Rezensent im Portrait

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Meine Rezensionen

  • Die fernen Tage der Liebe
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    Mittelmäßige Familengeschichte
    Rezension vom 11.05.2011
    In seinem Debütroman "Die fernen Tage der Liebe" versucht sich James King an einer Familiengeschichte, die individuelle Schwierigkeiten und zwischenmenschliche Probleme aufzeigt, sie aber nur unzureichend löst.
    Das Familienoberhaupt Bill, ein an Alzheimer erkrankter Witwer, hat seit Jahren nahezu keinen Kontakt zu seinen untereinander zerstrittenen Kindern. Um seine Familie wieder zusammenzuführen, unternimmt er mit April, seiner fünfzehnjährigen Enkelin, eine Reise quer durch Amerika.
    Der Roman ist in einer einfachen Sprache verfasst und beginnt recht vielversprechend. Allerdings wird er im weiteren Verlauf zunehmend unglaubwürdig und führt schließlich zu einem in meinen Augen unbefriedigenden Ende.
    Das handlungsarme Geschehen, in dem man nach und nach die einzelnen Familienmitglieder, deren Charakteren und gestörtes Beziehungsgeflecht näher kennenlernt, bekommt erst einen Hauch von Spannung, als sich Großvater und Enkelin auf eine bewegte Fahrt durch die USA begeben. Die Konstellation zwischen Jung und Alt ist hier ein gelungenes und erfrischendes Element der Geschichte. Obwohl der Autor bemüht ist, seine Figuren authentisch darzustellen, fehlt ihnen das Markante und Außergewöhnliche, so daß sie schablonenhaft erscheinen und kaum Sympathien wecken.
    In Rückblenden erhält der Leser einen Einblick in die Vergangenheit der Familie und erfährt schließlich, warum sie zerbrochen ist. Leider gibt es nur vereinzelt Passagen, die in die Tiefe gehen und bestimmte Ereignisse und Verhaltensweisen von Grund auf systematisch und zufriedenstellend klären. Die Erzählung wirkt auf mich oberflächlich und unfertig.
    Die Kurzbeschreibung zu diesem Buch klingt interessant und hat mich neugierig gemacht, doch meine Erwartung ist nicht erfüllt worden. Angekündigte "große Gefühle" und ein "wundersames Abenteuer" konnte ich nicht erleben. Stattdessen habe ich einen anspruchslosen und seichten Unterhaltungsroman gelesen, der sich in die Reihe vieler einreiht und nichts Besonderes bietet.
  • Und vergib uns unsere Schuld
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    Mord in Amsterdam
    Rezension vom 11.05.2011
    "Und vergib uns unsere Schuld" ist ein ruhiger und einfach konstruierter Krimi, der ohne blutige Actionszenen auskommt und trotzdem unter die Haut geht. Dies liegt vor allen Dingen an dem äußerst sympathischen Kommissar Bruno van Leeuwen, der in Amsterdam einen ungewöhnlichen Mord an einem Jugendlichen aufzuklären hat und sich neben seiner Polizeiarbeit liebevoll um seine an Alzheimer erkrankte Frau kümmert. In diesem Buch gibt es also zwei Geschichten, zum einen den zu lösenden Kriminalfall, zum anderen das sorgenvolle Privatleben des Ermittlers. Claus Cornelius Fischer gelingt es, beide Geschichten perfekt miteinander zu verknüpfen und dabei die typische Atmosphäre von Amsterdam realitätsnah einzufangen.
    Wer einen verzwickten und temporeichen Thriller erwartet, der wird enttäuscht sein, denn recht früh ist zu erkennen, in welche Richtung die Aufklärung des Mordes führen wird. Die Stärke des Romans liegt vielmehr in den leisen Tönen und der detaillierten Beschreibungskunst des Autors, was mir so gut gefallen hat, daß ich auch die Folgebände lesen werde.
  • Rimbaud und die Dinge des Herzens
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    Ein kleines Juwel
    Rezension vom 11.05.2011
    Spätestens nach der Lektüre von "Le coeur en dehors", so lautet der Originaltitel des Romans von Samuel Benchetrit, hat es die Hauptperson Charly unweigerlich geschafft, das Herz des Lesers zu erobern.
    Der zehnjährige Charly wohnt mit seiner aus Mali stammenden Mutter und seinem drogensüchtigen Bruder in der Pariser Vorstadt. Er gibt dem Leser einen Einblick in einen einzigen, jedoch bedeutenden Tag seines Leben, der mit der zunächst unerklärlichen Verhaftung seiner Mutter beginnt und sich in der Suche nach Gründen dafür und schließlich nach dem Verbleib der Mutter selbst fortsetzt.
    Die Geschichte liest sich wie ein spannender Tagebucheintrag, verfasst von einem äußerst sympathischen Jungen, den man nach und nach immer mehr kennen und mögen lernt. Charly trumpft durch seine pfiffige, witzige und kluge, manchmal altkluge Art, ist mutig und ängstlich zugleich und macht sich Gedanken über Dinge, die sein eigenes Kindsein und speziell das Dasein in einem Vorstadt-Ghetto beherrschen. Neben seiner couragierten Suche nach seiner Mutter erzählt er von ihn bewegenden Ereignissen, seinem älteren Bruder, seinen Freunden und seinen beiden großen Lieben, der zur Mutter und der zu einem gleichaltrigen Mädchen. Dabei kommt er vom Hundersten ins Tausendste und lässt seiner Fantasie, einer in seinen Augen sehr wichtigen Eigenschaft, freien Lauf.
    Hat man mit dem Lesen des Buches erst einmal angefangen, kann man sich ihm nur schwer wieder entziehen. Samuel Benchetrit ist es voll und ganz geglückt, Charly lebendig werden zu lassen. Der Autor lässt seine Figur, in der Ernst und Humor sowie Traurigkeit und Freude vereint sind, in der Ich-Form agieren und den Leser direkt ansprechen. Der prägnante Sprach- und Schreibstil fängt sowohl die beklemmende, aber nicht hoffnungslose Atmosphäre als auch die gefühlvollen und warmherzigen Momente so perfekt ein, daß man mit dem kleinen Kerl einfach mitempfinden, mitleiden und mitfiebern muss. Die Handlung ist klar strukturiert und kurzweilig. Man erfährt, warum Charly's Mutter von der Polizei abgeholt wurde und bekommt eine Vorstellung davon, welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten, ein aktuelles Thema, das nachdenklich stimmt.
    Obwohl das Ende offen bleibt, was mir gefallen hat, bin ich mir sicher, daß Charly trotz aller Widrigkeiten seinen Weg gehen und seinen Platz in der Welt behaupten wird.
    "Rimbaud und die Dinge des Herzens" ist ein rundum gelungenes Werk, an das ich mich sehr gerne erinnern werde!
  • Der Hypnotiseur
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    Mittelprächtiges Krimidebüt
    Rezension vom 11.05.2011
    Für ein Krimidebüt ist "Der Hypnotiseur", verfasst von dem schwedischen Autorenpaar Alexandra und Alexander Ahndoril, in meinen Augen ganz passabel. Allerdings empfand ich es nicht als todspannend und hypnotisierend, so wie es auf dem Buchrücken angepriesen wird. Dafür fehlt in der Handlung schlichtweg die Logik und Glaubwürdigkeit. In die eigentliche Geschichte, die in eine komplett andere Richtung einschlägt, als der Klappentext verspricht, wird viel zu viel hineingepackt, was eine geradlinige Struktur vermissen lässt und den Ablauf verworren macht. Ausführliche Beschreibungen an Stellen, an denen sie überflüssig erscheinen, sind an Stellen, an denen sie fürs Verständnis eventuell nötig gewesen wären, nicht zu finden. Fast alle Figuren, von denen es eine Vielzahl gibt, sind problembehaftet und handeln zum Teil übermenschlich und nicht nachvollziehbar. Auch sprachlich hat der Roman einige Schwächen, die sich in unbeholfenen Dialogen und kurzen, abgehackten Sätzen zeigen.
    Aus einem interessanten Thema entwickelt sich im Verlauf des Buches zunehmend eine zusammengebastelte Story, die trotz einiger Spannungsmomente und des schlüssigen Endes nicht in vollem Maße überzeugen kann. Wer jedoch nichts Weltbewegendes erwartet, wird nicht enttäuscht sein.
  • Das Blut der Lilie
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    Shine on you crazy diamond
    Rezension vom 11.05.2011
    Jennifer Donnelly, bereits bekannt im Bereich des Historischen Romans, verbindet in ihrem neuen Werk "Das Blut der Lilie" die Gegenwart mit der Vergangenheit und erzählt von zwei jungen Frauen, deren Schicksale, obwohl sie zu unterschiedlichen Zeiten leben, erstaunliche Parallelen aufweisen.
    Da ist zum einen Andi, die sich am Tod ihres jüngeren Bruders schuldig fühlt, Halt und Lebensmut zu verlieren scheint und Trost in Tabletten und der Musik sucht. Zum anderen kämpft Alexandrine während der Französischen Revolution um den kleinen Louis Charles, der als möglicher Thronfolger von den Aufständischen gefangen gehalten wird. Andi findet die Tagebuchaufzeichnungen von Alexandrine und taucht immer tiefer in die Vergangenheit ein.
    Die Geschichte beginnt vielversprechend. Der Autoin gelingt es sowohl den Zeitgeist von Heute als auch das Geschehen von Damals perfekt einzufangen und widerzugeben. Sie stellt ihre Figuren glaubhaft und echt dar. Ihre Erzählweise ist leicht und unkompliziert und wird durch die sich abwechselnden Zeiten kurzweilig und unterhaltsam. Leider flacht die Handlung im Verlauf zunehmend ab. Die letzten hundert Seiten waren für mich eine Qual und überhaupt nicht nachvollziehbar.
    Eine interessante Idee, historische Ereignisse mit Problemen der Gegenwart zu verknüpfen, wurde in meinen Augen nicht überzeugend umgesetzt. Aufgrund des Themas und des einfachen Sprachstils würde ich den Roman eher dem Jugendbuch-Genre zuordnen. Junge Leser können vielleicht den Sinn der Einflechtung einiger Songtexte und das letzte Viertel des Buches besser verstehen.
  • Wir sind die Könige von Colorado
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    Tradition Prügel
    Rezension vom 11.05.2011
    Hauptfigur des Debütromans von David E. Hilton ist William Sheppard, der von seiner bis ins Alter verdrängten, schrecklichen Jugendzeit in den sechziger Jahren erzählt. Im Alter von dreizehn Jahren sticht William auf seinen Vater ein, als dieser wieder einmal die Mutter schlägt und missbraucht. Daraufhin wird William zu einem zweijährigen Aufenthalt auf einer sogenannten Erziehungsranch in den Bergen von Colorado verurteilt. Dort regieren eigene Gesetze. Der Alltag zwischen zu zähmenden Pferden und skrupellosen Aufsehern ist rau und grausam, gnadenlos und unbarmherzig. Trotzdem gibt es kleine Lichtblicke, nämlich das Erleben von Freundschaft und Zusammengehörigkeit unter vier gleichgesinnten Jungs, die sich in Anlehnung an ein Kartenspiel die Könige von Colorado nennen. Eines Tages brechen mehrere Pferde aus, die Suche nach ihnen beginnt und die Situation eskaliert.
    David E. Hilton beschreibt William's Geschichte zwar nüchtern, aufgrund der geschickt gewählten Ich-Form jedoch sehr eindringlich. Die Handlung ist besonders am Anfang des Buches mitreißend und fesselnd. Allerdings reiht sich im Verlauf des Geschehens ein brutales Ereignis an das andere, so dass ich mit der Zeit die Lust am Lesen verlor. Auf der Ranch, auf der unmenschliche, kaum als solche zu bezeichnende Erziehungsmethoden herrschen, gibt es entweder Gut oder Böse, und das Böse ist an Härte kaum zu überbieten. Ob die ausführlichen und sich wiederholenden Schilderungen von Gewaltszenen wirklich nötig gewesen sind, bleibt für mich fraglich. Meiner Meinung nach hemmen sie das Fortschreiten der Handlung und gehen auf Kosten der Charakterisierung der Personen, denn gerade über William's Freunde und ihre Vorgeschichten hätte ich gerne mehr erfahren. Auch mit dem Ende, das in Bezug auf William's Schicksal vielleicht versöhnlich stimmen mag, kann ich mich nicht so recht anfreunden.
    Der Roman hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Auf der einen Seite haben mir Sprach- und Erzählstil des Autors gut gefallen, auf der anderen Seite habe ich Tiefgang und Sensibilität vermisst und war stattdessen mit jeglicher Form von Brutalität konfrontiert.
    Ich hatte mich auf William, seine Freunde und Colorado gefreut. Daß dieses Leseerlebnis kein Zuckerschlecken wird, war mir im Vorhinein klar. Doch von der Umsetzung eines interessanten und realitätsnahen Themas bin ich insgesamt gesehen enttäuscht.
  • Adams Erbe
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    Wenn Gegenwart auf Vergangenheit trifft
    Rezension vom 11.05.2011
    n Astrid Rosenfeld's beeindruckendem Debütroman geht es um eine jüdischen Familie, um zwei Schicksale unter vielen und um eine offenkundige Verbindung zwischen Damals und Heute, die eine schreckliche Vergangenheit unvergessen macht.
    Edward, der im 21. Jahrhundert unzufrieden sein Dasein fristet, findet auf dem Dachboden im Hause seiner Großmutter das Vermächtnis seines Großonkels Adam, bestehend aus Aufzeichnungen, die Adam zur Zeit des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung in Briefform an seine große Liebe Anna verfasst hat. Beim Lesen taucht Edward immer tiefer in die unfassbaren Geschehnisse einer grausamen Zeit ein und begleitet Adam auf dessen Suche nach Anna, nachdem diese in der Reichspogromnacht spurlos verschwand. Edward, der als Kind und Jugendlicher ständig mit seinem Großonkel verglichen wurde, entdeckt augenscheinliche Parallelen zwischen seinem und Adam's Leben und zieht daraus Konsequenzen.
    Die Autorin nimmt sich eines ernsten Themas auf humorvolle und sprachlich außerordentliche Art und Weise an. Bewegend und ergreifend treibt sie die mit beinahe poetischen und philosophischen Äußerungen gespickte Handlung voran, so dass an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Ihre beiden Protagonisten, die von zahlreichen, äußerst originellen Nebenfiguren umgeben sind, wecken Sympathien und Mitgefühl. Die Stärke des Romans liegt meiner Meinung nach eindeutig in der Schilderung der erschütternden Erlebnisse von Adam während der NS-Zeit und des Krieges sowie in der Darstellung einzigartiger Charakteren.
    Ein Buch, das Vergangenheit tiefsinnig aufarbeitet und dabei Wortwitz mit Tragik, Freude mit Trauer und Hoffnung mit Ausweglosigkeit vereint, verdient in meinen Augen besondere Beachtung und Aufmerksamkeit, damit ein entsetzliches Kapitel Deutscher Geschichte in Erinnerung bleibt und sich nie wiederholt!
    Auf weitere Veröffentlichungen von Astrid Rosenfeld bin ich schon jetzt gespannt.
  • Die verborgene Sprache der Blumen
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    Blumen sagen mehr als tausend Worte
    Rezension vom 11.05.2011
    Der Debütroman "Die verborgene Sprache der Blumen" von Vanessa Diffenbaugh hat mich nicht vollkommen überzeugt und in dem Maße gefesselt, wie ich es mir gewünscht habe. Der Grund hierfür lag zum einen in der Hauptfigur Victoria, zu der ich keinen innigen Bezug herstellen konnte, und zum anderen in der Handlung, die für mich relativ vorhersehbar und dadurch nur bedingt spannend und überraschend war.
    Victoria ist in Heimen und Pflegefamilien aufgewachsen. Nach ihren 18. Geburtstag ist sie auf sich allein gestellt und versucht, in San Francisco ihr Leben zu bestreiten. Verschlossen, keine Nähe zulassend und voller Selbstzweifel findet sie in der Welt der Blumen, deren Bedeutung sie einst von ihrer Pflegemutter Elizabeth gelernt hat, Halt und Erfüllung. Wo Worte fehlen, kommuniziert Victoria in der Blumensprache, die kaum einer kennt, bis sie schließlich auf Grant trifft, der ihre Sprache zu verstehen scheint.
    Die Handlung spielt sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Wenn man sich eingelesen hat, macht aufgrund überschaubarer Kapitel der gedankliche Wechsel zwischen den Zeiten keine Mühe. Die Passagen aus Victoria's Kindheit und Jugend, die von Ablehnung, Missachtung und der Suche nach Liebe geprägt sind, habe ich mit großem Interesse verfolgt, weil ich unbedingt wissen wollte, warum auch ein längerer Aufenthalt bei der Pflegemutter Elizabeth, bei der sich Victoria zum ersten Mal geborgen fühlte, gescheitert ist. Dahingegen konnte ich trotz Victoria's persönlichen Hintergrundes ihre Schritte und Verhaltensweisen in der Gegenwart oft nicht nachempfinden und nachvollziehen. Geplagt von Versagensängsten und Schuldgefühlen fällt es ihr doch sehr schwer, über ihren eigenen Schatten zu springen und selbst errichtete Mauern einzureißen.
    Vanessa Diffenbaugh setzt ihr Augenmerk ganz auf Victoria, während andere durchaus bemerkenswerte Personen meiner Meinung nach zu kurz kommen. Ihre Erzähl- und Schreibweise ist einfach, einfühlsam und drückt zum Teil stark auf die Tränendrüse, was mich mitunter etwas störte. Ins Geschehen baut die Autorin geschickt Sätze und Aussagen ein, die zum Innehalten und Nachdenken anregen, wobei sich die Sprache der Blumen wie eine Leitlinie durch das Buch zieht und zu einem Wörterbuch der Blumen am Ende des Buches führt.
    Die Geschichte Victoria's bietet solide Unterhaltung mit einem Hauch von Melodramatik, lässt Blumen und ihre Symbolik in einem neuen Licht erscheinen und zeigt, daß es neben Schmerz und Leid auch Hoffnung und Zuversicht geben kann.
  • Himmelsdiebe
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    Liebe zwischen Genie und Wahnsinn
    Rezension vom 11.05.2011
    "Himmelsdiebe" ist eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, wie sie tabuloser und kompromissloser nicht sein kann.

    Laura Paddington, eine Kunststudentin aus behüteten Familienverhältnissen, lernt 1937 in London auf dessen Vernissage den viel älteren deutschen Maler Harry Winter kennen, in den sie sich unsterblich verliebt. Er ist ihr "Großer Zauberer", den sie sich erträumt hat und dem sie nach Frankreich folgen will. In Paris erlebt sie eine völlig neue Welt, die ausschweifende und frenetische Kunstszene, in die sie als "Windsbraut" eingeführt wird, die aber nicht von der Ideologie des Nationalsozialismus verschont bleibt. Da Harry's Bilder in Deutschland bald als "entartet" deklariert werden, flieht er, als der Zweite Weltkrieg ausbricht, mit Laura in ein abgeschiedenes Dorf in der Provence. Dort geben sie sich voll und ganz ihrer Kunst hin, schaffen sich ihr eigenes Paradies "sehen, malen und lieben". Doch die Wirklichkeit holt sie ein, Harry wird in ein Internierungslager gebracht. Die Trennung hat für beide weitreichende Folgen.

    Auf beeindruckende und einfühlsame Art beschreibt Peter Prange in seinem Roman die hemmungslose Liebe zweier Menschen, die vor allem durch ihre gemeinsame Leidenschaft zur Kunst miteinander verbunden sind, indem sie einen Spagat zwischen Realität und Wahnsinn vollführen. Prange's Erzählweise ist sehr bildhaft, sein Sprachstil passend zur entsprechenden Atmosphäre, zum einen gefühlsbetont und schillernd, zum anderen derb und provokativ. Der Autor versteht es perfekt, die geschichtlichen Hintergründe in das Geschehen einzubauen, so dass ein vollständiges, in sich abgeschlossenes Werk entsteht.
    Trotzdem ist es für mich schwer gewesen, verschiedene Handlungsschritte der Protagonisten nachzuvollziehen. An manchen Stellen habe ich mich Kopf schüttelnd gefragt, wie man nur so blauäugig und naiv sein kann. Harry's Persönlichkeit ist mir fremd geblieben, zu selbstsüchtig und egozentrisch habe ich ihn empfunden. Dahingegen haben mir die Phasen der Veränderung, die Laura durchläuft, gut gefallen. Obwohl es im Verlauf der Handlung einige Längen gibt, baut sich durchaus Neugier auf das Ende auf, das ich für schlüssig und konsequent halte.
    Peter Prange betont in seinen Nachbemerkungen, dass es sich bei "Himmelsdiebe" um eine rein fiktive Erzählung handelt, dennoch sind offensichtliche Parallelen zum Leben und Wirken des deutschen Malers Max Ernst zu erkennen.

    Wer sich auf die im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Geschichte, die Liebe, Kunst, Geschichte, Vernunft und Irrsinn vereint, einlassen kann, der wird sicherlich begeistert sein. Mir ist dies nur zum Teil gelungen.