Rezensent im Portrait
aus Deutschland
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Extrem schlau und unglaublich naseweisRezension vom 28.11.2010Inhalt:
Oskar Schell ist 9 Jahre alt, hochbegabt, belesen, interessiert an allem, was er noch nicht weiß und kennt, neunmalklug, frühreif und völlig vernarrt in seinen Vater, von dem er viel lernen kann. Dann stirbt sein Vater beim Attentat auf das World Trade Center, und Oskar findet einen mysteriösen Schlüssel in einem Umschlag, auf den der Name 'Black' geschrieben ist. Oskar macht sich auf die Suche nach der unbekannten Person.
Mein Eindruck:
Anfangs hat mir Oskar mit seinem Gefrage und seinem Interesse an allem und jedem gut gefallen. Seine Aufzählungen, seine Berechnungen, seine altkluge Art und sein Wissensdurst haben mich oft zum Lächeln gebracht. Andererseits sind seine Kommentare jedoch auch sehr traurig, seine Gefühle für seinen Vater bewegend, seine Gedankengänge differenziert, weise und tragisch. Manchmal waren mir die Schilderungen Jonathan Safran Foers jedoch zu weitschweifig und zu gewollt philosophisch. Der Autor verliert sich von Zeit zu Zeit in Details, und ich hatte oft den Eindruck, dass er zeigen muss, was er alles weiß und wie ungeheuer kreativ er ist.
Mein Resümee:
Das Thema (11. September, Verlust etc.) interessiert mich zwar sehr und das Buch liest sich gut, doch es gibt auch immer wieder Längen und sehr unrealistische Passagen.
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Über Risiken und RisikominderungRezension vom 20.11.2010Inhalt:
Barbara Barkhausen stellt in 'Gefährliches Australien' die bekanntesten und (ihrer Meinung nach) interessanten Tiere Australiens vor, indem sie Informationen zum Tier, zu seinem Lebensraum, zu seiner Verbreitung und zu seiner Gefährlichkeit bietet. Ergänzt werden die Schilderungen durch Ratschläge, wie man sich schützen kann und was man im Notfall tun sollte.
Mein Eindruck:
Die Autorin zeigt dem Leser, dass und wie man trotz giftiger Spinnen, Schlangen, Meerestiere etc. eine gefahrlose Zeit in Australien verbringen kann. Dabei liest sich das Buch unterhaltsam und einfach, ist sehr informativ und spannend, obwohl man sich als Leser (und potenzieller Australien-Urlauber) bisweilen etwas unbehaglich fühlt. Die Autorin verbreitet zwar einigen Schrecken durch ihre detaillierte Schilderungen, was einem in Australien alles über den Weg laufen kann, aber sie relativiert auch vieles, so dass man einerseits ahnt, was einen auf dem roten Kontinent erwarten kann, andererseits aber nicht in Panik verfällt.
Mein Resümee:
Sehr informativ, sehr lehr- und hilftreich, sehr spannend.
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Kripo, Kellner und KlaviereRezension vom 19.11.2010Inhalt:
Ein Serienmörder treibt in Berlin sein Unwesen. Sein drittes Opfer ist die 61-jährige Apothekerin Elisabeth Woelke, die vom Täter auf einem Esstisch aufgebahrt, gewaschen, geschminkt und frisiert wurde. Die Wohnung ist blitzsauber und vom Täter fehlt jede Spur. Die Berliner Kripo setzt bei ihren Ermittlungen auf Julius Kern, einen auswärtigen Kollegen, der für seine spitzfindigen und besonderen Ermittlungsmethoden bekannt ist. Allerdings hat Julius Kern noch massiv an einem alten Fall zu knabbern, an dem er fast zerbrochen ist.
Mein Eindruck:
'Die Reinheit des Todes' ist durchgehend spannend, obwohl manche Szenen zu unrealistisch sind und mir die blutigen Details manchmal zu viel waren. Auch sprachlich empfand ich das Buch bisweilen als zu unbeholfen. Gefallen hat mir, dass Klieschs Protagonisten nicht nur gut oder böse, sondern deutlich komplexer sind.
Mein Resümee:
Unterhaltsam und fesselnd. Ein spannender Zeitvertreib mit kleineren Mängeln. -
Über 'geldgierige Mistmaden' und ähnliche sprachliche ErgüsseRezension vom 19.11.2010Inhalt:
Jan May erhält einen sonderbaren und beunruhigenden Anruf von seiner Verlobten Leonie - dann wird es obskur, denn wenige Sekunden später erzählt ein Polizist May, dass dessen Verlobte bei einem Autounfall gestorben ist. Jan May glaubt nicht an den Tod von Leonie und investiert Zeit und Energie, sie aufzuspüren. Eines Tages nimmt Jan May Geiseln in einem Radiosender und spielt ein sonderbares Spiel: Angerufene müssen sich mit dem richtigen Slogan am Telefon melden, damit eine Geisel frei gelassen wird. Bei den falschen Worten will er die Geisel erschießen.
Mein Eindruck:
Fitzeks Protagonisten sind stereotyp, klischeebehaftet und flach, die Handlung ist oft vorhersehbar, dann wieder völlig unrealistisch. Sprachlich bewegt sich der Autor auf niedrigem Niveau, seine Formulierungen sind hölzern und ungelenk. Alles in allem kann ich Fitzeks Erfolg nicht nachvollziehen. Wünscht man sich nicht wenigstens ein bisschen Glaubwürdigkeit in einem Buch? Oder geht es bei Fitzek wirklich nur darum, die Seiten umzublättern und gespannt zu sein, wie es weiter geht, ohne dass am Ende etwas zurück bleiben muss?
Mein Resümee:
Ganz gut geeignet, wenn man sich berieseln lassen möchte, ohne logische Argumentationen, komplexe und authentische Charaktere und eine in sich geschlossene und nachvollziehbare Handlung zu erwarten. Ein Hörbuch ohne große Spannung und ohne großen Anspruch. -
Heidelberger FlapsigkeitRezension vom 15.11.2010Inhalt:
Beim Heidelberger Herbst fallen inmitten von Volksmusikklängen und Bratwurstständen plötzlich Schüsse. Das Resultat: vier Tote, ein Dutzend Verletzte und ein spurlos verschwundener Täter.
Wer ist für das Massaker im idyllischen Heidelberg verantwortlich? Handelt es sich um eine politisch motivierte Tat? Spielen Neonazis eine Schlüsselrolle? Oder ist gar von einem Schlag gegen den italienischen Politiker und Unternehmer Petazzi auszugehen, dessen Tochter eines der Opfer des Verbrechens ist?
Mein Eindruck:
Imbsweilers Krimi mag zwar gesellschaftlich und politisch aktuell und mitunter spannend sein sowie eine realistische Heidelberg-Atmosphäre erzeugen, aber sprachlich empfinde ich das Buch als das reinste Fiasko. Oftmals empfand ich 'Altstadtfest' als zu flapsig, gewollt witzig und flach ('Asche zu Asche, Müller zu Müll'). Die Witzchen waren mir häufig zu abgedroschen, die Dialoge sinnfrei und das Buch voller Details, die der Leser nicht braucht (Zum Beispiel wenn sich Max Koller ein langes Nasenhaar ausreißt und in eine Zimmerecke schnippt Wer will so etwas lesen?).
Mein Resümee:
Bei der Lektüre konnte ich nicht recht ernst bleiben - nicht aufgrund Imbsweilers Sprachwitz oder seiner spaßigen Ideen, sondern schlichtweg aufgrund der Lächerlichkeit der Dialoge und der gestelzten und gewollt witzig-cleveren Schreibweise. -
'Kein Essen oder Treibstoff auf den nächsten 862 Kilometern'Rezension vom 15.11.2010Inhalt:
Bill Bryson hat Australien bereist und erzählt dem Leser detailliert von seiner Tour - er berichtet beispielsweise von giftigen Tieren und seltenen Pflanzen, von Goldsuchern und Aborigines, von Wolkenkratzern und dem Outback.
Mein Eindruck:
Einerseits möchte man bei und nach der Lektüre gleich seine Koffer packen, denn Bryson berichtet voller Faszination von Australien, andererseits will man am liebsten zu Hause bleiben, denn laut Bryson riskiert man in Australien beinahe ununterbrochen sein Leben. Bisweilen sind seine Schilderungen sehr lehrreich und spannend, dann verliert er sich wieder in endlosen und zähen Kleinigkeiten. Manchmal habe ich lachen müssen ob seiner sonderbaren Erlebnisse und der Art, wie er sich ausdrückt, dann fand ich ihn wieder zu albern, zu arrogant, zu unverschämt und zu bemüht witzig.
Mein Resümee:
Ein Buch mit Passagen, die sich wirklich lohnen, aber auch mit solchen, die sich der Autor hätte sparen können. Seine apokalyptischen Schilderungen, die dem Leser das Gefühl vermitteln, direkt nach der Landung einer Horde giftiger Tiere ausgesetzt zu werden, ist übertrieben und völlig unrealistisch. Wer eine Reise nach Australien plant, sollte dies bedenken und sich nicht verrückt machen lassen.
Insgesamt bietet 'Frühstück mit Kängurus' eine (meist) informative Einführung in die australische Geschichte, Kultur, Flora und Fauna.
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'Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust'Rezension vom 10.11.2010Inhalt:
Die Amerikanerin Stephanie Saldaña reist 2004 nach Damaskus, um dort Arabisch zu lernen. Ihr Wunsch und ihr Ziel ist es, den Koran in der Originalsprache lesen und sich mit Muslimen über die Rolle von Jesus und Maria im Islam austauschen zu können. Doch auch persönliche Gründe ziehen sie in die Ferne: sie hat Liebeskummer und flieht aus diesem Grunde regelrecht aus den USA.
Mein Eindruck:
Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert ('Die gefallene Welt', 'Inkarnation', 'Kreuzigung', 'Auferstehung') und beginnt äußerst vielversprechend. Saldaña hat echtes Interesse an Syrien, an Damaskus, am Islam, an der arabischen Sprache - das hat mir sehr gut gefallen. Beeindruckt hat mich auch die Schilderung der religiösen Vielfalt in Damaskus, in die sie sich perfekt und ohne Berührungsängste eingefügt hat. Die Autorin beschreibt das Leben in Damaskus zudem so plastisch und realistisch, dass man das Gefühl hat, mit ihr durch den Suq zu laufen.
Der erste Teil des Buches hat mir somit sehr gut gefallen, und ich würde diesem Abschnitt ohne zu zögern fünf Sterne geben. Danach kommt leider eine einschneidende und für mich ungeliebte Wendung, denn die Autorin beschreibt in den folgenden drei Abschnitten ihre eigene religiöse und spirituelle Selbstfindung und driftet dadurch ins Sphären ab, die sich mir völlig verschließen, da ich selbst Atheistin bin und mich durch den starken religiösen Einschlag plötzlich nicht mehr mit der Autorin identifizieren konnte.
Mein Resümee:
Meiner Meinung nach handelt es sich bei 'Das Brot der Engel' um ein schönes und geeignetes Buch für diejenigen Leser, die sich selbst auf der religiösen/spirituellen Sinnsuche befinden. Für mich war es zu viel Gott, zu viel Maria und zu viel Gebet.














