Rezensent im Portrait

aus der Karibik

Gesamte Rezensionen
39 (ansehen)

Meine Rezensionen

  • Alles ist erleuchtet
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Unfassliches Thema - genial verarbeitet
    Rezension vom 22.04.2008
    Der Held" sucht jene Frau, die seinem Großvater das Leben gerettet hat. Was er findet, ist eine Reise durch die Zeit.
    All dies in der deprimierenden Stimmung einer düsteren Ukraine. Mit Hilfe des Dolmetschers Alex, dessen Großvater und einem Hund (dies ist in der Ukraine bereits ein Reisebüro) macht man sich auf den Weg.
    Dies alles könnte traurig, schrecklich, beängstigend, fürchterlich sein.
    Ist es auch.
    Es ist dem Autor zu verdanken, dass dies alles keine Abrechnung wird. Eine harte Geschichte, sensibel erzählt, mit viel Sprachwitz, auch in der wunderbaren Übersetzung von Dirk van Gunsten, und das der Hund Sammy Davis Jr. Jr. heißt, ist noch lange nicht das Skurrilste an der Geschichte.

    "Sie heißt Sammy Davis jr. jr."
    "Soll das ein Witz sein?"
    (...)
    "Er war Jude", sagte der Held.
    "Was?"
    "Sammy Davis jr. war Jude."
    "Das ist nicht möglich", sagte ich.

    Alles ist möglich in einem unfasslichen Buch.
    Und natürlich ist nicht alles erleuchtet..., aber sehr, sehr viel.
  • Eine sehr kleine Frau
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Eine sehr belesene Frau
    Rezension vom 09.04.2008
    Die Großmutter erzählt Geschichten.
    Große Geschichten, Sagen, kleine Anekdoten, Märchen, quer durch die Bank. Geschichten aus dem Leben, aus dem Leben in einer alten Stadt.
    Der Enkel, gerade aus Amerika zurückgekehrt, erinnert sich an die Spaziergänge, an die Geschichten der Großmutter, versucht die Plätze wieder zu finden. Wie soll das funktionieren? Es ist eine moderne Stadt geworden.

    "Heute Nachmittag also im zweiten Bezirk. In der Praterstraße bin ich vor dem Haus gestanden, in dem der Kohlenhändler Augustin Glück mit seiner Frau und seinen drei Töchtern gewohnt hat. Sein Geschäftsportal gibt es natürlich nicht mehr."

    Gibt es nicht mehr... Auch die geliebte Großmutter nicht mehr... klavierspielend... herzlich... offen... Aber doch gibt es die Großmutter... Manchmal ist man gezwungen, ein Buch zu schreiben... ein Buch voller Geschichten, voller Menschen mit all ihren Fehlern...

    Dear Peter Henisch, it will be another beautiful spring here in Vienna. And it's such a beautiful book...
  • Geständnisse eines Küchenchefs
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    mise en place
    Rezension vom 07.04.2008
    Na, da wird als Zusatztitel “Was sie nie über Restaurants wissen wollten“. Hmmm… - ich hätte mir ein ekeliges, abscheuliches Buch ausgemalt, Kakerlaken und Ratten in der Küche, die Brigade ähnlich...
    Aber nein, das passiert nicht und darum…
    Es ist nicht schlimm: Das Buch beschreibt den Alltag in der Gastronomie.
    Aber auch…
    Es ist schlimm: Das Buch beschreibt den Alltag in der Gastronomie.

    So gelingt Anthony Bourdain etwas, was nicht leicht ist. Die Mitarbeiter des Gewerbes können sich identifizieren, die Gäste bekommen Verständnis. Das kann nicht schaden, das ist gelungen.
    Die Stichworte der Gastronomie: Stress – Faszination – null Freizeit – Kreativität – Ausgebrannt – Freude – Demütigung – Sarkasmus – Alkohol – Drogen – Freude

    Und das Wichtigste ist und bleibt:
    Mise en place (französisch, deutsch in etwa “An den rechten Ort“ gestellt im Sinne von Vorbereitung) ist in der Gastronomie die Vorbereitung eines Arbeitsplatzes, sei es in der Küche, im Restaurant, auf der Etage oder an der Rezeption.
    Perfekte Mise en place-Arbeiten in den verschiedenen Räumlichkeiten und Bereichen sind eine wesentliche Voraussetzung für einen reibungslosen Servierablauf und erhöhen somit die Produktivität der Servicemitarbeiter bei gleichzeitiger Reduzierung des Stresses. Die Mise en place-Arbeiten hängen im Wesentlichen von der Mahlzeit oder der Veranstaltung ab.
    Copyright Wikipedea

    Ein Buch aus dem Leben, jedem zu empfehlen, der seinen Berufswunsch noch ändern will oder ein verrücktes Genie ist.
  • Das Wetter vor 15 Jahren
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv
    Ja schon..., aber...
    Rezension vom 03.04.2008
    Die Literaturbeilage interviewt den Autor.
    Und da wird der neue Liebesroman vorgestellt.
    Und da wird geplaudert.
    Über Wörter wird diskutiert – und über das Leben.
    Über das Leben jetzt und auch vor fünfzehn Jahren.
    Details werden interpretiert, erklärt, ausgelegt, begründet…

    Und dies alles ist seltsam verworren und gleichzeitig gut zu lesen, das Wetter damals vor fünfzehn Jahren, als das Unwetter über den Alpen aufzieht und damit das Schicksal seinen Lauf nimmt und eine Liebe sein vorläufiges Ende.

    “Literaturbeilage: Der Witz ist ja, dass einer aus dem Ruhrpott ausgerechnet in seinem Urlaubsort in den Alpen verschüttet wird.
    Wolf Haas: Na ja. Ich möchte jetzt nicht den Witz meines Buches erklären.“

    Na ja. Muss er ja auch nicht. Mir allerdings vielleicht ein ganz klein bisschen. Denn eigentlich ist die Idee des Aufbaus des Werkes – wie immer bei Wolf Haas – eine Hervorragende…, allerdings bleibt man nicht restlos befriedigt zurück.
    Irgendetwas fehlt – da möchte man jetzt aber auch nicht erklären.
  • Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Hoffen und Verzweifeln
    Rezension vom 31.03.2008
    Man stellt sich vor, dass es…
    …dem Autor nicht viel Mühe gemacht hat, dieses Buch zu schreiben…
    denn…
    …alles ist offensichtlich gewesen, ein Elfmeter für einen Schreiber, dieses Monopol der „Zeitung“, die Gläubigkeit der Menschen.

    Aber…
    Man stellt sich auch vor, dass es…
    …dem Autor eine Menge an Überwindung gekostet hat, dieses Buch zu schreiben…
    denn…
    …man schreibt hier gegen eine Mauer des Narzissmus, der Überheblichkeit und der Ignoranz.

    Was soll das bringen: Den Blinden die Augen zu öffnen – man sieht einen verzweifelten Heinrich Böll vor seinem Schreibtisch, der sich überlegt, was das soll. Er schreibt Selbstverständliches, für jeden mündigen Bürger zu jeder Zeit sichtbar – warum also…?

    Verzweiflung ist manchmal ein gutes Motiv und bringt große Werke hervor.

    Verzweiflung allerdings auch, wenn man sieht, wie wenig Bölls Werk bewirkt hat…
  • Mein Leben als Fälschung
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Wahrheit... oder...?
    Rezension vom 31.03.2008
    “Auf dem Deckblatt las ich den grimmig sarkastischen Titel:
    Mein Leben als Fälschung.
    Schwör mir, dass du es nicht verbrennst.
    Was ist es?
    Die menschliche Seele, sagte er.
    Ich dachte, er machte sich über sich selbst lustig. Was erwartete ich? Mit Sicherheit kein Kunstwerk.“

    Mit Sicherheit ein Kunstwerk, Peter Careys Führen auf falsche Fährten. Was hier ein letztes Zusammentreffen der beiden Rivalen, des Philosophen Christopher Chubb und seiner “Erfindung“ Bob McCorkle ist, gilt für das gesamte Buch: Die menschliche Seele! Da wird ergründet, erforscht, ermittelt, analysiert…, besser gesagt: Es wird versucht zu ergründen!
    Da hetzt die Herausgeberin einer Literaturzeitschrift einem längst verjährten Literaturschwindel hinterher – nicht so sehr aus Interesse, mehr aus Eigennutz und Gewinnsucht – stößt dabei auf ein großes Werk und scheint die Geschichte dahinter zu erfahren.
    Scheint zu erfahren…
    Denn…
    …was wird ihr erzählt…?
    Die Wahrheit? Eine Sicht der Wahrheit? Der nächste große Betrug?

    Große Literatur, die Peter Carey hier “dokumentiert?“, nicht immer einfach zu verfolgen, oft wechselt der Blickwinkel…, die Wahrheit…, man bleibt verwirrt.

    Und nicht umsonst stellt Carey ein Zitat aus Mary Shelleys “Frankenstein“ dem Buch voraus…, denn ein Monster scheint auch Chubb erfunden zu haben, ein Ungeheuer zerstört sein Leben, eine Jagd durch Australien und Asien ist die Folge, immer große Lyrik im Kopf, immer auch Verzweiflung.
    Immer seiner Wahrheit zu folgen ist vielleicht auch eine der vielen Aussagen des Buches, auch wenn sie dich am Ende verrückt – zumindest verwirrt – zurücklässt.

    Was soll man sagen:
    DER literarische Abenteuerroman…

  • Die Wand
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv
    Interpretationen
    Rezension vom 28.03.2008


    Man hat schon alles gehört, was in dieses Buch hineininterpretiert wurde.
    All dies mag stimmen, all dies hat seine Berechtigung und man will niemanden die Freude an dem Werk einer wirklichen Künstlerin ihrer Zeit nehmen.
    Dies jetzt also nur als eine Meinung zu nehmen, als Diskussionspunkt:

    Das Buch ist packend, fesselnd, faszinierend - auf den ersten Seiten.
    Man denkt sich - Wahnsinn..., hervorragend..., was geschieht weiter...

    Meiner bescheidenen Meinung passiert auf den restlichen Seiten - und dies sind viele - nichts...
    Und meiner Meinung wurde aus einer fantastischen Grundidee selten weniger gemacht.
    All dieses "NICHTS" kann man natürlich hervorragend interpretieren und dies wurde in allen Jahren zur Genüge getan - zu Recht vielleicht, ich persönlich habe nicht viel gefunden.

    Ohne jeden Abstrich allerdings Hochachtung vor Marlen Haushaufer und ihr mutiges, verzweifeltes Leben und vor allem für "Wir töten Stella".