Psychothriller erster Güte
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Mag, am 04.02.2012
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Lange stand das bekannteste Werk von Emily Bronte in meinem Bücherregal bis ich mich endlich aufraffen konnte, es endlich auch einmal zu lesen - doch dann konnte ich es bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen. Obgleich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschrieben, kann dieses Werk es mit jedem modernen Psychothriller immer noch mit Leichtigkeit aufnehmen.
Rahmenhandlung:
Mr. Lockwood möchte sich in der Abgeschiedenheit des Hochmoors von Yorkshire von allem gesellschaftlichen Trubel für einige Zeit zurückziehen und mietet deshalb für ein Jahr den Herrschaftssitz Thrushcross Grange. Sein Vermieter, ein abweisender, wortkarger Mann namens Heathcliff, bewohnt das benachbarte, auf einer windgepeitschten Anhöhe stehende Gut Wuthering Heights. Bei einem kurzen Besuch auf Wuthering Heights lernt Lockwood auch die übrigen Bewohner kennen - die Schwiegertochter von Heathcliff, den Sohn des Vorbesitzers Earnshaw, die Haushälterin und den Knecht Joseph. Alle leben dort gemeinsam, aber eine merkwürdige, bedrückende Stimmung liegt über allen. Kein freundliches Wort wird miteinander gesprochen, nur Flüche und kurzangebundene Bemerkungen und feindselige Entgegnungen bestimmen den Umgang miteinander. Und als Lockwood wegen des aufkommenden Schnees nicht am Abend zu seinem Wohnort zurückkehren kann, wird seine Nachtruhe von seltsamem Spuk - oder sind es Alpträume? - gestört. Als Lockwood am nächsten Tag nach Thrushcross Grange zurückkehrt und nach langem Irrweg mit Fieber eintrifft, verkürzt ihm seine Haushälterin, Elly Dean, die vorher auf Wuthering Heights tätig war, die Genesungszeit mit ausführlicher Schilderung der Vorgänge dort über mehrere Generationen......
Haupthandlung: Angelpunkt der Geschichte ist Heathcliff, der vom alten Besitzer von Wuthering Heights nach einer Liverpoolfahrt als Findelkind mit nach Hause gebracht wird. Schmutzig, unerzogen und ungebildet passt er nicht so recht in die Familie, die ihn außer dem alten Earnshaw alle ablehnen. Besonders der Sohn des Hauses, Hindley, schikaniert und quält ihn. Doch Heathcliff erträgt zwar vieles widerspruchslos, doch gelegentlich kontert er mit ungerührter Erpressung. Nach dem Tod des Ziehvaters wird Heathcliff aus dem Haus verbannt und als simpler Landarbeiter von Hindley gehalten, nur seine Schwester, Catherine, entwickelt mangels anderer Spielkameraden zunächst eine innige Freundschaft zu Heathcliff, die von jenem mit obsessiver Intensität erwidert wird und später in ebenso obsessive Anbetung und Liebe übergeht. Doch als Catherine den Nachbarssohn aus der Familie Linton von Thrushcross Grange wegen seiner Stellung Heathcliff vorzieht und ihn heiratet, wird aus dem viel erduldenden Jungen ein von Hass und Rache gesteuerter Erwachsener, der nicht eher ruhen kann, bis er alle Widersacher und ihre Kinder zerstört und ihm gefügig gemacht hat. Doch kann sein Rachefeldzug Heathcliffs Schmerz und Aufruhr besänftigen oder vernichtet er sich am Ende damit auch selbst?
Ein unheimlich spannendes Werk, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, auch wenn die Verhaltensweisen einiger weiblicher Protagonisten heute doch theatralisch übersteigert anmuten. Trotzdem: auch heute noch lesbar und ansprechend.