BuchhändlerInnen im Portrait

aus Ingolstadt

Gesamte Rezensionen
23 (ansehen)
Über mich
kriege das hin.
Abteilung
Fachbuch/Kunst/Phantastik
Funktion
Warengruppenleitung
Lieblingsautoren
T. Bernhard, A. Moravia, E.A. Poe, E. Zola, H. Krausser, C. Dickens
An meinem Beruf gefällt mir
Die stete Veränderung in allen Dingen
Im Beruf seit
2004
Zu meiner Buchhandlung Zu den Top 100: BuchhändlerInnen

Meine Rezensionen

  • Bonita Avenue
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    Menschennetze
    Rezension vom 16.05.2013
    Die Handlung von "Bonita Avenue" - der Straßenname des Elternhauses und zugleich Kosmos der handelnden Familie Sigerius - ist nach 200 Seiten abgesteckt.
    In der Folge lebt dieser famose Roman vom Wechselspiel der Perspektiven und verschachtelter Vor- und Rückblenden, deren Geschehnisse sich bis zum fatalen Bruchpunkt massiv verdichten.
    Wie Peter Buwalda die Bedeutsamkeit scheinbar harmloser Details unterstreicht und seine handelnden Personen Schicht um Schicht aufblättert und immer weiter miteinander verwebt - das ist große Kunst. In diesem Debüt entlädt sich ein wahres Feuerwerk an Ideen. Nicht zuletzt deshalb hält es dem Vergleich mit renommierten Autoren des Genres stand.
  • Diablo III (3)
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    Auf die Dauer hilft nur Power
    Rezension vom 15.02.2013
    Warum es sich jetzt noch lohnt, eine Rezension zum schönsten Hack and Slay Spiel der letzten Jahre zu schreiben?
    Weil Blizzard so gut wie alle Mängel durch zahlreiche nachgeschobene Patches beseitigt und sich die Kritik und Anregungen der Spieler zu Herzen genommen hat.
    So dürfte das inzwischen weit besser ausbalancierte Spiel auch wieder denjenigen gefallen, die zu Beginn am überhöhten Schwierigkeitsgrad im Inferno Modus verzweifelt sind.
    Mit dem aktuellen Patch 1.07. wurden auch die Dropraten und die Möglichkeiten zum Erschaffen legendärer Gegenstände massiv erhöht und es steht dem süchtig machenden Spielspaß kaum noch etwas im Wege.
    Wer darüber hinaus Lust hat, seine wirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kann sich im angeschlossenen Auktionshaus austoben.
    Klare Kaufempfehlung für Menschen mit viel Freizeit.
  • Frühling der Barbaren
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    Aus alt mach neu
    Rezension vom 16.01.2013
    Eine klassische Novelle hat Jonas Lüscher hier verarbeitet, eine unerhörte Begebenheit mit steigendem Spannungspegel und tollem Finale.
    Dazu setzt er den kauzigen Vertreter Preising in fremdländischer Umgebung aus und lässt diesen ohne eigenes Zutun von einer abenteuerlichen Situation in die nächste schlittern.
    Preisings zugleich antiquierte wie komische Ausdrucks- und Denkweise ergeben ein köstliches Lesevergnügen, sozusagen Kenneth Cooks` düsterer Roman "In Furcht Erwachen" im Dur-Klang statt in Moll.
    Ein kurzweiliges, intellektuelles und humorvolles Lesevergnügen.
  • Mister Peanut
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    Ein echtes Ungeheuer
    Rezension vom 04.12.2012
    Dem Buch angemessen muss das Fazit an den Anfang:

    "Mr Peanut" von Adam Ross ist meines Erachtens der faszinierendste Roman der letzten Jahre.
    Man kann darin versinken, und wenn man nicht aufpasst, versenkt es sich im Leser.

    Drei wesentliche Handlungsstränge, die sich überlagernd um einen oder zwei - das muss der Leser selbst entscheiden - Mordfälle winden. Einer oder gar zwei der Handlungsstränge möglicherweise irreal, aber auch das entscheidet der Leser selbst.
    Hört sich bizarr an, liest sich aber flüssiger als Wasser.
    Die Struktur des Buches ist - ebenso wie bei Helmut Kraussers grandiosem Buch "Ultrachronos" - zugleich dessen herausragendstes Merkmal. Ein grandios gelungenes Experiment, das sich in den eigenen Schwanz beißt.
    Und als wäre diese ungeheuerliche Geistesleistung der Romankonstruktion nicht schon genug, wird der Leser mit einer psychologischen Figurentiefe beglückt, wie man sie sonst bei Klassikern wie A. Moravia, W. Maugham oder S. Zweig findet.
    Die Zuspitzung der Personenkonstellation, das Ausloten emotionaler Abgründe ist ohnegleichen und der grotesken äußeren Form des Textes ebenbürtig.
    Ein großes Buch von einem weisen Mann auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Und dabei handelt es sich - man höre und staune - um einen Debütroman!
  • Maschinenmann
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    Nichts ist unmöglich
    Rezension vom 05.09.2012
    Bücher von Max Barry sind Literatur im elementaren Sinne:
    Sie haben wenig mit der Realität zu tun; versuchen nicht extrem authentisch zu sein, haben weder biographische Züge noch bilden sie tiefgründig menschliche Gefühle ab: Nein, Max Barry will einfach nur Spaß haben und verbreiten. Klugen Spaß.
    Dabei geht es ihm vor allem um Tempo in der Handlung und komische Dialoge. Für das Gelingen dieser beiden Komponenten opfert Barry alles andere und trotzdem (oder deswegen) sind seine Bücher süchtigmachende Seitenwender, die vor Witz strotzen.
    Natürlich gibts auch im Maschinenmann eine offizielle Handlung, deren Kern interessante Gedankenspiele zulässt - aber eigentlich kommt es auf Barrys Art zu schreiben an; der Inhalt ist marginal.
    Deswegen haben wir hier: Ein lupenreines Urlaubsspaßbuch.
  • Endspiel
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    Faszination der Tragödie
    Rezension vom 23.06.2012
    Nicht mehr und nicht weniger als eine kurzweilige Lektüre ist diese Biographie des amerikanischen Schachweltmeisters Robert Fischer.
    Trotz einiger Widersprüche und Lücken zur Person und Motivation Fischers - ein konzentrierteres Lektorat hätte nicht geschadet - kann dieses Buch aufgrund seines interessanten Gegenstandes nicht scheitern.
    Der schrullige Ami Fischer, der die Amis hasst, die Russen, die Juden, die Nichtschachspieler sowieso, der sämtliche 181 Punkte seines IQ in die manische Entwicklung einer Schachgeisteskraft steckte, die seinesgleichen sucht und erstmals den Siegeszug sowjetischer Großmeister unterbrach.
    Fischers Werdegang ist gleichzeitig tragisch und faszinierend; ein wenig mehr Tiefgang und psychologische Deutung seiner Handlungen hätten dem Buch zwar gutgetan, aber dennoch kann man sich der Beschreibung von Fischers Auf- und Untergang nicht entziehen.
    Das ideale Buch für Schachfans und solche, die es werden wollen.
  • Der Postillon
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    Ich schaffs nicht...
    Rezension vom 18.04.2012
    Ein Kompendium schrägster fiktiver Zeitungsmeldungen, sorgfältig zusammengestellt aus dem Onlinesatiremagazin "Postillon" und nun auf echtem Papier lesbar.

    Auf derartige Ideen muss man erstmal kommen:
    "Stock abgebrochen: Mann walkt tagelang im Kreis", "Angelina Jolie denkt bei Sex an Brad Pitt" oder "Endlich beide Hände frei: U- Bahn Schläger loben Alkoholverbot im Hamburger Nahverkehr".

    Dies ist das lustigste Buch, welches jemals in einer Buchhandlung verkauft wurde - im Ernst.
  • Die Furcht des Weisen 02
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    Übergangslos
    Rezension vom 24.02.2012
    Insgesamt lässt auch Band 2 das Herz des verwöhnten Fantasy Lesers höher schlagen, obwohl die Übergänge zwischen Kvothes Erlebnissen etwas abgehackt und fast zu konstruiert wirken.
    So hat man es eigentlich mit einer Aneinanderreihung von Märchenepisoden zu tun und weniger mit einem komplexen Ganzen wie beispielsweise der Osten Ard Saga von Tad Williams.
    Die bildhafte, berauschende Sprache und die Klugheit des Autors machen die Geschichte erneut zu einem Genuss, dem man sich nicht verschließen kann.
    Besonderen Spaß macht die Entwicklung Kvothes, dessen umfangreiches Fertigkeitenspektrum nun um die Künste der erotischen Liebe, der Gebärdensprache, der waffenlosen Kampf- und der Schwertkunst erweitert werden, womit - in Anbetracht der Dinge, die er bereits in den vorhergehenden Bänden erlernt hat - nicht mehr viel übrig bleibt, was er NICHT kann. Daß der Held dem Leser trotz seiner nahezu übermenschlichen Fähigkeiten sympathisch ist, dürfte der autobiographischen Erzählweise des Buches zu geschuldet sein. Und eine Sache gibt es, der auch Kvothe noch immer nicht gewachsen ist.
    Am Ende fragt man sich, ob die Geschichte wirklich mit nur einem weiteren Band abgeschlossen werden kann, denn Kvothe läuft sich immernoch warm:)
  • Wenn das Schlachten vorbei ist
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    Wer sich nicht entscheiden kann...
    Rezension vom 04.02.2012
    Hätte ich den Autor nicht gekannt, hätte ich bei der Lektüre dieses Buches zunächst auf Stephen King getippt: Eine nette, nicht zu komplexe Handlung, flüssig zu lesen. Leichte Neigung zu handlungsirrelevanten Nebenschauplätzen und Details, die das Ganze stimmig abrunden. Eine unterschwellige Spannung wird aufgebaut, allerdings weniger intensiv als bei King. Die Motive der Handelnden werden vermittels Rückblendenbiographien ausgelotet, der Leser auf den großen, eskalierenden Figurenkonflikt vorbereitet, wie bei Franzen an einen dramatischen Knalleffekt beim endgültigen Zusammenstoß der handelnden Parteien - den es dann aber nicht wirklich gibt. Wenn das Buch aber weder Fisch noch Fleisch ist, weder ein konkretes Horrorszenario noch ein in die Tiefe gehendes Psychogramm, was ist es dann? Eigentlich nicht mehr und nicht weniger als ein solider, von subtiler Spannung geprägter und flüssig geschriebener Pageturner, der als Mainstreamtitel mit leicht gehobenem Niveau, einem bekannten Autorennamen und hohem Werbeaufwand sicherlich Bestsellerpotential besitzt.
  • Der letzte Zeuge
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    Einfach irre
    Rezension vom 28.01.2012
    Dieses Buch fasziniert vor allem dadurch, was der Autor NICHT erzählt.
    Misch laviert sich scheinbar locker vom Hocker durch den Krieg, indem er, fast ohne eigenes Zutun versteht sich, in unmittelbarer Nähe zur wohlwollenden Chefpersönlichkeit Hitlers changiert.
    Wie er da so auf den zahlreichen Fotos herumsteht oder auf der Wiese sich flätzend darniederlegt; wie er bis zum Kriegsende nicht ansatzweise einer lebensbedrohlichen Situation ausgesetzt war, obwohl er den Status des Führerleibwächters innehatte - das muss man erstmal schaffen.
    Beiläufig lässt er die ein oder andere Beförderung einfließen, ohne Gründe dafür zu nennen. Allein sein Credo "Niemals aufmucken" ist dann doch eine eher unbefriedigende Erklärung für seine Karriere.
    Niemals Fragen zu stellen mag angehen, niemals für sich Dinge zu hinterfragen wirkt dann aber doch nach einer äußerst drastischen Verleugnung der Realität. Wer wie Misch, als Hitlers Telefonist verantwortlich für die Weitergabe brisantester Informationen nichts von den Geschehnissen mitbekommen haben will, und dies auch nach jahrzehntelanger Reflektion noch immer leugnet und nicht den Hauch eines Zweifels verspürt haben will, kann für sich den Ausspruch "Einmal Nazi, immer Nazi" mit voller Punktzahl beanspruchen.
    Was Giordano geritten hat, den Autor noch zu unterstützen, wäre sicher eine tiefergehende Analyse wert.
    Warum das Buch trotzdem lesenswert ist:
    Weil es so ungemein grotesk ist, wie sich jemand dermaßen in die Tasche lügen kann. Und auf alle Fälle ein lohnenswerter Perspektivenwechsel in der Betrachtung des damaligen Geschehens.