht. Leider verliert er ab der Hälfte seinen witzigen Ton und das letzte Drittel des Buches wird zu einem reinen Dozieren über das Thema "Eltern sein". Er diskutiert dann darüber, welche Elterntypen es gibt und wie er mit seiner Angst seinem Sohn könnte etwas zustoßen umging. Den letzten 100 Seiten fehlt leider jeder Witz - und selbst Situationen die man auch witzig beschreiben könnte, werden todernst wiedergegeben. Sprachlich und stilistisch ist das Buch in Ordnung, aber in keiner Form herausragend. Die immer wieder im Text enthaltenen Zeichnungen sind sehr nett gemacht.

    Insgesamt also kann ich Ihnen dieses Buch wirklich ans Herz legen, allerdings eigentlich nur die ersten 150 Seiten. Nicht dass der Rest nicht interessant wäre, dieser Teil hat durchaus seine Berechtigung, aber es passt einfach nicht zusammen.

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  • Auch für Mamas ein herrliches Buch Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Nadine P., am 25.08.2006

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Mein Mann kaufte sich dieses Buch während meiner Schwangerschaft und ein Wunder geschah: Er verschlang es! Ich muss dazu sagen: Nicht viele Bücher kamen bisher in den Genuß, von meinem Mann vom Anfang bis zum Ende gelesen zu werden... ;-) Also wurde ich neugierig und las es. Selten lache ich laut, wenn ich lese, aber bei diesem Buch konnte ich einfach nicht anderes: Kester Schlenz hat einen wunderbaren charmarten Schreibstil, der dem Leser das letzte Abenteuer des Mannes mit all seinen Höhen und Tiefen eindrucksvoll vor Augen führt. Allein die Kapitelnamen wie z.B. "In den Schniedel atmen - Der Vater als Idiot beim Schwangerschaftskurs" oder "Der müsste aber schon laufen - Der Terror der Gedeihkurven" lassen schon erahnen, mit wieviel Humor Kester Schlenz seine Erfahrungen schildert. Im letzten Kapitel kommt noch seine Frau Gesa zu Wort und schildert alles aus ihrer Sicht. Mein persönlicher Tipp: Lesen Sie das Buch einmal während der Schwangerschaft - am besten mit ihrem Partner zusammen. Zwei bis drei Monate nach der Geburt sollten Sie es noch einmal zur Hand nehmen: Jetzt, wo man alles selber einmal erlebt hat, ist das Lesen noch viel lustiger! Mein Mann und ich zitieren noch heute daraus. Fazit: Sehr empfehlenswert!

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  • Sehr zu empfehlen, lesenswert Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 27.06.2005

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ich habe dieses Buch wärend meiner Schwangerschaft bekommen. Es liest sich phantastisch. Nach mir hat es noch die ganze Familie gelesen, angefangen bei meinem Partner, über die Eltern bis zu den Tanten.
    Toll!!!

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Mein Sohn Henri war blau! Das erste, was ich von ihm sah, war ein blauer, kleiner Ring in einem winzigen Reagenzglas. Henri war zwar erst ein winziger Zellhaufen in Gesas Gebärmutter, aber hier, durch eine Verfärbung im Röhrchen des Schwangerschaftstestes, tat mein Sohn eindeutig und unmißverständlich kund: „I'm on my way!“
Eigentlich war ja noch gar kein Kind geplant. Oder besser gesagt: Wir waren uns sicher, daß wir eines wollten, wußten aber nicht, wann wir es wollten. „Der Zeitpunkt muß richtig sein“, sagte ich immer in schlichter Weisheit und klang dabei so altklug wie Witta Pohl in den „Drombuschs“.
Ich kannte das Problem aus meinem Freundeskreis. Die einen waren zu früh dran, wie mein Freund „Dedel“. Er hatte seine Freundin nach einem Schulfest im Volvo seines Vaters geschwängert. Dedel dachte wohl, der Wagen sei so sicher, daß nichts passieren könne. Sie bekamen das Kind und trennten sich ein Jahr später. Und dann kannte ich auch ein paar Absichtserklärungs-Experten, die so lange ankündigten, „ganz sicher Kinder zu wollen“, bis es eines Tages zu spät war. „Wir wollten ja. Aber mit 40? Du weißt ja, die biologische Uhr tickt gnadenlos“.
Nein, so sollte es bei uns nicht enden. Aber mußte es jetzt schon sein? Dabei wußte ich, daß ich nur Angst vor meiner eigenen Courage hatte. Der Zeitpunkt war nämlich goldrichtig. Ich war 33, hatte einen festen Job und fühlte mich, bis auf die typischen Zipperlein eines Hypochonders („Meinst du nicht auch, daß dieser Leberfleck größer geworden ist, Schatz?“), recht wohl. Gesa war 27, studierte Kostümdesign und war sich sicher, daß sie (irgendwann) Kinder wollte.
Um unsere Beziehung stand es ebenfalls sehr gut. Wir hatten uns gerade, nach neun gemeinsamen Jahren, entschlossen, im Frühsommer zu heiraten. Außerdem bekamen viele unserer Freunde Kinder am laufenden Band, was wir jedesmal klasse fanden. „Wir wollen ja auch bald“, sagten wir immer entrückt grinsend, wenn wir einen der kleinen Würmer auf dem Arm hielten. In diesen Momenten merkte ich deutlich, daß ich für eine Vaterschaft im wahrsten Sinne des Wortes „reif“ war. Das Gefühl, ein Baby im Arm zu halten, zu spüren, wie seine kleine Hand sich um meinen Zeigefinger schloß, das war einfach wunderbar. Babys, die ich früher als süße, aber letztlich uninteressante kleine Schreihälse empfand, hatten plötzlich eine geradezu magische Ausstrahlung auf mich. Dauernd ließ ich mir Kinder reichen und genoß es, wenn jemand sagte „Du kannst aber gut mit den Zwergen.“ Wie toll muß es erst sein, sein eigenes Kind so im Arm zu halten? fragte ich mich, und begann immer öfter darüber nachzudenken, wie ich mich als Vater wohl fände. Gut fand ich mich. Richtig gut. „Aber vielleicht noch nicht sofort,“ flüsterte dann meist eine warnende, leise Stimme in meinem Hinterköpf. Die wurde jedoch jedesmal leiser. Auf der Straße guckte ich in jeden Kinderwagen und begann Gespräche mit den Müttern. Mein Freund Meck riet mir dringend zur Vaterschaft. Er könne mein süßliches Gesülze auf offener Straße bald nicht mehr ertragen. Nach und nach entwickelte ich den Ehrgeiz, das richtige Alter der Kleinen zu erraten. Nach anfänglichen schweren Reinfallen („Der ist doch sicher schon ein Jahr, nicht wahr?“ - „Also bitte, sie ist vier Monate!“) war ich darin bald sehr gut und riet meist plus/minus einen Monat richtig. Einmal fragte mich eine Mutter „Wie alt ist Ihres denn?“ War ein dolles Gefühl, für einen Vater gehalten zu werden. Meiner Frau erging es ähnlich. Wenn sie mit ihren beiden Neffen spazierenging, wurden die blonden Knaben immer für ihre Söhne gehalten, was sie ebenfalls äußerst angenehm fand. Kurzum: Eigentlich waren wir kinderreif! Überreif!
Trotzdem mochte keiner von uns sagen: „Lassen wir die Verhütung: Jetzt beginnt die Produktion.“ Aber wir wurden nachlässiger. Wenn wir glaubten, Gesa sei nicht fruchtbar, ließen wir schon mal länger als der Storch erlaubt die Präservative weg. Ja, und dann ist es eben passiert. Nicht direkt geplant, aber auch nicht konsequent verhindert. Wahrscheinlich ist das die beste Methode, um das ewige Zaudern in den Griff zu kriegen. Gesas Periode war plötzlich ausgeblieben, und sie sagte in der für sie typischen Weise: „Ich glaube es zwar nicht, aber es könnte womöglich sein, daß ich schwanger bin, aber nein, eigentlich denke ich, daß ich es nicht bin, andererseits ...“ Ich rannte sofort los, um in einer Apotheke einen Schwangerschaftstest zu kaufen. Das Wunderbare an diesen Dingern ist, daß man mit ihnen in einer Atmosphäre entspannter Zweisamkeit erfährt, ob oder ob nicht. Es dauert ein paar Minuten, bis das Ergebnis sichtbar wird. Ein paar Minuten, und dann weißt du, ob du Vater bzw. Mutter wirst. Sehr praktisch und fast ein wenig verschwörerisch. Früher mußten Frauen ja umständlich zu Ärzten gehen, die dann nach der Untersuchung Sätze wie „Gratuliere, Sie haben empfangen“ hervorbrachten, als ob die Frauen Radios wären. Es war doch ziemlich blöd, daß früher der erste Mensch, der wußte, ob ein Kind unterwegs ist, ein Fremder in einem weißen Kittel war. So ein Schwangerschaftstest sorgt endlich für elterliche Intimität.
Wir hatten das kleine Röhrchen in Gesas Zimmer aufgestellt, saßen aufgeregt auf meinem Sofa - und warteten. Nach drei Minuten ging ich rüber und sah Henris Zeichen. Für einen kurzen Augenblick blieb ich ganz allein dort stehen. „So, mein Alter“, dachte ich. „Jetzt ist es also soweit. Du wirst Vater. Hi, Papa, Vati, Vadder, Daddy. Mit 33 Jahren. Gute Sache, das.“ Aber gleich darauf kam die Frage: „Bist Du dafür nicht eigentlich noch ein viel zu großer Kindskopf?“ Die Beantwortung wurde vertagt. Ich lief zu Gesa und sagte: „Hallo, Mutti“. Eigentlich ziemlich blöd. Aber man fängt als werdender Vater ziemlich schnell an, Sachen zu sagen und Dinge zu tun, die man vorher weit von sich gewiesen hat. Gesa blieb ganz still auf dem Sofa sitzen und lächelte ein wenig erschrocken. Ihre Hand ruckte unwillkürlich auf ihren Bauch. Ein Bild, daß ich gern festgehalten hätte, denn in diesem Moment sah ich Gesa mit ganz anderen Augen als bisher. Dort saß jetzt nicht nur meine Lebensgefährtin, sondern auch die werdende Mutter meines, unseres Kindes. Jetzt hatte ich keinen Zweifel mehr, daß der Zeitpunkt genau richtig war. Ob nun Kindskopf oder nicht. Ich wollte dieses Kind, mit dieser Frau, wie noch nichts anderes auf der Welt. Ich plumpste aufs Sofa, umarmte Gesa und fing an, wie Eddie Murphy zu lachen und grunzen, wie ich es manchmal mache, wenn ich mich sehr freue. Gesa sagte: „Vielleicht hätten wir doch warten sollen, bis du groß bist.“
Wir lachten, aber auf einmal wurde Gesa doch etwas nachdenklich. Ihr wurde plötzlich die Endgültigkeit der Situation klar. Der Countdown lief. In neun Monaten würden wir ein Baby haben. Für eine Abtreibung gab es keine überzeugenden Gründe. Es geschah jetzt also etwas mit ihrem Körper, auf das sie keinen Einfluß mehr hatte. Und das machte ihr jetzt doch etwas Angst. „Ich werde gebären“, sagte sie. „Klingt das nicht furchtbar?“ Aber im Laufe des Abends verflog dieses Gefühl. Wir blieben noch lange auf dem Sofa sitzen. Einfach so und genossen die Situation totaler Zweisamkeit.
Erst einmal wollten wir niemandem etwas erzählen. Die Schwangerschaft sollte für eine kurze Zeit unser ganz persönliches Geheimnis sein. Aber schon nach einem Tag siegte der Mitteilungsdrang. Ich mußte einfach meine Eltern anrufen. Sie wünschten sich schon lange einen Enkel, hatten sich aber noch auf einige Wartezeit eingerichtet. Ich hatte die grandiose und irre ausgefallene Idee, mich bei meiner Mutter am Telefon mit „Hallo Omi!“ zu melden. Sie hat natürliche sofort geschaltet, sich wahnsinnig gefreut und meinem Vater zugerufen „Hallo Opa“. Scheint in der Familie zu liegen, diese Art der Formulierung.
Gesa rief ebenfalls ihre Eltern an. Ihre Mutter freute sich sehr über ihr nun drittes Enkelkind, und auch ihr Vater, der mich bei Amtsantritt als Freund seiner jüngsten Tochter noch für einen Totalflop hielt, war hocherfreut. Mittlerweile mochten wir uns gegenseitig recht gerne. Dann rief ich Ducken an. Das ist mein Bruder. Eigentlich heißt er ja Gerald, aber alle nennen ihn nur Ducken, weil er früher massenweise Donald-Duck-Hefte gelesen hat. Raten Sie, was ich am Telefon sagte? Richtig! „Hallo, Onkel.“
Ducken brauchte etwas länger, denn wir reden uns am Telefon häufig mit unsinnigen Namen an. Als ich ihm dann unmißverständlich klarmachte, daß er tatsächlich Onkel wird, war er umgehend begeistert, versprach, diesen Job gewissenhaft zu erledigen und wollte seinem Neffen oder seiner Nichte sofort eine größere Sammlung Donald-Duck-Hefte übereignen.
Danach rief ich meine Schwester an, erntete ebenfalls Begeisterung und war unheimlich stolz. Worauf eigentlich? So groß war meine bisherige Leistung ja nun wirklich noch nicht. Aber ich merkte, daß von diesem Tag aq. etwas entscheidend anders war. Der endgültige Abschied von der Kindheit stand bevor. Mama, Papa, Tante und Onkel, das waren Begriffe, die meine Geschwister und ich als Kinder und sogar als Erwachsene noch gebrauchten - für sehr viel ältere Leute. Jetzt bezeichneten sie uns selber. Generationswechsel. Ich sah uns schon auf Familientreffen, die eigenen Kinder auf dem Arm, mit gütigem Blick auf Nichten und Neffen hinabschauen und Sätze wie „Bist du aber groß geworden“ oder „Nein, wie der Peter wächst“ sagen. Genau die Sprüche also, die wir selber damals immer so doof fanden. Noch war an diesem Tag die familiäre Benachrichtigungsorgie nicht zu Ende. Gesa rief nun ihre Geschwister an. Britta, ihre älteste Schwester, fand es „süß“, daß wir ein Kind bekommen, was Gesa ein wenig ärgerte, weil sie trotz aller Freude und allen Wohlwollens eine kleine Portion Herablassung herauszuhören meinte. Britta ist Mutter zweier knackiger Knaben und einer niedlichen Tochter und hat natürlich jede Menge Erfahrung. Wir sollten schnell lernen, daß man von „erfahrenen Eltern“ sofort jede Menge Ratschläge erhält, die immer so wirken, als ob weise, milde lächelnde Druiden die doofen Novizen in die Geheimnisse des Seins einführen. Wir benahmen uns später genauso.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir noch nicht recht vorstellen, wie es wohl als Vater sein würde. Wenn ich abends nach der Arbeit nach Hause kam, dachte ich immer: Wo wird später die Wiege stehen? Wird unser Kind dann wohl gerade schlafen oder wach sein? Wie wird es aussehen, wenn Gesa auf dem Sofa sitzt und ihm die Brust gibt? Nicht gerade weltbewegende Fragen, aber genau die gingen mir ständig im Kopf rum. Dann kam der nächste Hammer.
Auf einer Geburtstagsfeier überraschte unser Freund Heiko uns mit der Mitteilung, er habe in unserem Traumdorf am Rande Hamburgs ein Haus zum Verkauf entdeckt, das genau richtig für uns sei. Wir fuhren sofort los, und als wir vor dem kleinen Backsteinhaus mit dem verwilderten, großen Grundstück inmitten von Wiesen standen, wußten wir sofort: das oder keines. Wir hatten beide nicht die geringste Ahnung von Hypotheken, Zinsniveaus, Finanzierungsmodellen usw. Eigentlich wußten wir noch nicht mal, wie man das überhaupt anstellt, ein Haus zu kaufen. Ich hatte wirklich Angst vor diesem Schritt, vor den Schulden, vor den nötigen Umbauten und all den Terminen mit Maklern, sogenannten „Veräußerern“ und Anwälten. Außerdem versuchte ich mich ja gerade an den Gedanken zu gewöhnen, Vater zu werden. Wenn Gesa nicht so hartnäckig gewesen wäre, ich hätte wohl gekniffen. Also lernten wir in null Zeit, was nötig ist, um Land und Haus zu erwerben und wälzten allabendlich Unterlagen. Jetzt begann es, in meinem Leben langsam kritisch zu werden: Vater in der Warteschleife und dann noch ein Hauskauf. Gesa hatte einige Mühe, mich wieder aufzurichten. „Das Haus“, sagte sie, „können wir ja immer wieder verkaufen, wenn wir's nicht packen. Unser Kind können wir auch woanders großziehen. Das machen andere auch.“ Stimmt, dachte ich, aber andere haben auch bessere Nerven als ich.




„Muß ich jetzt seriös werden?“
Die ersten Monate


Gesa verbat sich jeden Fürsorgeterror. Sie fand es schrecklich, daß ihr Leute schon im ersten Monat Kissen in den Rücken zu schieben versuchten oder ihr mit den Worten „Herrje, Kind, das ist doch viel zu schwer für dich“ ein Cola-Glas aus der Hand rissen. Alles sollte so lange so normal sein wie irgend möglich. Und so habe ich die ersten Monate von Gesas Schwangerschaft als relativ unaufgeregt empfunden. Weder mußte meine Frau fortwährend brechen, noch hatte sie - von wenigen Ausnahmen abgesehen - irgendwelche vorgeburtlichen Depressionen. Ihr ging's grundsätzlich prima. Die Depressionen hatte ich! Denn mit der Erkenntnis, daß ich nun also Vater werden sollte, kam auch die Grübelei über das, was man so sachlich „Lebensentwurf“ nennt. Wenn ich in meinem Zimmer saß und über die Zukunft nachdachte, sah ich plötzlich ein Schild vor mir. Darauf stand ziemlich groß: VERPFLICHTUNGEN, JUNGE, DU HAST JETZT VERPFLICHTUNGEN. Und wenn ich abends im Badezimmer darüber nachdachte, daß ich beruflich ja noch einiges ausprobieren, immer mal wieder den Job wechseln wollte, dann schwebte hinter der Badewanne ein zweites Schild hervor: ALTER, KANNST DU NOCH RISIKEN EINGEHEN?
Es gab keinen Zweifel: Ich mußte solide werden. Vor ein paar Jahren war ich noch Schlagzeuger der legendären „Sadoboys“ gewesen, und nun dachte ich über einen Bausparvertrag und Wickelkommoden nach. Ich begann mir darüber klar zu werden, daß ich jetzt auf meine innere Visitenkarten neben „Journalist“, „bekennender Quatschkopf“ und „verkrachter Musiker“ auch noch die knarzend spießigen Titel „Ernährer“ und „Familienvater“ würde setzen müssen. Und das, dachte ich immer wieder, DAS VERPFLICHTET DOCH SO. Da kann ich ja nicht mehr sagen: Jetzt schmeiß ich alles hin und mach' mal was ganz anders. Mein Freund Michael fand mein Problem amüsant: „Mal ehrlich“, sagte er. „Wie oft im Leben schmeißt man alles hin und macht was ganz anders? Praktisch nie. Vor allem du nicht“, fugte er gemeinerweise noch hinzu und spielte auf meine gegen Null tendierende Risikobereitschaft an. Ich ließ jedoch nicht locker. „Aber daß man als allein für sich Verantwortlicher alles hinschmeißen KÖNNTE, wenn man wollte, das ist doch Klasse, und das werde ich als Vater vermissen.“
„Wirst du nicht“, sagte Michael. „Dazu hast du dann als Vater gar keine Zeit mehr.“ Er wußte, wovon er redete. Er hatte zwei (jetzt drei) Kinder und - wie immer - recht.
Seit unser Sohn da ist, habe ich über diese Frage eigentlich kaum noch nachgedacht. Eher über etwas ganz anderes, das vor Henris Geburt gar nicht zur Disposition stand, über die Frage nämlich, ob ich nicht Teilzeit-Hausmann sein könnte. Will ich wirklich, so fragte ich mich immer wieder, weiter ganztags arbeiten und mein Kind nur an kurzen Abenden und am Wochenende sehen? Einerseits, andererseits ist die eindeutige Antwort. Mit anderen Worten: der Entscheidungsprozeß dauert an.
Als Gesas Schwangerschaft feststand, mußten wir die künftige Rollenverteilung klären. Für uns war klar, daß einer auf jeden Fall ständig zu Hause bleiben muß, zumindest bis Henri in den Kindergarten konnte. Gesa ist gelernte Schneiderin und Direktrice. Berufe, die gewöhnlich nicht gerade umwerfend gut bezahlt werden. Außerdem studierte sie damals Kostümdesign und hatte gegen eine Studienpause nichts einzuwenden. Ich war Redakteur bei der BRIGITTE. Keine Frage, ich konnte die meiste Kohle ranschaffen und sollte fortan der Geldverdiener in unserer Familie sein. Diese Entscheidung, das muß ich zugeben, war mir damals verdammt recht. Ich war ziemlich froh, daß die sogenannten Sachzwänge uns die Entscheidung abnahmen. Denn ein Leben als Hausmann konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen, und wenn ich ehrlich bin, habe ich damit auch heute noch meine Schwierigkeiten (wenn auch nicht mehr ganz so große). Sicher, ich wollte ein Spitzen-Papa werden und mich um alles „ganz doll kümmern“. Aber meinen Job aufzugeben, das hätte mir ziemliche Probleme bereitet. Heute sieht die Sache schon etwas anders aus. Meinen Job will ich zwar immer noch nicht aufgeben, aber irgendwann mal halbtags zu arbeiten, um Gesa dann zu Hause abzulösen - das könnte ein Zukunftsmodell sein. So mancher Vater in meinem Freundeskreis hat seine Meinung über die traditionelle Rollenverteilung nach und nach ebenfalls verändert. Zumindest die, die an der Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder teilhaben wollen. Was man als berufstätiger Vater alles versäumt, ist manchmal zum Heulen. Aber es gibt ein paar gute Tips, um das zumindest etwas auszugleichen, (siehe das Kapitel „Du denkst nur noch an das Kind“).
Zum Glück hatte meine Frau damals nichts dagegen, ein paar Jahre nicht in ihrem Beruf zu arbeiten, sondern Fulltime-Mutter und -Hausfrau zu sein. Bis heute leben wir mit dieser Entscheidung recht gut. Aber wir merken, daß wir uns beide viel Mühe geben müssen, den Alltag des anderen nicht zu gering zu schätzen. Zu diesem Problem später mehr (im Kapitel „Werden wir Spießer?“).
Die Rollenverteilung war also - vorerst - geklärt. Wir konnten uns den nächsten Schritten widmen. Literatur wurde angeschafft. Wir verschlangen Werke von Frederick Leboyer, einem der Pioniere der sanften Geburt. Selbst wenn der alte Herr manchmal in seiner Wortwahl etwas blumig und leicht versponnen wirkt: sein Klassiker „Der sanfte Weg ins Leben - Geburt ohne Gewalt“ ist auch für jeden werdenden Vater Pflichtlektüre und stimmt so richtig schön auf das Kommende ein. Was hinterher wirklich umsetzbar ist, ist eine ganz andere Frage. Bei Kerzenlicht und einem selbstverständlich alkoholfreien Drink stellten wir uns - Leboyer unterm Arm - vor, wie wunderbar sanft wir unser Kind auf die Welt holen wollten. Langsam, aber sicher begann das werdende Kind in meinem Kopf Gestalt anzunehmen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es wohl aussehen würde, blätterte alte Fotoalben aus meiner Kindheit durch und schwelgte in romantischen Imaginationen unseres künftigen Lebens zu dritt.

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