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Hoch in den Alpen erblickt Moses Froben am Anfang des 18. Jahrhunderts als uneheliches Kind das Licht der Welt. Der Dorfpfarrer muss fürchten, als Vater entlarvt zu werden, und stößt den Jungen in einen Sturzbach. Moses wird gerettet und kommt in die Abtei St. Gallen, wo er zum Meistersänger des Chores heranreift. Dann geschieht das Ungeheuerliche: Man kastriert ihn, damit seine Engelsstimme erhalten bleibt. Und Moses feiert Erfolge auf Europas Bühnen. Aber ein Geheimnis bleibt: Wie kam der weltbekannte Kastrat zu einem Sohn?
>Der Kastrat< ist die hinreißende Lebensbeichte eines Entführers und unwahrscheinlichen Liebhabers, eines Mannes mit der Stimme eines Engels, dessen Gehör zum tragischen Fluch wie auch zum größten Segen seines Lebens wurde.
| ISBN-10: | 3-8321-8559-3 |
|---|---|
| EAN: | 9783832185596 |
| Originaltitel: | The Bells |
| Erschienen: | 02.2011 |
| Verlag: | DuMont Buchverlag |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 480 |
| Übersetzer: | Christiane Trabant |
| Erschienen bei: | DuMont Buchverlag |
| Übersetzt von: | Christiane Trabant |
| Spieldauer: | 2859 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
von Karin Germann, am 09.04.2012 aus der Thalia-Buchhandlung in Schaffhausen
von einer Kundin/einem Kunden, am 20.09.2011
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von Marion Schmidt, am 16.06.2011
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von Schwarzenbrunner Gregor, am 10.06.2011
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von Martina Denzer, am 15.03.2011
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DRITTER AKT (S. 236-237)
I.
Ich nahm mir nicht einmal die Zeit, mir den Gefängnisdreck aus dem Gesicht zu waschen. Den blinden Mann ließ ich in dem Raum unterm Dach zurück. Er fiel auf die Knie und rief, ich solle ein letztes Mal für ihn singen. Ich tat es nicht.
In der Abenddämmerung verließ ich die Stadt, und dann fragte ich den ersten Bauern, dem ich begegnete, nach dem Weg nach Österreich. Er musterte mich, denn vermutlich hatte er noch nie einen so großen Mann mit einem so jungenhaften Gesicht gesehen, und ich verspürte einen Anflug der alten Scham. Aber dann rieb er sich das Kinn, und wir drehten uns beide zweimal um. Endlich wies er auf den fernen Rhein. »Die Richtung«, sagte er.
Dann zuckte er die Achseln und wandte sich wieder seinem Pflug zu. Und so wanderte ich, bis ich in der Morgendämmerung den großen Fluss erreichte. Ich hatte seine Wassermassen noch nie an die sanften Ufer plätschern hören, obwohl ich zwölf Jahre lang nur fünf Meilen entfernt gelebt hatte. Ich folgte seinem Lauf, denn ich nahm es als gegeben an, dass dieses magische Wien dort sein musste, wo das Kristallwasser des Flusses seine Quelle hatte.
Auf diese Weise ging es mehrere Tage, wobei ich den Horizont stets nach einer prächtigen Stadt absuchte. Bei meiner völligen Unkenntnis der Geographie bemerkte ich nicht, dass der Rhein eine Biegung machte und mich nach Südwesten führte, deshalb stieg ich mehrere Tage in die Berge hinauf, das Gesicht voll glühender Hoffnung, das Ziel meiner Wünsche im Rücken. Des Nachts stahl ich in den schönsten Häusern an meinem Weg Nahrung – und nahm auch gleich ihre Geräusche mit.
Dann teilte ich meine Beute mit allen armen, freundlichen Bauern, die ich traf. Einer der ärmsten und freundlichsten von ihnen, ein uralter Mann, der vor langer Zeit Soldat gewesen war, sagte mir schließlich: »Junge, du bist ein Dummkopf.« Er schüttelte den Kopf. »Auch wenn du ein Leben lang nach Westen läufst, kommst du nie nach Wien. Osten, Junge. Du musst nach Osten!« Er packte mich an den Schultern und drehte mich herum wie eine Puppe.