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von Jeremy Rifkin
EAN: 9783593400853
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Die zentrale These kapitalistischer Wirtschaftstheorie - die alte Logik, dass technologischer Fortschritt und Produktivitätszuwachs alte Jobs vernichten, aber auch genauso viele neue schaffen - trifft nicht mehr zu. Nach dem Crash der New Economy herrscht Rezession. Weltweit sind heute mehr als eine Milliarde Menschen arbeitslos oder unterbeschäftigt. Die Arbeitslosigkeit ist das drängendste Problem unserer Gesellschaft.
Jeremy Rifkin hat in seinem 1995 erschienenen Buch Das Ende der Arbeit detailliert aufgezeigt, wie im Zuge einer Dritten Industriellen Revolution Millionen von Arbeitnehmern durch effizienter und profitabler arbeitende Maschinen und Computer ersetzt werden. Seine schonungslose Analyse erweist sich heute mehr als zutreffend: die Realität hat seine Prognosen eingeholt oder sogar übertroffen.
In der erweiterten Neuausgabe betont der renommierte Vordenker die Lehren, die man aus den tumultartigen ökonomischen Entwicklungen der letzten Jahre ziehen kann. Er unterstreicht seine Analyse mit aktuellen Beispielen, erweitert seine Vorschläge zur Bewältigung der Jobkrise und zeigt neue Wege für die Zukunft der Beschäftigung auf.
Der Autor
Jeremy Rifkin ist streitbarer Intellektueller und Querdenker im besten Sinne. Er ist Gründer der Foundation on Economic Trends in Washington, D. C., und hält an der renommierten Wharton School Seminare zu aktuellen Entwicklungen in Wissenschaft und Technik und ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Nach dem großen Erfolg von Das Imperium der Rinder (1992), Das Ende der Arbeit (1995), Access (2000) und Die H2-Revolution (2002) ist er aus der intellektuellen Diskussion in Deutschland nicht mehr wegzudenken.
| ISBN-10: | 3-593-40085-5 |
|---|---|
| EAN: | 9783593400853 |
| Erschienen: | 01.01.2004 |
| Verlag: | Campus Verlag GmbH |
| Einband: | |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 2 |
| Seitenzahl: | 240 |
| Erschienen bei: | Campus Verlag GmbH |
| Spieldauer: | 776 KB |
| Kapitel: | 9 |
| Medium: |
Jeremy Rifkin, geboren 1945, ist Gründer und Vorsitzender der "Foundation on Economic Trends" in Washington. Mit seinen zeitkritischen Büchern bringt er die großen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Trends auf den Punkt. Sein Bestseller "Das Ende der Arbeit" wurde in sechzehn Sprachen übersetzt und löste internationale Debatten aus. Nicht minder bekannt ist Rifkin für seine kritischen Thesen zur Biotechnologie. In den USA gilt er als einer der bekanntesten und gefürchtetsten politischen Journalisten. Jeremy Rifkin ist als Regierungsberater tätig und unterrichtet an der renommierten Wharton School.
III Die arbeitslose Zukunft (S. 107-108)
1.Von der Landarbeit zur Gewebekultur
Landwirtschaft und Hightech haben in unserer Vorstellung nicht viel miteinander zu tun. Und doch sind gerade in diesem Wirtschaftssektor einige der erstaunlichsten Fortschritte gemacht worden. Während die technologisch bedingten Entlassungen in der Industrie und im Dienstleistungsbereich im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, verändert sich auch die moderne Landwirtschaft grundlegend, und auf der ganzen Welt stellt sich die Frage nach der Zukunft der Landarbeit.
Fast die Hälfte der Weltbevölkerung betreibt Landwirtschaft, und die meisten dieser Menschen leben noch fast genauso wie die Menschen der Jungsteinzeit vor über 6 000 Jahren. Jetzt aber droht - dank des wissenschaftlichen Fortschritts - das Ende der traditionellen Landwirtschaft. Bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts werden neue Techniken der Lebensmittelherstellung die bäuerliche Arbeit überflüssig machen. Die Konsequenzen für die 2,4 Milliarden Menschen, die auf ihr Land angewiesen sind, um überleben zu können, sind noch gar nicht abzusehen (Food and Agriculture Organization 1993: 332).
Die Mechanisierung der Landwirtschaft nahm ihren Anfang vor über hundert Jahren. 1880 brauchte es noch mehr als zwanzig Arbeitsstunden, um ein acre (oder 40,5 Ar) Getreide abzuernten, 1916 12,7 und weitere zwanzig Jahre später nur noch 6,1 Stunden (U. S. Department on Agriculture 1940: 63). Seit den 20er Jahren wurden Wirtschaftskrisen nicht mehr durch Missernten, sondern durch die landwirtschaftliche Überproduktion ausgelöst. Die Mechanisierung wurde als ein Triumph der Industriegesellschaft gefeiert, und einer der führenden Landwirtschaftsexperten der Zeit brüstete sich: »Wir bauen das Getreide hier nicht mehr an, wir stellen es her. [...] Wir sind keine Bauern oder Farmer mehr, sondern Produzenten.« (McWilliams 1942: 301-330)
Begonnen hatte es mit dem massengefertigten Eisenpflug, der den handgefertigten Holzpflug verdrängte. Der US-Amerikaner John Deere baute 1837 als erster einen Eisenpflug mit Stahlkante. Der schwere, feuchte Boden seines Heimatstaates Illinois ließ sich mit dem Gerät so leicht umpflügen, dass es bald als »singender Pflug« bezeichnet wurde. Während der 1850er Jahre stellte die John Deere Company mehr als 10 000 Pflüge jährlich her. Die leichteren Modelle machten es möglich, mit Pferden statt mit Ochsen zu pflügen, was die Arbeit der Farmer wesentlich beschleunigte (Cochrane 1993: 190, 195).
Ungefähr zur gleichen Zeit wurde in den USA die mechanische Mähmaschine eingeführt. Noch in den 1840er Jahren hatten die Farmer für die Ernte Sicheln und Sensen benutzt. Die von einem Pferd gezogene mechanische Mähmaschine verkürzte nun die Erntezeit um mehr als die Hälfte. Der Name des Erfinders, Cyrus McCormick, wurde bald zum Synonym für landwirtschaftliche Maschinen. Auch die Dreschmaschine fand große Verbreitung, und im Westen der USA gab es riesige Mähdrescher, die bis zu fünfzehn Tonnen schwer waren. Sie wurden von vierzig Pferden gezogen und schnitten das Getreide auf über zehn Metern Breite ab (ebd.: 195 f.).