So viel Zeit

Roman

von Frank Goosen

Buch

Taschenbuch (382 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Sex & Drugs & Rock ?n? Roll! Lang ist?s her. Jetzt haben die vier alten Schulkumpel Konni, Thomas, Rainer und Bulle außer ihren Doppelkopfabenden kaum noch etwas gemeinsam. Das kann es doch nicht gewesen sein. Und sie fassen einen Plan: den alten Jugendtraum von der Rockband wiederbeleben. Zum 25-jährigen Abi-Treffen soll die große Party steigen. Ein Roman voller Musik und guter Laune. "Ein Buch zum Gernhaben." Stern "Selten waren Tragödien so amüsant zu lesen." Max "Eine wirklich sympathische Altmänner-Phantasie." Brigitte

Pressestimmen:

»Ein Buch zum Gernhaben.« Stern

Produktdetails

ISBN-10: 3-453-40582-X
EAN: 9783453405820
Originaltitel: So viel Zeit
Erschienen: 05.01.2009
Verlag: Heyne Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 382
Länge/Breite: 188mm/135mm
Gewicht: 314 g
Reihe: Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
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Frank Goosen

Frank Goosen, Jahrgang 1966, ist als Komiker jahrelang durch die Republik getingelt. Mit seinen Bestsellern "liegen lernen" und "Pokorny lacht" hat er sich auch als Romancier einen Namen gemacht und im November 2003 für sein bisheriges Werk den Literaturpreis Ruhrgebiet erhalten. Mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen lebt Frank Goosen nach wie vor in seiner Lieblingsstadt Bochum.

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Kundenrezensionen

  • Rock´n`Roll !!! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Annika Gebben, am 12.04.2010

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    Fünf Männer um die vierzig erfüllen sich ihren Jugendtraum und gründen eine Rockband!!! Großartig! Wenn es diese Jungs wirklich geben würde, ich wäre ihr größter Fan.

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  • Männer in den besten Jahren... Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von J. Abbing, am 03.02.2010

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    Zur Zeit ist Frank Goosen ja in aller Munde, nicht zuletzt wegen seiner uneingeschränkten Liebe zu seiner Heimat, dem Ruhrgebiet. Damit ist er wohl ein gefundender Sympathieträger für die diesjährige RUHR 2010.
    In diesem Buch beschäftigt er sich allerdings mit Männern in den besten Jahren, die sich plötzlich einer "Selbstfindungsphase" befinden und auch noch allen Unkenrufen zum Trotz -ihre alte Schülerband wiederbeleben- großartige Beschreibung der verschiedenen Charaktere. Ich habe sehr gelacht, aber neben der gewohnten Ruhprottschnauze beherrscht Frank Goosen auch die leisen Töne ganz wunderbar. Gelungener, sehr unterhaltsamer Roman, nicht nur für Männer!

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  • Männerfreundschaft und Rock `n´ Roll Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Markus Kowal, am 06.08.2009

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    Dieses kurzweilige, aber sehr unterhaltsame, Buch habe ich wirklich gerne gelesen. Es handelt von wahrer Freundschaft, vergessenen Träumen und nicht erreichten Zielen im Leben. Aber trotz mancher melancholischer Momente, indem die Freunde ihrer vergangenen Jugendjahre nachjammern, bleibt doch noch genug optimistische Lebensfreude.

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  • Rock`n Roll Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Silvia Gonther, am 29.06.2009

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    Vier Männer in der Midlife-Crisis: als sie jung waren hatten sie den Traum von Sex, Drugs and Rock`n Roll. Jetzt sitzen sie einmal in der Woche zusammen und spielen Doppelkopf. Der fünfte im Bunde ist in Berlin untergetaucht. Sie holen ihn und jetzt fängt ihr Leben neu an…
    Frank Goosen hat ein tolles Buch für Männer in der Mitte des Lebens geschrieben. Es spricht ihre Wünsche und Träume an. Man erfährt sehr viel über die Musik der Siebziger. Aber auch über die Schwierigkeiten von Männern älter zur werden.

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Im Sommer 1982 waren sie davon überzeugt, dass sie niemals sterben würden.
Fünfundzwanzig Jahre später würde einer der vier verlassen auf einer Baustelle sitzen und der vermeintlichen Liebe seines Lebens nachtrauern, der Zweite würde Vater von Zwillingen sein, aber keine Frau mehr haben, der Dritte in alten Unterhosen auf einem Bett in einem billigen Loch sechshundert Kilometer weiter östlich liegen, und der Vierte könnte nachts nicht mehr schlafen. Außerdem würden sie zu fünft sein, denn fünf war die magische Zahl, um die Welt aus den Angeln zu heben und das eigene Leben zu retten, aber das konnten sie damals noch nicht wissen.
1982 waren sie zu viert, und die Sonne stand tief. Es war eine staubige, dunstige Sonne, die jenseits der zwei Kirchtürme am anderen Ende der Stadt unterging. Sie saßen auf dem Bürgersteig und ließen die Flasche kreisen. Konni wischte die Öffnung mit dem Ärmel ab und nippte nur, Rainer hatte die Augen geschlossen, Bulle trommelte einen vertrackten Rhythmus auf seinen Oberschenkeln und Ole drehte sich unendlich langsam eine Zigarette.
Sie hatten sich hier zum »Vorglühen« getroffen, um nicht nüchtern auf ihrer Abiturfeier zu erscheinen. Die Brücke über die Eisenbahnschienen am Lohring lag nicht gerade auf dem Weg zur Schule, wo in der Pausenhalle bereits der Großteil der Stufe versammelt war, aber Konni wohnte hier in der Nähe, und sie waren noch nicht in der Stimmung, sich ins Getümmel zu stürzen.
Rotwein als Grundlage, später würde Bier dazukommen, auch härtere Sachen. Noch vor Mitternacht würden sie betrunken sein. Außer vielleicht Konni, der sich meist etwas zurückhielt. Außerdem interessierte er sich für Michaela Borgfeld und wollte eine gute Figur machen. Die Party heute war die letzte Gelegenheit.
»Sag mal«, meinte Rainer zu Ole, »willst du das Ding irgendwann mal rauchen oder im Museum ausstellen?«
»Eine Zigarette ist wie ein guter Freund«, erwiderte Ole, »man sollte sich füreinander Zeit nehmen.«
»Ich möchte nicht zwischen deinen dürren Fingern stundenlang hin und her gedreht werden«, sagte Bulle.
»Ich kann nicht mehr sitzen«, sagte Konni, erhob sich und stampfte mit dem rechten Fuß auf. »Mein Bein ist eingeschlafen.«
Er ging ein paarmal auf und ab, blieb dann vor dem Metallzaun stehen, der potentielle Selbstmörder davon abhalten sollte, sich ausgerechnet hier auf die Gleise zu werfen, und schaute in Richtung Stadt.
»Findet ihr das eigentlich schön?«, fragte er, ohne sich zu den anderen umzudrehen.
Bulle stand auf und stellte sich neben ihn. »Schön ist nicht das richtige Wort.«
Rainer kam dazu und sagte: »Wenn man sich dran gewöhnt hat, kann man fast alles schön finden.«
Ole blieb sitzen und schwieg, zündete sich aber endlich seine kunstvoll gedrehte Zigarette an.
Nach ein paar Minuten der Stille sagte Konni: »Ist das nicht der Moment, in dem wir uns feierlich ewige Freundschaft schwören müssen? In dem wir uns gegenseitig sagen, dass wir uns in fünfundzwanzig Jahren hier wiedertreffen wollen, um zu sehen, was aus uns geworden ist?«
Fünfundzwanzig Jahre - das war mehr als die Ewigkeit. Sie hatten gerade mal neunzehn Jahre hinter sich, und an die ersten konnten sie sich nicht mehr erinnern. Die Zukunft war der heutige Abend und der anschließende Sommer. Ole und Bulle würden ihren Zivildienst antreten, Konni und Rainer hatten sich für den Bund entschieden.
»Lasst uns gehen«, sagte Ole und stand auf.
Bulle, Rainer und Konni rissen sich von dem Anblick ihrer Heimatstadt los und folgten ihm zum Wagen. Ole hatte sich für den heutigen Abend den Ford Granada seines Onkels ausgeliehen. Rainer und Konni saßen hinten, Bulle auf dem Beifahrersitz. Ole schob die Kassette in den Recorder und Applaus brandete auf. Dann die ersten Töne dieses wunderbaren Orgelmotivs. Allen vieren jagte es einen Schauer über den Rücken. »Child in time« von der nicht zu überbietenden Made in Japan. Es waren immer die Live-Platten, die einen umhauten. Dieses Gefühl, dabei zu sein, wirklich das zu kriegen, was man hörte. Und diese unglaubliche Kraft. Wieso sahen Väter und Mütter nicht ein, dass man das nicht leise spielen konnte?
Ole fuhr auf dem Ring noch zwei- oder dreimal um die ganze Innenstadt herum, bis die zwölf Minuten, die das Stück dauerte, um waren. Dann bog er in die Straße zur Schule ein. In acht Ohren klingelte jene Stille, die man nur genießen kann, wenn man die Nummer zuvor besonders laut gehört hat. Neun Jahre, Morgen für Morgen. Das war jetzt vorbei. Sie parkten hinten, an der Turnhalle.
Es wurde bereits getanzt, wenn auch verhalten. Peter Oehlke war für die Musik zuständig, und deshalb gab es Chartfutter, Dutzendware. Gerade lief »Hurra, hurra, die Schule brennt«. Ole, Bulle, Konni und Rainer sahen sich an: Kindergartenmusik. Wieso nicht gleich Andrea Jürgens? Musik mit deutschen Texten - das ging gar nicht. Aber sie hatten Punk überstanden, sie hatten Disco überlebt - sie würden auch die Neue deutsche Welle überleben. Sie waren schon jetzt unmodern, und sie wussten es.
Sie mischten sich unters Volk, unter ihre Mitschüler. Rainer fragte sich, ob er heute noch einmal das Vergnügen haben würde, mit Gisela Kaufmann zu schlafen, bevor man sich aus den Augen verlor. Konni riskierte ein paar Blicke in Richtung Michaela Borgfeld, die mit drei Freundinnen zusammenstand und ihn nicht bemerkte. Bulle holte sich ein Bier und wartete ab. Er hatte hier kein Eisen im Feuer, war solo und nicht daran interessiert, das ausgerechnet heute zu ändern. Er war hier wegen der Musik und des Alkohols und weil man all diese Leute jetzt sehr lange nicht sehen würde.
Das »Festkomitee« - bestehend aus den üblichen Verdächtigen, die sich immer nach vorn drängelten, wenn es Fleißpunkte zu ergattern gab - hatte ganze Arbeit geleistet. In der ansonsten sterilen, kahlen Pausenhalle standen Sofas und Sessel herum, die Fenster waren verhängt, die Beleuchtung schummrig. Man konnte es fast gemütlich nennen. Peter Oehlke hatte eine ganz anständige Lichtorgel besorgt, und die Boxen schienen einiges auszuhalten. Nichts war so schlimm wie eine Stereoanlage, bei der nach vier Stunden Musik in Partylautstärke die Hochtöner in den Lautsprechern durchknallten oder der Verstärker aufgab.
Ole setzte sich in eine Ecke, rauchte und legte die Handgelenke auf die angezogenen Knie. Er wartete. Auf Dora.
Man spürte es, wenn sie da war, auch wenn man sie nicht sah.
Sie veränderte die Chemie in einem Raum, die Zusammensetzung der Luft, das Licht. Auch Ole wurden entsprechende Fähigkeiten nachgesagt. Ole war cool. Für ihn war dieses Wort erfunden worden. Ihm schien egal zu sein, was um ihn herum passierte. Er drängte sich nie nach irgendetwas oder irgend-wem. Er war der Prophet, und der Berg kam zu ihm, nicht umgekehrt. Er war die unumstrittene Autorität in musikalischen Angelegenheiten, in politischen Fragen und Belangen des allgemeinen Benehmens.

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