Arbeit zwischen Gelderwerb und Suche nach dem flüchtigen Glück
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einer Kundin/einem Kunden, am 10.08.2010
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Mehr als 600 Interviews sind es, die Mathias Morgenthaler geführt hat. Eine Auswahl von 75 Interviews veröffentlicht der Zytglogge-Verlag nun in Buchform unter dem Titel «Beruf und Berufung». Es handelt sich nicht einfach um Berufsporträts. Morgenthaler greift tiefer: Er will wissen, warum Menschen ihren Beruf ausüben, was sie in der Arbeit bewegt und wie sie ihrer Laufbahn eine neue Richtung gegeben haben. Bertrand Piccard sagt: «Ich erforsche das Leben. Einerseits die Innenwelt, in die ich mich mit Psychiatrie, Psychotherapie und Hypnose versenke, andererseits die Aussenwelt, die ich mit Heissluftballon oder Solarflugzeug erkunde.» Mathias Morgenthaler ist weder Psychiater noch Ballonfahrer. Er hat Germanistik studiert und arbeitet als Wirtschaftsredaktor am «Bund». Aber er stellt seine Fragen mit viel Einfühlungsvermögen. «Mich interessieren Menschen, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben», sagt er. Wobei Leiden durchaus wörtlich zu verstehen ist. Der Schriftsteller Peter Bichsel sagt auf die Frage, wie er Zeitungskolumnen schreibe: «Das bedeutet eine ganze Woche Leidenszeit. Mein Ehrgeiz macht es nicht einfacher.» Die Musikerin Sophie Hunger gesteht im Interview ein: «Es gibt vor jedem Konzert einen Moment, in dem es für mich unvorstellbar ist, dort hinauszugehen und zu singen.» Und der Extrembergsteiger Reinhold Messner betont, dass Spitzenleistungen nur mit besonderen Anstrengungen erzielt werden: «Jeder Könner fängt dort an, wo der Spass aufhört das gilt für das Tanzen ebenso wie für die Kunst und das Bergsteigen.» Wir Menschen müssen leiden, um zur inneren Befriedigung, zu unserem Glück zu kommen. Zu den Interviewten gehören denn auch mehrere Glücksforscher. Der Zürcher Wirtschaftsprofessor Bruno Frey hält fest: «Man hätte so viele Gründe, zufrieden zu sein. Aber man vergleicht sich nicht mit den vielen, die weniger haben, sondern vielmehr nach oben mit jenen, die es noch weiter gebracht haben.» Die Suche nach dem Glück ist ein Gang auf des Messers Schneide. «Generell sind Menschen mit höheren Einkommen eindeutig glücklicher als solche mit geringem Einkommen», hält Frey fest. Doch er schränkt ein: «Wenn Geldanhäufung der Endzweck ist, dann sind kein Lohn und kein Bonus hoch genug.» Deshalb empfiehlt er: «Ein bescheidener Lebenswandel mit sporadisch kleinen Höhepunkten verschafft viel mehr Glücksmomente.» Morgenthaler zieht aus den Begegnungen mit den Glücksforschern den Schluss: «Man findet es nie, das Glück danach zu suchen, lohnt sich trotzdem.» Der ehemalige «Bund»-Chefredaktor Hanspeter Spörri schreibt im Vorwort: «Morgenthalers Interviews bieten keine Patentrezepte für den raschen Aufstieg auf der Karriereleiter oder den leichten Ausstieg aus der Berufsmühle, aber sie laden ein, über Berufs- und Lebenswege nachzudenken, frühere Weichenstellungen infrage zu stellen, allenfalls den Kompass neu auszurichten.» Der emeritierte St. Galler Betriebswirtschaftsprofessor Rolf Wunderer sammelt die Interviews seit Jahren. «Morgenthaler stellt uns Woche für Woche Menschen vor, die nicht einen typischen Karriereweg vertreten, die offen über Fehlschläge, Umwege und neue Pläne berichten», schreibt er im Nachwort. Mit aussergewöhnlichen Persönlichkeiten über spannende Themen zu sprechen, ist das, was Mathias Morgenthaler auch nach zwölf Jahren noch reizt. Er legt sich jedoch nicht fest, wie lange er die Interviewserie noch weiterführen wird. Im Buch kündigt er aber an: «Für nächste Woche sieht es gut aus.» Hans Galli "Der Bund"