Rezensent im Portrait
Eine Kundin / Ein Kunde
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Was für ein Buch!Rezension vom 18.05.2011Was für ein Buch!
Es muss viel passieren, damit ich ein Buch mit 5 Sternen bewerte, Siegfried Langer hat es mit Vater, Mutter, Tod geschafft und zudem jeden einzelnen Stern meiner Meinung nach zu Recht verdient.
Dabei ist die Geschichte an sich gar nicht einmal so spektakulär: Zwei Familien aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, zwei Söhne, der eine ermordet, der andere entführt, und ein Kommissar, der diese beiden Fälle zu lösen hat. Die Figuren stellen nichts Außergewöhnliches dar, und die Handlung verläuft weder extrem blutrünstig noch übermäßig actionreich. Vielmehr zeichnet sich der Thriller durch seinen raffinierten Aufbau aus, durch verwirrende Zeitsprünge sowie sich abwechselnde Handlungsstränge und vor allen Dingen durch den Drahtseilakt zwischen Wahn und Wirklichkeit, den der Leser gezwungenermaßen vollführen muss. Was zu Beginn absonderlich, undurchsichtig und nahezu unmöglich erscheint, wird nach und nach enträtselt und logisch aufgeklärt. Indes bedient sich der Autor einer einfachen Sprache, verzichtet auf ausführliche, detaillierte Beschreibungen und setzt ganz auf die psychische Komponente und das Aha-Erlebnis beim Leser.
Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das mich anfangs an meinem Verstand zweifeln ließ und mich gerade deshalb derart gefesselt hat, dass ich Raum und Zeit vergessen habe. Weiter so, Herr Langer, ich freue mich auf Ihre nächste Veröffentlichung! -
Schade!Rezension vom 11.05.2011"Der Außenseiter" von Minette Walters reicht meiner Meinung nach nicht an ihre Vorgängerromane wie "Die Bildhauerin" oder "Das Echo" heran.
Die Autorin ist bemüht, die Handlung logisch und konsequent von Anfang bis zum Ende durchzuspielen, dabei wiederholt sie fortlaufend schon bekannte Ereignisse mit neuen Gesichtspunkten und aus anderen Blickwinkeln, was mit der Zeit ermüdend und langatmig ist. Sie flechtet Vernehmungsprotokolle der Polizei, Zeitungsausschnitte und E-Mails in die Geschichte ein, die zwar das Geschehen auflockern, den Leser aber mehr zum Beobachter als zum Teilhaber werden lassen. Die Figuren sind eher blass und rufen wenig Sympathien hervor. Ihre sozialkritischen Anmerkungen sind in meinen Augen fehl am Platz.
Ich habe bereits einige Krimis von Minette Walters gelesen, die mir sehr gut gefallen haben, dieses Buch hat mich leider nicht begeistert. -
Wenn Gegenwart auf Vergangenheit trifftRezension vom 11.05.2011In Astrid Rosenfeld's beeindruckendem Debütroman geht es um eine jüdischen Familie, um zwei Schicksale unter vielen und um eine offenkundige Verbindung zwischen Damals und Heute, die eine schreckliche Vergangenheit unvergessen macht.
Edward, der im 21. Jahrhundert unzufrieden sein Dasein fristet, findet auf dem Dachboden im Hause seiner Großmutter das Vermächtnis seines Großonkels Adam, bestehend aus Aufzeichnungen, die Adam zur Zeit des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung in Briefform an seine große Liebe Anna verfasst hat. Beim Lesen taucht Edward immer tiefer in die unfassbaren Geschehnisse einer grausamen Zeit ein und begleitet Adam auf dessen Suche nach Anna, nachdem diese in der Reichspogromnacht spurlos verschwand. Edward, der als Kind und Jugendlicher ständig mit seinem Großonkel verglichen wurde, entdeckt augenscheinliche Parallelen zwischen seinem und Adam's Leben und zieht daraus Konsequenzen.
Die Autorin nimmt sich eines ernsten Themas auf humorvolle und sprachlich außerordentliche Art und Weise an. Bewegend und ergreifend treibt sie die mit beinahe poetischen und philosophischen Äußerungen gespickte Handlung voran, so dass an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Ihre beiden Protagonisten, die von zahlreichen, äußerst originellen Nebenfiguren umgeben sind, wecken Sympathien und Mitgefühl. Die Stärke des Romans liegt meiner Meinung nach eindeutig in der Schilderung der erschütternden Erlebnisse von Adam während der NS-Zeit und des Krieges sowie in der Darstellung einzigartiger Charakteren.
Ein Buch, das Vergangenheit tiefsinnig aufarbeitet und dabei Wortwitz mit Tragik, Freude mit Trauer und Hoffnung mit Ausweglosigkeit vereint, verdient in meinen Augen besondere Beachtung und Aufmerksamkeit, damit ein entsetzliches Kapitel Deutscher Geschichte in Erinnerung bleibt und sich nie wiederholt!
Auf weitere Veröffentlichungen von Astrid Rosenfeld bin ich schon jetzt gespannt. -
Ein Kätzchen weiß, daß Freude wichtiger ist als SelbstmitleidRezension vom 11.05.2011Eine ganz normale Familie lebt mit ihren gewöhnlichen Sorgen und Nöten in Wellington, Neuseeland. Ihre Welt scheint in Ordnung zu sein, bis zu dem Tage, als Sam, der ältere der beiden Söhne, kurz vor seinem 9. Geburtstag durch einen tragischen Unfall ums Leben kommt. Der Verlust von Sam wirft seine Eltern Helen und Steve und seinen jüngeren Bruder Rob vollkommen aus der Bahn. In das zuvor mit Leben gefüllte Haus treten Entsetzen, Trauer, Wut und Hilflosigkeit. Sogar der Familienhund Rata bellt nicht mehr. Doch dann zieht Cleo ein, eine schwarze, eher hässliche, aber göttliche Katze, die sich der verstorbene Sam als Geburtstagsgeschenk ausgesucht hatte. Durch ihr einzigartiges, liebenswertes Wesen gelingt es ihr nach und nach, die einzelnen Familienmitglieder aus ihrer Starre zu befreien, sie zum Lachen zu bringen und ihnen neue Lebensfreude zu geben. Bis zu ihrem Tod begleitet sie die Familie durch Höhen und Tiefen und ist immer da, wenn man sie am nötigsten hat.
In ihrem autobiographischen Roman gewährt Helen Brown dem Leser einen Einblick in ihr Leben, das durch den Tod ihres Sohnes Sam aus den Fugen zu geraten drohte. Durch die Anwesenheit und quirlige Art der Katze Cleo fand die Familie den Weg zurück ins Leben, in dessen Verlauf sich noch Einiges ereignete. An der Seite blieb Cleo, solange sie gebraucht wurde.
Feinsinnig beschreibt Helen Brown Stationen der Trauer und schildert auf beeindruckende und bildhafte Weise, wie ein Tier positiven Einfluss auf den Menschen und seine Verfassung nehmen kann. Man erfährt Interessantes und Spezielles über die Katze und ihre Charaktereigenschaften und wird Zeuge verschiedener Katzen-Abenteuer. Die Katze tritt als Heilerin, Zuhörerin und treue Gefährtin auf. Man leidet mit und wartet gespannt, was die nächsten Schritte der Familie in die Zukunft bringen werden.
In der Erzählung sind kleine Lebensweisheiten und philosophische Ansätze zu finden, die zum Nachdenken anregen. Ernst und Humor werden geschickt miteinander verknüpft und durch die einfache, gefühlvolle Sprache fällt das Lesen und Miterleben leicht.
Obwohl ich kein Katzenmensch bin, hat mir das Buch sehr gut gefallen, eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die Tiere, Menschen und ihre ureigensten Geschichten mögen! -
EnttäuschendRezension vom 11.05.2011Aufgrund zahlreicher positiver Kritiken und Beurteilungen habe ich jetzt Nele Neuhaus' neuen Taunuskrimi gelesen und kann die herrschende Begeisterung und regelrechte Euphorie über "Schneewittchen muss sterben" absolut nicht verstehen.
Am Anfang war die Geschichte für mich etwas verwirrend, da ich die Vorgänger-Bücher nicht kenne und mir deshalb sämtliche Figuren vollkommen fremd waren. Innerhalb von 100 Seiten wird eine Vielzahl von Personen vorgestellt, die oberflächlich beschrieben werden und zum Teil für den späteren Verlauf relativ unwichtig sind. Wenn man sich durch den Abschnitt gekämpft hat, wird es endlich spannend. Ein Dorf schweigt, und jeder scheint verdächtig zu sein. Leider werden die Verwicklungen durch immer neue Aspekte meiner Meinung nach unnötig in die Länge gezogen. Zudem findet ein ausführlicher Blick in das Privatleben der Ermittler und in das Polizei-Kollegium statt, der mich nur wenig interessiert hat. Die Auflösung des Falles ist dann zwar logisch und ziemlich überraschend, verliert aber in meinen Augen durch überflüssige Effekthascherei am Ende an Glaubwürdigkeit.
Das Thema verspricht viel, wird aber nicht in dem Maße, wie ich es erwartet hatte, umgesetzt. Ich bin enttäuscht, und meine Neugierde auf weitere Bücher dieser Autorin wurde definitiv nicht geweckt. -
Science Fiction oder bald Wirklichkeit?Rezension vom 11.05.2011Titel und Cover deuten schon auf Unheimliches hin, und so befindet sich der Leser auch gleich ohne großes Vorgeplänkel inmitten mysteriöser Ereignisse. Man stellt sich sofort Fragen nach dem Warum und Wie und entwickelt selbst immer wieder neue Theorien über das Geschehene. Figuren, die zuerst sympathisch waren, ändern sich zum Negativen und umgekehrt, das Verwirrspiel nimmt einen flotten Verlauf. Was es eigentlich mit dem Trakt auf sich hat, erfährt man erst zum Schluß des Thrillers.
Die Handlung ist flüssig erzählt und spannend aufgebaut. Zudem spornen kurze Kapitel zum Weiterlesen an.
Die Geschichte hat mich mitgerissen, was bewirkte, daß ich das Buch in kürzester Zeit ausgelesen hatte, denn ich wollte endlich die Auflösung erfahren. Diese hat mich dann allerdings etwas enttäuscht, da sie zu sehr in den Bereich von Science-Fiction geht, ein Genre, das ich nicht sonderlich mag.
Am Ende des Buches findet man eine Leseprobe aus Arno Strobels nächstem Werk "Das Wesen", sie hat mich neugierig auf mehr gemacht ... -
Klasse!Rezension vom 11.05.2011Zwei Geschichten, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen, werden spannend und geschickt zusammengeführt. Äußerst interessante Figuren, sich entwickelnde Handlungsstränge und perfekt eingebaute Überraschungsmomente sorgen dafür, daß zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt.
Dieser Thriller ist mehr als ein Krimi. Er wirft zum einen Fragen und Probleme auf, die realitätsbezogen sind und nie an Aktualität verlieren werden, zum anderen zeigt er menschliche Verhaltensweisen und Phänomene, die den Leser weit über die Lektüre hinaus beschäftigen können.
Kurzum: Ein Buch, das mich von Anfang an in seinen Bann zog und das ich sehr gerne weiterempfehlen werde! -
Nichts BerauschendesRezension vom 11.05.2011Nachdem ich vor kurzem erst "Die Therapie" verschlungen habe und total begeistert war, war ich sehr neugierig auf den Seelenbrecher. Jetzt habe ich das Buch gelesen und bin etwas enttäuscht.
Es fängt vielversprechend an, Spannung wird aufgebaut, und man befindet sich sofort im Geschehen. Durch den Mittelteil habe ich mich zeitweise echt gequält. Eingeschlossen in einer psychiatrischen Klinik ist vom Thema her ja nun auch nicht wirklich etwas Neues. Die Charakteren bleiben auf der Strecke, dafür gibt es einige "Action-Szenen", die ich als leicht übertrieben und aufgesetzt empfunden habe. Der Schluß hingegen hat mir dann wieder gefallen, vor allen Dingen weil ich keine Ahnung hatte, wer denn tatsächlich der Seelenbrecher ist. Die Auflösung ist für mich schlüssig und nachvollziehbar, hinterläßt aber einige offene Fragen und Ungereimtheiten.
Das Buch hat mich gut unterhalten, allerdings nicht vom Hocker gerissen. -
Schöne SommerlektüreRezension vom 11.05.2011Bei der Lektüre dieses Romans taucht man in die Familiengeschichte dreier Generationen ein, in der sich Einiges ereignete. Iris kehrt in das Haus ihrer verstorbenen Großmutter zurück, das sie geerbt hat. Ihr Aufenthalt dort ist der Auslöser zahlreicher Erinnerungen an ihre Kindheit, das Leben ihrer Mutter, ihrer Tanten und ihrer Großeltern.
In einer wunderschönen, bildhaften und einprägsamen Sprache beschreibt die Autorin das alte Haus, den dazugehörenden Garten, die Umgebung sowie Gefühle und Gedanken der Protagonistin. Man sieht die einzelnen Zimmer vor sich, hört die Treppe krachen, riecht die Blumen im Garten und schmeckt förmlich die Äpfel bzw. Apfelkerne, die in der Geschichte keine unwesentliche Rolle spielen. Die Charakteren der einzelnen Personen sind perfekt herausgearbeitet. Gegenwart und Vergangenheit werden geschickt miteinander verknüpft, so daß sich am Ende ein fast komplettes Bild eines Familienschicksals ergibt, wenn auch nicht alle Fragen beantwortet werden.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, ein leises, ruhiges Buch, zum Teil melancholisch, zum Teil amüsant, auf das man sich einlassen kann, wenn man eher Tiefgang als Action mag. -
Vom Glück, im Unglück nicht allein zu seinRezension vom 11.05.2011"Ein Winter mit Baudelaire" ist ein kurzweiliges Lesevergnügen vom Feinsten.
In kurzen Kapiteln mit aussagekräftigen Titeln schildert Harold Cobert ausdrucksstark und bildhaft den Abstieg eines Mannes ins Abseits der Gesellschaft. Der Leser begleitet Philippe auf seinem Weg nach unten, durchlebt mit ihm einsame, kalte und unwürdige Situationen im Dasein eines Heimatlosen und steht ihm wie sein Hund Baudelaire bei, als er sich aus seiner Notlage zu befreien versucht. Der Text lässt sich flüssig lesen. Durch den zum Teil sehr prägnanten Sprachstil, befindet man sich inmitten des Geschehens und spürt hautnah sowohl die positive, als auch negative Atmosphäre. Die Handlung gleicht einem modernen, poetisch angehauchten Märchen mit vorhersehbarem Ende, dennoch ist sie authentisch. Sehr eindrucksvoll und treffend beschreibt der Autor die Lage der Obdachlosen: Hinter jedem steckt eine eigene Biographie, untereinander herrscht Konkurrenz und das nackte Überleben bestimmt den Tagesablauf. Zitat: "Gestern ist so wie heute und morgen ist so wie gestern." Von der Umwelt werden sie zwar angeblickt, jedoch nicht gesehen.
Die Erzählung ist keine klassische Mensch-Tier-Geschichte. Cobert geht es in seinem Roman vielmehr darum, den Leser auf das Obdachlosen-Milieu aufmerksam zu machen und Verständnis für diese Randgruppe zu wecken. Dafür hat er laut eigenen Aussagen wochenlang recherchiert und sich unter die Clochards begeben. Er unterstützt ein neues bisher einzigartiges Pariser Projekt, das sich nicht nur um die Verwahrung gestrandeter Menschen kümmert, sondern auch effektive Hilfe anbietet.
Fazit:
Bei "Ein Winter mit Baudelaire" handelt es sich um einen einfühlsamen, melancholischen Roman, der zum einen nachdenklich stimmt, denn keiner ist vor einem Schicksal wie dem des Protagonisten gefeit, der zum anderen aber auch ermutigt, sich aus einem schier ausweglosen Zustand herauszukämpfen.
Das Buch richtet zudem einen eindeutigen Appell an seine Leserschaft: Schaut hin und nicht weg!

















