Falsche Bilder - Echtes Geld

Der Fälschungscoup des Jahrhunderts - und wer alles daran verdiente

von Tobias Timm, Stefan Koldehoff

Buch

gebunden (274 Seiten)

2. Auflage

Sprache: Deutsch

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Der gewiefte Coup eines Fälschers bringt die Kunstwelt ins Wanken.

Neues vom Fälscher: Ein Doku-Krimi voller pikanter Fakten enthüllt jetzt die ganze Wahrheit.
Kaum begonnen, ging der spektakulärste Kunstfälscherprozess Europas mit einem strafmildernden Deal auch schon zu Ende. 25 Jahre lang hatten der erfolglose Maler Wolfgang Beltracchi und seine Komplizen selbst gemalte Bilder als verschollene Kunstwerke großer Maler der Moderne (Max
Ernst, Georges Braque, Fernand Léger u. a.) ausgegeben und für Millionensummen verkauft. Quer durch den Kontinent waren ihnen Kunsthändler, Museen, Sammler und Experten
auf den Leim gegangen. Einige von ihnen durchaus willig, denn sie verdienten mit Beltracchis Bildern viel, viel Geld. Der Prozess zeigte bestenfalls die Spitze des Eisbergs aus Leichtgläubigkeit, Schludrigkeit und Geldgier in der Branche. 170 Zeugen wurden gar nicht erst gehört, tausende Seiten akribischer Ermittlungsarbeit blieben unbeachtet. In
einem Buch, das sich wie ein Krimi liest, liefert das Autorenduo Koldehoff/Timm nun nach, was im Prozess unter den Tisch fiel: Es rekonstruiert den Coup der Fälscherbande, ein kriminelles Bravourstück von großem Unterhaltungswert und erheblicher Dreistigkeit. Und die Autoren bringen erstmals in vollem Umfang ans Licht, wie es in der in honorige Händler und reine Geschäftemacher gespaltenen Kunstbranche
zugeht. Eine Branche, die dringend einen Verhaltenskodex braucht, denn Dutzende gefälschter Bilder kursieren dort noch immer.


Produktdetails

ISBN-10: 3-86971-057-8
EAN: 9783869710570
Erschienen: 08.05.2012
Verlag: Galiani Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 2. Auflage
Seitenzahl: 274
Länge/Breite: 215mm/135mm
Gewicht: 489 g
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Tobias Timm

Tobias Timm, geboren 1975, studierte Stadtethnologie, Geschichte und Kulturwissenschaften in Berlin und New York. Seit 2006 arbeitet er von Berlin aus für das Feuilleton der ZEIT, schreibt über Kunst, Architektur und den Kunstmarkt. Zuvor arbeitete er als Autor für die Süddeutsche Zeitung.

Stefan Koldehoff

Stefan Koldehoff, geboren 1967 in Wuppertal, hat nach einem Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Politikwissenschaft zunächst als freier Journalist für FAZ, taz und WDR gearbeitet. Von 1998 bis 2001 war er Redakteur und zuletzt stellvertretender Chefredakteur des Kunstmagazins ART in Hamburg. Heute arbeitet er als Kulturredakteur beim Deutschlandfunk in Köln.§

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Kundenrezensionen

  • Kunst am Abgrund Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Volker M., am 23.07.2012

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Es ist DER Kunstskandal der letzten hundert Jahre. Ein Betrug von bisher ungekanntem Ausmaß, mit List und krimineller Energie eingefädelt, ein mafiöses Netzwerk aus Fälschern, Gutachtern, Kunsthändlern, Museen und Auktionshäusern, die mal mehr, mal weniger bewusst ihre ahnungslosen Kunden hinters Licht führten. Kunden, die Millionen für angebliche Meisterwerke der klassischen Moderne zahlten.

    Als der Fall Beltracchi 2010 vor Gericht landet, ist das Medieninteresse entsprechend groß. 30 Jahre hat der Fälscher den internationalen Kunsthandel "bedient" und es ist bis heute unklar, wie viele von ihm gefälschte Bilder in Umlauf gerieten und wie hoch der Gesamtschaden eigentlich ist. Und dann endet der Prozess nach nur neun Verhandlungstagen mit einem windelweichen Vergleich. Alle Beteiligten hatten erkennbar kein Interesse daran, dass die kriminellen Strukturen des internationalen Kunsthandels in aller Öffentlichkeit diskutiert werden und so kommt ein geständiger Millionenbetrüger und seine Helfershelfer mit einer vergleichsweise milden Gefängnisstrafe davon. Dass hier ein Kölner Gericht zuständig war, hat zumindest ein "Geschmäckle".

    Stefan Koldehoff und Tobias Timm haben mit kriminalistischer Präzision die Fakten analysiert und in einen Abgrund aus Lügen und gezielten Vertuschungen geblickt. Geniale Selbstdarsteller, ahnungslose Handlanger, undurchsichtige Museumsdirektoren, eitle Experten geben sich die Klinke in die Hand und jeder hat ein bisschen mitverdient im großen Spiel. Aber keiner hat so abgesahnt wie Wolfgang Beltracchi, der sich protzige Villen in Frankreich und Freiburg errichten ließ. Sein medienwirksam vermarktetes Selbstbild als "Eulenspiegel" der Kunstszene bekommt angesichts der tatsächlichen Fakten mehr als nur ein paar Risse.

    Die Autoren nennen Namen und es sind einige darunter, die in der internationalen Kunstszene einen guten Klang haben. Oder muss man jetzt sagen: hatten? Keineswegs. Die Geschäfte laufen weiterhin glänzend, auch wenn vielleicht die Interessenten für Max Ernst in Zukunft doch lieber einen anderen Experten heranziehen, nachdem der bisherige offenbar keine einzige Beltracchi-Fälschung identifizierte. Man kann sicher sein, die Lücke wird bald gefüllt werden. Die Auktionshäuser setzen 2012 soviel um, wie nie zuvor.

    Stellenweise bekommt man den Mund nicht zu, wenn die Autoren die Dreistigkeit beschreiben, mit der die Fälscherbande Museumsleute für ihre Zwecke einspannt, Gutachter mit einem handschriftlichen Satz auf der Rückseite eines Fotos aus einem Stück Leinwand ein Millionenobjekt machen und Auktionatoren beide Augen zudrücken, auch wenn mehr als nur ein leichter Zweifel an der Echtheit eines Objekts besteht. Wenn auch nur die Hälfte der Angaben stimmt, müsste eigentlich der gesamte Kunsthandel kollabieren. Dem Kunsthändler seines Vertrauens sollte man zumindest ab jetzt sehr genau auf die Finger schauen. Große Namen finden sich in Koldehoff und Timms Bericht genauso wieder wie kleine Fische.

    Ein brillant recherchiertes Buch, vollgestopft mit Fakten, belegt durch Polizeiberichte und Zeugenaussagen, ein kriminalistisch analysiertes Netzwerk des organisierten Verbrechens. Atemberaubend und absolut desillusionierend.

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