Buch
gebunden (524 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Die Globalisierung entlässt ihre Kritiker - eine Klarstellung
Viele machen die weltweite Vernetzung der Wirtschaft für alles Elend auf der Welt verantwortlich - von der Kinderarbeit über die Umweltverschmutzung bis hin zur anhaltenden Armut vieler Länder. Der international anerkannte Wirtschaftswissenschaftler Jagdish Bhagwati greift in diesem Standardwerk die Argumente der Globalisierungskritiker auf und entkräftet sie Zug um Zug. Er zeigt, wie die Globalisierung die Lebensbedingungen für Millionen von Menschen sogar erheblich verbessert hat.
Jedes Mal, wenn sich die Regierenden der führenden Wirtschaftsnationen zu einem Gipfel treffen, werden sie von wütenden Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen begleitet. Worum geht es den Kritikern der Globalisierung dabei eigentlich? Jagdish Bhagwati, einer der einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler unserer Zeit, setzt sich seit Jahren mit den Argumenten der Globalisierungsgegner auseinander, er nimmt ihre oftmals diffusen Ängste und Vorbehalte ernst und entlarvt sie als das, was sie zumeist sind: Fehlinformationen und Falschinterpretationen.
Anhand anschaulicher Beispiele gelingt ihm in diesem wegweisenden Buch der Nachweis, dass die Globalisierung durchaus ein menschliches Antlitz hat. Steigender Wohlstand und eine immer höhere Schulbildung in vielen Ländern Asiens und Afrikas sind schlagende Beweise dafür, dass die Globalisierung Teil der Lösung weltweiter Probleme und nicht der Auslöser für Armut und Unterdrückung in der Welt ist. Eine aufschlussreiche und intelligente Verteidigung der Globalisierung. Niemand, der fundiert über Folgen und Nutzen der Globalisierung mitdiskutieren möchte, wird an diesem Buch vorbeikommen.
Mit einem Vorwort von Joschka Fischer.
| ISBN-10: | 3-570-55070-2 |
|---|---|
| EAN: | 9783570550700 |
| Originaltitel: | In Defense of Globalization |
| Erschienen: | 15.09.2008 |
| Verlag: | Pantheon |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 524 |
| Gewicht: | 640 g |
| Übersetzer: | Werner Roller |
Bis zu jener großen Zäsur in den Jahren 1989/90 war die Welt zweigeteilt in Ost und West, Kapitalismus und Sozialismus, Planwirtschaft und Marktwirtschaft. Was damals Weltwirtschaft hieß, umfasste im Wesentlichen deren westlichen Teil und betraf deshalb nur eine Minderheit der Menschheit. Seitdem sind fast zwei Jahrzehnte vergangen, und die Dinge haben sich grundsätzlich verändert. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas, Indiens und anderer großer Nationen in Asien, Lateinamerika und neuerdings auch am Persischen Golf verschiebt sich das Zentrum der Macht in der globalen Wirtschaft deutlich zu Lasten des Westens. Und dort beginnt man diese Veränderung zu spüren.
Die sogenannten Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas sind zu den neuen Schwergewichten des globalen Wirtschaftswachstums geworden, und auch die Erfolge bei der Bekämpfung der absoluten Armut in der Welt gehen nahezu ausschließlich auf deren beeindruckenden Wachstumsprozess zurück.
Die alte Zweiteilung während der Zeit des Kalten Krieges wird gegenwärtig durch das Entstehen einer neuen Teilung abgelöst. Diese wird allerdings nicht mehr zu festen ideologischen, politischen, wirtschaftlichen und militärischen Blöcken führen, die sich in Feindschaft gegenüberstehen. Ganz im Gegenteil, fortan folgt die Menschheit ganz offensichtlich einem einzigen Wirtschafts-, Konsum- und Sozialmodell, nämlich dem der westlichen Marktwirtschaft. Auch wenn dieser Prozess alles andere als abgeschlossen ist und durchaus noch auf erheblichen Widerstand in einzelnen Schwellenländern trifft, ist diese Transformation gleichwohl kaum aufzuhalten. Denn die historische Dynamik liegt auf der Seite des neuen Wohlstandsversprechens.
Der Abbau staatlicher Kontrollen und bürokratischer Beschränkungen in der Wirtschaft, das Setzen auf privates Kapital und freies Unternehmertum, auf Finanzmärkte, freien Handel und wirtschaftliche Verflechtung statt staatliche Wirtschaftsplanung, Abschottung und Autarkie haben in Ländern mit sehr großen Bevölkerungen, wie China und Indien, aber auch in Brasilien und Mexiko zu einer Entfesselung der Wachstumskräfte geführt, die man noch vor zwei Jahrzehnten kaum für möglich gehalten hätte.
Gegenwärtig ist es gerade der Erfolg dieser Länder jenseits des Westens (und damit des westlichen Vorbildes!), der zu besagter neuer Zweiteilung in der Beurteilung dieser globalen Veränderungen geführt hat. Es ist eine Zweiteilung, die sich nicht mehr an Ideologien, sondern an der unterschiedlichen Wahrnehmung dieses Prozesses festmacht, den man gemeinhin als Globalisierung bezeichnet und der das 21. Jahrhundert definieren wird.
Vieles, was ein bedeutender Trierer namens Karl Marx weiland geschrieben hat, darf man wohl aus guten Gründen als falsch ad acta legen. Aber seine Erkenntnis, dass das Sein das Bewusstsein bestimme, wird wohl dauerhaft gültig bleiben. So bestimmt sich auch die Wahrnehmungsdifferenz des Prozesses der Globalisierung schlicht durch die jeweilige Position der Beteiligten. Letztlich geht es darum, ob dieser Prozess, der die Karten der globalen Macht und Reichtumsverteilung völlig neu mischt, mit einem relativen Aufstieg oder Abstieg eines Landes und seiner Wirtschaft und Gesellschaft verbunden ist. Dementsprechend sieht man in den beteiligten Ländern und Volkswirtschaften ein und denselben Prozess als Chance oder Bedrohung.
Reist man gegenwärtig nach Süd- und Ostasien oder an den Persischen Golf, so stößt man dort auf Staaten und Volkswirtschaften im Aufstieg, getragen von einem unerschütterlichen Willen zum Erfolg. In diesen Schwellenländern sieht man die Globalisierung als die große Chance, endlich und für immer aus der selbst- und/oder fremdverschuldeten Unterentwicklung herauszukommen und den Lebensstandard des Westens zu erreichen. Und niemand und nichts wird die Menschen in diesen Ländern vom Erreichen ihres großen Zieles abhalten können.
Mir fiele auch weder ein politisches noch gar ein moralisches Argument ein, das sich vorbringen ließe, warum die Menschen im Westen frei und reich sein dürfen, die bisher aber weitgehend ausgeschlossene
Mehrheit in der Dritten Welt weiter arm und unterdrückt zu leben hätte. Es gibt für eine solch unsinnige und zutiefst ungerechte Position kein einziges rationales oder gar moralisches Argument. Setzte sich ein solcher westlicher Egoismus aber tatsächlich durch, so wäre er hochgefährlich, weil er politisch und ökonomisch und damit wohl auch ideologisch in eine globale Konfrontation führen würde, die der Westen niemals gewinnen könnte.
Der Westen unter der Führung Amerikas hat den Kalten Krieg im Wesentlichen nicht durch die überzeugendere politische Ideologie gewonnen, sondern durch seine Fähigkeit, die Menschen in freien Demokratien zum Träumen von einem besseren Leben zu bringen und diese Träume dann auch mittels seiner Kreativität und wirtschaftlichen Effizienz in der Konsumgesellschaft massenhaft zu verwirklichen.
Gerade im geteilten Deutschland wurde diese Erfahrung gemacht. Dem Westfernsehen und der Verbindung von Demokratie, Rechtsstaat und Wohlstand hatte die Zwangswirtschaft der DDR nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Und sobald die Mauer zu wanken begann, machten sich die Ostdeutschen auf den Weg nach Westen. Der Kommunismus insgesamt konnte gegen das westliche Erfolgsmodell seit Ende der sechziger Jahre nur mehr seine »Diktatur des Proletariats« und seine zur leeren Propaganda verkommene sozialistische Ideologie aufbieten und ging schließlich daran zugrunde.
Der Sieg des Westens über den Kommunismus war nicht nur auf Osteuropa beschränkt, sondern sollte globale Folgen haben. Die westlichen Stärken, vor allem die wirtschaftlichen und technologischen, wurden jetzt mehr und mehr auch in den großen Schwellenländern kopiert, an erster Stelle in der Volksrepublik China. Dort hatte diese Entwicklung allerdings in den späten siebziger Jahren mit den vier Modernisierungen - Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft und Militär - unter Deng Xiaoping bereits begonnen.
Zu diesem Prozess hinzu kam noch die Informationsrevolution, die den Transfer von Ideen und Informationen globalisierte, ebenso wie die Wunschwelten der westlichen Konsumgesellschaften. Die in politischen Seminaren und auf linken Kongressen und Kirchentagen benutzte Formel von der »Einen Welt«, die dort meist kapitalismuskritisch gemeint war und politisch eine gerechtere Verteilung des globalen Reichtums anstrebte, begann Wirklichkeit zu werden. Allerdings war diese entstehende Eine Welt alles andere als kapitalismuskritisch, sondern gründete ganz im Gegenteil auf einer erfolgreichen Kopie des Kapitalismus.
Die Beschleunigung der Globalisierung stand in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Ende des Kalten Krieges und fand daher ganz unter der Ägide der USA als einziger verbliebenen Supermacht statt.
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