Rezensent im Portrait

Eine Kundin / Ein Kunde aus Bernburg (Saale)

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Meine Rezensionen

  • Angsthauch
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    Der Besuch der Freundin
    Rezension vom 16.01.2012
    Der Besuch der Freundin





    Rose lebt mit ihrem Mann Gareth und den beiden Töchtern in einem Cottage auf dem Land. Dort erreicht sie eines Tages der Anruf ihrer alten Freundin Polly. Diese wohnt mit ihrem griechischen Mann und den beiden Söhnen auf der Insel Karpathos. Pollys Mann Christos ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nun hält sie nichts mehr in Griechenland, sie möchte zurück nach England. Rose überlegt nicht lange, sie lädt Polly und ihre Söhne zu sich nach Hause ein. Gareth hat allerdings ein ungutes Gefühl. Er war mit Christos befreundet, mochte Polly aber noch nie.
    Kaum ist Polly im Cottage eingezogen, kommt es zu Unstimmigkeiten. Zuerst geht es um Kleinigkeiten, die Rose an ihrer Freundin unangenehm auffallen. So vernachlässigt diese ihre Söhne, genauso wie sich selbst. Dann kommt es zu mysteriösen Unfällen. Hat die tablettenabhängige Polly Roses Baby vergiftet?
    So langsam kommen Rose immer mehr Zweifel an der Freundin.
    Rose selbst verbirgt aber auch ein Geheimnis, das nur Polly kennt. Inzwischen hat sich Gareths Mißtrauen zu Polly auf eigentümliche Weise gewandelt.
    Rose wird immer verzweifelter und hilfloser, zieht sich immer mehr zurück. Nur wenige Menschen glauben ihr, darunter ihre Hausärztin und ein guter Freund.
    In ihrer Verzweiflung begeht Rose eine folgenschwere Tat. Wird sie jemals vor Polly Ruhe finden?


    Der Roman läuft ruhig an, wir erfahren viel über die Lebensumstände Roses und ihrer Familie sowie aus deren Vergangenheit. Dennoch gewinne ich den Eindruck, dass diese Idylle, das beschaulich Leben, das Roses Familie führt, bald zu Ende sein wird. Dies verstärkt sich mit fortschreitender Lektüre immer mehr. Bereits als Polly in England eintrifft, stellt sich die Frage, was für ein Mensch sie ist, da sie sich nicht um das weinende Baby ihrer Freundin Rose kümmert.
    Schon bald stellt sich heraus, dass Polly einen ganz bestimmten Plan verfolgt und langsam in die Tat umsetzt, der nichts Gutes verheißt. Es gelingt Julia Crouch sehr gut, den Leser zunächst langsam, dann mit Steigerungen, darauf vorzubereiten und heranzuführen.
    Für Rose kommt es immer schlimmer. Nicht nur, dass ihre vermeintlich beste Freundin ihr Haus in eine Müllkippe verwandelt, sie stellt nach und nach fest, dass Polly in Wahrheit ihre Feindin ist. Als sie es erkennt, ist es schon zu spät.
    Ein einsames Cottage auf dem Land, eine Besucherin, die immer unheimlicher wird, das ist der Stoff, aus dem spannende Thriller geschrieben werden. Die Autorin hat einen solchen, psychologisch raffinierten Thriller geschrieben.
    Das Buch liest sich flüssig, die Spannung steigt stetig noch etwas mehr an. Die Charaktere der Protagonisten, die Kontraste, die sie bilden, sind perfekt herausgearbeitet. Rose und ihre Jugendfreundin Polly, die immer mehr zu ihrer Gegenspielerin wird. War sie überfhaupt jemals eine richtige Freundin?
    Dennoch kann ich einzelne Reaktionen der Hauptprotagonistin, Rose, nicht nachvollziehen. Sie kann nicht nein sagen. Als auch ihr Mann Polly noch wegschicken will, zögert sie viel zu lange. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
    Auch das Ende des Buches verheißt für Rose, die ein neues Leben begonnen hat, dass der Alptraum noch nicht zu Ende ist.
  • Der Augenjäger
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    Abgründe der menschlichen Seele
    Rezension vom 12.10.2011





    Inhalt des Buches:





    Wir begegnen Johanna Strom, die sich in einer psychiatrischen Anstalt befindet. Johanna ist depressiv und alkoholabhängig, zudem ist ihre Tochter Nicola spurlos verschwunden. Johanna sitzt auf einer Bank im Park der Anstalt, als sich ein älterer Mann zu ihr gesellt. Sie erfährt, dass er kein Patient, sondern ein Besucher ist. Er zeigt Johanna ein Bild, das offensichtlich ihre Tochter zeigt. Es muss grausam sein, die Frau bricht zusammen.

    Alexander Zorbach ist auf der Suche nach seinem Sohn Julian, der von Frank Lahmann, dem Augensammler, entführt wurde. Da erhält er einen Anruf von Lahmann, Julian lebt noch. Um das Leben seines Sohnes zu retten, bleibt ihm nicht viel Zeit. Nach dem Willen des Augensammlers soll der Vater einen hohen Preis für die Rettung Julians zahlen, sein eigenes Leben.

    Das Team um den Berliner Kommissar Stoya hat noch nicht den Augensammler gefasst, da werden sie mit einem neuen Fall konfrontiert. Der Augenarzt Dr. Zarin Suker zählt zu den besten Spezialisten seines Faches. Er ist aber ein Psychopath, der Frauen entführt. In der Nacht entfernt er ihnen in einem Versteck die Augenlider und vergewaltigt sie. Danach lässt er seine Opfer frei, die später Selbstmord begehen. Nur eine Frau überlebt, schweigt aber.

    Aus Mangel an Beweisen kann Stoya den Augenarzt nicht länger in Haft lassen. Der Kommissar hat nur noch einen Trumpf im Ärmel, die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev. Diese war im Fall des Augensammlers als Medium involviert.

    Nun soll Alina Hinweise auf Sukers nächstes Opfer finden. Nur zögernd lässt sie sich darauf ein. Alina hat zwar eine Vision, aber sie soll sich täuschen. Dr. Suker erlangt seine Freiheit wieder und kommt Alina gefährlich nah. Für die junge, blinde Frau beginnt der Alptraum ihres Lebens und nicht nur für sie.



    Meine Meinung:





    Den Einstieg in das Geschehen bildet eine Warnung des Autors an seine Leser. Eine ungewöhnliche Idee, die das Interesse an dem Buch erst recht weckt. Außerdem hält Sebstian Fitzek eine weitere, kleine Überraschung für seine Leser bereit.

    Diese befinden sich sofort mitten im Geschehen. Der Autor legt ein rasantes Tempo vor, entführt uns an verschiedene Schauplätze.

    Eine Achterbahnfahrt ist nichts gegen das Wechselbad der Gefühle beim Lesen dieses Buches. Die Ereignisse überschlagen sich, der weitere Verlauf ist nicht vorhersehbar. Man kann zwar Vermutungen anstellen, diese laufen aber ins Leere. Nichts ist so, wie es scheint.

    Das Buch ist in kurze Kapitel untergliedert, in denen die Protagonisten die Ereignisse aus ihrer Sicht schildern.

    Wenn man denkt, dass die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat, spannt der Autor den Bogen noch weiter.

    Die Charaktere der Handelnden sind treffend herausgestellt. Besonders gut kann ich mich in die blinde Alina, die dennoch nicht hilflos ist, hineinversetzen.

    Die teuflische Wandlungsfähigkeit des Augenarztes erfüllt mich mit Erschrecken.

    Ich habe das Buch in wenigen Tagen gelesen, jede Seite weckte Spannung auf die nächste.

    Sebastian Fitzek hat mit diesem Buch einen Thriller geschaffen, der unter die Haut geht.
  • Im Land des Korallenbaums
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    Beschwerliche Reise in eine neue Welt
    Rezension vom 29.09.2011


    Inhalt:

    Im April 1863 befindet sich die 23-jährige Anna Weinbrenner an Bord eines Auswandererschiffes mit Kurs auf Argentinien. Anna reist allein, ihre Familie befindet sich schon in der neuen Heimat. Auf dem engen Zwischendeck kommt es immer wieder zu Streit, Diebstahl und eines Tages wird Anna sogar Zeugin eines Mordes.
    Die Reise gestaltet sich für die junge Frau dennoch kurzweilig.Sie lernt Viktoria Santos und Julius Meyer kennen.Obwohl die drei jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft sind, verstehen sie sich gut.Es dauert nicht lange und Julius verliebt sich in Anna. Sie gibt ihm jedoch keine Chance.
    Angelangt in der neuen Welt, ist nichts so, wie Anna es sich erträumt hat. Sie findet ihre Familie in einem der vielen Armutsviertel von Buenos Aires wieder.
    Ihr Mann, Kaleb, stirbt bald nach ihrer Ankunft.Einzig ihren Brüdern, Eduard und Gustav, geht es materiell gut. Sie verdienen ihr Geld aber nicht durch ehrliche Arbeit.
    Anna gibt nicht auf, arbeitet hart und hält dadurch die Familie über Wasser.Sie bekommt ein Kind von Kaleb, Marlena.
    Auch eine andere Frau findet in der neuen Heimat nicht das erwartete Glück, Viktoria.
    Ihr Ehemann Humberto erweist sich als Schwächling und von ihrer Schwiegermutter, Dona Ofelia, wird sie gehasst.Viktoria bekommt eine Tochter, Estella. Ansonsten führt sie ein trostloses Leben, bis sie den Halbindianer Pedro kennenlernt.Diese Beziehung bleibt nicht ohne Folgen.
    Währenddessen ist es Julius besser ergangen. Er hat eine Anstellung und Zugang in beste Gesellschaftskreise gefunden.
    Dona Ofelia will sich an ihrer Schwiegertochter rächen und ersinnt einen teuflischen Plan. Dadurch geraten sowohl Annas als auch Viktorias Tochter in große Gefahr.

    Meine Meinung:

    Sofia Caspari hat ihren Roman in Argentinien um 1860 angesiedelt. Eine Zeit, in der die
    Einwandererströme aus Europa ihren Höhepunkt erreichten. Das Schicksal europäischer Einwanderer am Beispiel der Hauptprotagonisten Anna, Viktoria und Julius prägt im Wesentlichen den Inhalt des Buches.
    Die Erzählung besticht durch detaillierte, lebendige Schilderungen. Ich kann mir die Strapazen der langen Seereise gut vorstellen und mich in die Erwartungen, Sehnsüchte und auch erlebten Enttäuschungen der Hauptfiguren hineinversetzen. Die Autorin hat viel Mühe darauf verwendet, deren Charaktere perfekt herauszuarbeiten. Das ist ihr auch gut gelungen. Man kann die jeweiligen Personen ins Herz schließen, wie Anna und Pedro. Man kann sie aber auch verachten, wie Dona Ofelia und Gustav.
    Die Geschichte Argentiniens hat ebenfalls Eingang in die Erzählung gefunden, was mir sehr gefallen hat.
    Sofia Caspari hat die gesellschaftlichen Unterschiede dieser Zeit dargestellt.Am Beispiel Humbertos, seines Vaters und dessen Freunden wird der wachsende Einfluss der Großgrundbesitzer deutlich. In diese Zeit fällt auch der Vernichtungskrieg gegen die Indianer der Pampa.
    Ganz ohne Klischees kommt die Autorin jedoch nicht aus. Julius, der Sohn aus gutem Haus verliebt sich in eine Frau aus der einfachen Bevölkerungsschicht. Es mag aber sein, dass solche Unterschiede durch die Bedingungen und Einflüsse der neuen Heimat in den Hintergrund gerieten.
    Das Buch ist flüssig geschrieben und angenehm zu lesen. Eine Lektüre, die man so schnell nicht aus der Hand legen kann. Das ansprechend gestaltete Cover stimmt perfekt auf das Buch ein.
    Farbenfroh, facettenreich,eine wunderbare Erzählung.
  • Martha im Gepäck
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    Mit Tante Martha in den schottischen Highlands
    Rezension vom 27.08.2011



    Gerade hat Karen die letzten Vorbereitungen getroffen, um mit ihrer Familie in den verdienten Urlaub nach Schottland aufzubrechen, da fällt ihr Tante Martha ein. Von Martha muss sie sich unbedingt noch verabschieden, ist sie doch die Erbtante. In deren Wohnung angelangt, traut Karen ihren Augen nicht. Tante Martha erwartet sie abfahrbereit im Schottenrock nebst Koffer und Schirm. Die Tante lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die Familie in den Urlaub begleiten wird.

    Die Thiemes, neben Karen gehören noch Ehemann Bernd und die Kinder Mark und Teresa dazu, sind davon wenig begeistert und können die Fahrt anfangs nicht recht genießen. Vor allem Karen grübelt, was alles auf sie zukommen wird. Als Tante Martha dann verlauten lässt, dass sie bereits in Schottland war und dort etwas zu erledigen hat, werden alle hellhörig. Eines ist der Familie schnell klar, mit Martha werden sie noch manche Überraschung erleben.

    Entgegen der Vorstellung ihrer Verwandten ist die alte Dame ganz und gar nicht senil. Sie verfügt über ungeahnte Fähigkeiten. Nicht nur, dass sie Whisky trinkt, die englische Sprache beherrscht, sich auf den schottischen Straßen besser auskennt als der Familienvater und einen Trucker unter den Tisch pokert. Sie mischt die gesamte Familie tüchtig auf. Sogar die Kids steckt Martha mit ihrem Elan an und sie berät Karen in Mode- und Ehefragen. Martha möchte so schnell wie möglich nach Schottland gelangen, an einen Ort namens Glan Manor. Dort angekommen, erwartet die Familie eine Überraschung, die deren Leben von Grund auf verändern wird.



    Mit diesem Buch ist Ulrike Herwig ein humorvoller, unterhaltsamer Roman gelungen. Infolge des lockeren, flüssigen Schreibstils lässt sich das Buch angenehm und schnell lesen.

    Die Autorin hat viel Mühe darauf verwendet, die Charaktere ihrer Protagonisten detailliert zu beschreiben. Dabei nimmt die Figur Marthas eine zentralen Platz ein. Tante Martha ist liebenswert, eigenwillig, manchmal etwas quengelig. Sie weiß, was sie will und bekommt es auch.

    Von allen Protagonisten ist mir eigentlich nur Tante Martha richtig sympathisch. Karen und Bernd werden so dargestellt, wie sie sind, kleinkariert und spießig. Bernd klammert sich an seinem Reiseführer fest und ist enttäuscht wie ein Kind, wenn die Realität anders aussieht. Karen träumt von ihrem viel jüngeren Kollegen.

    Die Autorin hat ein aktuelles Thema aufgegriffen, das Älterwerden. Am Beispiel Marthas und ihrer Angehörigen wird deutlich, wie die Gesellschaft auf alte Menschen reagiert.

    Die alte, kinderlose Dame hat das Engagement ihrer Familie nur einem Umstand zu verdanken, der Aussicht auf ihr Geld.

    Das kommt in der Erzählung immer wieder deutlich zum Ausdruck. Ohne das Erbe der Großtante wäre der Traum vom eigenen Haus ausgeträumt. Also nimmt man die Tante wohl oder übel mit in den Urlaub. Wie würde das wohl ohne das in Aussicht gestellte Erbe aussehen?

    Am Rande erfährt der Leser vieles zur Geschichte Schottlands und gewinnt Einblick in die rauhe, aber schöne Landschaft.

    Das ansprechend gestaltete Cover vermittelt Lust auf Urlaub. Eine nette Idee bildet das beigefügte Lesezeichen in Form eines Kofferanhängers. Auch hier findet sich die Abbildung der witzigen Möwe mit den gelben Gummistiefeln in Kleinformat wieder.

  • Stirb
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    Stirb
    Rezension vom 03.08.2011

    Berlin, im April 2005. Ein unbekannter Mann bringt eine Frau in seine Gewalt, die er zuvor verfolgt und beobachtet hat. Er wird die Frau töten.
    Zwei Monate später begegnen wir Lara Simons in ihrem neu eröffneten Berliner Cafe. Wir lernen ihren Exmann Raffael sowie ihren besten Freund Torben kennen. Auch Lara wird von einem Unbekannten beobachtet, der sie wenig später entführt und mit einem Messer bedroht. Im letzten Moment gelingt es Lara zu fliehen. Für die Polizei ist schnell klar, dass Lara einem Serienmörder entkommen ist, der seine weiblichen Opfer brutal quält und mit einem Tranchiermesser tötet. Der Täter verwüstet Laras Cafe und lauert ihr in ihrer Wohnung auf. Noch einmal kann Lara gerettet werden, um einen hohen Preis.
    Da auch das Leben ihrer kleinen Tochter Emma gefährdet ist, folgt Lara dem Rat der Polizei und begibt sich in ein Zeugenschutzprogramm.
    Sechs Jahre später lebt sie auf der Insel Rügen unter einem anderen Namen und hat einen neuen Partner gefunden. Da ereignen sich plötzlich seltsame Dinge und wenig später gibt es auf der beschaulichen Insel eine Tote. Hat der Mörder Laras Spur gefunden? Kommissarin Sylvia Hausmann und ihr Kollege Magnus Kern, die den Fall in Berlin bearbeitet haben, begeben sich auf die Insel.
    Bald ist der Mord aufgeklärt, alles scheint für Lara in Ordnung zu sein. Da wird plötzlich Laras Tochter entführt und auch sie gerät auf der Suche nach Emma in Gefahr.
    Wieder gibt es einen Verdächtigen, der Killer scheint gefasst zu sein. Doch ist Lara wirklich außer Gefahr?


    Bereits der Einstieg in das Geschehen ist rasant, Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite garantiert. Das Buch ist in verschiedene Handlungsstränge aufgeteilt. So kommt auch der Täter zu Wort und schildert die Ereignisse aus seiner Sicht, begleitet von Rückblicken in seine Vergangenheit.
    Durch die kurzen Überschriften, die Orte und Tage umfassen, werden die Handlungen übersichtlich und gut nachvollziehbar.
    Hanna Winter baut geschickt verschiedene Verdachtsmomente auf, es kommt zu überraschenden Wendungen. Für mich war aber sofort klar, dass der Verdächtige nicht der Mörder sein kann und Lara sich erst recht in Gefahr befindet.
    Die Autorin hat sich bemüht, die Charaktere ihrer Protagonisten herauszuarbeiten. Besondere Sympathie kann ich, Lara und ihre Tochter ausgenommen, jedoch für keinen empfinden.
    Der Schreibstil ist flüssig und das Buch leicht und schnell zu lesen. Auch eine kurze Beschreibung der Landschaft Rügens fand Eingang in die Handlung.
    Das erwähnte Zeugenschutzprogramm hat mich nachdenklich gestimmt. Es muss schlimm für den Betroffenen sein, mit dem bisherigen Leben abzuschließen und eine völlig neue Idendität anzunehmen. Ganz zu schweigen von der Frage, ob dadurch wirklich absolute Sicherheit garantiert ist.
    Was mich an dem Buch gestört hat, sind die detailliert brutal beschriebenen Morde, wie auch überhaupt die Gewalt gegen Frauen.
    Ansonsten ist dieser Thriller für jeden, der Spannung liebt, zu empfehlen.
  • Ein Strandkorb für Oma
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    Lesenswert
    Rezension vom 06.07.2011




    Die Inselbewohner Maria und Sönke erwarten auf dem Hamburger Flughafen ihre Cousine Jade. Beide staunen nicht schlecht, als ihnen statt des erwarteten Kindes ein 15-jähriges Grufti-Girl entgegen tritt. Zu allem Überfluss trinkt Jade auch noch Bier.
    Auf Föhr angelangt, scheint Oma vom Aussehen des jungen Mädchens nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Sie lässt sich sogar zu einem Picknick auf dem Inselfriedhof überreden.

    Die Inselidylle wird in der Folge von einigen Ereignissen überschattet. Mit Oma Imke stimmt etwas nicht, sie wird immer vergesslicher.
    Dann wird aus dem kleinen Inselmuseum ein Gemälde gestohlen. Marias Exfreund Tobias vom BKA wird auf die Insel geschickt, um an der Aufklärung mitzuwirken.
    Haben Oma und Jade etwas mit dem Fall zu tun?
    Als ob Maria und Sönke nicht schon genug Sorgen hätten, immerhin soll Polizistin Maria von der Insel aufs Festland versetzt werden. Zu allem Überfluss muss sich der selbstständige Evantmanager Sönke endlich etwas einfallen lassen, um weiter über die Runden zu kommen.
    Aber zum Schluss löst sich alles in Wohlgefallen auf, Ende gut - alles gut.

    Eine amüsante Erzählung, deren Kulisse die Nordseeinsel Föhr bildet.
    Janne Mommsen hat einen lockeren Schreibstil gewählt, der Leser findet sich mühelos in das Geschehen ein.
    Das Buch ist in viele kleine Kapitel untergliedert, die sich leicht und schnell lesen lassen.
    Liebenswürdige und schrille Charaktere wie Oma und Jade bilden einen abwechslungsreichen Kontrast.
    Der Autor hat viel Mühe darauf verwendet, die Charaktere seiner Protagonisten
    liebevoll und lebendig zu zeichnen. Die Handelnden sind bis auf den arroganten Tobias sympathisch.
    Aufregende Wendungen bringt das Buch trotz des Kriminalfalls nicht.
    Einzelne Szenen haben mich zum Schmunzeln angeregt, aber auch nachdenklich gestimmt.
    Das Ende des Buches ist etwas an den Haaren herbeigezogen.
    Insgesamt handelt es sich um eine Urlaubslektüre für zwischendurch, die zum Abschalten einlädt.
    Das ansprechend gestaltete Cover vermittelt zusätzlich Urlaubsidylle.
  • Bauernfänger
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    Geht so
    Rezension vom 04.07.2011




    Der Journalist Robert Walcher lebt in einem kleinen Ort im schönen Allgäu. Ein beschauliches Leben auf dem Land ist das, wie so oft erledigt er Einkäufe im Gemischtwarenladen der Frau Zehner. Die neuesten Informationen gibt es dort gratis dazu.
    Wieder zu Hause angelangt, kann er die idyllische Alpenkulisse von seinem liebevoll ausgebauten Bauernhaus aus nicht mehr recht genießen. Aus dem Keller dringt Verwesungsgestank und Walcher ahnt Schlimmes. Er ruft seinen Nachbarn Josef hinzu und beide finden ein totes, verstümmeltes Schwein.
    Wenige Tage zuvor hat sich der Journalist an den Bodensee begeben, um seinem Hobby, der Fotografie alter Häuser, nachzugehen. Dort entdeckt er in einer Villa eine männliche Leiche. Daneben findet er einen Ordner mit Unterlagen, dessen Inhalt er mitnimmt. Es handelt sich dabei um ein fragwürdiges Unternehmen, welches mit finanziellen Transaktionen in schwindelerregender Höhe befasst ist und Company heißt.
    Wir lernen Walchers Freundin Lisa kennnen, die mit Tochter Irmi auf einen nahe gelegenen Gehöft lebt.
    Der Journalist trifft einen der Gründer der Company und wird von diesem mit wichtigen Dokumenten betraut. Darauf haben es auch andere abgesehen. Walcher wird immer weiter und tiefer in den Sog der Company hineingezogen. Auch seine Freundin Lisa gerät in Gefahr.

    Joachim Rangnick versteht es meisterhaft, die schöne Landschaft des Allgäu zu beschreiben. Dort ist das Leben noch in Ordnung. Idylle pur, im Dorfladen wird geratscht, ich kann mir einzelne Szenen lebhaft vorstellen. Schmunzeln musste ich über Kater Bärendreck.
    Das Buch ist in mehrere, zumeist kurze Kapitel unterteilt, der Schreibstil ist flüssig. Der Autor hat es verstanden, seine Protagonisten lebendig darzustellen und auf deren Charaktere einzugehen.
    Die Schauplätze der Handlungen sind detailliert aufgezeichnet.
    Einige Schilderungen sind nicht glaubwürdig und nur schwer nachvollziehbar. Es beginnt damit, dass Walcher in der alten Villa einen Toten findet und nicht die Polizei informiert. Stattdessen nimmt er einen Ordner an sich, was im Grunde genommen Entwendung fremden Eigentums darstellt.
    Dann übergibt ein Gründer der Company einem unbekannten Journalisten äußerst wichtige Unterlagen.
    Die Company selbst, aus einem kleinen Lotto-Unternehmen entstanden, umfasst wie ein riesiger Krake fast alle Wirtschaftbereiche in der Welt.
    Nicht zuletzt ermittelt Walcher selbst weiter, obwohl ihm klar sein muss, dass er und seine Freundin Lisa sich in höchster Gefahr befinden. Er nimmt das billigend in Kauf und zahlt dafür einen hohen Preis.
    Der Autor hat seiner Phantasie für meinen Geschmack zu großen Raum eingeräumt.
  • Rauhnacht. Kommissar Kluftinger 05
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    Lesenswert
    Rezension vom 19.05.2011

    Kommissar Kluftinger möchte mit Frau Erika und dem befreundeten Ehepaar Langhammer ein erholsames Wochenende in einem Allgäuer Berghotel verbringen. Die Besitzerin und ehemalige Olympiasiegerin Julia König hat sich zur Neueröffnung des Hotels einiges einfallen lassen. Den Höhepunkt soll eine Unterhaltung der ganz besonderen Art bilden, ein Live-Kriminalspiel. Die Gäste sind Akteure und jedem Gast kommt eine bestimmte Rolle zu. Unerwartet wird aus dem Spiel Ernst, der Bankangestellte Carlo Weiß wird tot in seinem von innen verschlossenen Hotelzimmer aufgefunden. Über Nacht setzt ein Schneesturm ein und es besteht Lawinengefahr. Somit gelangt niemand aus dem Hotel und es ist keine Hilfe von außen zu erwarten. Telefone, Handys und auch der Computer funktionieren nicht mehr. Kluftinger ist ganz auf sich allein gestellt und er weiß eines mit Gewissheit, der Mörder befindet sich im Hotel. Der Kommissar beginnt zu ermitteln und erhält Hilfe von dem Arzt Dr. Langhammer. Schnell wird klar, dass die meisten Gäste nicht nur in einer Verbindung zu dem Toten stehen, sie haben auch ein Mordmotiv. Erst allmählich kommt Kluftinger einem wahrhaft mörderischen Plan auf den Grund.

    Kluftingers fünfter Fall ist das erste Buch, das ich von dem Autorenduo Klüpfel/Kobr gelesen habe und es wird bestimmt nicht das letzte sein.
    Der Schreibstil ist flüssig, locker, mit einer Prise trockenem Humor gewürzt. Das Buch ist in viele Kapitel mit kurzen, treffenden Kapiteln untergliedert. Das hat mir gut gefallen.
    Es gibt viele komische Szenen, in denen der Hauptprotagonist Kluftinger zugleich Hauptakteur ist. Ich denke da an das Frühstücksbüfett. Da lädt sich Klufti mehrere Teller zum Bersten voll. Weil er nicht alles transportieren kann, höhlt er einfach Brötchen aus und füllt Marmelade hinein.
    Amüsant sind auch seine Duelle mit Dr. Langhammer. Einerseits würde er gern auf den Arzt, der sich mit Hilfe eines Detektiv-Spielzeugkastens als Detektiv aufspielt, verzichten. Andererseite braucht er in aber, eine Art ständig wechselnde Konkurrenz.
    Lange tappt der Kommissar im Dunkeln, bis er schließlich mit Hilfe seines Kollegen Maier den Fall lösen kann.
    Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt, die Spannung kam nicht zu kurz. Auch wenn einige Episoden doch ein wenig langatmig waren.
  • Curia
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    Curia
    Rezension vom 15.05.2011
    Kardinal Vanko St. Pierre übergibt einem Vertrauten einen Umschlag mit wichtigen Papieren. Sollte ihm etwas zustoßen, sollen diese Papiere an einen Notar in Rom weitergeleitet werden. Der Kardinal hat Zugang zum Geheimarchiv des Vatikans und offensichtlich eine wichtige Entdeckung gemacht. Diese muss so brisant sein, dass er um sein Leben fürchtet. Nicht zu unrecht, wie sich wenig später herausstellt. Kurz nach einer Unterredung mit einem engen Vertrauten des Papstes stirbt der Kardinal bei einem Verkehrsunfall.Wir erfahren, dass die Entdeckung Vankos weit zurück in die Vergangenheit reicht, ins alte Ägypten, zur Regierungszeit Pharao Echnatons. Sollten die gefundenen Schriftstücke Bekanntheit erlangen, wird die Glaubwürdigkeit der Bibel in Frage gestellt.

    Der Bruder des Kardinals, Theo St. Pierre, ist Ägyptologe. Als er vom Tod Vankos erfährt, begibt er sich sofort nach Italien. Nachdem Theo Einsicht in die beim Notar hinterlegten Dokumente nehmen konnte, hat er Zweifel daran, dass es sich beim Tod seines Bruders um einen Unfall handelt. Er beschließt, sich Helfer zu suchen und der Sache nachzugehen.

    Das Buch konnte leider nicht halten, was die Leseprobe versprochen hat. Es war der Versuch des Autors, die Themen Vatikan, Historie und Geheimgesellschaften auf spannende Art zu verknüpfen. Was ihm auch stellenweise durchaus gelungen ist.
    Der Roman umfasst zu viele Handlungsstränge und zu viele Personen. Der Leser wird gnadenlos damit bombardiert und ich konnte anfangs kaum Freund von Feind unterscheiden.
    Das Lesen des Buches erfordert viel Zeit und Konzentration, was an sich nicht negativ ist.
    Hier wird der Leser allerdings mit zu vielen Fakten aus Geschichte, Religion, Politik, Physik und Chemie konfrontiert. Dadurch wirkt etliches verwirrend, z.B. als auch noch Quantentheorie, schwarze Löcher und Zeitreisen ins Spiel gebracht werden. Ebenso verhält es sich mit den zahlreichen und irgendwie schon hektisch wechselnden Schauplätzen der Handlung.
    Zweifellos ranken sich um die Regierungszeit des Pharao Echnaton zahlreiche Legenden und auch die Bilderberger sind durchaus ein Thema.
    Fazit: hier wäre weniger wirklich mehr gewesen.
  • Dogma
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    Sehr lesenswert
    Rezension vom 09.05.2011



    Im Zeichen des Kreuzes


    Konstantinopel im Juli 1203, die von Kreuzrittern belagerte Stadt wird bald fallen. Eine Gruppe Tempelritter versucht unter Einsatz ihres Lebens, drei Truhen mit geheimnisvollem Inhalt aus der Bibliothek des Kaisers zu retten. Sie wähnen sich in einem abgeschiedenen Mönchskloster in Sicherheit. Doch diese Sicherheit ist trügerisch, die Tempelritter finden dort durch die Hand der Mönche den Tod.
    Es soll über 100 Jahre dauern, bevor es wieder einem Tempelritter gelingt, den Inhalt der Truhen an sich bringen. Aber auch Conrad muss fliehen, kann aber die geheimen Papiere verstecken.

    Istanbul im Jahre 2010, der Historiker Professor Sharafi wird auf der Straße von einem Fremden angesprochen. Der Professor erkennt mit Entsetzen, dass der Fremde alles über ihn und seine Familie weiß. Der Fremde beabsichtigt, mit Hilfe des Historikers an einen Schatz zu gelangen.
    Zwei Monate später in Rom, FBI-Agent Sean Reilly muss die entführte Archäologin Tess Chaykin finden. Ihr Entführer, der Iraner Mansoor Zahed, schreckt vor Mord nicht zurück. Er kennt nur ein Ziel, die geheimnisvollen Papiere aus den Truhen an sich zu bringen.
    Es gelingt Sean, die Archäologin zu befreien. Doch die beiden haben nicht viel Zeit. Wenn sie Zahed stoppen wollen, müssen sie das Geheimnis der Templer finden. Der Iraner kennt keine Skrupel und ist ihnen stets einen Schritt voraus. Die gefährliche Verfolgungsjagd führt Tess und Sean in unwegsame Gebiete der Türkei und in unterirdische Städte, die tausende von Jahren überdauert haben. Beide geraten dabei immer wieder in tödliche Gefahr. Wird es ihnen gelingen, dem Iraner zuvorzukommen?

    Auch ohne den ersten Teil, „Scriptum“, gelesen zu haben, konnte ich mich mühelos in das Geschehen hineinfinden.
    Raymond Khoury hat ein Thema aufgegriffen, welches unerschöpflich erscheint. Die Mythen um den Orden der Tempelritter und ein Geheimnis, welches sie angeblich aus dem Heiligen Land mitgebracht haben. Uralte Tagebücher, aus der Anfangszeit des Christentums, die belegen sollen, dass alles ganz anders war, als in der Bibel dargestellt.
    Raymond Khoury hat es meisterhaft verstanden, Historie und Action miteinander zu verknüpfen. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Interessant war auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Habe ich geglaubt, einem Detail auf der Spur und der Lösung nahe zu sein zu sein, ging es bereits rasant weiter. Die Hauptfiguren Tess und Sean waren mir sehr sympathisch und ich habe sie gern auf ihrer gefährlichen Reise begleitet.
    Die historischen Hintergründe des Buches sind gut recherchiert. Der Autor bezieht sich u.a.auf das Jahr 324, als Kaiser Konstantin die Macht erlangt hat. In der Erzählung gehen die Schriften in dieser Zeit auf den Weg, der bis in die Gegenwart führt. Sie dürfen nicht in falsche Hände geraten, weil dann die Grundlagen des orthodoxen Glaubens ins Wanken geraten.
    Das Buch besticht nicht zuletzt durch eindrucksvolle Landschaftsschilderungen. Allerdings kann ich mir schlecht vorstellen, dass es in der Türkei Almwiesen gibt.
    Geheimnisvoll, fesselnd, interessante Charaktere, ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat.
    Die Faszination des Templerordens ist ungebrochen und noch heute beziehen sich die Riten vieler Freimaurerlogen auf die Templer.