Weil Samstag ist
Leseprobe

Weil Samstag ist

Fußballgeschichten

von Frank Goosen

Buch

gebunden (160 Seiten)

11. Auflage

Sprache: Deutsch

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Wieso gehst du ins Stadion? - Weil Samstach is!
Fußballgeschichten aus der Tiefe des Raumes, wie nur einer sie schreiben kann: Frank Goosen."Fußball ist uns zwischen Duisburg und Unna, zwischen Recklinghausen und Hattingen ins Genom übergegangen. Unsere Doppelhelix besteht nicht aus Aminosäuresequenzen, sondern aus echtem Leder. Legt ein werdender Vater die Hand auf den Bauch seiner hochschwangeren Frau und spürt den Tritt des Thronfolgers, kann er nicht anders, er sagt: "Kumma, der flankt!" Wir im Ruhrgebiet gehen auch nicht ins Stadion, um uns zu amüsieren. Wir gehen da hin, um uns aufzuregen. Beispiel? Jedes Jahr wieder ist das erste Heimspiel der neuen Spielzeit gerade mal fünf Minuten ald, da brüllt der Mann in der Reihe vor mir zum ersten Mal: "DAT ISS DOCH DIESELBE SCHEISSE WIE INNER LETZTEN SÄSONG!!!" Und wenn meine Frau mich fragt, ob ich mir denn auch wieder eine Dauerkarte kaufen würde, wenn der VFL abstiege, tut sie das nur, weil sie mich so gerne zurückfragen hört: "Watt?"

Pressestimmen:

"Man muss keineswegs regelmäßigen Umgang mit dem Ball pflegen, um Goosens Geschichten komisch zu finden. Wenn der Begriff einer so wunderbar soliden Sache wie Fußball nicht so schrecklich unangemessen wäre, könnte man behaupten: Frank Gossen ist in Sachen europäischer Ethnologie unterwegs." (Welt am Sonntag)

Produktdetails

ISBN-10: 3-8218-6046-4
EAN: 9783821860466
Erschienen: 06.12.2010
Verlag: Eichborn Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 11. Auflage
Seitenzahl: 160
Länge/Breite: 189mm/126mm
Gewicht: 211 g
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Frank Goosen

Frank Goosen, Jahrgang 1966, ist als Komiker jahrelang durch die Republik getingelt. Mit seinen Bestsellern "liegen lernen" und "Pokorny lacht" hat er sich auch als Romancier einen Namen gemacht und im November 2003 für sein bisheriges Werk den Literaturpreis Ruhrgebiet erhalten. Mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen lebt Frank Goosen nach wie vor in seiner Lieblingsstadt Bochum.

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"Wieso Fußball? Ich stelle mir das so vor: Menschen, die Briefmarken sammeln, Modellflugzeuge bauen oder Turniertanz betreiben, sitzen an einem ereignisarmen Sonntagnachmittag sinnend auf ihrem Wohnzimmersofa und fragen sich:"Wo bin ich in meinem Leben falsch abgebogen?"So eine Frage stellt sich ein Fußballfan überhaupt nicht. Fragen Sie bei uns in der Gegend einen Fußballfan:"Wieso gehst du ins Stadion?", antwortet der nur:"Watt?"Der versteht die Frage überhaupt nicht."Wieso gehst du zum Fußball?""Is doch Samstach!"Fußball ist uns zwischen Duisburg und Unna, zwischen Recklinghausen und Hattingen ins Genom übergegangen, unsere Doppelhelix besteht nicht aus Aminosäuresequenzen, sondern aus echtem Leder. Legt ein werdender Vater die Hand auf den Bauch seiner hochschwangeren Frau und spürt den Tritt des Thronfolgers, kann er nicht anders, er sagt:"Kumma, der flankt!"Und kaum bist du aus dem Bauch raus, bestimmt Fußball über deinen Platz im sozialen Gefüge. Bei uns war das so: Spüli, Pommes, Mücke und ich trafen uns zum Pöhlen zunächst auf den Grundstücken zwischen den Mietskasernen in Stahlhausen, dem"Blaubuxenviertel", wobei korrodierende Teppichstangen als Tore dienten. Fragten wir unterwegs jemanden, ob er mitspielen wolle, und der sagte:"Nee, ich interessier mich nicht für Fußball", knallte Mücke ihm vor den Latz:"Wie, du willz nich pöhlen? Bis du schwul oder was?"Als sich dann Jahre später herausstellte, dass unser Freund Hans Jürgen Spülberger, genannt"Spüli", tatsächlich lieber auf der anderen Seite des Hügels graste, sah Mücke sich nachträglich bestätigt:"Wundert mich nicht! Wenn der am Ball war, hat der Ball geweint!"Irgendwann wechselten wir auf die Wiese vor der Schule am Springerplatz. Die Mannschaften wurden zusammengestellt, indem die beiden Jungs mit der größten Klappe - also ich und ein anderer - immer einen Fuß vor den anderen setzend aufeinander zugingen, wobei die Hacke die Spitze berühren musste. Der, dessen Fuß am Ende gerade noch in die Lücke passte, durfte den ersten Spieler auswählen. Das hieß"Pisspott", und zwar, weil der eine bei jedem Schritt"Piss"sagte und der andere"Pott"antwortete. Bei der Aufstellung bevorzugt wurden technisch versierte"Fummler", die zwar oft sehr eigensinnig, also wenig mannschaftsdienlich spielten, dafür aber Erfolg versprachen. Und da wir deutsche Jungs beim Fußball waren, stand Erfolg bei uns immer höher im Kurs als so etwas Mädchenhaftes wie"Spaß". Am Ende blieben immer ein oder zwei Jungs übrig, mit denen schon auf dem Schulhof keiner spielen wollte. Solche Typen, die auch noch den obersten Hemdknopf zumachten und selbst im Sommer Pullunder trugen. Dummerweise gehörte meistens einem von denen der Ball. Ich stand bei diesen Spielen gern im Tor, weil man da nicht so viel rennen musste. Außerdem hatte ich nichts dagegen, mich"zu schmeißen", also panthergleich noch hinter jedem aussichtslos erscheinenden Ball hinterherzuhechten. Denn ich gehörte zu den Kindern, die sich dreckig machen durften. Andere Mütter waren sauer, wenn ihre Blagen schlammverkrustet und mit dicken Grasflecken auf den Hosen nach Hause kamen. Wenn ich hingegen vom Spiel nicht genug gezeichnet war, schickte meine Mutter mich zurück auf die Wiese!"

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