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Mit Spannung erwartet - und mit Gänsehaut
Rebecka Martinsson, Anwältin im nordschwedischen Kiruna, wird in einen besonders grausamen Mordfall verwickelt: Ein junges Paar hat ein Eisloch in einen See geschlagen, um zu einem auf dem Grund liegenden Flugzeugwrack zu tauchen. Doch während des Tauchgangs kappt jemand die Markierungsleine und schiebt eine Holztür über das Eisloch. Die beiden haben keine Chance.
Was suchte das Paar in dem Flugzeugwrack? Und wer hat die beiden dafür mit dem Tod bestraft? Bei ihren Nachforschungen kommt Rebecka lange verheimlichten Ereignissen aus der Vergangenheit auf die Spur. Und sie entdeckt ein gefährliches Netz aus Schuld, Angst und Verrat, in das viele Bewohner ihrer Heimatgegend verstrickt sind.
| ISBN-10: | 3-570-01084-8 |
|---|---|
| EAN: | 9783570010846 |
| Originaltitel: | Till dess din vrede upphör |
| Erschienen: | 02.01.2009 |
| Verlag: | Bertelsmann Verlag |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 347 |
| Gewicht: | 589 g |
| Übersetzer: | Gabriele Haefs |
Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. 2011 wurde Gabriele Haefs als Königlich Norwegische Ritterin des St.Olavs Ordens in der Norwegischen Botschaft in Berlin ausgezeichnet u.a. für ihre Übersetzungen, für die Vermittlung von norwegischen Büchern nach Deutschland sowie für das Knüpfen von Kontakten im Kulturbereich ganz allgemein.
von Dr. Christian Rößner, am 10.05.2009
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von Andrea Szabo, am 02.05.2009
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von einer Kundin/einem Kunden, am 30.04.2009
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Ach dass du mich im Totenreich verwahren und verbergen wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir ein Ziel setzen und dann an mich denken wolltest!
Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben? Alle Tage meines Dienstes wollte ich harren, bis meine Ablösung kommt.
Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach dem Werk deiner Hände.
Dann würdest du meine Schritte zählen, aber hättest doch nicht Acht auf meine Sünden.
Du würdest meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.
Ein Berg kann zerfallen und vergehen und ein Fels von seiner Stätte weichen,
Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg: so machst du die Hoffnung des Menschen zunichte.
Du überwältigst ihn für immer, dass er davonmuss, entstellst sein Antlitz und lässt ihn dahinfahren.
Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet sind, das wird er nicht gewahr.
Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst trauert seine Seele.
Hiob, Kapitel 14, Vers 13-22
Ich erinnere mich, wie wir gestorben sind. Ich erinnere mich, und ich weiß es. So ist das jetzt. Manche Dinge weiß ich, obwohl ich selbst nicht mit dabei war. Aber ich weiß nicht alles. Das nun wirklich nicht. Es gibt keine Regeln. Wie bei Menschen, zum Beispiel. Manchmal sind sie offene Räume, in die ich hineingehen kann. Manchmal sind sie verschlossen. Zeit gibt es nicht. Die scheint in viele Stücke zerbrochen zu sein.
Der Winter kam ohne Schnee. Schon im September bildete sich das Eis, der Schnee aber zögerte.
Es war der neunte Oktober. Die Luft war kalt. Der Himmel sehr blau. So ein Tag, den man gern in ein Glas gießen und trinken würde.
Ich war siebzehn Jahre alt. Wenn ich noch lebte, wäre ich jetzt achtzehn. Simon war fast neunzehn. Er ließ mich fahren, obwohl ich keinen Führerschein hatte. Der Waldweg war voller Löcher. Ich fuhr gern Auto. Lachte jedesmal, wenn es ruckelte. Kies und kleine Steine schlugen gegen den Wagenboden.
»Verzeihung, Bettan«, sagte Simon zum Auto und streichelte die Klappe des Handschuhfachs.
Wir hatten keine Ahnung davon, dass wir sterben würden. Dass ich mit dem Mund voller Wasser schreien würde. Dass uns nur noch fünf Stunden blieben.
Der Waldweg endete beim Sevujärvi. Wir luden das Auto aus. Immer wieder musste ich kleine Pausen einlegen und
mich umsehen. Es war so überirdisch schön. Ich hob meine Hände zum Himmel, schaute aus zusammengekniffenen Augen in die Sonne, diesen weiß glühenden Ball, sah einem Wolkenfetzen nach, der hoch oben vorübertrieb. Die Berge waren Urzeitriesen, unveränderlich. »Was machst du?«, fragte Simon.
Den Blick und die Arme noch zum Himmel gerichtet, antwortete ich: »Das hier gibt es in fast allen Religionen. Dass man nach oben schauen und die Hände nach oben strecken soll. Und das kann ich verstehen. Es tut einfach gut. Versuch es mal!«
Ich holte tief Luft und ließ sie dann als große weiße Wolke aus mir entweichen.
Er schüttelte lächelnd den Kopf. Wuchtete seinen schweren Rucksack auf einen Stein, um ihn sich auf die Schultern zu laden. Er sah mich an.
Ach, ich weiß noch, wie er mich ansah. Als könne er sein Glück nicht fassen. Und es stimmt ja auch. Ich war keine x-Beliebige.
Er versuchte immer, mich zu erforschen. Zählte meine Leberflecken. Oder tippte meine Zähne an, wenn ich lächelte, und zählte die Gipfel des Kebnekaisemassivs auf:
»Sydtoppen, Nordtoppen, Drakryggen, Kebnepakte, Kaskasapakte, Kaskasatjakko, Tuolpagorni.«
»Eins zwei, beginnende Karies, eins eins, eindeutige Karies, zwei eins, distal«, gab ich zurück.
Die Rucksäcke mit unserer Taucherausrüstung waren schwer.
Wir wanderten zum See Vittangijärvi hoch. Dafür brauchten wir dreieinhalb Stunden. Wir sagten ganz schnell zueinander, welch ein Glück es sei, dass der Boden gefroren war, denn das erleichterte das Gehen. Wir schwitzten, blieben ab und zu auf einen Schluck Wasser stehen und einmal, um
Butterbrote zu essen und aus einer Thermoskanne Kaffee zu trinken.
Knisternd zerbrachen gefrorene Pfützen und winterkahles Moos unter unseren Schritten.
Links von uns ragte der Berg Alanen Vittangivaara auf.
»Da oben liegt eine alte samische Opferstätte«, sagte Simon und zeigte in diese Richtung. »Uhrilaki.«
Das liebte ich an ihm. Dass er solche Dinge wusste.
Am Ende hatten wir unser Ziel erreicht. Vorsichtig stellten wir unsere Lasten auf dem Boden ab und blieben lange stumm stehen, um auf den See hinauszuschauen. Das Eis lag wie eine dicke schwarze Glasscheibe auf dem Wasser. Eingefrorene Luftblasen durchzogen es wie zerrissene Perlenketten. Die Risse sahen aus wie gefaltetes Seidenpapier.
Der Frost hatte in jeden Grashalm und jeden dünnen Zweig gekniffen, bis sie brüchig und knisternd weiß geworden waren. Preiselbeerkraut und Wacholdersträucher waren blutrot und violett geküsst worden. Und auf allem lag die weiße dünne Haut des Frosts. Eine Aura aus Eis.
Es war unwirklich still.
Simon wurde so nachdenklich und in sich gekehrt, wie er das oft wird. Er ist einer, der sagt, jetzt könne die Zeit anhalten. Oder das war er. Er war so einer.
Aber ich habe es nie besonders lange in einem wortlosen Zustand aushalten können. Ich musste einfach rufen. Das viele Schöne dort, man hätte doch platzen können.
Ich rannte hinaus aufs Eis. So schnell ich konnte, ohne auszurutschen, und danach pflanzte ich mich breitbeinig auf und glitt weit, weit.
»Versuch das mal«, rief ich Simon zu.
Wieder schüttelte er lächelnd den Kopf.
Das war wirklich etwas, das er in seinem Heimatdorf gelernt hatte. Den Kopf schütteln. Das können sie in Piilijärvi.
»Nix da«, rief er. »Irgendwer muss doch deine Beine schienen, wenn du sie gebrochen hast.«
»Feigling«, johlte ich, lief los und glitt weiter.
Danach legte ich mich eine Weile hin und schaute zum Himmel hoch. Tätschelte das Eis liebevoll.
Dort unten lag ein Flugzeug. Und niemand wusste davon, außer uns. Das glaubten wir zumindest.
Ich stand auf und begegnete seinem Blick.
Du und ich, sagten seine Augen.
Du und ich, blickte ich zurück.
Er sammelte ein wenig trockenes Wacholderreisig und Birkenrinde. Sagte, wir könnten doch auch gleich ein Feuer machen und essen, ehe wir tauchten. Um danach durchzuhalten, ohne in schlechte Laune zu geraten.
Wir grillten Würste an spitzen Stöckchen. Ich hatte nicht genug Geduld, um das richtig zu machen, meine war außen verkohlt und innen roh. Auf den Bäumen in unserer Nähe sammelten sich hungrige Unglückshäher.
»Früher hat man die gegessen«, sagte ich und nickte zu den Vögeln hinüber. »Das hat Anni erzählt. Sie und ihre Kusinen haben zwischen den Bäumen ein dünnes Seil gespannt und Weißbrotstückchen daraufgezogen. Die Vögel landeten auf dem Seil, um zu fressen, konnten sich aber nicht aufrechthalten, sondern kippten um und blieben mit dem Kopf nach unten hängen. Und dann brauchten sie sie nur noch abzupflücken. Wie Obst. Man sollte das mal probieren, haben wir Bindfaden bei uns?«
»Du willst nicht lieber ein Stück Wurst?«
Typischer blöder wunderbarer Simon-Kommentar. Und nicht ein Lächeln, um anzudeuten, dass er Witze machte.
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