Buch
gebunden (212 Seiten)
Sprache: Deutsch
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10% Beobachtung und 90% Unterstellung - damit liegt man nie falsch Einer will nicht, einer darf nicht, einer kann nicht - der Erzähler und seine Freunde mühen sich, den kniffeligen Liebeszirkus dennoch zu meistern. Unser Erzähler startet gerade wieder ins Leben und wie früher macht seine Neugier auf Mensch & Tun vor nichts halt: Mal hört er mit einem Stethoskop die Nachbarn ab, mal liefert er dem Blutsbruder Cromwell eine Fernanalyse von dessen neuer Freundin, und als die Freundin Cromwell sitzen lässt, darf der Erzähler seine Beobachtungen in einer sonnigen italienischen Grenzstadt fortsetzen. Und dort geht es rund: Nicht nur die verfeindeten Vermieter der Appartements und die wenigen fragwürdigen Nachbarn, auch die jähe neue Liebe von Freund Cromwell würden jeden Irrenwärter überfordern. Denn Cromwells Leidenschaft gilt der etwas zu minderjährigen Tochter eines deutschen Ehepaares, das auch nicht gerade alle Tassen im Schrank hat. Und dabei hat der Erzähler schon genug mit sich und der Erinnerung an seine erste tragische Liebe zu tun ...
| ISBN-10: | 3-8218-6102-9 |
|---|---|
| EAN: | 9783821861029 |
| Erschienen: | 22.09.2009 |
| Verlag: | Eichborn Verlag |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 212 |
| Gewicht: | 310 g |
Simon Borowiak, geboren 1964, war sieben Jahre Redakteur bei dem Satireblatt Titanic und ist Autor des bis heute lieferbaren Bestsellers Frau Rettich, die Czerni und ich. 2006 erscheint ALK - fast ein medizinisches Sachbuch, laut Spiegel ?ein Wunder an Komik, Recherche und Weisheit?, 2007 folgte Wer wem wen. Eine Sommerbeichte.
Simon Borowiak lebt und arbeitet in Hamburg.
Auszeichnungen:
2007 Belletristikpreis der LITERA (Internationale Buchmesse in Linz), gemeinsam mit Margit Schreiner
von Jennifer Fais-Baumgardt, am 09.01.2010
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Wenn man eine Jahreszeit heiraten dürfte, nähme ich sofort den Herbst. Ab zum Standesamt, uns Liebende in das Grundbuch des Glückseingetragen, und danach lägen wir beide brach in meinem Garten, zwischen der durchlöcherten Zinkwanne und der Haselnuss, starrten in den kaltblau schwingenden Himmel und streichelten uns gegenseitig an unseren erogenen Problemzonen, nämlich der Schwer- und Sanftmut. Der Herbst und ich hätten selbstverständlich flotte Dreier, Vierer, - was sag? ich: Das ganze Dezimalsystem einmal flott durch! Denn außer der Haselnuss gibt es da ja auch noch die mich ganz närrisch machende Kirsche, die stoffelig zurückhaltende Quitte, die grazil alternde Hortensie - wir Pflanzenfreunde haben tausende Geliebte. Nur die grunddumme Konifere würde ich von der Beetkante stoßen. Ja, auf Koniferen reagiere ich fast so heftig und botanisch inkorrekt wie auf Rhododendron. Oder Posaunenchöre. Oder Jugendliche. Allerdings wurde es in diesem Herbst nichts aus langen Sitzungen zwischen Sanft- und Schwermut, denn mein Doktor stellte meine Medikamente um. Ich weiß nicht genau, was er mir unter die Antidepressiva gemischt hat, aber mit der sich jahreszeitlich steigernden Dunkelheit wurde mir immer heller im Gemüt. Schon morgens ließ mich die Sehnsucht nach der Welt aus dem Bett schnellen. Rüstig - quasi wie ein normaler Mensch - radelte ich dann in die städtischen Kolonien, schloss den Geräteschuppen auf und lehnte mich erst mal in Kennermanier auf einen Spaten. Dann grüßte ich jovial die anderen Gartenfreunde, als hätten wir uns schon 1945 bei Obi um einen Parkplatz gestritten. Ich lachte sogar mehrmals grundlos. Es ist doch erstaunlich, wie wacker sich die Psyche immer wieder neu organisieren kann, mit reger Motivation und frischem Fell. Man muss ihr nur genug Zeit lass