Sternenspiel

Roman. Deutsche Erstausgabe

von Sergej Lukianenko

Buch

Taschenbuch (638 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Das große Planetenabenteuer


Nachdem man auf der Erde das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit entdeckt hat, bricht die Menschheit ins All auf - und trifft auf das sogenannte "Konklave", eine interstellare Organisation, in der etliche außerirdische Spezies versammelt sind. Diese Organisation wurde geschaffen, um den Völkern der Galaxis ihre jeweilige Rolle zuzuweisen.


Dies sind die Abenteuer des Kosmonauten Pjotr Chrumow, der eines Tages in seinem Raumschiff einen blinden Passagier entdeckt, einen Vertreter einer kleinwüchsigen Reptilienrasse, die sich gegen das "Konklave" verschworen hat. Zunächst glaubt Pjotr, die Angelegenheit still und leise bereinigen zu können. Er ahnt nicht, dass sich sein Leben - und das aller Menschen - für immer verändern wird ...


Produktdetails

ISBN-10: 3-453-52411-X
EAN: 9783453524118
Originaltitel: Zvezdy - Cholodnye Igruski (Die Sterne sind ein kaltes Spielzeug)
Erschienen: 05.01.2009
Verlag: Heyne Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 638
Gewicht: 727 g
Übersetzer: Christiane Pöhlmann
Reihe: Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
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Sergej Lukianenko

Sergej Lukianenko, 1968 in Kasachstan geboren, studierte in Alma-Ata Medizin, war als Psychiater tätig und lebt nun als freier Schriftsteller in Moskau. Er ist der populärste russische Fantasy- und Science Fiction-Autor der Gegenwart, seine Romane und Erzählungen wurden mehrfach preisgekrönt. Gemeinsam mit Regisseur Timur Bekmambetov schrieb Lukianenko auch das Drehbuch für die Verfilmung von "Wächter der Nacht".

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Kundenrezensionen

  • galaktisches Lesevergnügen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Astrid Hochleitner, am 06.08.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Es sollte ein ganz normaler Trip nach Hyxi werden zu dem der Raumpilot Pjotr startet.Seine Fracht,Bildchen mit Naturmotiven von der Erde,welche bei den Hyxoiden derzeit hoch in Kurs stehen.
    Nach kleineren Startschwierigkeiten-die bei seinem alten Vogel auch kein Wunder sind-befindet er sich bald auf Kurs durch´s All und entdeckt an Bord einen blinden Passagier.
    "Ich bin ein Freund" zischelt das ´reptilienähnliche Alien und versichert Pjotr,daß es unbedingt zur Erde muß um gemeinsam mit ihm diese vor dem Untergang zu bewahren..
    SF mit Philosophie,jeder Menge Physik,ein bischen düster aber auch voll mit dem russischen Humor der dem Autor so eigen ist und den ich gerne mag.
    Für Leser die was "schräges"lieben zu empfehlen.

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  • Im Osten nichts Neues Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Thomas Zörner, am 03.11.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Science-Fiction, was für ein gebeuteltes Genre, sei es Buch oder Film, stets wird es als Sinnbild für den einsamen Nerd stehen, der sein Leben vorzugsweise in abgedunkelten Kämmerlein verbringt. Dementsprechend wenig populär ist es inzwischen geworden Werke dieser Gattung zu veröffentlichen, doch dass Sergej Lukianenko sich um derart nicht schert, hat er mit seiner Wächter Reihe bereits eindrucksvoll bewiesen und wagt sich nun auch in den Weltraum. "Sternenspiel" handelt von dem jungen Kosmonauten Pjtor, der bei seinem Großvater lebt und bei einem seiner Transportflüge auf einen blinden, außerirdischen Passagier stößt. In Lukianenkos Zukunftsversion stößt die Menschheit auf außerirdisches Leben, das ihnen technologisch weit überlegen ist, doch kommt es den Humanoiden zugute, dass sie die einzigen im All sind, die einen sogenannten "Jump" unbeschadet überstehen. Der "Jump" ermöglicht es mit dem entsprechenden Verkehrsmittel Lichtjahre zu überbrücken. Nun fungieren die Menschen als Boten für das Gesamte Weltall, was sie zu einer schwachen Rasse degradiert, den starken unterworfen. Doch einige dieser schwachen verbünden sich in Lukianenkos Geschichte um eine geheim gehaltene Information zu analysieren und dafür brauchen sie Pjotr, den dieser Aufrag an die Grenzen seines Verstandes führt. Lukianenkos Stil war immer schon recht eigen, was der Übersetzung zuzuschreiben sein kann, oder tatsächlich an ihm liegt. Jedenfalls gefällt der Schreibstil in "Sternenspiel" das erste Mal nicht wirklich, besonders die Dialoge leiden. Auch storytechnisch wagt der Roman keinen "Jump". Der russische Autor verlässt sich lieber auf altbekannte Sci-Fi-Klischees, inklusive bereits gekannter philosophischer Denkansätze, die zwar nett sind, aber bei weitem nicht neu. Wieso dann aber doch ein positives Gesamtbild? Lukianenko weiß durch einige geschickte Twists und Ideen zu fesseln. So geht die Lektüre leicht von der Hand, was auch Genreeinsteiger ansprechen sollte. "Sternenspiel" gehört sicher nicht zu den besten Werken des Russen, dennoch bleibt der Roman unterm Strich solide Unterhaltung.

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  • Ein Meisterwerk! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Torsten, am 22.08.2010

    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Fesselnd, spannend und herrlich verstörend düster.
    Ich hatte das Gefühl, in die von Lukianenko beschriebene Welt regelrecht einzutauchen. Obwohl (oder weil?) die Aliens nur eine Nebenrolle einnehmen und Weltraumschlachten gar nicht vorkommen, handelt es sich um einen temporeichen, sehr spannenden und nachdenklich machenden Roman über die Moral der Menschheit.
    Ein gutes Buch, dass ich bestimmt noch einmal lesen werde und ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann.

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  • Menschen... -die Trucker des Universums! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von David Lager, am 06.08.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Dieser Sergej Lukianenko... Einen Output hat der Mensch, da kommt man fast nicht mit dem Lesen nach! Aber nur fast, Gottseidank! Schön, dass dabei auch die Qualität des Geschriebenen nahezu gleichbleibend gut ist.

    "Sternenspiel" ist das erste Buch eines zweibändigen Science-Fiction-Werkes des russischen Bestsellerautors. In der interstellaren Organisation "Konklave" hat die Menschheit die niedrige Funktion der "Fuhrleute" übernommen, da wir als einzige Rasse den Überlichtgeschwindigkeitssprung, den sogenannten "Jump" überstehen können. Eine eher trostlose Situation, die der Erde zwar vorläufig das Überleben sichert, aber ohne jede Perspektive auf Entwicklung außerhalb dieser Nische. Zudem droht ständig die Gefahr, dass die "starken Rassen" des Konklaves doch noch eine Möglichkeit finden, ohne die Menschen den Jump nutzen zu können. Als jedoch eine neue, anscheinend sogar humanoide, Zivilisation auftaucht, die dem Konklave technologisch weit voraus scheint, schließt sich eine Gruppe von Menschen, allen voran unser Held Pjotr Chrumow, mit den anderen "schwachen Rassen" zusammen, um endlich aus diesem Konstrukt ausbrechen zu können.

    Schön verpackt in einen fesselnden und gut lesbaren Science-Fiction-Roman entwirft Sergej Lukianenko ein utopisches, aber totalitäres Gesellschaftsmodell, das auf den Hauptcharakter, wie auch auf den Leser durchaus abschreckend wirkt. Dabei behält er seinen angenehmen Schreibstil bei, der wie immer mit originellen Einfällen und hin und wieder sehr philosophischen Passagen gespickt ist.

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  • Ein neues Meisterwerk von Sergej Lukianenko? Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 26.05.2009

    0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Sehr oft verknüpft Sergej Lukianenko Fantstiche Elemente mit unserer Jetztzeit und wie so oft, gelinkt ihm das nicht ganz so gut, wie erhofft. Die Hauptperson ist meistens ein normaler Mensch, ohne besonderen Begabungen oder Stärken, aber immer mit einem Ungetrübten Blick auf seine Umwelt. Irgendwo am Anfang der Story, passiert der Hauptperson was Seltsames und sie gehret Kopf über in ein Abenteuer. Manche Autoren würden dieses Ereignis, dass uns Leser aus einem stink Normalen erzähl Rhythmus reißt, als einen Kosmischenzufall oder ein unglückliches Versehen erklären aber, nicht mit wirklichen Gründen daher kommen, die sowieso keiner verstehen würde.
    Sergej Lukianenko dagegen, fängt an mit irgendwelchen Ideen, die Auswahl der Person zu erklären und sehr oft muss man über die Erklärung schmunzeln.
    Die Geschichte fängt erst richtig an, und da schließe ich mich den bisherigen Bewertungen an, als man Kontakt mit der Fremden Menschenrasse „aufnimmt“. Hier erst kommt Sergej Lukianenko endlich zu seinem altbekannten spannenden Schreibstil, den wir schon so erwartet hatten, zurück. Ich gebe zu, dass es nicht sein bestes Werk ist, aber für richtige Fans von Sergej Lukianenko ist es einfach ein muss.

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  • Es gibt bessere Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Christian Engelhardt, am 03.04.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Lukianenko hat schon bessere Bücher geschrieben. Ich lese die Bücher von im eigentlich sehr gerne, da diese mich immer verzaubern. Bei Sternenspiel muss ich sagen bin ich nur schwer reingekommen. Die Geschichte selbst ist eigentlich sehr interessant nur der Schreibstil ist nicht der, den ich vom Autor gewöhnt bin.

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  • Lukianenkos bestes Science-Fiction-Werk Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Da Re, am 26.03.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Zunächst schreckt der Roman durch die Tatsache ab, dass Lukianenko immer gleich anfängt zu erzählen: die Prämissen sind auf dem Buchumschlag gegeben und man wird unvermittelt in die Geschichte hineingezogen.
    Erst im Nachhinein löst sich ein wirklich gutes Werk heraus, nämlich als das verschwörerische Treffen der Rassen stattfindet, mit dem Ziel der Auflehnung gegen die starken Rassen.
    Brilliant wird der Protagonist aus allen "rassenspezifischen Verankerungen" gerissen, damit er sich ein eigenes Bild von den Gesellschaftsstrukturen der ausserirdischen Zivilisationen machen kann- sehr schön verpackte Art, Gesellschaftskritik zu leisten! Durch das Spionieren der geometischen Gesellschaft, wird vom Ich-Erzähler die Meinung vertreten, dass allzu viel Ordnung und Struktur in der Zivilisation der Menscheit nur mit dem Verlust der individuellen Freiheit und Freude einhergeht..

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  • Super Buch von Lukianenko Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 10.02.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Pilot Pjotr ist in einer Verschwörung gegen die starken Rassen beteiltigt.Nur "wie" können den Jump unbeschadet überstehen und das macht uns zu Kurierboten.Gemeinsam mit anderen schwachen Rassen ist die Verschwörung am laufen.Eine menschliche Spezies ,die technologisch sehr hoch ist soll Rettung bringen.Pjotr ist Auskundschafter auf deren Planeten und stellt fest:Die Geometer haben eine völlig andere Weltanschauung als die Erdbewohen und das kann zum Verhängis werden,trotz der gleichen Änlichkeit der Rassen.Aber er hat keine Wahl.

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  • Ein neues Weltraum-Abenteuer von Lukianenko Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von N. Neufeldt, am 06.08.2008

    1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Die Menschen sind die einzige Rasse, welche den Jump, den Überlichtsprung, unversehrt überstehen kann. Das ist der einzige Grund, warum die anderen außerirdischen Rassen die Menschen bisher verschont haben. Eines Tages entdeckt ein junger Pilot einen blinden Passagier an Bord, ein reptilienartiges Wesen, das den Sprung fast unbeschadet überlebt. Obwohl das ein ernstzunehmendes Problem ist - schließlich könnten die anderen Rassen auf den Gedanken kommen, die Menschen nun nicht mehr zu benötigen - , stellt der Pilot Pjotr fest, dass er zu allem Überfluss auch noch Teil einer Verschwörung geworden ist. --- Dieses Buch ist der erste Teil einer Dilogie, die sich viel mit einem interessanten Thema beschäftigt - Utopia. Die Idee an sich ist nicht schlecht, nur der Erzählstil lässt in meinen Augen zu wünschen übrig. Der Held ist mal wieder ein Übermensch, der in einfach jeder Situation klar kommt und selbst den ärgsten Feind bekämpfen kann. Auf die Dauer kann das einen ermüden. Ansonsten schafft Lukianenko es durchaus, seinen Leser zu unterhalten.

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Das Meer trug nichts nach. Gleich dem Himmel glaubte es an die Freiheit, gleich dem Himmel duldete es keine Einschränkung. Ich stand im feuchten Sand, die Wellen umspülten meine Füße, und nichts war leichter, als zu glauben, der fremde Stern am Himmel sei meine Sonne, das salzige Wasser die alte Wiege der Menschheit.
Wenn nicht die Uferlinie allzu gleichmäßig gewesen wäre, gerade wie der Horizont - und ebenso unecht. Sollte ich an diesem Ufer entlangwandern, würde sich nie etwas ändern: Rechter Hand zögen sich die niedrigen, gleichsam zurechtgestutzten Haine hin, linker Hand würden die Wellen branden. Nur der Sand unter meinen Füßen würde die Farbe wechseln, von Gelb zu Weiß, von Weiß zu Rosa, von Rosa zu Schwarz und zurück. Denn für das Auge unmerklich, beschrieb der Strand einen Bogen nach rechts, Schnee würde ihn bedecken, dann wieder der Sand sich dahinziehen, und irgendwann, nach sehr langer Zeit, würde ich an diesen Punkt zurückgelangen, an dem die Wellen noch immer das Ufer liebkosen würden ...
Ein Mensch ist schon mehr als genug, um die Welt zu ändern. Ich machte einen Schritt, und das Wasser schoss zischend in meine Fußstapfen. Die Welt war schon zu klein, um sie in Ruhe zu lassen. Und Gleichmut taugt ja auch nicht für die Lebenden. Allein das Meer und der Himmel kennen die Ruhe.
Ich hob die rechte Hand, betrachtete sie - und meine Finger verlängerten sich. Mein Blick formte sie, verwandelte das Menschenfleisch in scharfe, gekrümmte Krallen.
Allerdings: Hatte ich eigentlich noch das Recht, mich als Menschen zu bezeichnen?


Erster Teil


Der Zähler


»Nimmst du einen Brief für mich mit?«, fragte Elsa. »Wir sitzen hier bestimmt noch zwei Wochen fest, da macht sich mein Mann sonst Sorgen.«
»Ich an seiner Stelle würde diese Beschäftigung auch nach dem Brief fortsetzen«, frotzelte ich.
Elsa lächelte nur und hielt mir über den Tisch den Umschlag hin. Ihre Kollegen saßen fünf Meter weiter, tranken dunkles Bier und beobachteten uns grinsend. Kein Wunder! Neben Elsa wirkte ich ziemlich farblos. Eine schöne Deutsche, das ist ja ohnehin eine Seltenheit, jedenfalls meiner Meinung nach. Und Elsa Schröder war nicht nur schön, sie trug auch noch ihre prachtvolle Uniform der Lufthansa, in der sie wie eine moderne Walküre aussah. All diese funkelnden Kinkerlitzchen an ihrer Jacke, die lange Reihe silberner Sterne über der linken Brusttasche, das Schiffchen, das ihr wundersamerweise nicht vom Blondhaar rutschte, die beeindruckende Pistole in dem versiegelten Holster ...
»Er wird damit auch weitermachen«, erwiderte Elsa in ernstem Ton. Um ihren Humor war es wesentlich trauriger bestellt als um ihr Russisch. »Was ist nun, nimmst du den Brief mit?«
»Klar.« Ich nahm ihr den Umschlag ab und wollte ihn mir in die Innentasche stecken, doch das Ding zeigte sich widerspenstig. Seufzend beugte sich Elsa über den Tisch zu mir vor, öffnete meine Jacke und verstaute den Brief in der Tasche, in der bereits die Flugroute und die Kerosinbons Platz gefunden hatten.
Wieso kannte sie die Uniform der Transaero eigentlich besser als ich selbst?
»Danke, Peter«, sagte Elsa mit tiefer, weicher Stimme. Anscheinend brachte sie ihre Zuneigung zum Ausdruck, indem sie meinen Namen deutsch entstellte. »Bist ein guter Junge.«
Vor Ärger verschluckte ich mich sogar.
»Sag mal, könntest du vielleicht einen Abstecher in Frankfurt machen und den Brief selbst abgeben?«, fuhr Elsa fort. »Warst du schon mal in Frankfurt? Mein Mann würde sich freuen, dich kennenzulernen.«
Damit wären wir mitten im üblichen Spielchen: Reich jemandem den kleinen Finger ...
»Wir haben einen engen Terminplan, ich bin insgesamt nur drei Tage auf der Erde«, brummte ich.
»Dann eben beim nächsten Mal«, gab Elsa ohne weiteres auf. »Tschüs, Peter ...«
Sie stand auf.
»Wohin fliegt ihr eigentlich?«, erkundigte ich mich noch im letzten Moment.
»Nach Jamaija.« Elsa seufzte. »Wir haben eine Lieferung aufgebrummt gekriegt.«
»Vögel?«
»Wellensittiche und Spatzen.« Die Co-Pilotin der Lufthansa verzog das Gesicht. Ich verstand sie bestens. Tausend lärmende, scheißende und durch die Enge und die ungewohnten Umstände durchgeknallte Vögel irgendwo hinzubefördern war kein Zuckerschlecken.
Elsa kehrte zu ihren Kollegen zurück, ließ mich allein mit meinem unausgetrunkenen Bier. Noch gestern hätte ich mich mit einem einzigen Bierchen nicht zufriedengegeben. Aber heute musste ich fliegen, so dass genau genommen schon dieses eine verboten war.
Verstohlen schaute ich mich in der Bar um. Sie war gut besucht, die Leute saßen dicht in Gruppen zusammen. Den größten und lautesten Pulk bildeten die Amerikaner von Delta und United Airlines, nicht ganz so zahlreich waren die Japaner von JAL und die Engländer von British Airways vertreten. Selbst Australier von Qantas und Spanier von Iberia entdeckte ich. Nur von unseren Leuten ließ sich niemand blicken. In puncto Freizeitgestaltung brauchten wir noch Nachhilfe, ganz gewaltig sogar. Seufzend erhob ich mich. Ich ging zum Tresen und langte nach dem Telefon. Der Barkeeper, ein kräftiger Kerl, reichte es mir mit einem freundlichen Lächeln.
»Ah!«, rief er aus. »Young russian pilot!«
Er erinnerte sich noch von meinem gestrigen Besuch her an mich. Barkeeper lieben Russen. Sie verdienen gut an uns - selbst dann, wenn wir allein kommen.
»Ja, ja, der pilot ...«, bestätigte ich zerstreut. Ich nahm das Telefon und wählte die Nummer des Kontrollzentrums.
Es dauerte, bis jemand ranging. »Flug 36-18, Transaero. Gibt es ein Startfenster für mich?«
Ehrlich gestanden hoffte ich darauf, dass es mit dem Flug heute nicht klappen würde. Dann könnte ich weiter hier rumsitzen, ein gepflegtes Bierchen trinken und mich in dem gemütlichen Hotelzimmer ausschlafen. Wir kamen nur selten auf diesen Planeten, das Zimmer war in letzter Minute reserviert worden - weshalb ich angenehmerweise eine Luxussuite erhalten hatte.
»Flug 36-18 ...« Am anderen Ende der Leitung hämmerte die Frau auf ihren Computer ein. »Ja, wir haben noch ein Fenster. Um 17.06 Uhr. Bestätigen Sie den Start?«
Ich schaute auf die Uhr. Noch nicht mal drei.
»Ja.«
»Zur Gesundheitskontrolle begeben Sie sich in Zimmer 12, anschließend gehen Sie ins Kontrollzentrum«, informierte mich die Frau freundlich.
Ich legte auf und starrte den Mann hinterm Tresen finster an.
»Away?«, fragte er fröhlich.
Genau, away ...
Ich nickte ihm noch zu, bevor ich zur Tür ging. Da mir eine ganze Traube von Menschen entgegenkam, Chinesen oder Filipinos vielleicht, musste ich mich gegen die Wand pressen. Ich nutzte den kurzen Stau, um den Deutschen zuzuwinken, doch sie bemerkten es nicht.
Es würde heute hoch hergehen im Alten Donald Duck...
Nach dem Halbdunkel der Bar mit ihren getönten Scheiben und den vorgezogenen Gardinen blendete mich das Licht jetzt natürlich. Ich kniff die Augen zusammen, holte die Sonnenbrille raus und setzte sie auf. Erst dann sah ich mich um.
Sirius-A und Sirius-B brannten den Himmel aus, dass er weiß strahlte. Über mir nichts als Licht. Keine einzige Wolke. Logisch ...

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