Bettermann
Leseprobe

Bettermann

Roman

von Konstantin Richter

Buch

gebunden (237 Seiten)

1. Auflage

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Ein Literaturstudent wittert seine Chance in der Wirtschaft. Präzise erfasst Konstantin Richter in seinem Romandebüt die Befindlichkeit einer Generation, für die der Berufseinstieg das Ende ihrer Ideale bedeutet.
Eigentlich ist der Job als Finanzreporter das Beste, was ihm passieren konnte. Was hätte Alex mit seinem Studium anfangen sollen? Eine Doktorarbeit über Stifters Spätwerk? Nun verdient er seine Brötchen in der Wirtschaft, schreibt über dieGlobalisierung der Deutschland AG.
Als von Übernahmegerüchten bei der traditionsreichen Kanzlei Bettermann & Partner die Rede ist, fasst Alex einen Plan. Henrik Bettermann ist ein Freund seiner Mutter, ein belesener Mann, den er einst bewunderte. Jetzt macht er ihn zum Musterbeispiel einer aussterbenden Art Mensch.
Doch unversehens gerät die berufl iche Recherche zu einer turbulenten Selbstsuche. Im Rückblick auf einen Werdegang, den er sich so nie gewünscht hat, schlägt Alex einen Bogen - von einer verträumten Jugend hin zu der knallharten Realität einer Berufswelt, in der das Ideal von der Karriere als Selbstverwirklichung keinen Bestand mehr hat.

Produktdetails

ISBN-10: 3-0369-5507-0
EAN: 9783036955070
Erschienen: 23.08.2007
Verlag: Kein + Aber
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1. Auflage
Seitenzahl: 237
Länge/Breite: 191mm/126mm
Gewicht: 290 g
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Konstantin Richter

Konstantin Richter, 1971 geboren, aufgewachsen in Berlin und Hamburg, studierte in Edinburgh und New York. Er arbeitete als Reporter für englischsprachige Medien, unter anderem für die Columbia Journalism Review in New York, das Cambodia Daily in Phnom Penh und das Wall Street Journal in Brüssel. Heute lebt er als freier Autor in Berlin.

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"Er saß mir gegenüber auf einem beigen Sofa. Zwischen uns standen Flasche und Gläser auf einem niedrigen Tischchen. An der Wand über ihm hing ein abstraktes Gemälde, das meine Mutter bei einer Hamburger Vernissage erstanden hatte. Schwarze und weiße Flecken auf purpurrotem Grund. Das Wohnzimmer sah aus wie die blankgeputzten Locations deutscher Vorabendserien. Mein Vater wirkte verloren inmitten dieses Yuppie-Traums. Er trug eine graue Strickjacke, ein altes weißes Hemd, graue Leinenhosen und Pantoffeln.
"Ich dachte, du willst über diesen Adalbert Stifter schreiben", sagte er, und ich ärgerte mich, weil er mir vor kurzem geraten hatte, die Arbeit daran aufzugeben und mir eine Stelle zu suchen. Warum freute er sich nicht über den Job? Warum war er nicht stolz auf mich? Was hatte er denn erreicht? Nicht mal Veuve Clicquot wollte er mit mir trinken.
"Wenn ich da ein paar Jahre arbeite, verdiene ich so viel wie du«, sagte ich. "Das wünschen sich Eltern doch immer, oder?" Er sagte nichts, und das ärgerte mich noch mehr. Um ihn zu provozieren, betete ich nach, was ich in der angelsächsischen Wirtschaftspresse gelesen hatte. Ich sprach vom "neuen Deutschland". Vom Entstehen einer "Aktienkultur" und von der "abzusehenden Flexibilisierung des Arbeitsmarkts". "Das sind doch alles nur Phrasen", sagte mein Vater. "Du musst dich bei so was fragen, was das im Einzelnen bedeutet. Wer gewinnt? Wer verliert?"
"Weiß ich alles", sagte ich, schenkte mir nach und fuhr fort. "Alle profitieren, wenn sich Deutschland endlich befreit. Dann haben wir hier nicht mehr das Geflecht von Politikern, Gewerkschaften und Verbänden, sondern den ehrlichen Wettbewerb." Mein Vater schwieg."

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