Don't make me cry
von
Thomas Zörner, am 12.02.2012
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In einer Welt, deren Charts von Dance Musik dominiert wird, sind Damen wie Lana Del Rey eine Genugtuung für die geschundene Musikliebhaberseele. Natürlich ist auch das, was die Frau mit dem Botoxschmollmund macht nicht neu, denn eine Adelle, Duffy, und nicht zuletzt Amy Whinehouse haben dieser Retro Female Welle den Weg geebnet, den nun auch Del Rey beschreitet, und doch tut sie dies so ganz anders als ihre Vorgängerinnen. Ihr Musik ist ein düsterer, von Streichern und Synthies getragener Pop, Sadcore nennt sie das selbst, dessen Texte von hilflos bis lasziv rangiert. Der Opener Born To Die bietet gleich beides, und klingt nicht selten wie der Soundtrack zu einem Gangsterfilm über die 60er, jener Epoche, der sich die Künstlerin selbst so verbunden fühlt, immerhin gehört zu ihren Vorbildern niemand geringeres als das King of Rock Elvis himself. Auch wenn davon nicht viel zu hören ist, denn rockig wird die gute Lana. Dafür plündern ihre Produzenten schon mal gerne im Hip Hop, wie Off To The Races beweist. Eine großartige Nummer, die Del Rey sexy, wie verletzlich, zeigt und ihre stimmliche Bandbreite präsentiert. Vom meist präsenten dunklen Ton, bis zu mädchenhaftem Quietschen packt die Frau alles. Traurig ist, abseits der Musik, aber, dass sich Del Rey bereits jetzt mit Imageproblemen herum schlagen muss, schuld daran ist ihr erster Hit Video Games. Mal abgesehen davon, dass der Track einem griechischem Volkslied erschreckend ähnlich ist, präsentierte sie sich im zugehörigen Video als Hipsterprinzessin im Billigvideodesign, was besonders der Alternative Szene gut gefiel, und nun ist sie doch bloß Pop? Gut, dass mir solche Imagespirenzchen wunderbar egal ist, und deswegen genieße ich sowohl das tolle Video Games, als auch das nicht minder gute National Anthem, das eben wesentlich mehr Pop ist. Die Luft geht Lana allerdings gegen Ende aus, denn Nummern wie Carmen, oder Radio kommen nicht an das etablierte Niveau von Songs wie Diet Mountain Dew, und Dark Paradise heran. Ein besonderes Schmankerl versteckt sich im Übrigen noch in den Bonustracks der Limited Edition, und zwar Lolita ein Image, das Del Rey ohnehin teils stark strapaziert (Off To The Races), macht sie daraus auch noch eine verdammt gute Nummer, die abermals Hip Hop Beats aufweist. Born to Die ist ein düsteres, trauriges, sexy, laszives Album geworden, das meine Erwartungen absolut erfüllt hat.