BuchhändlerInnen im Portrait
aus Lingen (Ems)
- Gesamte Rezensionen
- 27 (ansehen)
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Gibt es ein Recht auf Glück ?Rezension vom 09.10.2012Ein treuer Kunde hat mich auf Sybille Berg aufmerksam gemacht, deren Werke für mich bisher nicht so zugänglich waren.
Es hat sich gelohnt !
Sie hat eine eigene Sprache, einen speziellen Rhythmus, um Sachen darzustellen.
Das Grundgerüst erinnert (mich) ein bißchen an das erste Buch von Nick Cave - mit den Grobheiten der Mit-Menschen, denen ein Außenseiter sich gegenübersieht.
Frau Berg plaziert diesen Außenseiter in Ostdeutschland, ihrer früheren Heimat also, und kann damit ein wenig von ihrer Biographie abarbeiten. Dazu wirft sie mit dem Abstand von einigen Jahren einen hellsichtigen Blick auf die damaligen Realitäten.
Für mich war das aber nicht der wichtigste Teil dieses Buches. Viel ausdrucksvoller fand ich, wie das Elend der Welt sich in dem womöglich einzigen unschuldigen Wesen sein Ziel gesucht hat: ein starkes Bild ! -
Kochbuch ohne PhotosRezension vom 09.10.2012Was im ersten Moment paradox anmutet, ist gar nicht mehr so wichtig, wenn man erst angefangen hat zu lesen.
Es geht nicht nur um Gerichte, sondern auch um Geschichten. Bei 'Niederlande' + 'Essen' sind die Bilder schon im Kopf; das Buch fügt interessante Informationen hinzu, die man so zur Landesgeschichte nicht unbedingt parat gehabt hätte.
Nicht zuletzt findet man all' die leckeren süßen Sachen in der umfangreichen Rezeptsammlung. Viel Erfolg beim Ausprobieren ! -
Bravo !Rezension vom 09.10.2012Fast wie ein kleines " Handbuch für das Leben ".
Von einer, die schon viel Leben durch hat. Die zu dem Schluß gekommen ist, daß manche Dinge sich nicht nach den eigenen Wünschen richten.
Und daß man das, was einem gegeben ist, bis zum letzten Krümel ausnutzen sollte. -
Versunken im MoorRezension vom 10.09.2012Diesmal hat es Trevisan in die Nähe des Steinhuder Meeres verschlagen. Nach der Versetzung zum LKA in Hannover muß er sich um einen neu aufgerollten Fall kümmern, bei dem zwei Ausflüglerinnen vor längerer Zeit verschwunden sind. Mit dem vermeintlichen Wiederauftauchen von einem der Opfer beginnt eine neue Suche. Die Ermittlungen bringen Versäumnisse der Polizei und gut gehütete Geheimnisse des kleinen Ortes zutage, in dem die beiden Mädchen zuletzt gesehen wurden. Ich mag die Trevisan-Fälle von Ulrich Hefner, weil sie als Regional-Krimis viele Wiedererkennungsmomente ermöglichen. Zugleich spüre ich als Laie in den Beschreibungen der Ermittlungen, daß der Autor selbst als Polizeibeamter die Sackgassen und Irrwege bei der Aufklärung von Verbrechen kennen gelernt hat. Ich hoffe auf weitere Fälle für Martin Trevisan. -
Leben mit einer schweren KrankheitRezension vom 10.09.2012Leben auf der Erde führt naturgemäß zum Tode. Wenn ein Mensch sich aber gewiß ist, daß das Ende quasi am folgenden Tag im Türrahmen stehen kann, dann ändern sich seine Wünsche und Ziele.
John Green zeigt das sehr gut in seiner Geschichte über zwei krebskranke Jungendliche. Die tägliche Existenz muß um einen ungeladenen Gast herum organisiert werden. Medizinische Notwendigkeiten drängen sich in den Mittelpunkt, obwohl man lieber einem Hobby nachgehen oder sich mit Freunden treffen würde. Dazu kommt das schlechte Gewissen der Familie gegenüber. (Nicht zu vergessen die gemeinen, oft allgegenwärtigen Schmerzen!). In so einer Situation nicht mit dem 'miesen Verräter' zu hadern, sondern sich möglichst viele schöne Momente aus dem was das eigene Leben noch ist, heraus zu holen - das beschreibt Green in einer wohltuend alltäglichen Sprache. -
Eine erstaunliche GeschichteRezension vom 08.09.2012Allein in einer Nußschale in der Weite eines Ozeans. Nun ja - nicht ganz allein. Ein majestätisches Raubtier hat sich ebenfalls das kleine Rettungsboot als Zuflucht gesucht. Zeit und alles durchdringendes Sonnenlicht gibt es im Überfluß. Gute Voraussetzungen, um sich Gedanken über die Welt an sich und das eigene Leben zu machen, nachdem alle Pläne gerade mit einem Frachter auf großer Fahrt untergegangen sind. Eine faszinierende Vorstellung: Sich einem Lebewesen gegenüber zu sehen, daß einen einzelnen Menschen jederzeit verschlingen kann.
Noch faszinierender wäre es, die Geschichte aus dem Blickwinkel des Tigers zu erzählen! -
Schola DeiRezension vom 26.07.2012Wer einmal dort war, wird sich an das Gefühl erinnern. Ein Stück weit aus der täglichen Welt herausgerückt.
Das mag auch daran liegen, daß man um zur Klosterstätte Ihlow zu gelangen, zuerst zehn Minuten zu Fuß durch den Wald geht. Ein breiter Weg zwar - aber lang genug, um Straßenlärm und menschliche Ansiedlungen hinter sich zu lassen. Mitten im Gehölz wieder eine freie Fläche. Darauf das alte Forsthaus und das, was als massives Gebäude sicher noch viel beeindruckender war: Die in ihren äußeren Umrissen wieder aufgebaute Klosterkirche ! Der Grundriß und die Höhe sind durch Mauern und Stahl-Stelen zu erkennen. Man empfindet Stille und Weite. Unter der Klosterfläche wurde ein "Raum der Spurensuche" in die Erde eingelassen. Hier werden Fundstücke gezeigt und kleine Gottesdienste abgehalten.
Das diese Eindrücke heute möglich sind, ist einem großen Projekt zu verdanken. Einige Jahre an Planung und die Zusammenarbeit von vielen Institutionen und Privatpersonen waren nötig, um aus einer Grabungsstätte einen Anziehungspunkt für Interessierte erstehen zu lassen.
Nicht nur das Projekt der "Imagination" der ehemaligen Kirche, sondern auch die Geschichten der umliegenden Dörfer sind in diesem Bildband zu finden. Ebenso Informationen über die Zisterzienser und ihre Schule Gottes in Yhl: Die Kloserstätte Schola Dei. -
"Und sie machten sich die Erde untertan."Rezension vom 26.07.2012Ein hochaktuelles Thema. Der Bodenrausch hat nicht nur die hiesigen Geldinstitute, sondern auch die internationale Finanzwelt erfasst. Die Suche nach rentablen Investitionsmöglichkeiten hat eine weitere Station erreicht - die Erde selbst, bzw. den Boden auf dem wir leben. Er ist ein begrenztes Gut, nicht beliebig vermehrbar. Gefährdet durch unsachgemäße Bearbeitung und den Flächenhunger der Industrienationen. Seit Jahren steigt der Bedarf an nutzbarer Fläche. Das Ziel ist aber nicht mehr vorrangig die Beseitigung des Hungers, sondern der Einsatz von Land für die Erzeugung von Biogas (in Europa) oder Biosprit (in Südamerika). Außerdem wird der Blick nach Afrika gerichtet, wo z. B. multinationale Konzerne brachliegendes Erdreich in großem Stil erwerben möchten. Darauf sollen mit hohem Technologie-Einsatz Nahrungsmittel und pflanzliche Rohstoffe geerntet werden. Die oft unklaren Besitzverhältnisse und das Reservoir an billigen Arbeitskräften schaffen zusätzliche Anreize. Unter die Lupe genommen wird auch das nicht immer selbstlose Wirken von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Schließlich folgt noch ein Kapitel in dem verschiedene Ansätze zur Renaturierung aufgegebenen Bodens vorgestellt werden. Insgesamt ein interessantes Buch, das einmal mehr zeigt, wie gerne wir Menschen uns die Erde untertan machen würden.
Thema : 5 Sterne,
Ausführung: 3 Sterne -
Ein Wochenende der eingefangenen Stimmungen !Rezension vom 24.07.2012In diesem Band finden wir die Ergebnisse eines Autoren-Workshops an einem besonderen Ort: Der Arbeitskreis der ostfriesischen Autorinnen und Autoren hatte sein Treffen in die Klosterstätte Ihlow verlegt. Bei dieser Zusammenkunft konnte jeder Geschichte und Gegenwart der Waldlichtung auf sich wirken lassen, und die eigenen Gedanken darüber zu Papier bringen.
Vom Kloster selbst sind nur noch Bruchstücke erhalten. Auf dem ehemaligen Grundriß ist nun eine Holz- und Stahlkonstruktion errichtet worden. Sie gibt einen schönen Eindruck von der damaligen Größe.
Die Geschichten und Gedichte die an einem Wochenende entstanden sind, geben ganz unterschiedliche Blickwinkel auf Ihlow wieder. Es wird z. B. das Klosterleben thematisiert. Es gibt auch Texte, die einzelne Ausgrabungsfunde zu erklären versuchen. Lyrik, die sich mit der speziellen Atmosphäre auseinandersetzt.
Eine sehr schöne, sehr spezielle Sammlung - gut als Ausgangspunkt für einen Besuch in Ihlow ! -
Begegnung im SommerRezension vom 24.07.2012Tamara Bach ist immer sehr nahe dran an ihren Figuren. Das überträgt sich auf den Leser.
In ihrem neuesten Buch lernen wir zwei Schülerinnen kennen, die wenig miteinander gemeinsam haben. Die eine möchte in den Sommerferien möglichst viele Sachen "erledigen" - vom Aushilfsjob über die Fahrschulprüfung bis zum Gefallen für die reiselustige Oma. Die andere befindet sich durch einen Unglücksfall in der Familie in einer Art Schwebezustand.
Beide fühlen sich übersehen, unsichtbar in ihrer jeweiligen Familie und geben sich nun gegenseitig Zeit und Aufmerksamkeit, die sie zu Hause vermissen. Bei einem nächtlichen Ausflug die Sterne am Himmel zu zählen. Zu spüren, daß man für jemand wichtig ist. Das löst nicht alle Probleme - aber: "...bis hierhin sind wir schon gekommen."

















