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Sommer 1914: In Europa gärt es, doch auf dem Familiengut der Degnellys in Ostpreußen scheint noch Zeit zu sein für Idylle und Plänkeleien und für den Traum von der großen Liebe. Ein Traum, der die achtzehnjährige Felicia durch eine harte Zeit begleiten wird, in der alte Traditionen und Beziehungen untergehen und einer gar nicht mehr vornehmen Realität weichen.
Die fünfzehn Jahre bis zum Desaster des Schwarzen Freitags bringen Felicia Schrecken und Chaos, aber auch Reichtum und Karriere. Sie liebt das Leben, das Risko und das Geld, doch vor allem zwei konträre Männer: Maksim, den idealistischen Revolutionär, und den zynischen Realisten Alex, der ihr Mann wird. Aus dem verwöhnten Luxusgeschöpf entwickelt sich eine unabhängige Geschäftsfrau, die hoch spielt und tief fällt. Doch eines bleibt: die tiefe Zuneigung zu ihrem Land und ihrer Familie und ein zäher Wille zum Kämpfen. Mit ihrem Porträt einer brüchigen Gesellschaft im Räderwerk einer unruhigen Epoche, mit dem Weg einer ungewöhnlichen Frau durch das Deutschland des Ersten Weltkriegs, durch die russische Revolution und die zwiespältigen zwanziger Jahre, einem Weg zwischen Bindungen, Egoismus und Leidenschaft ist Charlotte Link ein fesselndes Zeitdokument gelungen.
Charlotte Link gelang mit "Sturmzeit" die faszinierende Geschichte einer ungewöhnlichen Frau in einer bewegten Zeit. Ein großer Frauenroman.
Die Autorin
Mit ihrem ersten Roman »Die schöne Helena« erregte Charlotte Link bei Publikum und Presse größtes Aufsehen. Mit drei weiteren Büchern schrieb sie sich mehr und mehr an die Spitze des deutschen Erfolgsautoren, bis ihr mit »Sturmzeit« endgültig der Sprung auf die Bestsellerlisten gelang. Im Herbst 1994 ist nach »Wilde Lupinen« der dritte, abschließende Band der Sturmzeit-Trilogie erschienen: »Stunde der Erben«. Alle drei Romane werden derzeit fürs Fernsehen verfilmt. Zuletzt erschien von Charlotte Link im Blanvalet Verlag »Das Haus der Schwestern«.
| Verkaufsrang: | 1.101 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-89480-554-4 |
| EAN: | 9783894805548 |
| Erschienen: | 22.12.2000 |
| Verlag: | Goldmann |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 544 |
| Erschienen bei: | Goldmann |
| Spieldauer: | 469 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
Charlotte Link ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen der Gegenwart. Sie wurde 1963 in Frankfurt am Main als Tochter der Autorin Almuth Link geboren. Bereits mit 16 Jahren schrieb Charlotte Link ihr Debütwerk "Die schöne Helena", noch bevor sie ihr Abitur in Usingen absolvierte. Neben Spannungsromanen schrieb sie auch Gesellschaftsromane in englischer Erzähltradition. Viele ihrer Romane wurden verfilmt, wie die Werke "Sturmzeit", "Wilde Lupinen" oder "Die Stunde der Erben". Den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie Belletristik erhielt Charlotte Link 2004 für ihren Roman "Am Ende des Schweigens".Allein in Deutschland wurden bislang über 9 Millionen ihrer Bücher verkauft, sie sind in zahlreichen Sprachen übersetzt. Die aktive Tierschützerin engagiert sich bei der PETA für Straßenhunde in der Türkei und Spanien. Momentan lebt Charlotte Link mit ihrem Lebensgefährten und ihren Hunden in Wiesbaden.
Meinung der Redaktion
Charlotte Link hat das Schreibtalent im Blut! An der Vielzahl ihrer Romane sieht man, wie produktiv sie ist und wie unterschiedlich sie schreiben kann. Und egal in welchem Genre, ob Krimi oder Gesellschaftsromane, die Bücher von Charlotte Link sind mitreißend und spannend.
von Susanne Fink, am 05.12.2010
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1 (S. 120-121)
Es war Februar, und ein kalter Wind wehte durch die Straßen von Berlin. Wer vor die Tür mußte, zog seinen wärmsten Mantel an, schlang wollene Tücher um den Kopf und band einen Schal vor Mund und Nase. Die Leierkastenmänner, die durch die Hinterhöfe zogen, trugen dicke Handschuhe, die Kinder, die hinter ihnen herliefen, hatten rote Nasen und blaue Lippen. Die Kohle war knapp und Holz ebenfalls schwer zu bekommen. Die Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften wurden täglich länger, und da und dort wurden bereits wieder die Stimmen der Sozialisten laut und mit ihnen die Stimmen der Kriegsmüden. 1916 - und noch kein Ende des Krieges in Sicht.
Elsa saß in einem Lehnstuhl im Wohnzimmer. Im Ofen brannte ein Feuer, aber es war nur klein, weil das Dienstmädchen die Kohlen sparsam nachlegte. Die Fensterläden knarrten im Wind. Elsa hatte einen breiten Mohairschal um ihre Schultern geschlungen und sah klein und wie zusammengefallen aus.
Ihr Bruder Leo, der am Bücherregal stand und angelegentlich die Titel auf den Buchrücken studierte, drehte sich zu ihr um. Zum hundertsten Mal an diesem Tag hatte Elsa das Gefühl, sie werde sich nie an seinen veränderten Anblick gewöhnen. Zu Leo gehörten welliges, viel zu langes, schütteres Haar, eine silberfarbene zweireihige Weste, ein dandyhafter Anzug und die unvermeidliche Papierrose am Revers. Dieser Leo nun, in der grauen Soldatenuniform und mit kurzgeschnittenen Haaren, wirkte so unglücklich, daß es einem das Herz zerreißen konnte. Ein Schauspieler, dem eine falsche Rolle zugeteilt war und der sich einen Abend lang, zur Qual der Zuschauer und zu seiner eigenen, bemühte, seinen Part auf irgendeine Weise über die Bühne zu bekommen. Es konnte ihm nicht gelingen. Für Uniformen war er nicht gebaut. »Ich an deiner Stelle würde zu Mutter nach Lulinn fahren«, sagte er, »du siehst so hungrig aus. Daheim kriegst du wenigstens genug zu essen. «
»Ach, Leo ...« »Ich weiß, Victor und Gertrud gehen dir auf die Nerven. Und die halslose Modeste. Aber Berlin ... ohne deine Familie wirkst du so verloren in der großen Stadt!« Er kniff sie zärtlich in die Nase. »Hör einmal auf deinen kleinen Bruder!« »Kleiner Bruder ...« Ihr Blick glitt wehmütig über seine Uniform und blieb am Gürtel mit der Pistole hängen. »So klein auch wieder nicht!« »Ja, nicht wahr, das Feldgrau verleiht mir Würde? Leopold Domberg, ergebener Diener Seiner Majestät des Kaisers!«
Er knallte die Hacken zusammen, hob grüßend die Hand an die Mütze. Sein stets etwas melancholischer, weicher Mund verzog sich zu einem gequälten Lächeln. Die schlaffen Wangen zuckten. Die tiefen Falten unter seinen runden Augen mit den hängenden Lidern traten an diesem Tag noch deutlicher hervor als sonst. Er schmiß sich in einen Sessel und legte die Beine auf den Tisch, eine Unart, die Elsa, wie er wußte, zutiefst mißbilligte, ihm aber stets mit einem zärtlichen, nachsichtigen Lächeln erlaubt hatte. »Daß die mich tatsächlich noch einziehen würden! Mich alten Mann! Ich hätte es im Leben nicht geglaubt!« »Du bist nicht alt. Noch keine Vierzig!«
»Ja, aber sieh mich an. Mein Leben lang war es mein Unglück, daß mich jeder niedliche Backfisch für eine antiquierte Ausgabe seines Vaters hielt, und das einzige Mal, wo mir meine Falten etwas nützen könnten, rechnen die kühl auf mein Geburtsjahr zurück und erklären mir dreist: 'Sie sind jung, stark und gesund, Domberg!' Ha, gesund! Die sollten sich mal meine Leber anschauen. Die hab' ich seit zwanzig Jahren keine Sekunde verschnaufen lassen! Na ja - ich verrecke sowieso mal am Alkohol«, setzte er düster hinzu.
»Nein. Wenn du zurückkommst, machst du eine Entziehungskur.« »Gott, Elsa, sag so was nicht! Ich werfe mich ja noch freiwillig vor eine Kanonenkugel. Weißt du, was das schlimmste ist? Daß sie mich nach Frankreich schicken! Ich soll auf Franzosen schießen, ich, Leopold! Ich liebe die Franzosen. Ich habe tausend Freunde in Frankreich. Jacques und Pierre und ich, wir haben Paris unsicher gemacht, und das war meine tollste Zeit!« Sein schwermütiges Gesicht erhellte sich. »Die schönen Pariser Frauen! Ich sage dir, Elsa, keine war vor uns sicher. Da gab es dieses Etablissement am Montmartre von Madame Daphne. Daphne hatte blondes Haar und einen Körper, der ...« Ein Blick auf das Gesicht seiner Schwester ließ ihn sich unterbrechen. »War jedenfalls eine verdammt schöne Frau«, vollendete er unbestimmt. »Du wirst sie eines Tages wiedersehen, Leo.« »Meinst du?