Buch
Taschenbuch (255 Seiten)
Sprache: Deutsch
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In der Öffentlichkeit genießt Karl Lagerfeld das Image einer undurchschaubaren Kunstikone. Maillard aber berichtet aus unmittelbarer Erfahrung, kein Mitarbeiter stand dem Edel-Couturier so nahe wie er. Lagerfeld hautnah: humorvolles, kindliches Genie und von Alterssorgen geplagter Narzisst, der sich an sich selbst nicht sattsehen kann. Zudem liefert Maillard überraschendes Insiderwissen über Persönlichkeiten, Labels und Geschäftspraktiken der Szene. Ein spannender Blick hinter die Kulissen der Modebranche!
. Die wahren Hintergründe der Modeszene exklusiv und aus erster Hand erzählt
. Zahlreiche staunenswerte Anekdoten um Stars der Mode- und Medienbranche
| Verkaufsrang: | 30.038 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-453-60121-1 |
| EAN: | 9783453601215 |
| Originaltitel: | Merci Karl! |
| Erschienen: | 04.05.2009 |
| Verlag: | Heyne Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 255 |
| Gewicht: | 295 g |
| Übersetzer: | Ursula Held |
| Reihe: | Heyne-Bücher Allgemeine Reihe |
Lieber Karl,
Sie waren immer Ziel meines Ansporns. Fünfzehn Jahre lang habe ich gewissenhaft und entschlossen an Ihrer Seite gearbeitet. Ich hätte keinen besseren Lehrmeister finden können. Die Schule habe ich immer gehasst, aber mit Ihnen hatte ich immer Freude daran, mich weiterzubilden.
Ich habe viel gelernt. Ein Handwerk, das tief in mir verankert ist und durch unsere Begeisterung für Mode belebt wird. Aber auch die Kunst, ein Team zu dirigieren, es zu begleiten und durch Gunstbeweise in die gewünschte Richtung zu bewegen.
Lieber Karl, Sie haben die Gabe, Menschen glücklich zu machen, indem Sie sie an sich binden. Ihre engsten Mitarbeiter werden von Ihnen gewürdigt, gelobt und gehätschelt... und manchmal auch entlassen. So ist nun einmal das Gesetz der Branche. "Bei mir steht niemals etwas fest." Also immer unbeirrt voran, wenn man nicht von der Bildfläche verschwinden will. Das ist die einzige Chance.
Diese Strenge ist Ihr Markenzeichen. Strenge in der Arbeit, Strenge in der künstlerischen Linie und in der grafischen Gestaltung Ihrer Entwürfe - Strenge nicht zuletzt in den Diäten, die Sie sich verordnen. "Ich bin ein Roboter. Schlimmer noch: eine Marionette." Für die Medien verstecken Sie sich hinter einer Hampelmannfigur, die Sie mit eisernem Willen gezimmert haben. Ein wahrer Geniestreich, der Sie zu einer der bedeutendsten Ikonen des 21. Jahrhunderts gemacht hat.
Und was ist Ihre Wahrheit? Sie sind Karl - extrem, liebevoll und tragisch. Extrem kreativ, liebevoll großherzig, offen für die Welt, aufmerksam gegenüber anderen ... und unweigerlich allein.
Ich beginne einen neuen Lebensabschnitt und erinnere mich doch an jeden zurückliegenden Moment. An die verschiedenen Kollektionen, an die Anspannung, das Lachen mit Tränen, die Shootings, Castings und Fittings, das Augenzwinkern und die Nervenzusammenbrüche - an all diese Szenen der Modebranche, die ich mir als Jugendlicher erträumte. Ich wusste immer, dass ich eines Tages an Ihrer Seite arbeiten würde ... und dass diese Zeit irgendwann zu Ende gehen musste.
Für all das, was Sie mir gegeben, übertragen oder abgeändert haben, bleibt mir nur ein Wort:
Danke !
PROLOG
Paris, im Dezember 1988
Es ist so weit. Ich bin da. Ich atme tief durch und steige aus dem Auto.
Mitternacht ist vorüber, und die Rue Cambon liegt verlassen da. Die Chanel-Boutique bei Nummer 29 und 31 ist geschlossen. Ich nähere mich vorsichtig. Die Schaufenster unter dem weißen Vordach glänzen im Licht der Straßenlaternen. Mein Herz klopft wie verrückt. Andächtig lege ich meine Hände auf die Glasscheibe. Dort sind Karl Lagerfelds Silhouetten, direkt vor meinen Augen. Die schwarzen Kleider mit ihren strengen, fast scharfen Schnitten, deren Härte durch goldene Halsketten abgemildert wird. Diese Kleider sind perfekt. Nein, mehr als das, sie sind umwerfend. Plötzlich möchte ich lachen, tanzen und springen. Ich heiße Arnaud Maillard, bin sechzehn Jahre alt und werde bald in Paris wohnen ... und all meine Träume wahrmachen!
"Arnaud, nun komm, ich bin todmüde!" Der zerzauste Schopf meines Bruders Morgan taucht über der Autotür auf. Der Motor unserer Audi-Familienkutsche läuft weiter. Ich werfe einen letzten Blick auf das Allerheiligste von Coco Chanel und steige schließlich hinten ein. Im obersten Stock des Hauses, unter dem Dach, brennt noch Licht. Ich stelle mir vor, wie Monsieur Lagerfeld dort oben sitzt und seine nächste Kollektion entwirft.
Zu gerne hätte ich ihn gerufen, aber ich halte mich zurück. Das gehört sich nicht. Mir wird etwas Besseres einfallen. Und dann folgt eine gute Idee der anderen, bis ... Bis mich der große Meister der Couture eines Tages fragen wird, ob ich nicht für ihn arbeiten möchte.
Mein Vater fährt los, und mein Traum entgleitet mir. Wir fahren zurück nach Versailles, wo wir gerade unser neues Zuhause bezogen haben. Morgen gehe ich auf ein neues Gymnasium und werde dort bestimmt vor Langeweile versauern. Auf das Deckblatt meines Aufgabenhefts habe ich einen Artikel aus dem Figaro geklebt, in dem davon berichtet wird, wie Karl Lagerfeld im vergangenen Jahr mit dem Déd'or geehrt wurde - dem französischen Oscar für die beste Haute-Couture-Kollektion der Saison. Auf dem Foto sieht man den Preisträger mit schwarzer Sonnenbrille, Fächer und Cadogan. Imposant und mysteriös steht er da, und neben ihm seine elegante und kluge Muse Inès de la Fressange. In das Heft zeichne ich mit einem Bic-Kugelschreiber Entwürfe für Frauenkleider, bis kein Platz mehr auf den Seiten ist. Das ist mein neuester Tick. Oder eher gesagt mein Lebensinhalt.
MEIN EINZUG IN DIE ARENA
Versailles, Januar 1989
Ich liege auf meinem Bett, blättere im Pariser Telefonbuch und bin ratlos. Mehr als zwanzig Modedesignschulen haben in den Gelben Seiten annonciert. Wie soll ich mich da entscheiden? Schließlich schreibe ich einfach die Adressen von allen Einrichtungen auf, deren Namen ich irgendwo schon einmal gehört habe: Studio Bercot, Atelier Fleuri-Delaporte, Esmod, Duperre, Chardon-Savart ... Ich kann nicht länger auf dem Gymnasium vor mich hinvegetieren. Mein Schicksal ist beschlossen: Ich werde Modeschöpfer, daran gibt es für mich keinen Zweifel. Ich muss in die Welt der Mode finden, ohne noch mehr Zeit zu verlieren. Meine Eltern wissen nichts von meinen Plänen. Ich werde monatelang einen Haufen Ausreden erfinden, damit ich jeden Mittwoch nach Paris entfliehen kann. Sämtliche Schulen werden unter die Lupe genommen. Anforderung der Einschreibeunterlagen, Termin mit dem Rektor, Besichtigung der Räume, vergleichendes Studium der Lehrpläne - ich werde dieses Projekt ernsthaft und genau angehen. Außerdem schicke ich meine Entwürfe an alle wichtigen Couture-Häuser der Hauptstadt, zusammen mit der Bitte um ein Bewerbungsgespräch. Meine Briefe sind naiv und unbeholfen, aber bei manchen weichen Seelen kann ich Mitleid erregen.
Mein Treffen mit dem Direktor eines angesehenen Studios gerät zur Quintessenz dessen, was ich einmal an der Modewelt hassen sollte. Der aus Asien stammende Mann tritt sehr gepflegt und ziemlich herablassend auf. Ich werde in seinem riesigen, makellosen Büro empfangen. Zuerst versucht er, mich mit seinem dozierenden und ernsten Ton zu beeindrucken. Dann wird er zweideutig. Tut so, als interessiere er sich für meinen Berufswunsch, stellt mir Fragen zu meinen Vorlieben und Neigungen, lächelt mich unentwegt an ... Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich minderjährig bin und meine Eltern zu Hause in Versailles auf mich warten.
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