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Meine Rezensionen

  • Jacob beschließt zu lieben
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    Jacob beschließt zu lieben
    Rezension vom 22.02.2011
    Lothringen, 1635. Ein junger Mann quittiert seinen Dienst als Söldner und kommt gewaltvoll zu Frau und Land. Viele Jahre vergehen. 1769 bricht der Ururenkel des Söldners auf ins Banat, einem Gebiet das heute im Drei-Länder-Eck Rumänien-Ungarn-Serbien liegt. Viele Generationen später ist da Jacob, der in einer schweren Zeit zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus aufwächst. Dies ist die Geschichte einer einflussreichen Familie. Dies ist die Geschichte von Jacob Obertin.

    „Jacob beschließt zu lieben“ ist ziemlich schwere Kost. Ich habe ungewöhnlich lange gebraucht, um das Buch zu lesen, denn es lag mir tatsächlich schwer im Magen. Stilistisch ist es sehr fließend und gut verständlich geschrieben. Es ist leicht zu lesen und führt einen gut durch die Erzählung. Auch geschichtlich scheint es gut recherchiert zu sein. Inhaltlich jedoch ist es trüb und düster. Es geht um Verrat und Gewalt, um Besitz um jeden Preis. Der Roman handelt von starken Männern, die ihren Weg gehen und sich nehmen, was sie wollen. Dabei erleben sie alle eher schlechte als gute Zeiten. Rückblickend kann ich mich an gute Zeiten gar nicht erinnern. Auch wenn Jacob zu Beginn der Geschichte eher schwächlich ist, so stammt auch er aus dieser Linie starker Männer.

    Mir kam es manchmal vor, als würde sich eine schwarze Wolke über dieses Buch legen. Noch dazu erlebte ich als Leser stellenweise tiefe Abscheu gegenüber den Akteuren, z.B. wenn der eigene Vater seinen Sohn verrät. Die politischen Beziehungen zwischen unterschiedlichen Ethnizitäten waren für mich zeitweise auch sehr schwer verdaulich. Weder der Dreißigjährige Krieg, noch der Nationalsozialismus oder daraus resultierende Deportationen haben für mich freudige Züge. Leider gibt es in dem Buch kaum weitere Handlungsstränge.

    Dass Jacob an irgendeiner Stelle wirklich beschloss zu lieben, ist mir jedenfalls nicht aufgefallen. Ich habe einen schönen Roman erwartet, der eine Familie durch Hochs und Tiefs führt. Bekommen habe ich eine dunkele Geschichte mit viel Leid und wenig Freude. Ich bin leider enttäuscht von dem Buch. Da es sich gut lesen ließ und meine interpretierte Dunkelheit vielleicht auch an meiner eigenen aktuellen Gefühlslage liegt, möchte ich dem Buch trotzdem drei Sterne geben.
  • Die Freundin meines Sohnes
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    Intrigen in der Kleinstadtidylle
    Rezension vom 22.02.2011
    Man stelle sich vor, man ist ein erfolgreicher Arzt in den besten Jahren. Das Studium hat man sich hart mit Hilfe von Stipendien erarbeiten müssen. Man hat ein schönes Haus in einer Vorstadt, gleich um die Ecke von den besten Freunden. Ebenso hat man eine tolle Frau, die nach großer Anstrengung endlich ein Kind zur Welt bringt: einen Sohn. Die Jahre vergehen und dieses Kind wächst heran – umgeben von allem, was es braucht und auch, was es nicht unbedingt braucht. Manche könnten sagen, das Kind sei zu verwöhnt, sogar verzogen. Aber man selbst glaubt an diesen Sohn, auch wenn er Probleme in der Schule hatte und das College schmeißt, um Künstler zu sein. Nun aber taucht die Tochter des besten Freundes wieder auf, die vor vielen Jahren angeklagt wurde, ihr Baby ermordet zu haben. Und ausgerechnet diese Frau freundet sich mit dem einzigen Sohn an. Was würden Sie tun?

    Lauren Grodstein schreibt einen Roman über einen Vater, der das Leben seines Sohnes bestimmen will – natürlich zu „seinem Besten“. Dabei verstrickt er sich ganz schnell in seine Ambitionen und bald stehen seine Ehe, seine Vater-Sohn-Beziehung, die Freundschaft zu seinen ältesten und besten Freunden und auch seine berufliche Karriere auf dem Spiel. Das Buch hat mich zutiefst bewegt. Ich als Leser war hin- und her gerissen zwischen den einzelnen Charakteren: Wem soll ich glauben? Wen soll ich bemitleiden? Wer ist im Recht? Da das Buch aus der Sicht des Vaters geschrieben ist, ergreift man tendenziell eher Partei für ihn. Jedoch kann ich nicht alle seine Taten gut heißen. Er steht ständig im Spannungsfeld schwieriger Beziehungsgeflechte und geht in den meisten Situationen suboptimal damit um.

    Interessant an dem Roman sind die vielen Zeitsprünge. Es bestehen Wechsel zwischen einer „Jetzt-Perspektive“ und diversen Rückblicken. Man erfährt somit, dass im Jetzt Probleme zu lösen sind, aber erst nach und nach durch die Rückblicke, wie diese entstanden sind. So bleibt der Roman bis zu den letzten Seiten packend. Obwohl es sich hierbei nicht um einen Krimi handelt, war die Handlung spannend und sehr flüssig erzählt.

    Obwohl es natürlich auch hierzulande Klatsch und Tratsch und jede Menge Intrigen gibt, sind doch einige Züge eher amerikanisch in meinen Augen, z. B. die ständige Thematisierung von Depressionen und Psychotherapien.

    Ich finde es sehr interessant, dass sich Lauren Grodstein an dieses Thema gewagt hat, das im weitesten Sinne wohl uns alle mal betrifft oder betroffen hat: die Schwiegermutter mag einen nicht, oder die eigenen Eltern wettern gegen den neuen Partner, der neue Freund der Tochter taugt nichts und die neue Freundin des Sohnes hatte wohl doch schon eine Männerbekanntschaft zuviel. Dabei spielt der Roman hier natürlich auf einem höheren Level als dem den meisten Menschen vertrauten. Trotzdem: eine sehr bewegende und mitreißende Geschichte!
  • Septemberblut
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    Die Magie des Vampirs
    Rezension vom 12.12.2010
    Die Magie des Vampirs hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Große Klasse!

    Inhalt
    Julius Lawhead ist ein 200 Jahre alter Vampir der „guten Sorte“. Er trinkt zwar Menschenblut, betäubt seine Opfer jedoch nur und lässt sie am Leben. Als der Vampirjäger Frederik Connan stirbt, wird es Julius’ Aufgabe, Frederiks machtvolles Messer zu finden und in Sicherheit zu bringen. Dieses geht in der Zwischenzeit an Frederiks Schwester, die schöne Amber, über, die nun neue Trägerin des geheimnisvollen Messers und somit Julius’ Ziel ist. Doch beide hätten wohl nicht gedacht, dass sie sich Hals über Kopf ineinander verlieben und beiden damit eine neue Welt eröffnet wird, die durch den aufkeimenden Kampf der Vampirclans gestört wird…

    Leseeindrücke
    Schon seit längerer Zeit sind Vampire nicht mehr das, was sie einmal waren: sie ernähren sich von Tierblut oder betäuben ihre menschlichen Opfer nur um zu trinken, sie haben menschliche Züge und lieben und hassen wie vor ihrer Verwandlung. Schluss mit den animalischen Blutsaugern. Rebekka Pax schafft es, dieser Gattung noch mehr Menschlichkeit und Emotionen einzuhauchen. Als Leser sympathisiert man regelrecht mit den fantastischen Wesen. Das Buch vereint dazu das aktuelle Interesse an Vampiren mit einer berührenden Geschichte von Liebe, Freundschaft und Loyalität. Dabei werden die einzelnen Personen so leidenschaftlich geschildert, dass ich das Gefühl hatte, mitten im Geschehen zu stehen. Dieses Buch hatte mich völlig im Bann und verzauberte mich mit seiner Magie – ebenso wie die Vampire mit Magie agieren. Nach zwei Tagen fast ununterbrochenem Lesen, denn das Buch konnte ich kaum zur Seite legen, bleibt bei mir Trauer über das nach 511 Seiten doch viel zu schnelle Ende und große Vorfreude auf eine weitere Geschichte rund um Julius Lawhead. Mir durstet es nun nach einem zweiten Teil.
    Besonders gut hat mir auch gefallen, dass Rebekka Pax es schafft, ununterbrochen Spannung aufrecht zu erhalten und dabei trotzdem keine Zeit verschwendet. Die Handlung ist ziemlich schnell und kommt direkt zur Sache. Das gefällt mir ausgesprochen gut.
    Sicher ist das Buch eher etwas für „Fans“ und nicht jedermanns Sache. Wer jedoch für Vampirgeschichten und Dark Romance eine Schwäche hat, der sollte dieses Buch auf keinen Fall auslassen!

    Fünf Sterne mit Plus! *****+
  • Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim
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    Auf dem Weg sich selbst zu finden
    Rezension vom 12.11.2010
    Maxwell Sim, neurotischer Endvierziger und notorisch einsam, wurde von Frau und Kind verlassen und lebt seitdem mit Depressionen. Seine Arbeit kann er nicht mehr verrichten, Freunde hat er keine, seine Mutter ist zeitig verstorben und seit Vater lebt am anderen Ende der Welt. Keine guten Aussichten für Max, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Eine Reise zu seinem Vater nach Australien soll ihm helfen, wieder Hoffnung zu schöpfen. Dies bleibt leider erfolglos. Doch dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen und die Geschichte nimmt rasant an Fahrt zu. Das Angebot, auf die Shetland-Inseln zu fahren und dort ökologische Zahnbürsten zu verkaufen, scheint ein Neuanfang. Doch die Reise ist für Max vielmehr Begegnung mit der Vergangenheit und Selbstfindung.

    Jonathan Coe gelingt es, Max trotz seiner vielen Fehler und Macken äußerst sympathisch darzustellen. Dabei schildert er eine sehr abwechselungsreiche Geschichte – ständig widerfährt Max etwas neues und nach und nach kann er die Schatten seiner Vergangenheit aufdecken. Max findet im Laufe des Buches zu sich selbst, kann sich Fehler eingestehen und in die Zukunft blicken. Die Torturen auf seinem Weg werden dabei so liebenswert beschrieben, dass ich ein warmes Mitgefühl für Max entwickelt habe. Das Buch ist für mich nicht nur einfach ein Roman, es ist auch ein Stück weit Lebenshilfe, nämlich der Appell, sich selbst zu mögen und herauszufinden, wer man ist und was man will. Während des Lesens habe ich mir nur vereinzelt wirklich Gedanken über Maxwell gemacht, doch nach den letzten Seiten – mit einem sehr unerwarteten Ende – habe ich wirklich über Max und die Botschaft des Buches nachgedacht.

    Das Buch ist eine schöne Lektüre für dunkle Herbsttage. Es ist für jede Stimmung eine gute Abwechselung. Wenn es einem gut geht, weiß man seine eigene Lage zu schätzen. Geht es einem schlecht, denkt man darüber nach, dass es da draußen immer Menschen gibt, denen es noch schlechter geht. Ein echter Allrounder und absolut empfehlenswert! Und… mal was ganz anderes als man sonst so in die Hände nimmt.
  • Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand
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    Etwas fürs Herz
    Rezension vom 24.10.2010
    Jack und Sarah sind Deutsche jüdischen Glaubens, die 1937 gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Elizabeth von Berlin nach England emigrieren. Bei der Einreise erhält Jack eine Broschüre zu Nützlichen Informationen und freundliche Anleitung für jeden Flüchtling. Fortan beschließt er, sich aufopferungsvoll dieser Liste zu widmen, um ein guter Engländer zu werden. Mit den Jahren korrigiert und verändert er diese. Nach dem erfolgreichen Aufbau einer Teppichfabrik in London beschließt Jack, dass ihm zum richtigen Engländer noch die Leidenschaft zum Golf spielen fehlt. Nur leider klappt die Aufnahme in einen renommierten Club nicht so ohne weiteres. Da trifft Jack die Entscheidung, im ländlichen Dorset seinen eigenen Golfplatz zu errichten. Doch dieses Unterfangen birgt so einige Tücken…

    Natasha Solomons „Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand“ ist ein wahrhaft herziges Buch. Mit einem wundervollen Einfühlungsvermögen erzählt sie die Geschichte von Jack, der mit aller Macht ein richtiger Engländer werden will. Dabei gelingt es ihr, die Facetten zwischen den Gefühlen des Dazugehörens und Andersseins hervor zu heben. Die Hoffnung auf ein besseres Leben nach den Erfahrungen in Deutschland treibt Jack an, seine Träume zu verfolgen. Im Gegensatz zu Jacks Optimismus ist seine Frau Sarah von tiefer Trauer über die im Nationalsozialismus verlorene Familie erfüllt. Beide Charaktere ergänzen sich sehr gut und obwohl sie so unterschiedlich sind, spinnt Solomon eine feine Linie der Liebe zwischen beiden.

    Das Buch handelt von tiefen Gefühlen, dem Zusammenhalt von Freunden und Familie. Der Leser begleitet Jack und Sarah in guten wie in schlechten Zeiten. Dabei illustrieren blumige Erzählungen die Geschichte umso besser.

    Das Buch brachte mich zum Weinen und zum Lachen. Es rief die unterschiedlichsten Gefühle hervor und ließ mich oft über den Stellenwert von menschlichen Beziehungen nachdenken. An manchen Stellen wurde es ein wenig langatmig – das hat der schönen Geschichte jedoch nicht geschadet.

    Da das Buch auch optisch sehr schön gestaltet ist, ist es sowohl inhaltlich als auch äußerlich ein sehr tolles Geschenk für Leser, die nicht immer nur Spannung brauchen, sondern auch mal was fürs Herz.
  • Goldstein
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    Ein Kriminalfall in den 1930ern
    Rezension vom 24.10.2010
    Berlin, 1931. Kommissar Rath hat den Auftrag erhalten, einen amerikanischen Gangster in Berlin zu observieren. Währenddessen stirbt ein Jugendlicher bei einem Einbruch ins KaDeWe. Fast gleichzeitig verschwinden zwei Unterweltgrößen. Das ist der Stoff für Volker Kutschers neuesten Krimi „Goldstein“. 574 Seiten Spannung und detaillierte, aber keineswegs ausschweifende Beschreibungen sorgen für einen angenehmen Lesespaß.

    Die Geschichte ist eingebettet in die politische Situation zwischen Wirtschaftskrise und Beginn des Nationalsozialismus. Dadurch erhält die Handlung in den 1930er Jahren immer wieder einen besonderen Reiz. Allerdings habe ich mich an manchen Stellen doch gefragt, ob die besonders technische Entwicklung tatsächlich schon so weit vorangeschritten war wie im Buch beschrieben. Dies ist aber sicher ein sehr persönlicher Eindruck.

    Die verstrickten Handlungsstränge, die abwechselnd in den Kapiteln erzählt werden, erschweren gerade zu Beginn des Buchs, Zusammenhänge zu erkennen. Der Leser wird immer wieder herausgefordert, über verschiedene Personen nachzudenken und neu in die Handlungserzählung einzutauchen. Andererseits macht dies diesen Krimi aus: Es werden immer wieder Brocken in die Erzählung geworfen und man denkt man könne nun das Rätsel lösen und die Zusammenhänge erschließen. Dem ist jedoch nicht so. So bleibt die Geschichte bis zu den letzten Seiten spannend – und dann kommt doch wieder alles ganz anders als man denkt. Ein dickes Plus des Buches!

    Besonders spannend ist dabei auch, dass alle Personen im Buch gar nicht so gut oder böse sind wie es scheint. Volker Kutscher gelingt es sehr gut, die verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeiten nach und nach herauszustellen.

    Besonders auf den letzten 100 Seiten spitzt sich die Handlung mit rasanter Geschwindigkeit zu und man kann das Buch eigentlich gar nicht mehr zur Seite legen.

    Für mich persönlich war das Buch besonders reizvoll, da ich als Berlinerin die beschriebenen Ecken ganz gut kenne und mich in die Erzählung gut vertiefen konnte.

    Alles in allem gelingt Volker Kutscher mit diesem Buch ein eindrucksvoller, bis zum Schluss spannender Krimi, der in einer Zeit voller politischer Unruhen und Umbrüche spielt. Großes Lob.