SPEED - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

von Florian Opitz

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SPEED - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

SPEED - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

von Florian Opitz

EAN: 9783641055554

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Weitere Artikelinformationen

Haben wir die Grenzen von Beschleunigung und Effizienz schon erreicht? Was kommt dann?
Unser Leben ist beschleunigt bis zum Anschlag. Die Technik, die seit der Erfindung der Dampfmaschine verhießen hat, uns ein immer bequemeres und genussreicheres Leben zu verschaffen, ist dabei, uns zu versklaven. Mit dem Takt, den globale Informationsübermittlung in Echtzeit über Handy, Blackberry und iPhone vorgibt, haben Menschen kaum noch die Chance mitzukommen. Wer treibt dieses Hamsterrad an, in dem wir alle leben? Und wo ist all die Zeit geblieben, die wir in den letzten Jahrzehnten durch immer ausgeklügeltere Technologien, Synergieeffekte und Effizienzmodelle gespart haben? Woher kommt dieser ständige Drang nach Beschleunigung überhaupt? Florian Opitz befragt und beobachtet Menschen, die sich, jeder auf seine Weise, mit dem rasenden Takt unseres Lebens arrangieren: eine Unternehmensberaterin, einen Informationsbroker, eine Krankenschwester, eine Pilotin, einen Burnout-Arzt, eine Bergbauernfamilie und viele mehr. So zeichnet er ein eindringliches Bild von den Hoffnungen und der Hilflosigkeit unserer Gesellschaft, etwas Sinnvolles aus der kostbaren Lebenszeit zu machen.

Produktdetails

ISBN-10: 3-641-05555-5
EAN: 9783641055554
Erschienen: 26.09.2011
Verlag: Riemann
Einband: EPUB
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1
Seitenzahl: 288
Erschienen bei: Riemann
Spieldauer: 753 KB
Kapitel: 0
Medium: EPUB
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Kundenrezensionen

  • Über die Kunst, ein zufriedenes Leben zu führen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Volker M., am 13.03.2012

    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    "Die Eliten, zu denen ich gehörte, sind völlig wertfrei. Der einzige Wert, der verfolgt wird, ist die Erhöhung des Eigenwertes."

    Diese Selbsterkenntnis kostete Rudi Wötzel einige Überwindung. Der ehemalige Investmentbanker ist ausgestiegen aus dem Hamsterrad der Gierigen und Getriebenen und will nun eine Almhütte in den Schweizer Bergen bewirtschaften, wo ihn Florian Opitz interviewt. Mit dem feinfühligen Gespür des Dokumentarfilmers, der Opitz eigentlich ist, dringt er in die Lebenswelt des Ex-Lehman-Brothers Angestellten ein und deckt behutsam die Widersprüche in dessen Persönlichkeit auf. Nicht anklagend. Manchmal stellt Opitz einfach nur eine Frage, die unbeantwortet bleibt. Außer, der Leser beantwortet sie selbst.

    Und da sind wir am entscheidenden Punkt, der dieses Buch so wertvoll macht: Es regt zum Nachdenken an, es nimmt sich Zeit zur Beobachtung und analysiert die Ursachen, die uns das kostbarste nehmen, was wir haben: Selbstbestimmt Lebenszeit. Der gewissenlose Investmentbanker ist nur ein Symptom, ein Beispiel. Es gibt viele weitere davon, die Opitz mit einer Mischung aus beobachtender Distanz und ungetrübter Neugier beschreibt, denn er selbst ist auch ein Opfer der gnadenlosen Zeitdiebe geworden und sucht in den Geschichten der anderen auch nach Lösungen für sich selbst. Im kleineren Maßstab ist bei Licht betrachtet fast jeder ein Opfer: Wir lassen uns fremdsteuern, hetzen von Termin zu Termin, gieren nach Statussymbolen, nach Macht über andere, Geld oder Einfluss. Und werden wir dabei wirklich glücklicher? Opitz bringt es auf den Punkt: Den Moment zu erkennen, wo ein Mehr an materiellen Gütern kein Mehr an Zufriedenheit bringt und seine Zukunftsplanung dann zu korrigieren, das ist der Schlüssel zu einem gut gelebten Leben. Diesen Punkt erreichen die meisten etwa mit 40 Jahren. Man nennt es Midlife-Crisis, aber wer diese nutzt, um sein Leben neu auszurichten, für den wird sie alles andere als eine Krise. Freunde, Familie, berufliche Entschleunigung bringen eine viel nachhaltigere Befriedigung als Rolex, Porsche und PlatinCard. Wer die Chance in der Krise nicht wahrnimmt, der riskiert ein Burn-out. Man muss ja nicht gleich total aussteigen und eine Schweizer Berghütte pachten.

    Ich hatte unterschwellig immer schon das Gefühl, dass die Welt des "höher, schneller, weiter" die Menschheit nicht wirklich weiterbringt, aber "Speed" hat mir noch einmal die Augen geöffnet. Opitz schreibt schnörkellos und ehrlich, und während man seiner Suche nach der verlorenen Zeit folgt, beginnt sich auch das eigene Leben bereits zu entschleunigen. Es ist ein wunderbares Buch, das zu Lesen sich lohnt. Für jeden.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

    ja nein

  • Über die Kunst, ein zufriedenes Leben zu führen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Volker M., am 13.03.2012

    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    "Die Eliten, zu denen ich gehörte, sind völlig wertfrei. Der einzige Wert, der verfolgt wird, ist die Erhöhung des Eigenwertes."

    Diese Selbsterkenntnis kostete Rudi Wötzel einige Überwindung. Der ehemalige Investmentbanker ist ausgestiegen aus dem Hamsterrad der Gierigen und Getriebenen und will nun eine Almhütte in den Schweizer Bergen bewirtschaften, wo ihn Florian Opitz interviewt. Mit dem feinfühligen Gespür des Dokumentarfilmers, der Opitz eigentlich ist, dringt er in die Lebenswelt des Ex-Lehman-Brothers Angestellten ein und deckt behutsam die Widersprüche in dessen Persönlichkeit auf. Nicht anklagend. Manchmal stellt Opitz einfach nur eine Frage, die unbeantwortet bleibt. Außer, der Leser beantwortet sie selbst.

    Und da sind wir am entscheidenden Punkt, der dieses Buch so wertvoll macht: Es regt zum Nachdenken an, es nimmt sich Zeit zur Beobachtung und analysiert die Ursachen, die uns das kostbarste nehmen, was wir haben: Selbstbestimmt Lebenszeit. Der gewissenlose Investmentbanker ist nur ein Symptom, ein Beispiel. Es gibt viele weitere davon, die Opitz mit einer Mischung aus beobachtender Distanz und ungetrübter Neugier beschreibt, denn er selbst ist auch ein Opfer der gnadenlosen Zeitdiebe geworden und sucht in den Geschichten der anderen auch nach Lösungen für sich selbst. Im kleineren Maßstab ist bei Licht betrachtet fast jeder ein Opfer: Wir lassen uns fremdsteuern, hetzen von Termin zu Termin, gieren nach Statussymbolen, nach Macht über andere, Geld oder Einfluss. Und werden wir dabei wirklich glücklicher? Opitz bringt es auf den Punkt: Den Moment zu erkennen, wo ein Mehr an materiellen Gütern kein Mehr an Zufriedenheit bringt und seine Zukunftsplanung dann zu korrigieren, das ist der Schlüssel zu einem gut gelebten Leben. Diesen Punkt erreichen die meisten etwa mit 40 Jahren. Man nennt es Midlife-Crisis, aber wer diese nutzt, um sein Leben neu auszurichten, für den wird sie alles andere als eine Krise. Freunde, Familie, berufliche Entschleunigung bringen eine viel nachhaltigere Befriedigung als Rolex, Porsche und PlatinCard. Wer die Chance in der Krise nicht wahrnimmt, der riskiert ein Burn-out. Man muss ja nicht gleich total aussteigen und eine Schweizer Berghütte pachten.

    Ich hatte unterschwellig immer schon das Gefühl, dass die Welt des "höher, schneller, weiter" die Menschheit nicht wirklich weiterbringt, aber "Speed" hat mir noch einmal die Augen geöffnet. Opitz schreibt schnörkellos und ehrlich, und während man seiner Suche nach der verlorenen Zeit folgt, beginnt sich auch das eigene Leben bereits zu entschleunigen. Es ist ein wunderbares Buch, das zu Lesen sich lohnt. Für jeden.

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Wie lange ist eigentlich eine Mikrosekunde? – Reuters und der Finanzmarkt (S. 94-95)

»Zeit ist Geld«: Die subtile Bedeutung und Sprengkraft dieser tausende Male gehörten und scheinbar abgegriffenen Gleichung war mir vor meiner Suche nach den Ursachen meiner und unserer Raserei überhaupt nicht klar. Wirtschaft und Wettbewerb tragen also einen erheblichen Teil dazu bei, dass die Welt immer schneller und uns allen die Zeit immer knapper wird. So viel steht fest. Doch ohne uns, die dieses Spiel mitmachen, ginge das natürlich nicht. Nicht nur im Rennsport hat Geschwindigkeit eben auch durchaus ihren Reiz. Nach meinem Treffen mit der Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler interessiert mich jetzt die Frage brennend, bei welchem Tempo wir inzwischen eigentlich angekommen sind und wie weit sich das Rad überhaupt noch drehen lässt? Irgendwo muss es doch auch Grenzen der Beschleunigung geben, nur wo?

Um das herauszufinden, bin ich nach London geflogen, wo eines der Herzen der Finanzwelt schlägt. Am Canary Wharf in den Londoner Docklands, wo zu Zeiten des britischen Empire die Schiffe von den Kanarischen Insel anlegten, ist in den neunziger Jahren Londons neues Bankenviertel entstanden. Neben der Wallstreet der wohl wichtigste Handelsplatz der Welt. Hier werden jeden Tag unvorstellbare Summen umgewälzt, verdient und verbrannt. Sobald man aus der U-Bahn steigt, fallen einem hier sofort die gläsernen Bürotürme der Banken ins Auge. Ob Citigroup, Bank of America, Barclay’s Bank, Credit Suisse, Morgan Stanley oder die HSBC: Alle großen Finanzinstitute sind am Canary Wharf vertreten.

Diese Gegend ist gemeint, wenn man in Finanzkreisen von der Londoner City spricht und damit den europäischen Ableger der global operierenden Finanzindustrie meint: Spekulanten, Hedgefonds und Banken. Im Zentrum des Canary Wharf liegt mein Ziel, die europäische Zentrale von Reuters, der Firma, die 1850 gegründet wurde und sich seitdem einen Namen als weltweit bekannteste Nachrichtenagentur gemacht hat.

Genauer gesagt, ist es inzwischen die Zentrale von Thomson Reuters, wie das Unternehmen seit der Fusion mit dem kanadischen Medienkonzern Thomson eigentlich heißt. Bei Reuters arbeitet man tagtäglich emsig daran, die Grenzen des zeitlich Möglichen immer weiter zu verschieben. Man könnte es auch so formulieren: Reuters arbeitet an der Abschaffung von Raum und Zeit, an der weltweiten »Vergleichzeitigung«, am ewigen Jetzt. Auch bei Reuters hat es eine Weile gedauert, bis sich jemand bereit erklärt hat, mir zu erklären, was Reuters denn eigentlich genau mit der Zeit anstellt.

Während ich von der U-Bahn-Station Canary Wharf zwischen den Bankentürmen hindurch zum Reuters-Gebäude laufe, fallen mir sofort zwei Dinge auf: die vielen gut angezogenen Menschen, die im Eilschritt an mir vorbeirauschen, und die zahlreichen Uhren, die wie eine Mahnung auf dem Platz stehen, dass Zeit Geld und deswegen nicht zu vergeuden ist. Auf der Außenfassade des halbrunden Reuters-Gebäudes laufen auf einem elektronischen Schriftband permanent aktuelle Börsenkurse aus aller Welt. Neben dem Eingang der Zentrale steht ein gigantisch großes Display mit den neuesten Nachrichten und Börsenkursen aus aller Welt. Alle dreißig Sekunden unterbrochen von einer Tafel mit der Aufschrift: »Immer und überall dabei. Nachrichten in Echtzeit. Jetzt auch für iPhone und BlackBerry.

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