Rezensent im Portrait
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Präzise und ausführlichRezension vom 19.06.2013Orchideen gehören zwar zu den schönsten und auffälligsten Blütenpflanzen in unserer Natur, aber man mag es kaum glauben: Aus Sicht der Artbestimmung gehören sie auch zu den komplizierteren. Die Phylogenetik hat für einige Gattungen geradezu undurchschaubare Verwandschaftsverhältnisse enthüllt. Der Autor Horst Kretzschmar hat die daraus resultierenden Probleme allerdings sehr pragmatisch und gleichzeitig wissenschaftlich begründet gelöst. Zum einen enthält das Buch einen klassischen Bestimmungsschlüssel auf Gattungsebene, sowie einen bebilderten Kurzschlüssel auf Artenebene.
Die Einleitung beschreibt den typischen Aufbau einer Orchideenblüte, einen Artenstammbaum und recht ausführliche Informationen zum Vegetationszyklus, mit Beispielen der sehr komplexen Bestäubungsverfahren. Ungewöhnlich, aber manchmal durchaus nützlich sind die Abbildungen der Fruchtstände von über 70 Orchideen, die für einige Arten sehr charakteristisch sind.
Den größten Anteil im Buch haben die ausführlichen Monografien aller Arten und ausreichend eindeutigen Varietäten. Sie enthalten jeweils mehrere Abbildungen der Wuchsformen und Blütencharakteristika, sowie je eine Verbreitungskarte auf der Basis von Messtischblättern. Die Verbreitungskarte basiert auf den Arbeiten des Arbeitskreises Heimische Orchideen von 2005, allerdings habe ich festgestellt, dass das Bundesgebiet offenbar nicht überall gleich sorgfältig untersucht wurde, denn in meiner Region sind mehrere Arten als "nach 1980 keine Nachweise" markiert, die definitiv hier noch vorkommen. Man sollte sich also nicht entmutigen lassen.
Neben einer Beschreibung der Artmerkmale finden sich auch Angaben zum Vegetationszyklus und der Ökologie. Sehr hilfreich sind in diesem Zusammenhang die sogenannten Zeigerwerte nach Landold, allerdings findet sich der Schlüssel zum Landoldschen System nicht auf S. 7, wie im Vorwort erwähnt, sondern auf der inneren Umschlagseite. Zeigerwerte charakterisieren die ökologischen Bedingungen der Standorte. Die Toleranzbereiche nach Landold sind im Buch nicht mit aufgenommen.
Besonders erwähnen möchte ich die sorgfältige Aufarbeitung der "schwierigen" Gattungen Dactylorhiza (Fingerwurz) und Epipactis (Stendelwurz). Hier wurde ganz besonders großer Wert auf die Darstellung der Charakteristika gelegt, um dem Leser eine möglichst genaue Artbestimmung zu ermöglichen. Kurze einleitende Kapitel beleuchten die besonderen Schwierigkeiten mit diesen Gattungen.
Das Thema Hybridisierung wird ausführlich besprochen und im Anhang finden sich sowohl Hybrid-Listen als auch Abbildungen von häufigeren und eher leicht zu identifizierenden Hybriden. In der Praxis denke ich aber, dass es dem Laien eher selten möglich sein wird, anhand dieser Informationen einen Bastard eindeutig zu bestimmen. Das gelingt ehrlich gesagt nicht einmal den Spezialisten immer überzeugend... Trotzdem ist dieser Teil gerade vor dem Hintergrund wichtig, dass man sich des Problems bewusst wird und auch die Variabilität der Elternarten besser einschätzen kann.
Der Index enthält sowohl die wissenschaftlichen als auch deutschen Artennamen.
Zusammenfassend ist der Kretzschmar das umfassendste und präziseste, an den Laien gerichtete Bestimmungsbuch für die Orchideen Deutschlands. Handlich und übersichtlich ist er ein sehr hilfreicher Exkursionsbegleiter.
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Handlich, faktenreich, anschaulich geschriebenRezension vom 17.06.2013Ich kenne keinen archäologischen Führer Roms, der in derart handlichem Format eine solche Informationsfülle liefert. Der Autor verfügt über ein geradezu enzyklopädisches Wissen (Stand der Ausgabe ist 2008) und verknüpft die archäologische Befundlage geschickt mit historischen Quellen der römischen Geschichte.
Die Orientierung im Buch ist leicht. Es gliedert sich in vier große Abschnitte, die sich jeweils mit Forum, Kapitol, Palatin, sowie den Kaiserforen und dem Tal des Kolosseums befassen. Neben Grundrissen einzelner Gebäude enthalten die Kapitel immer auch Übersichtskarten, um die Orientierung vor Ort zu erleichtern. Die Ausrichtung der Karten ist allerdings nicht immer gleich, sondern an das Seitenformat angepasst, sodass es in diesen Fällen manchmal schwer ist, sich den Anschluss an die anderen Übersichtskarten vorzustellen. Von den wichtigsten Gebäuden wurden perspektivische Rekonstruktionszeichnungen angefertigt. Ich hätte mir zwar davon noch mehr gewünscht, aber man kann das Buch auch überfrachten.
Auf den ersten Blick sind die Kapitel in mehrere "Rundgänge" eingeteilt, allerdings sollte man sich darunter keinen linearen Ablauf vorstellen, denn die behandelten antiken Gebäude erstrecken sich teilweise über heutige Straßen und Plätze hinweg. Ihre Reste liegen also mitunter weit voneinander entfernt, werden im Buch aber gleichzeitig abgehandelt. Es ist in solchen Fällen hilfreich, wenn man sich im Zentrum Roms schon ein wenig auskennt. Andererseits gibt es genügend Ruinen und Denkmäler, die auch heute noch einen guten Eindruck der alten Strukturen geben.
Sehr sinnvoll ist die Markierung von einzelnen Beiträgen mit Symbolen, die angeben, ob es sich um noch existierende (und damit zu besichtigende) Relikte, oder um historisch in diesem Abschnitt des Rundgangs belegte Denkmäler oder nicht mehr zugängliche Bereiche handelt. In der Zusammenschau mit den Übersichtskarten füllen sich auch diese Beiträge mit Leben.
Es ist überhaupt erstaunlich, wieviel Erkenntnisse aus überlieferten schriftlichen Quellen gewonnen werden können. So lassen sich eine große Anzahl von Ruinen im Zentrum Roms mit großer Sicherheit benennen und ihre Funktion und Aussehen sehr genau rekonstruieren.
Bei aller Begeisterung für den äußerst faktenreichen und anschaulich geschriebenen Führer ist doch ein Schuss Essig im Wein: Der Index, über den man zu einzelnen Denkmälern oder Personen Querinformationen zu bekommen hofft, ist den Herausgebern offenbar komplett durcheinandergeraten. Kaum eine referenzierte Seitenzahl stimmt. Das ist ein heute nicht mehr entschuldbarer technischer Lapsus, für den es einen Stern Abzug gibt.
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Sehr motivierendRezension vom 16.06.2013Man hält beim Umblättern unwillkürlich den Atem an. Ein Foto ist spektakulärer als das andere. Im Untertitel des Buches heißt es "Die besten Bilder internationaler Amateurfotografen", aber bei näherem Hinsehen merkt man schnell, dass diese Amateurfotografen fast alle mit dem gleichen Aufwand Fotos schießen und nachbearbeiten, wie die Profis. Und einige sind schlichtweg auch Profis, wie z. B. die Fotografin der wunderbar ästhetischen Watussi-Rinder auf dem Cover. Andere, wie der fotografierende Parkettleger Markus Reugels, sind international anerkannte Spezialisten auf ihrem Gebiet. Reugels macht seit vielen Jahren prämierte Highspeed-Aufnahmen von spritzenden Wassertropfen. Sehr viele der im zweiten 1x.com-Buch aufgenommenen Fotografen bieten ihr Portfolio auch im Internet an.
Was ich damit sagen will: Die Bilder in "Motivation" sind fast nie das Ergebnis von zufällig exzellenten Amateuraufnahmen, sondern die Auserwählten haben meistens hart dafür gearbeitet. Ihre Fotos sind ausnahmslos brillant, und wenn sie größtenteils tatsächlich von Amateuren stammen, so ist die Qualität eben doch uneingeschränkt professionell. Sie fangen immer einen ganz besonderen Augenblick ein, dessen Wirkung über das rein Visuelle weit hinausgeht. Gute Fotos erzeugen eben immer auch starke Emotionen.
Zu jedem Foto beschreiben die Autoren die Umstände, unter denen es entstand und die erforderliche Software-Nachbearbeitung. Die 1x.com-Juroren haben dabei darauf geachtet, eine möglichst unterschiedliche Auswahl zu treffen, um viele Techniken und Bildästhetiken vorzustellen. Die technischen Informationen sind allerdings knappgehalten und beschreiben eher ein Arbeitsprinzip und nicht jede einzelne Filtereinstellung. Das Buch ist also kein klassisches Praxis-Lehrbuch mit Schritt-für-Schritt-Beispielen.
Vor allem bei den Natur- und Reportagefotografien ist neben der guten Ausrüstung vor allem der richtige Moment entscheidend. Auch wenn es so aussieht, aber das Watussi-Foto vom Einband ist nicht in einem Studio entstanden, sondern in einem normalen Stall. Man muss Gelegenheiten erkennen und Chancen umsetzen. Das gelingt nur mit sehr viel Übung und Erfahrung und selbstverständlich auch mit ein wenig Glück. Wenn es so etwas wie eine Goldene Regel gibt, die man aus den Erfahrungsberichten der Autoren ableiten kann, dann wohl diese.
"Motivation" ist ein prachtvoller Bildband, der jedem ambitionierten Amateur die Tränen in die Augen treibt. Mehr Motivation, dieses Niveau auch selber einmal zu erreichen, kann man kaum ertragen. Aber manchmal kommt der Goldene Schuss ja völlig unerwartet...
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Regeln sehr gut erklärt, Beispiele zu anspruchsvollRezension vom 15.06.2013Architektonische Motive lassen sich, ohne dass man die Regeln der Perspektive kennt, kaum überzeugend auf Papier bannen. Wem so etwas irgendwann freihändig gelingt, der hat viel geübt. Aber die Regeln muss man eben kennen. David Sanmiguel, der Autor, hat schon einige Mal- und Zeichenlehrbücher verfasst und diesmal geht es ihm gezielt um die Perspektive. Erstaunlich viele Perspektivprobleme lassen sich mit einfachen Konstruktionsanleitungen lösen. Zwar kannte ich verschiedene Prinzipien schon (z. B. den Fluchtpunkt), aber Sanmiguel hat eine besonders didaktische Art, diese zu vermitteln. Auch widmet er sich bestimmten Problemfeldern sehr ausführlich, wie z. B. der Konstruktion von Gewölben, Säulenreihen oder Treppen. Aus der eigenen leidvollen Erfahrung weiß ich, dass gerade hier eine fehlerhafte Konstruktion das ganze Bild "schräg" aussehen lässt. Die sehr anschaulichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigen, wie einfach die dahinterliegenden Regeln sind. Wer sie kennt, der braucht irgendwann auch keine Hilfslinien mehr.
Nachdem der Autor die Regeln erklärt hat, geht es anschließend um die beispielhafte Umsetzung in verschiedenen Techniken. Kohle, Bleistift, Feder, Aquarell und verschiedene Kombinationstechniken. Vor- und Nachteile der jeweiligen Malmittel werden so leicht erkennbar.
Etwa die Hälfte des Buches füllen Übungsbeispiele, bei denen Sanmiguel alle Zwischenschritte im Foto festhält. Von der Konstruktion bis hin zur Ausführung in verschiedenen Techniken nähert er sich seinen Motiven systematisch. Hier muss ich allerdings Abstriche machen, denn der Aspekt der Konstruktion gerät in den Beispielen immer weiter in den Hintergrund und die gestalterischen Möglichkeiten gewinnen überhand. So findet sich kein ausgearbeitetes Beispiel für eine Konstruktion mit mehreren Fluchtpunkten oder wie man Personen perspektivisch korrekt in ein Bild einbindet. Stattdessen werden vom Buntstift bis zur lavierten Tuschezeichnung alle Techniken angerissen. Nur lernt man diese Techniken nicht an einem einzelnen Beispiel: Sanmiguel hat ja nicht umsonst ganze Bücher darüber geschrieben. Aus meiner Sicht hätte er besser daran getan, sich in den Beispielen wirklich auf die Umsetzung der Perspektivregeln zu konzentrieren und nicht auf die Verwendung verschiedener Malmittel. Das ist sicher anregend, aber bringt den Schüler letztlich nur wenig voran.
Unter dem Strich ist die Vermittlung der Regeln im theoretischen Teil didaktisch sehr gut gelöst (und einige seiner Tricks habe ich so noch nirgendwo gelesen), bei den Beispielen liegt mir der Fokus zu sehr auf "Show", ohne dass der Leser diese teilweise sehr anspruchsvollen Techniken ohne weitere Hilfe einfach umsetzen könnte.
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Wissenschaftliches MammutwerkRezension vom 14.06.2013Dieser Schmetterlingsatlas ist ein Mammutwerk, nicht nur an Umfang und Gewicht, sondern vor allem an Inhalt. Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist mustergültig und so umfassend, dass im wahren Sinn des Wortes keine Fragen offenbleiben. Ich möchte gleich mit den Steckbriefen beginnen, denn sie zeigen sehr eindrücklich, wie sorgfältig die Bearbeiter und ihre zahllosen Helfer vorgegangen sind: Neben den Abbildungen der Falter, meist in Ober- und Untersicht am lebenden Objekt, finden sich in vielen Fällen auch noch Fotos der Raupen an ihrer Futterpflanze. Sehr ausführliche Beschreibungen des Lebensraums und der Lebensweise geben erste Hinweise zur möglichen Bedrohung der Populationen. Zu jeder Art wird ein Balkendiagramm der Höhenverteilung und eines zur Flugzeit der Imagos (ausgewachsene Schmetterlinge) angegeben, die jeweils sehr ausführlich textlich ergänzt sind. Die Beschreibung der typischen Artmerkmale bedient sich, wie auch in allen anderen Beiträgen, der Fachsprache, die allerdings für den wissenschaftlich interessierten Laien in der Regel gut verständlich ist. Das verhältnismäßig kurze Glossar am Ende des Buches hilft relativ wenig und man sollte im Zweifel besser im Kapitel "Bau und Lebensweise der Tagfalter" nachschlagen, wenn Fachbegriffe zur Morphologie unbekannt sind. Neben einer textlichen Beschreibung des gesamten Verbreitungsgebiets, auch über Bayern hinaus, wird die regionale Verbreitung in Bayern mit Hilfe einer in Messtischblätter aufgeteilten Karte dargestellt. Jedes Messtischblatt enthält je vier Quadranten mit Fundpunkten, die über verschiedene Symbole auch Information zum historischen Bestandsverlauf enthalten. So lassen sich regionale Rückgänge gut visualisieren. Vermeintliche Populationszuwächse sind übrigens meistens das Resultat der besseren Kartierung ab dem Jahr 2000. Da eine regionale Bestandsentwicklung noch nichts über die eigentliche Individuenzahl aussagt, wird die Bestandsituation in Bayern immer noch einmal ausführlich im Text beleuchtet.
Neben den sehr ausführlichen Monografien ist die wissenschaftliche Begleitdokumentation ebenfalls hervorragend. Die ungeheure Datenmenge (eine halbe Million Nachweise vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart wurden ausgewertet) erlaubt tiefe Einblicke in die Ökologie der Schmetterlinge. Während manche Arten sehr klare Präferenzen für bestimmte Naturräume haben, sind andere eher unspezifisch in ihren Anforderungen. Die Autoren haben die charakteristischen Lebensräume als Gliederungsstruktur gewählt und dann alle neun Naturregionen in Bayern, die sich aus geologischen und geografischen Gemeinsamkeiten definieren, auf dieser Grundlage analysiert. Neben allgemeinen, überregionalen Effekten werden dann die lokalen Einflüsse untersucht und besonders schützenswerte Gebiete benannt. Für jeden Lebensraum haben die Autoren auch Listen zusammengestellt mit den wichtigen (d. h. stetigen) Schwerpunktarten.
"Tagfalter in Bayern" erfüllt höchste wissenschaftliche Anforderungen an Dokumentation und Präzision der Darstellung und ist auch für ernsthaft interessierte Laien ein äußerst spannendes Nachschlagewerk mit unzähligen Fakten, die in akribischer Kleinarbeit zusammengestellt wurden, wie es in diesem Umfang bisher nur für Baden-Württemberg vorliegt (dieses Buch ist aber leider vergriffen...). "Tagfalter in Bayern" ist wohlgemerkt kein klassischer "Schmetterlingsführer" oder als Begleiter auf dem Wanderausflug geeignet. Sehr wohl enthält es aber zahlreiche Empfehlungen für besonders schmetterlingsreiche Regionen und Naturschutzgebiete in Bayern, die sich für eigene Entdeckungen anbieten. So empfiehlt sich dieses wissenschaftliche Mammutwerk einem erfreulich breiten Nutzerkreis.
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Umfassender BestimmungsschlüsselRezension vom 13.06.2013Es stellt sich vielleicht die Frage, wozu man einen Bestimmungsschlüssel für die Flora Sachsens braucht, wenn es doch die "Flora von Deutschland" (Schmeil/Fitschen) gibt. Die Antwort ist schnell gegeben: Die Eindringtiefe ist erkennbar unterschiedlich. Während Schmeil/Fitschen Neophyten und Gartenflüchtlinge nur in sehr geringem Maße berücksichtigt, ebenso wie Bastardisierungen, sind gerade diese Teilbereiche ein besonderer Schwerpunkt in der Flora Sachsens. Auch sind schwierig zu bestimmende Gattungen und Artgruppen, wie Brombeeren oder Habichtskräuter, sehr ausführlich und umfangreich erfasst, allerdings sollte man wissen, dass "schwierige" Gruppen ihren Namen zu Recht tragen. Ohne Training mit einem Spezialisten wird man in der Regel kaum zu einer sicheren Identifizierung gelangen. Trotzdem ist der Schlüssel in der Flora Sachsens dem Schmeil/Fitschen in dieser Hinsicht zweifellos überlegen.
Nur der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass zur Benutzung auch dieser Exkursionsflora das taxonomische Fachvokabular vorausgesetzt wird. Es gibt zwar ein Glossar, das allerdings reine Textdefinitionen enthält und keine Unterstützung durch erläuternde Grafiken hat. Hier ist der Schmeil/Fitschen im Vorteil, dessen Konzept an dieser Stelle für den Ungeübten, der die Fachbegriffe nicht immer parat hat, hilfreicher ist. Im eigentlichen Schlüssel der Sachsenflora finden sich allerdings vereinzelt schematische Abbildungen zur Unterstützung (viele davon übrigens wieder aus dem Schmeil/Fitschen übernommen ).
Die Verbreitungsinformationen der Taxa sind verständlicherweise regional viel feinteiliger als in der Flora von Deutschland und wurde gegenüber dem "alten" Wünsche/Schorler aktualisiert. Auch sind taxonomische Neuordnungen behutsam umgesetzt und entsprechen dem derzeitigen gesicherten Stand der Forschung. Synonyme älterer Bezeichnungen werden weiterhin mitgezogen, was den teilweise dramatischen Umgruppierungen geschuldet ist, die eine Orientierung manchmal etwas erschweren, wenn man z. B. im Schlüssel auf Familienebene einsteigt. Taxonomisches Wissen veraltet in letzter Zeit leider ziemlich schnell, aber das ist natürlich dem Schlüssel nicht anzulasten. Zeigerwerte sind nicht aufgenommen, was aus meiner Sicht für die Zukunft wünschenswert wäre - wenn dadurch nicht langsam der Umfang einer Exkursionsflora gesprengt wird. Das Buch ist schon relativ voluminös für den Feldeinsatz. Eine eBook-Version hätte da sicherlich einen erheblichen Zusatznutzen. Im Anhang befindet sich ein Register mit allen verwendeten wissenschaftlichen und deutschen Pflanzennamen.
Die "Flora Sachsens" ist aus meiner Sicht der derzeit umfassendste Bestimmungsschlüssel für (zumindest einen Teil von) Deutschland. Seine hohe Eindringtiefe auch in komplizierte Gattungen und Gruppen macht ihn zum nützlichen Nachschlagewerk auch für Regionen außerhalb Sachsens und schließt damit Lücken in anderen Bestimmungsbüchern. Die Überarbeitung des alten Wünsche/Schorler hat sich also in jeder Hinsicht gelohnt.
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Hilfreiches Spezialprogramm zur FotorestaurierungRezension vom 10.06.2013Retoucher ist ein Spezialprogramm zur Beseitigung von Kratzern, Rissen oder Beschädigungen von eingescannten Bildern. Des weiteren können mit dieser Software Sensorflecken oder unerwünschte Objekte wie z.B. Stromleitungen oder Personen aus Digitalbildern entfernt werden.
Installation:
Mit dem Kauf erhält man sowohl die Windows- als auch Mac-Variante als Stand-Alone-Version sowie ein Plug-In für Photoshop und Photoshop Elements.
Bedienung:
Die Bedienung ist denkbar einfach: Um ein Foto zu restaurieren oder retuschieren, wählt man die ungewollten Objekte aus und startet die Bearbeitung mit einem Mausklick. Wer bereits mit Bildbearbeitungsprogrammen gearbeitet hat, erkennt viele Symbole und Funktionen wieder: Radiergummi, Zauberstab oder Stempel, um hier nur einige zu nennen. Eine Kurzbeschreibung der jeweiligen Funktion wird in einem eigenen Bereich im Arbeitsbereich angezeigt. Es gibt übrigens zwei Modi: eine eingeschränkte Sicht für den Anfänger ("Express") und ein Modus mit der vollen Funktionalität für den fortgeschrittenen Anwender ("Erweitert").
Dateiformate:
Das Programm unterstützt viele Bildformate wie JPG oder TIFF, aber auch mit kameraspezifischen RAW-Formaten kommt das Programm zurecht. Wichtig zu wissen: Änderungen werden nicht in der RAW-Datei gespeichert, sondern wahlweise im TIFF, JPG, PNG oder BMP-Format.
Übrigens: Meine mit "Nikon Scan 4" im RAW-Format gescannten Dias konnte ich nicht öffnen und musste daher den Umweg über das JPG-Format gehen. Eigentlich schade und ich hoffe, dass der Hersteller dieses spezielle Scanner-RAW-Format in einem Update nachliefert, zumal Scans bei der Fotorestaurierung die Regel sind.
Funktionalität:
Mit wenigen Schritten sind Flecken, störende Objekte oder Risse beseitigt. Auch wenn viele Bildbearbeitungsprogramme über ähnliche Funktionalitäten verfügen, so geht der Retoucher mit seinen speziellen Funktionen und Einstellmöglichkeiten einen Schritt weiter und optimiert die Bilder deutlich zielgerichteter. Innovativ sind die sog. Bezugslinien, die der Software eine Orientierung über die Objekte im Raum geben (das Prinzip ist etwas schwer in Worte zu fassen...). So erkennt das Programm Strukturen, die es nicht einfach "glattbügeln" darf. Die Ergebnisse sind wesentlich überzeugender als bei der herkömmlichen Bildbearbeitung, vor allem, weil der Retoucher die Lichtverhältnisse in den rekonstruierten Bereichen simulieren kann. Das ist wirklich verblüffend. Etwas aufwendiger ist die Rekonstruktion von größeren Bildbereichen in sehr unruhigen Bildern. Da, wo sich Strukturen schematisch wiederholen ist das Bearbeiten dagegen kinderleicht und eindrucksvoll real. Es macht Spaß mit dem Programm zu arbeiten.
Leider können im Programm keine Farbstiche korrigiert werden, was bedauerlich ist, denn die kommen bei alten Fotos mindestens so häufig vor, wie Knicke oder Flecken. Farbstiche muss man dann mit anderen Programmen beseitigen.
Bei der Markierung von Objekten ist mir ein störender Fehler bzw. eine fehlende Funktionalität aufgefallen: Einmal schutzmarkierte Bereiche lassen sich nicht mehr "entmarkieren" und bleiben dauerhaft bis zum erneuten Laden vorhanden. Es gibt zwar mit "Zug zurück", die Möglichkeit die letzten Schritte der Reihe nach rückgängig zu machen, aber dann gehen auch gewollte Bearbeitungen verloren, wenn die Markierung weiter zurückliegt.
Fazit:
Retoucher ist hervorragend für die Retusche von Bildfehlern sowie zur Restaurierung von Fotos geeignet. Die übersichtliche Arbeitsoberfläche, die intuitive Bedienung und Spezialfunktionen helfen gerade dem Anfänger in wenigen Schritten schnell zu einem überzeugenden Ergebnis zu kommen. Zur Korrektur von Farbstichen muss man allerdings auf andere Programme ausweichen. -
Meisterwerk der PflanzenverwendungRezension vom 09.06.2013Normalerweise sind Sichtungsgärten nichts für den Muße und Erholung suchenden Besucher. Sie dienen eigentlich nur der Selektion von geeigneten Stauden und Gehözen unter Freilandbedingungen. Leider gibt es in Deutschland nur wenige Sichtungsgärten mit Schauwert, die gleichzeitig die Verwendung von Stauden in Kombination erforschen. Der Hermannshof ist unter diesen Schaugärten der jüngste (gegründet 1982) und der einzige, der hauptsächlich in privater Trägerschaft geführt wird. Hervorgegangen aus einem Anwesen aus dem 18. Jahrhundert, vereint der Garten zwei Welten: Die der Forschung und die der Gartenkunst, denn einige noch heute vorhandene Gehölze sind imposante, über 200 Jahre alte Veteranen, die dem Garten eine phantastische Struktur geben.
Das kleine Buch fokussiert sehr stark auf den Schauwert des Hermannshofs. In der kurzen Einleitung gibt Cassian Schmidt, als ehemaliger Leiter der Einrichtung, einen Überblick über Geschichte und Zielsetzung des Gartens. Und was dann folgt ist ein fotografisches Feuerwerk der perfekten Pflanzenverwendung. Die einzelnen Gartenbereiche (Gehölz und Gehölzrand, Freiflächen, Steppenheide und Felssteppe, Wasserrand und Wasser, sowie Beetpflanzungen) entwickeln sich im Laufe eines Jahres und geben immer neue Aspekte preis. Gerade diese "Serienbilder" zu verschiedenen Jahreszeiten dokumentieren die Meisterschaft der Gärtner. Karl Foerster hat einmal den Buchtitel "Es wird durchgeblüht!" verwendet. Im Hermannshof ist das Konzept perfekt umgesetzt, allerdings erweitert um den strukturgebenden Effekt von Gräsern und Blattschmuckstauden. Die hat Foerster übrigens auch immer propagiert...
Ein besonderer Schwerpunkt des Gartens sind die Staudenbeete und die im weitesten Sinn "prärieartigen" Pflanzungen. Die derzeitige Mode der pflegeleichten Präriegärten ging nicht zuletzt vom Hermannshof aus, der diesbezüglich immer noch Maßstäbe setzt.
Philippe Perdereau fängt die Stimmungen und Strukturen in wundervollen Bildern ein. Er zaubert mit dem Licht und begleitet den Leser auf einem Rundgang durch fünf verschiedene Gartenwelten und vier Jahreszeiten. Hinreißend schön!
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Das Leben findet immer einen WegRezension vom 08.06.2013Der Mathematiker Dr. Ian Malcolm sagt in Jurassic Park den bedeutungsvollen Satz: "Das Leben findet immer einen Weg". Mag die restliche Geschichte auch fiktional sein, der Satz stimmt zweifellos. Und wer es nicht glaubt, der sollte einen Blick in die Blu-Ray "Die Tricks des Überlebens" werfen. Er wird wohl aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Selten habe ich so eindrucksvoll die komplexen Mechanismen in der Natur dargestellt gesehen. Der technische Aufwand ist enorm, aber das Resultat ist den Aufwand in jeder Hinsicht wert. Ob in luftiger Höhe oder tief unter der Erde, ganz nah dran oder weit weg. Gestochen scharf und mit vielen Kamerafahrten, die auch ohne 3D eine wunderbare Räumlichkeit erzeugen, ziehen die Bilder den Zuschauer in ihren Bann. Ton und Bild sind absolut auf der Höhe der Zeit. Leider gibt es kein Bonusmaterial oder Making Of, das ich bei den früheren BBC Dokumentationen bisher immer sehr gelungen fand.
Die atemberaubenden Sequenzen sind aber nicht nur Selbstzweck, sondern zeigen Zusammenhänge, die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt und für die Forscher Jahrzehnte brauchten, um sie zu entschlüsseln. Ein besonders schönes Beispiel ist die Paranuss, deren Existenz mit einer Orchidee, einer Wildbiene und dem Aguti eng verknüpft ist. Gäbe es kein Aguti, stürbe der Paranussbaum aus, stirbt der Paranussbaum, verschwinden auch Wildbiene und Orchidee. Alles ist mit allem verbunden, und diese zahlreichen, wunderbar gewählten Beispiele aus Wald, Savanne und Wasser zeigen dem Zuschauer sehr eindrücklich, wie verletzlich alle Ökosysteme sind. Wer es bis jetzt noch nicht begriffen hat, der begreift es vielleicht dann: Wir Menschen wissen viel zu wenig über die Zusammenhänge, als dass wir entscheiden könnten, bei welcher Art ein Aussterben für uns bedeutungslos ist. Daher sind Dokumentationen wie diese so wichtig, denn sie zeigen deutlich, dass wir Lebensräume schützen müssen und nicht nur einzelne Arten (Stichwort: niedlicher Panda). Durch den Schutz der Lebensräume schützen wir nämlich das ganze System. Der Artenschutz stellt sich dann von ganz alleine ein.
Es ist eine wirklich wichtige Botschaft, die diese Blu-Ray vermittelt. Dass sie diese Botschaft in einmalig schöne Bilder packt, lässt hoffen, dass sie auch möglichst vielen Menschen im Gedächtnis bleibt. Denn die Komplexität macht nicht im Regenwald Halt. Ich habe dort nie einen Baum gefällt, aber ich tanke (zwangsweise) Biodiesel und nutze Waschmittel auf Palmölbasis. Dafür sind mit Sicherheit Regenwälder abgeholzt worden. Ja, es ist schwer, wenn nicht unmöglich, sich dem grundsätzlich zu verweigern, aber es müssen nur genug Wähler ein Bewusstsein dafür entwickeln, dann werden unsere Entscheidungsträger vielleicht irgendwann gezwungen, zu handeln. Eines ist klar, wenn man "Die Tricks des Überlebens" sieht: Das Leben wird noch lange auf dieser Erde existieren. Ob der Mensch dazugehören wird, hängt davon ab, dass wir nicht irgendwann eine irreversible Entscheidung fällen, die uns dauerhaft die Lebensgrundlage entzieht. Die Kausalketten reichen manchmal weit. Z. B. vom Aguti bis zur Orchidee. Und wer weiß, wie weit noch darüber hinaus.
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Zwischen Frustration und AufklärungRezension vom 07.06.2013Dass Raubgräber ein Problem für die Archäologie sind, ist wohl hinlänglich bekannt. Sie zerstören Fundzusammenhänge, die sich nie wieder rekonstruieren lassen und berauben damit die Wissenschaft um wertvolle Erkenntnisse. Wie wichtig auch Kleinfunde sein können, zeigt besonders der Beitrag von Michael Geschwinde in dem Begleitband zur Ausstellung "Raubgräber - Grabräuber" im Landesmuseum Oldenburg: Die Schlachtfeldarchäologie lebt geradezu vom Fundzusammenhang und kann bemerkenswerte Schlüsse aus Fundverteilungen ziehen. Nicht immer sind die Beiträge allerdings so lebendig und anschaulich wie der genannte. Viele Autoren bemühen sich so ausgiebig um juristisch korrekte Wortwahl, dass sich ganze Passagen wie der Kommentar zum BGB lesen. Das ist ermüdend, zumal sich die gleichen Argumente vielfach bei unterschiedlichen Autoren gebetsmühlenartig wiederholen. Diese oft unangenehm abgehobene, professorale Sprachwahl steht in seltsamem Kontrast zu der ebenfalls gestellte Forderung, dass archäologische Arbeiten für die Laienwelt besser verständlich dargestellt werden müssten, um ein Bewusstsein für das Problem in der Öffentlichkeit zu schaffen. So gelingt das auf jeden Fall nicht. Auch werden in Fachkreisen als bekannt vorauszusetzende Fakten beim Leser in einzelnen Beiträgen ebenfalls vorausgesetzt. Den "Kennenwick-Mann" als Beispiel für fehlgeleitete Grabungsgesetze zu erwähnen, ohne zu erklären, worum es sich dabei im Detail handelt, ist beispielsweise wenig hilfreich.
Nicht alle Beiträge sind so verkopft, dass man eher an theoretische Thesenpapiere als an den Laien gerichtete Hintergrundinformation denkt. Ganz ausgezeichnet und spannend zu lesen sind zum Beispiel die Kapitel zur nationalen Strategie der Grabraubprävention in Italien und Griechenland.
Wenn es etwas gibt, das sämtliche Beiträge durchzieht, wie ein roter Faden, dann ist es die erkennbare Frustration, dass zumindest in Deutschland Raubgräber in der Regel straffrei ausgehen, selbst wenn sie erwischt werden. Ausnahmen bestätigen die Regel, z. B. im Fall der berühmten Himmelsscheibe von Nebra (auch hierzu ein lesenswerter Artikel im Katalog). Dass die Landesarchäologen im Rheinland jahrelang geradezu blauäugig den Raubgräbern die Fundplätze koordinatengenau über die "Bonner Jahrbücher" mitteilten, ist da fast schon ein Treppenwitz der Geschichte.
Letztlich kommt man als Leser zu der Erkenntnis, dass immer schon die Förderung des Bewusstseins zum Umdenken geführt hat. Nur so hat sich die Archäologie von ihren Anfängen als reine Grabräuberei und Schatzsuche hin zu der interdisziplinären Wissenschaft entwickelt, die sie heute ist. Die vielen guten und wenigen schlechten Beispiele, wie man das Bewusstsein auch der allgemeinen Öffentlichkeit dafür schärfen kann, machen den Ausstellungsband dennoch zu einer überwiegend gelungenen Darstellung.

















